Einleitung

Pembrolizumab (Handelsname Keytruda) ist seit September 2018 für Erwachsene mit einem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich zugelassen, die einen Rückfall haben oder bei denen der Krebs Absiedlungen (Metastasen) gebildet hat. Pembrolizumab kommt infrage, wenn die Krebszellen eine bestimmte Veränderung aufweisen, die zu einer verminderten Immunabwehr führt und eine platinbasierte Chemotherapie gegen den Krebs nicht ausreichend wirkt.

Zu den Kopf-Hals-Tumoren zählen Karzinome von:

  • Mundhöhle
  • Rachen
  • Kehlkopf
  • Nase und Nasennebenhöhlen
  • Hals
  • Schilddrüse

Meist entwickeln sie sich in der Haut oder Schleimhaut durch eine bösartige Veränderung der oberen Hautzellen (Plattenepithelkarzinom).

Die Beschwerden können je nach Lage des Krebses sehr unterschiedlich sein. Im Mund treten meist Schwellungen oder Geschwüre auf, während Rachentumore häufig Schluckbeschwerden verursachen. Ist der Kehlkopf betroffen, können zudem chronische Heiserkeit oder ein Fremdkörpergefühl im Hals auftreten. Ältere Menschen ab 60 Jahre erkranken häufiger.

Manche Kopf-Hals-Tumore weisen erhöhte Mengen des Proteins PD-L1 auf. Durch dieses Eiweiß wird die körpereigene Abwehr gegen die Tumorzellen geschwächt.

Pembrolizumab blockiert die Wirkung des vom Tumorgewebe hergestellten PD-L1- Proteins und soll so das Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Pembrolizumab wird als Infusion alle drei Wochen in die Blutbahn (intravenös) gegeben. Die Dosis beträgt 200 mg Pembrolizumab. Die Infusion dauert etwa 30 Minuten.

Die Therapie wird beendet, wenn zu starke Nebenwirkungen auftreten oder der Krebs voranschreitet.

Andere Behandlungen

Für vorbehandelte Erwachsene mit Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich kommen unterschiedliche, an die individuelle Situation angepasste medikamentöse Behandlungen infrage, zum Beispiel eine Chemotherapie mit Methotrexat oder eine Strahlentherapie. Möglich ist auch eine Operation.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, ob Pembrolizumab für bereits behandelte Personen mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich mit einer erhöhten Menge von PD-L1 Vor- oder Nachteile im Vergleich zu einer individuellen Therapie hat. Für die Bewertung legte der Hersteller dem IQWiG eine Studie mit wenigen Teilnehmenden (37 Personen) vor, die auf einige Fragen zumindest vorläufige Antworten gibt. In dieser wurden 16 Personen mit Pembrolizumab behandelt, 21 Personen erhielten Methotrexat. Die untersuchten Patientinnen und Patienten waren trotz der fortgeschrittenen Erkrankung in einem guten Allgemeinzustand. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Pembrolizumab?

Lebenserwartung: Hier deutet die Studie auf einen Vorteil für Pembrolizumab hin: In dieser Gruppe waren die Personen im Mittel (Median) nach 17 Monaten verstorben, während das mit Methotrexat bereits nach 6 Monaten der Fall war.

Welche Nachteile hat Pembrolizumab?

Immunvermittelte Nebenwirkungen: Als immunvermittelte Nebenwirkungen bezeichnet man Erkrankungen, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Bei diesen deutet die Studie auf einen Nachteil von Pembrolizumab hin. Während diese Nebenwirkungen bei der Behandlung mit Pembrolizumab im Mittel (Median) nach etwa 3 Jahren und 7 Monaten auftraten, war das bei den Personen mit Methotrexat erst später der Fall.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Bei den folgenden Krankheitsbeschwerden ließ sich in der kleinen Studie kein Unterschied nachweisen:

  • Erschöpfung
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schmerzen
  • Atemnot
  • Schlaflosigkeit
  • Appetitverlust
  • Verstopfung
  • Durchfall
  • Schluckprobleme
  • Gefühlsstörungen
  • Sprachprobleme
  • Zahnprobleme
  • Probleme beim Mundöffnen
  • Mundtrockenheit
  • klebriger Speichel
  • Husten
  • Krankheitsgefühl

Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Auch bei verschiedenen Aspekten der Lebensqualität wie beispielsweise der Bewältigung des Alltags oder Problemen mit sozialen Kontakten ließ sich kein Unterschied zwischen den Therapien nachweisen.

Schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Auch hier ließ sich kein Unterschied nachweisen.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Pembrolizumab (Keytruda).