Filgotinib (Jyseleca) bei rheumatoider Arthritis

Einleitung

Filgotinib (Handelsname Jyseleca) ist seit September 2020 in Deutschland zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis bei Erwachsenen zugelassen. Der Wirkstoff kann allein oder in Kombination mit Methotrexat (MTX) gegeben werden. Filgotinib kommt für Personen infrage, bei denen vorherige Therapien mit Antirheumatika nicht ausreichend wirksam waren oder von ihnen nicht vertragen wurden.

Bei einer rheumatoiden Arthritis sind mehrere Gelenke dauerhaft entzündet und können sich über Jahre verformen und versteifen. Auch die Muskelkraft nimmt mit der Zeit ab. Bei fortgeschrittenem Rheuma können Tätigkeiten im Alltag durch die steifen Gelenke schwerfallen. Auch andere Beschwerden wie Schmerzen und Abgeschlagenheit können sehr belastend werden.

Filgotinib gehört zu der Gruppe der Immunsuppressiva. Diese sollen bei rheumatoider Arthritis die lindern.

Anwendung

Filgotinib gibt es als Tablette in einer Dosierung von 100 oder 200 mg. Die empfohlene Dosis beträgt 200 mg täglich. Bei Patientinnen und Patienten ab 75 Jahren oder Personen mit einer schweren Nierenfunktionsstörung sollte die Tagesdosis auf 100 mg verringert werden.

Andere Behandlungen

Bei einer mittelschweren bis schweren rheumatoiden Arthritis werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt, um die Symptome zu lindern, die zu hemmen und die Funktion der Gelenke möglichst lange zu erhalten. Es wird zwischen einer Basistherapie und einer symptomatischen unterschieden:

Zur Basistherapie gehören die sogenannten klassischen krankheitsmodifizierenden Wirkstoffe wie Methotrexat, Leflunomid oder Sulfasalazin. Wenn die klassischen Wirkstoffe nicht mehr ausreichend helfen, werden biologisch oder synthetisch hergestellte krankheitsmodifizierende Wirkstoffe eingesetzt. Zu den Biologika zählen unter anderem Wirkstoffe wie Abatacept, Etanercept, Certolizumab Pegol, Golimumab, Adalimumab und Tocilizumab. Zudem kommt auch der synthetische Wirkstoff Tofacitinib infrage. Bei einer schweren rheumatoiden Arthritis kann auch Rituximab zur Anwendung kommen.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2020 geprüft, ob Filgotinib für Personen mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.

Der Hersteller legte nur für die Personen verwertbare Daten vor, die erstmalig mit einem biologischen oder synthetisch hergestellten krankheitsmodifizierenden Antirheumatikum behandelt wurden. Aus der vorgelegten Studie konnten für diese Fragestellung Daten von 802 Patientinnen und Patienten ausgewertet werden. 477 von ihnen erhielten 200 mg Filgotinib in Kombination mit Methotrexat (MTX), 325 Teilnehmende Adalimumab plus MTX.

Nach einem Jahr zeigten sich für Personen mit normaler Nierenfunktion oder leichter Nierenfunktionsstörung folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Filgotinib?

Remission der rheumatoiden Arthritis: Unter Remission versteht man, dass dauerhaft oder zumindest vorübergehend nahezu keine Beschwerden mehr bestehen. Nach ersten Schätzungen deutet die Studie auf einen Vorteil von Filgotinib plus MTX hin: In dieser Gruppe hatten knapp 30 von 100 Personen eine Remission, während dies bei Adalimumab plus MTX bei 23 von 100 Personen der Fall war.

Welche Nachteile hat Filgotinib?

Es zeigte sich kein Nachteil von Filgotinib plus MTX im Vergleich zu Adalimumab plus MTX.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Lebenserwartung: Hier gab es keinen Unterschied. Insgesamt verstarben 4 Personen.

Für die nachfolgenden Aspekte zeigte sich ebenfalls kein Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen:

  • Aktivität des Rheumas
  • Druckschmerzhafte oder geschwollene Gelenke
  • Körperliche Funktion
  • Schmerzen
  • patientenberichtete Einschätzung der Krankheitsaktivität
  • (Erschöpfung)
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
  • Schwere Nebenwirkungen
  • Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen
  • Infektionen und schwere Infektionen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Filgotinib (Jyseleca).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Filgotinib (rheumatoide Arthritis) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A20-90. 13.01.2021. (IQWiG-Berichte; Band 1023).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Erstellt am 15. Januar 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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