Fixkombination Lumacaftor / Ivacaftor (Orkambi) bei Kindern mit zystischer Fibrose (Mukoviszidose)

Einleitung

Die Fixkombination Lumacaftor / Ivacaftor (Handelsname Orkambi) ist seit Februar 2018 für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren mit Mukoviszidose zugelassen. Seit Januar 2019 dürfen auch Kinder zwischen 2 und 5 Jahren mit dem Medikament behandelt werden. Der Wirkstoff kommt infrage, wenn eine bestimmte Veränderung (F508del) im CFTR-Gen vorliegt (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator).

Die Mukoviszidose (von „mucus “, lateinisch: Schleim und „viscidus “, lateinisch: zäh, klebrig), auch zystische Fibrose genannt, ist eine erbliche . Sie entsteht durch einen Defekt im Gen des sogenannten CFTR (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator). Der Regulator beeinflusst den Salz- und Wasserhaushalt der schleimbildenden Drüsenzellen, beispielsweise in der Bauchspeicheldrüse, in den Bronchien und im Dünndarm. Bei einem Defekt ist der Schleim sehr zäh. In den kann der zähe Schleim nicht abgehustet werden, erschwert das Atmen und kann chronischen Husten verursachen. Im Schleim können sich zudem Bakterien ansiedeln und immer wieder Atemwegsinfektionen hervorrufen. Zähflüssige Verdauungssäfte schädigen die , verringern die Aufnahme für den Körper wichtiger Nährstoffe im Darm und fördern Mangelernährung und Untergewicht. Beschwerden einer Mukoviszidose treten bereits im Kindesalter auf.

Eine Mukoviszidose ist nicht heilbar. Die Fixkombination Lumacaftor / Ivacaftor soll die Funktion des CFTR verbessern, sodass der Schleim dünnflüssiger wird und sich die Beschwerden bessern.

Anwendung

Lumacaftor / Ivacaftor ist als Tablette und Granulat in jeweils 2 Dosierungen verfügbar:

  • Granulat mit 100 mg Lumacaftor / 125 mg Ivacaftor oder mit 150 mg Lumacaftor / 188 mg Ivacaftor
  • Tablette mit 100 mg Lumacaftor / 125 mg Ivacaftor oder mit 200 mg Lumacaftor / 125 mg Ivacaftor

Kinder zwischen 2 und 5 Jahren

Kinder zwischen 2 und 5 Jahren nehmen Lumacaftor / Ivacaftor alle 12 Stunden als Granulat vor oder nach einer fetthaltigen Mahlzeit ein. Durch das Fett werden die Wirkstoffe besser aufgenommen. Das Granulat wird unter eine kleine Menge eines Lebensmittels gemischt, zum Beispiel püriertes Obst, Fruchtjoghurt oder Milch. Das Lebensmittel darf höchstens Raumtemperatur haben, um den Wirkstoff nicht zu zerstören.

Die empfohlene Dosis hängt vom Körpergewicht des Kindes ab und beträgt für Kinder, die weniger als 14 Kilogramm wiegen, jeweils 1 Beutel Granulat mit 100 mg Lumacaftor / 125 mg Ivacaftor. Kinder, die 14 Kilogramm oder mehr wiegen, erhalten 1 Beutel Granulat mit 150 mg Lumacaftor / 188 mg Ivacaftor.

Kinder zwischen 6 und 11 Jahren

Kinder zwischen 6 und 11 Jahren nehmen Lumacaftor / Ivacaftor alle 12 Stunden als Tablette vor oder nach einer fetthaltigen Mahlzeit ein. Die empfohlene Dosis beträgt jeweils 2 Tabletten mit 100 mg Lumacaftor / 125 mg Ivacaftor. Die Tabletten werden unzerkaut geschluckt.

Andere Behandlungen

Für Kinder mit Mukoviszidose und F508del-Mutation kommt eine bestmögliche, unterstützende Behandlung infrage. Eine unterstützende Behandlung soll sich individuell am Patienten orientieren und beispielsweise Beschwerden wie Atemnot lindern sowie die Lebensqualität verbessern. Dazu gehören bei Lungeninfektionen, schleimlösende Medikamente, und eine angepasste Ernährung.

Bewertung

Kinder zwischen 2 und 5 Jahren

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2019 geprüft, ob Lumacaftor / Ivacaftor für Kinder zwischen 2 und 5 Jahren mit Mukoviszidose und F508del-Mutation im Vergleich zur bestmöglichen unterstützenden Vor- oder Nachteile hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Kinder zwischen 6 und 11 Jahren

Das IQWiG hat 2018 geprüft, ob Lumacaftor / Ivacaftor für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren mit Mukoviszidose und F508del-Mutation im Vergleich zur bestmöglichen unterstützenden Vor- oder Nachteile hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller eine Studie mit 204 Kindern in der Altersspanne vor. 103 Kinder wurden mit Lumacaftor / Ivacaftor behandelt, 101 Kinder erhielten ein (Scheinmedikament). Alle Kinder bekamen zusätzlich eine bestmögliche symptomatische . Die Behandlung dauerte 24 Wochen. Bei den Ergebnissen zeigt sich kein Vor- oder Nachteil durch die zusätzliche Einnahme von Lumacaftor / Ivacaftor.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Kein Kind verstarb in der Studienzeit.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: In beiden Gruppen brachen etwa 2 bis 3 von 100 Kindern die Therapien aufgrund von Nebenwirkungen ab.
  • Zudem zeigten sich ebenfalls keine Unterschiede bei:
    • Verschlechterung der Lungenerkrankungen
    • Atembeschwerden
    • Magen-Darm-Beschwerden
    • Gesundheitsbezogener Lebensqualität
    • Schweren Nebenwirkungen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Lumacaftor / Ivacaftor (Orkambi) für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren sowie für Kinder zwischen 2 und 5 Jahren.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Lumacaftor/Ivacaftor (zystische Fibrose) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A18-08. 27.04.2018. (IQWiG-Berichte; Band 620).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Lumacaftor/Ivacaftor (zystische Fibrose) – Addendum zum Auftrag A18-08. Auftrag A18-39. 10.07.2018. (IQWiG-Berichte; Band 643).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Lumacaftor/Ivacaftor (zystische Fibrose bei Kindern zwischen 2 und 5 Jahren) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A19-13. 13.05.2019. (IQWiG-Berichte; Band 768).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Aktualisiert am 15. Mai 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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