Brolucizumab (Beovu) bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD)

Einleitung

Brolucizumab (Handelsname Beovu) ist seit Februar 2020 für Erwachsene zur Behandlung der neovaskulären (feuchten) altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) zugelassen. Eine AMD ist eine altersabhängige Erkrankung des Auges. Diese entsteht durch eine Schädigung der , die im Auge das Bild in Nervensignale umwandelt. Eine AMD führt zunächst zum Verlust des sogenannten zentralen Sehens und kann zu einer sehr starken Sehbehinderung führen. Bei der fortgeschrittenen AMD werden zwei Formen unterschieden: Am häufigsten kommt die „trockene“ AMD vor, seltener ist die „feuchte“ AMD. Die medizinische Bezeichnung für die „feuchte“ AMD lautet „neovaskuläre“ AMD (neovaskulär = neue Blutgefäße betreffend).

Ursache der feuchten AMD sind neue Blutgefäße, die unterhalb der entstehen. Diese Gefäße können undicht werden, sodass Blut und Flüssigkeit in die sickern und die Zellen schädigen.

Der Wirkstoff Brolucizumab soll das Wachstum und die Neubildung neuer Blutgefäße hemmen und so einen Sehverlust verlangsamen und die Symptome verbessern.

Anwendung

Brolucizumab gibt es als Fertigspritze oder Injektionslösung. Der Wirkstoff wird in den Glaskörper des Auges gespritzt. Pro Anwendung werden 6 mg Brolucizumab verabreicht. Die ersten 3 Anwendungen finden in einem Abstand von 1 Monat statt. Alternativ kann 6 mg Brolucizumab alle 6 Wochen für die ersten 2 Dosen verabreicht werden. Danach richtet sich der Abstand nach dem Krankheitsverlauf. Der Erfolg der Behandlung sollte regelmäßig überprüft werden. Zeigt sich keine Besserung, sollte die abgebrochen werden.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten mit feuchter AMD kommen die Medikamente Ranibizumab oder Aflibercept infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2024 geprüft, ob Brolucizumab für Patientinnen und Patienten mit neovaskulärer (feuchter) altersabhängiger Makuladegeneration im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.

Der Hersteller legte hierzu eine geeignete Studie mit 734 Patientinnen und Patienten vor. Die eine Hälfte wurde mit Brolucizumab behandelt, die andere Gruppe mit Aflibercept. Die Teilnehmenden wurden bis zu etwa 8 Monate nachbeobachtet. Es zeigten sich für alle anderen Aspekte folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Brolucizumab?

Es zeigten sich keine Vorteile von Brolucizumab im Vergleich zu Aflibercept.

Welche Nachteile hat Brolucizumab?

Todesfälle: In der Gruppe mit Brolucizumab verstarben insgesamt 4 von 366 Personen (2 Personen starben an Herzerkrankungen und 2 in Zusammenhang mit Covid-19). In der Gruppe mit Aflibercept verstarb keine der 368 Personen.

Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil hin. Mit Brolucizumab brachen 5 von 100 Personen die ab. Mit Aflibercept war das bei knapp 1 von 100 Personen der Fall.

Augenentzündungen: Bei intraokularen Entzündungen zeigt die Studie einen Nachteil von Brolucizumab: Mit Brolucizumab traten diese bei 6 von 100 Personen auf. Mit Aflibercept war das bei 1 von 100 Personen der Fall.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Schwere Nebenwirkungen: Hier gab es keinen Unterschied zwischen den Therapien. In beiden Gruppen traten bei 8 bis 11 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf.

Sehschärfe: Hier zeigte sich ebenfalls kein Unterschied. Sie verbesserte sich in beiden Gruppen bei 36 bis 39 von 100 Personen.

Es zeigten sich ebenfalls keine Unterschiede bei:

  • Gesundheitszustand
  • gesundheitsbezogener Lebensqualität
  • schweren Augenentzündungen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Brolucizumab (Beovu).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Brolucizumab (neovaskuläre altersabhängige Makuladegeneration) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A23-101. 28.12.2023. (IQWiG-Berichte; Band 1695).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Brolucizumab (neovaskuläre altersabhängige Makuladegeneration) – Addendum zum Projekt A23-101; Projekt: A24-31. 12.04.2024. (IQWiG-Berichte; Band 1767); DOI 10.60584/A24-31.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Über diese Seite

Aktualisiert am 02. Mai 2024

Nächste geplante Aktualisierung: 2027

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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