Ivacaftor /Tezacaftor / Elexacaftor (Kaftrio) bei Mukoviszidose (zystische Fibrose)

Einleitung

Die Fixkombination Ivacaftor / Tezacaftor / Elexacaftor (Handelsname Kaftrio) ist seit August 2020 für Personen ab 12 Jahre mit Mukoviszidose zugelassen. Die Wirkstoffkombination kommt infrage, wenn die Erkrankung durch eine bestimmte Genveränderung ausgelöst wird.

Die Mukoviszidose (von „mucus“, lateinisch: Schleim und „viscidus“, lateinisch: zäh, klebrig), auch zystische Fibrose genannt, ist eine angeborene . Sie entsteht durch Mutationen in einem oder beiden CFTR-Genen (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator). Diese Mutationen führen dazu, dass in schleimbildenden Drüsenzellen das CFTR-Protein entweder fehlt oder nicht mehr richtig arbeitet. Das Protein regelt den Salz- und Wasserhaushalt. Betroffen sind zum Beispiel Zellen in der Bauchspeicheldrüse, in den der Lunge und im Dünndarm. Bei Mukoviszidose ist der Schleim sehr zäh. In den kann er nur sehr schwer abgehustet werden, erschwert das Atmen und kann chronischen Husten verursachen. Im Schleim können sich zudem ansiedeln und immer wieder Atemwegsinfektionen hervorrufen. Zähflüssige Verdauungssäfte schädigen die , verringern die Aufnahme für den Körper wichtiger Nährstoffe im Darm und fördern Mangelernährung und Untergewicht. Beschwerden einer Mukoviszidose treten bereits im Kindesalter auf.

Über 2000 verschiedene Mutationen des CFTR-Gens sind bekannt. Sie werden nach der Stelle im Gen benannt, an der die liegt. Die häufigste heißt zum Beispiel F508del.

Die Fixkombination Ivacaftor / Tezacaftor / Elexacaftor kommt für Personen mit Mukoviszidose infrage, bei denen

  • beide Exemplare des CFTR-Gens die F508del-Mutation aufweisen. Das bedeutet, die Patientinnen und Patienten sind homozygot für die F508del-Mutation.
  • ein Gen-Exemplar die F508del-Mutation aufweist und das zweite durch eine bestimmte andere , eine sogenannte Minimalfunktions-Mutation, beeinträchtigt ist. Patientinnen und Patienten, bei denen nur ein Exemplar des CFTS-Gens die F508del-Mutations aufweist sind heterozygot für die F508del-Mutation.

Tezacaftor und Elexacaftor sollen die Zahl an CFTR-Eiweißen erhöhen und Ivacaftor die Funktion des CFTR-Eiweiß verbessern, sodass der Schleim dünnflüssiger wird und sich die Beschwerden bessern.

Anwendung

Die Fixkombination Ivacaftor / Tezacaftor / Elexacaftor ist als Tablette verfügbar und wird morgens eingenommen: Es werden 2 Tabletten als Ganzes zu einer fetthaltigen Mahlzeit geschluckt. Eine Tablette enthält 75 mg Ivacaftor, 50 mg Tezacaftor und 100 mg Elexacaftor.

Zusätzlich zur Fixkombination wird mit einem Abstand von 12 Stunden eine Tablette Ivacaftor (150 mg) zu einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen.

Andere Behandlungen

Für Personen mit homozygoter F508del-Mutation kommt die Wirkstoffkombination Lumacaftor / Ivacaftor oder die Wirkstoffkombination Tezacaftor / Ivacaftor in Kombination mit Ivacaftor infrage.

Für Personen mit heterozygoter F508del-Mutation und einer Minimalfunktions-Mutation kommt eine bestmögliche, unterstützende Behandlung () infrage. Eine unterstützende Behandlung soll sich individuell an der Patientin oder dem Patienten orientieren und beispielsweise Beschwerden wie Atemnot lindern sowie die Lebensqualität verbessern. Dazu gehören unter anderem Inhalationstherapien, , schleimlösende Medikamente, und eine angepasste Ernährung.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2020 geprüft, ob die Fixkombination Ivacaftor / Tezacaftor / Elexacaftor in Kombination mit Ivacaftor für Personen ab 12 Jahre mit Mukoviszidose im Vergleich zur Standardbehandlung Vor- oder Nachteile hat.

Für Personen mit homozygoter F508del-Mutation legte der Hersteller keine geeigneten Daten zum Vergleich mit Lumacaftor / Ivacaftor oder mit der Wirkstoffkombination Tezacaftor / Ivacaftor in Kombination mit Ivacaftor vor. Ob die Fixkombination aus Ivacaftor / Tezacaftor / Elexacaftor in Kombination mit Ivacaftor hier Vor- oder Nachteile hat, bleibt deshalb unklar.

Für Personen mit heterozygoter CFTR-Mutation legte der Hersteller eine Studie vor: 201 Personen erhielten Ivacaftor / Tezacaftor / Elexacaftor in Kombination mit Ivacaftor und 204 Personen erhielten ein Scheinmedikament (). Alle Personen bekamen zusätzlich eine .

Nach etwa einem halben Jahr zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat die Fixkombination?

Atembeschwerden: Bei Atembeschwerden weisen erste Schätzungen auf einen Vorteil der Fixkombination.

Akute Krankheitsschübe der Atemwege: Erste Schätzungen deuten hier darauf hin, dass bei mit der Fixkombination behandelten Personen Krankheitsschübe seltener waren.

Krankenhausaufenthalte aufgrund von Krankheitsschüben der Atemwege: Auch hier deuten erste Schätzungen auf einen Vorteil der Fixkombination hin.

Gewichtsprobleme: Personen mit Mukoviszidose nehmen häufig ungewollt ab. Hier deuten erste Schätzungen für Patientinnen und Patienten ab 18 Jahren darauf hin, dass sie während der Einnahme der Fixkombination besser ihr Gewicht halten konnten. Für jüngere Personen zeigte sich kein Unterschied.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Erste Schätzungen deuten für die Aspekte Vitalität, Rollenfunktion, Essstörungen und subjektive Gesundheitseinschätzung auf einen Vorteil der Fixkombination hin. Außerdem deuten erste Schätzungen für Patientinnen und Patienten ab 18 Jahren für die Aspekte körperliches Wohlbefinden, soziale Einschränkungen und Therapiebelastung auf einen Vorteil der Fixkombination hin. Bei jüngeren Personen zeigte sich für die letztgenannten Aspekte kein Unterschied.

Welche Nachteile hat die Wirkstoffkombination?

Es zeigten sich keine Nachteile von Ivacaftor / Tezacaftor / Elexacaftor in Kombination mit Ivacaftor verglichen mit einem .

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Lebenserwartung: In der Studienzeit war keine Person verstorben.

Gefühlslage und Körperbild: Bei diesen Aspekten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigte sich kein relevanter Unterschied.

Zudem zeigte sich kein Unterschied bei:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • schweren Nebenwirkungen
  • Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Ivacaftor / Tezacaftor / Elexacaftor (Kaftrio) bei homozygoter F508del-Mutation und bei heterozygoter F508del-Mutation und Minimalfunktions-Mutation.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Ivacaftor (Kombination mit Ivacaftor/Tezacaftor/Elexacaftor; zystische Fibrose, ab 12 Jahre, F508del Mutation, homozygot) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A20-77. 2020. (IQWiG-Berichte; Band 1008).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Ivacaftor (Kombination mit Ivacaftor/Tezacaftor/Elexacaftor; zystische Fibrose, ab 12 Jahre, F508del Mutation, MF-Mutation, heterozygot) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A20-83. 2020. (IQWiG-Berichte; Band 1010).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Erstellt am 04. Januar 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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