Ipilimumab (Yervoy) in Kombination mit Nivolumab (Opdivo) bei fortgeschrittenem Lungenkrebs

Einleitung

Die Kombination der Wirkstoffe Ipilimumab (Handelsname Yervoy) und Nivolumab (Handelsname Opdivo) ist als Ersttherapie seit November 2020 für Erwachsene mit metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkrebs zugelassen. Sie werden mit anderen platinbasierten Chemotherapien kombiniert.

Lungenkrebs entsteht durch die bösartige Neubildung von Zellen der Atemwege () und ihrer Aufzweigungen, den Bronchiolen. Deshalb spricht man auch von einem Bronchialkarzinom. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Tumorarten:

  • das kleinzellige (englisch: small cell lung carcinoma, SCLC) und
  • das nicht kleinzellige (englisch: non small cell lung carcinoma, NSCLC).

Bei den nicht kleinzelligen Karzinomen unterscheidet man zudem je nach Ergebnis der Gewebeuntersuchung verschiedene Arten:

  • Plattenepithelkarzinome
  • Adenokarzinome
  • großzellige Karzinome

Ein nicht kleinzelliges wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist es jedoch schon zu groß oder es hat bereits über das Blut- oder Lymphsystem in anderen Körperregionen gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Lungenkrebs.

Der Tumor kann bei manchen Personen das Eiweiß PD-L1 produzieren. Fachleute unterscheiden zwischen Tumoren, bei denen mindestens 50 % der Tumorzellen PD-L1 aufweisen (PD-L1-positiv) und Tumoren, bei denen weniger als 50 % der Tumorzellen PD-L1 aufweisen (PD-L1-negativ). Diese Veränderungen führen zu unkontrolliertem Tumorwachstum und einer schlechteren Immunabwehr.

Sowohl Ipilimumab als auch Nivolumab sollen das Immunsystem aktivieren, den Krebs zu bekämpfen.

Anwendung

Ipilimumab und Nivolumab werden jeweils als verabreicht. Das heißt, dass die Wirkstoffe über einen Tropf in eine Vene gegeben werden. Nivolumab wird alle 3 Wochen und in Kombination mit Ipilimumab intravenös alle 6 Wochen gegeben. Die dauert etwa 30 Minuten. Die Behandlung wird beendet, wenn der Krebs weiter fortschreitet oder zu starke Nebenwirkungen auftreten.

Andere Behandlungen

Für Personen mit PD-L1-positivem Tumor kommt der Wirkstoff Pembrolizumab infrage.

Für Personen mit PD-L1-negativem Tumor kommen kombinierte Therapien unter anderem mit platinbasierten Chemotherapien wie Cisplatin oder Carboplatin in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie beispielsweise Vinorelbin oder Docetaxel infrage. Zudem kann auch Pembrolizumab als Kombination mit anderen Wirkstoffen infrage kommen.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2021 geprüft, ob Ipilimumab in Kombination mit Nivolumab für Personen mit metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkrebs im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller nur verwertbare Daten für Personen mit negativem PD-L1-Status vor. Es wurden 262 Personen mit Ipilimumab plus Nivolumab in Kombination mit 2 platinbasierten Chemotherapien behandelt, während die Vergleichsgruppe mit 235 Personen nur die platinbasierten Chemotherapien erhielt. Die Patientinnen und Patienten in der Studie waren trotz der fortgeschrittenen Erkrankung in einem guten Allgemeinzustand. Für diese Personen zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Ipilimumab plus Nivolumab?

Lebenserwartung: Hier gibt die Studie einen Hinweis auf einen Vorteil von Ipilimumab plus Nivolumab für Personen mit und für Personen ohne Hirnmetastasen:

  • Personen ohne Hirnmetastasen, die die zusätzliche mit Ipilimumab plus Nivolumab erhielten, waren im Mittel () nach etwa 15 Monaten verstorben. Ohne Ipilimumab plus Nivolumab war das im Mittel () nach etwa 11 Monaten der Fall.
  • Personen mit Hirnmetastasen, die die zusätzliche mit Ipilimumab plus Nivolumab erhielten, waren im Mittel () nach frühestens 12 Monaten verstorben, während das ohne Ipilimumab plus Nivolumab im Mittel () nach etwa 8 Monaten der Fall war.

Schwere : Hier deutet die Studie auf einen Vorteil von Ipilimumab plus Nivolumab für Personen mit einem nicht plattenepithelialen Tumor hin. Für Personen mit plattenepithelialem Tumor zeigte sich hingegen kein Unterschied zwischen den Gruppen.

Welche Nachteile hat Ipilimumab plus Nivolumab?

Schwere Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil der zusätzlichen mit Ipilimumab plus Nivolumab hin: In dieser Gruppe traten sie im Mittel () bereits nach etwa 5 Monaten auf. Ohne Ipilimumab plus Nivolumab traten sie erst nach etwa 11 Monaten auf.

Zu den schweren Nebenwirkungen gehören schwere Erkrankungen der Leber und der Gallenblase, schwere Erkrankungen der Haut, schwere hormonelle (endokrine) Erkrankungen, erhöhte Werte von Verdauungsenzymen (Lipase oder Amylase) sowie immunvermittelte schwere Nebenwirkungen. Bei immunvermittelten Nebenwirkungen greift das infolge der den eigenen Körper an.

Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil der zusätzlichen mit Ipilimumab plus Nivolumab hin.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Zu krankheitsbedingten Beschwerden und dem Gesundheitszustand zeigte sich in der Studie kein Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.

Welche Fragen sind noch offen?

Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität legte der Hersteller keine Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Ipilimumab (Yervoy) in Kombination mit Nivolumab (Opdivo).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Ipilimumab (nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, Kombination mit Nivolumab) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A20-116. 11.03.2021. (IQWiG-Berichte; Band 1073).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nivolumab (nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, Kombination mit Ipilimumab) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A20-118. 11.03.2021. (IQWiG-Berichte; Band 1074).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Ipilimumab (NSCLC) – Addendum zum Auftrag A20-116; Auftrag A21-56. 20.05.2021. (IQWiG-Berichte; Band 1120).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Nivolumab (NSCLC) – Addendum zum Auftrag A20-118; Auftrag A21-57. 20.05.2021. (IQWiG-Berichte; Band 1121).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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Aktualisiert am 09. Juni 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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