Pembrolizumab (Keytruda) bei metastasiertem Darmkrebs

Einleitung

Pembrolizumab (Handelsname Keytruda) ist seit Januar 2021 für Erwachsene mit Darmkrebs zugelassen. Es kommt für erwachsene Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Krebs des Dick- oder Enddarms infrage, bei denen im Tumorgewebe spezielle genetische Veränderungen nachgewiesen wurden und die noch keine gezielte gegen diese Veränderungen erhalten haben.

Darmkrebs entsteht fast immer aus bestimmten (Adenomen). Das sind gutartige Wucherungen, die in der Darmschleimhaut wachsen. Die meisten Adenome bleiben klein und harmlos. Nur wenige verändern sich und können bösartig werden. Obwohl der Dünndarm wesentlich länger ist als der Dickdarm, entsteht Darmkrebs fast immer im Dickdarm () oder im Mastdarm (, auch Enddarm genannt). Bei diesen Krebsarten spricht man auch vom „kolorektalen “.

Darmkrebs verursacht anfangs oft keine Beschwerden und kann deshalb zunächst unbemerkt bleiben. Bei fortgeschrittenem metastasiertem Darmkrebs haben sich bereits Absiedlungen gebildet, sodass eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich ist.

Pembrolizumab wird bei Darmkrebs mit einer Mikrosatelliteninstabilität oder einer gestörten Mismatch-Reparatur eingesetzt. Bei einer gestörten Mismatch-Reparatur (mismatch repair deficiency, dMMR) werden durch Genmutationen Fehler beim Vervielfältigen der nicht mehr korrigiert. Infolge häufen sich im Tumorgewebe Mutationen, die bei der Gewebsuntersuchung als sogenannte hohe Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) erkannt werden können. In seltenen Fällen können die Veränderungen aber auch unabhängig voneinander auftreten.

Pembrolizumab soll die Aktivität des Immunsystems fördern und so das Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Pembrolizumab wird alle drei Wochen als in die Blutbahn (intravenös) gegeben. Die Dosis beträgt 200 mg Pembrolizumab. Die dauert etwa 30 Minuten.

Die wird beendet, wenn zu starke Nebenwirkungen auftreten oder der Krebs voranschreitet.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Darmkrebs, die erstmalig eine Krebstherapie gegen MSI-H oder dMMR erhalten, kommen, je nach Allgemeinzustand, Lage des Tumors, Vortherapien sowie Verträglichkeit des Wirkstoffs Bevacizumab, verschiedene Wirkstoff-Kombinationen in unterschiedlichen Dosierungen infrage. Die wird durch die Ärztin oder den Arzt individuell angepasst.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2021 geprüft, ob Pembrolizumab für Personen mit metastasiertem Darmkrebs mit MSI-H oder dMMR im Vergleich zu einer individuellen, durch die Ärztin oder den Arzt angepassten , Vor- oder Nachteile hat.

Der Hersteller legte eine Studie mit 307 Personen vor, die trotz der fortgeschrittenen Krebserkrankung in einem guten Allgemeinzustand waren. Davon erhielt die eine Gruppe mit 153 Personen Pembrolizumab, während die andere Hälfte eine allein oder in Kombination mit Bevacizumab oder dem Wirkstoff Cetuximab erhielt. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Pembrolizumab?

Schwere Nebenwirkungen: Die Studie deutet hier auf einen Vorteil von Pembrolizumab hin: Traten schwere Nebenwirkungen in dieser Gruppe im Mittel () nach 11 Monaten auf, war dies bei den Personen mit den Vergleichsbehandlungen bereits nach 2 Monaten der Fall. Darunter fielen beispielsweise Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems, Magen-Darm-Erkrankungen, Erschöpfung und Infektionen.

Auch bei Nebenwirkungen wie:

  • Schleimhautentzündungen
  • vermindertem Appetit
  • Nervenschmerzen
  • Nasenbluten
  • Haarausfall
  • schmerzhaften Schwellungen und Rötungen der Haut an Handflächen und Fußsohlen

deutet die Studie auf einen Vorteil von Pembrolizumab hin.

Welche Nachteile hat Pembrolizumab?

Immunvermittelte schwere Nebenwirkungen: Bei immunvermittelten Nebenwirkungen greift das infolge der den eigenen Körper an. Hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Pembrolizumab im Vergleich zu den individuellen Therapien hin.

Gelenkschmerzen: Auch bei diesen Nebenwirkungen deutet die Studie auf einen Nachteil von Pembrolizumab hin.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Lebenserwartung: In der Studienzeit von etwa 26-28 Monaten zeigte sich hier kein Unterschied, in beiden Gruppen waren 37 bis 45 von 100 Personen verstorben.

Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen: Auch hier zeigte sich kein Unterschied.

Welche Fragen sind noch offen?

Der Hersteller legte zu Beschwerden, Gesundheitszustand und gesundheitsbezogener Lebensqualität keine verwertbaren Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Pembrolizumab (Keytruda).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Pembrolizumab (Kolorektalkarzinom mit MSI-H oder dMMR) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A21-36. 29.06.2021. (IQWiG-Berichte; Band 1144).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Pembrolizumab (Kolorektalkarzinom mit MSI-H oder dMMR) – Addendum zum Auftrag A21-36; Auftrag A21-105. 27.08.2021. (IQWiG-Berichte; Band 1185).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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Aktualisiert am 17. September 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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