Tofacitinib (Xeljanz) bei rheumatoider Arthritis

Einleitung

Der Wirkstoff Tofacitinib (Handelsname Xeljanz) ist seit März 2017 für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis zugelassen. Er kommt für Patientinnen und Patienten infrage, bei denen vorherige Therapien nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden.

Bei einer rheumatoiden Arthritis sind mehrere Gelenke dauerhaft entzündet und können sich über Jahre verformen und versteifen. Auch die Muskelkraft nimmt mit der Zeit ab. Bei fortgeschrittenem Rheuma können Tätigkeiten im Alltag durch die steifen Gelenke schwerfallen. Auch andere Beschwerden wie Schmerzen und Abgeschlagenheit können sehr belastend werden.

Tofacitinib gehört zu einer Klasse von Medikamenten, die allein oder in Kombination mit Methotrexat die Entzündungen bessern und Beschwerden lindern sollen.

Anwendung

Tofacitinib wird zweimal täglich in einer Dosierung von je 5 mg als Tablette eingenommen. Der Wirkstoff wird mit Methotrexat kombiniert. Wenn Methotrexat nicht infrage kommt, kann Tofacitinib auch als Einzeltherapie genommen werden.

Andere Behandlungen

Bei einer mittelschweren bis schweren rheumatoiden Arthritis werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt, um die Symptome zu lindern, die entzündlichen Prozesse zu hemmen und die Funktion der Gelenke möglichst lange zu erhalten. Es wird zwischen einer Basistherapie und einer symptomatischen unterschieden:

Zur Basistherapie gehören die sogenannten klassischen krankheitsmodifizierenden Wirkstoffe wie Methotrexat, Azathioprin, Leflunomid oder Sulfasalazin. Wenn die klassischen Wirkstoffe nicht mehr ausreichend helfen, kann die Basistherapie auf biologisch hergestellte Wirkstoffe () umgestellt werden. Zu ihnen zählen unter anderem Wirkstoffe wie Abatacept, Etanercept, Certolizumab pegol, Golimumab, Adalimumab und Tocilizumab. Bei einer schweren rheumatoiden Arthritis kann auch Rituximab infrage kommen.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2018 geprüft, ob Tofacitinib für Personen mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Für diesen Vergleich legte der Hersteller Daten aus zwei Studien vor. Bei den Patientinnen und Patienten hatte eine Behandlung mit Methotrexat die Beschwerden nicht ausreichend verbessert, sodass eine erstmalige mit infrage kam. Insgesamt konnten die Daten von etwa 1070 Patientinnen und Patienten ausgewertet werden. Die eine Hälfte erhielt Tofacitinib, die andere Hälfte Adalimumab. Alle Teilnehmenden erhielten zusätzlich Methotrexat. Nach einem Jahr zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vor- oder Nachteile hat Tofacitinib?

  • Es zeigten sich keine Vor- oder Nachteile von Tofacitinib im Vergleich zu Adalimumab.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Remission der rheumatoiden Arthritis: Unter Remission versteht man, dass dauerhaft oder zumindest vorübergehend nahezu keine Beschwerden mehr bestehen. Es zeigte sich kein Unterschied. Eine Remission trat in beiden Gruppen bei etwa 15 von 100 Personen auf.
  • Schwere Nebenwirkungen: Auch hier zeigte sich kein Unterschied. In beiden Gruppen traten bei etwa 10 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: In beiden Gruppen brachen etwa 10 von 100 Personen die Therapien aufgrund von Nebenwirkungen ab.
  • Es gab ebenfalls keinen Unterschied zwischen Tofacitinib und Adalimumab bei:
    • Rückgang der Krankheitsaktivität
    • der Anzahl der geschwollenen oder druckschmerzhaften Gelenke
    • gesundheitsbezogener Lebensqualität
    • Gesundheitszustand
    • Schmerzen
    • Erschöpfung
    • körperlicher Funktion
    • Infektionen und schweren Infektionen

Welche Fragen sind noch offen?

  • Zu Schlafproblemen legte der Hersteller keine verwertbaren Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Tofacitinib (Xeljanz).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Tofacitinib (rheumatoide Arthritis) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A18-28. 27.07.2018. (IQWiG-Berichte; Band 652).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Tofacitinib (rheumatoide Arthritis) – Addendum zum Auftrag A18-28. Auftrag A18-56. 04.10.2018. (IQWiG-Berichte; Band 673).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Tofacitinib (rheumatoide Arthritis) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A17-18. 28.07.2017. (IQWiG-Berichte; Band 525 ).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Tofacitinib (rheumatoide Arthritis) – Addendum zum Auftrag A17-18. Auftrag A17-43. 28.09.2017. (IQWiG-Berichte; Band 545).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Seite kommentieren

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise zu Beratungsangeboten finden Sie hier.

Aktualisiert am 09. November 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

So halten wir Sie auf dem Laufenden

Folgen Sie uns auf Twitter oder abonnieren Sie unseren Newsletter oder Newsfeed. Auf YouTube finden Sie unsere wachsende Videosammlung.