Brivaracetam (Briviact) bei Kindern mit Epilepsie

Einleitung

Brivaracetam (Handelsname Briviact) ist seit Februar 2022 als Zusatztherapie für 2- bis 3-jährige Kinder mit Epilepsie zugelassen.

Epileptische Anfälle werden durch eine gestörte Aktivität von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst. Die Anfälle äußern sich unter anderem durch Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen, Muskelzuckungen bis hin zu starken Krämpfen und Unwohlsein. Meist geht ein Krampfanfall innerhalb einiger Sekunden bis Minuten vorüber.

Je nach Ausbreitung werden fokale und generalisierte epileptische Anfälle unterschieden.

Fokale Anfälle bleiben auf einen kleinen Teil des Gehirns begrenzt: Muskelzuckungen oder -krämpfe betreffen nur einzelne Körperstellen. Fokale Anfälle können sich aber auch auf das gesamte Gehirn ausbreiten – man spricht dann von einer „sekundären Generalisierung“. Generalisierte Krampfanfälle sind nicht unbedingt schwerer als fokale Anfälle, führen aber häufiger zu Bewusstlosigkeit und Krämpfen im ganzen Körper.

Brivaracetam ist zur Behandlung von fokalen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung zugelassen. Der Wirkstoff beeinflusst die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn und soll so Krampfanfällen vorbeugen.

Anwendung

Brivaracetam ist verfügbar als:

  • Tablette (10, 25, 50, 75 oder 100 mg)
  • Lösung zum Einnehmen (10 mg/ml)
  • Injektions- oder Infusionslösung (10 mg/ml): Der Wirkstoff kann direkt in eine Vene gespritzt oder über einen Tropf gegeben werden.

Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht und wird individuell nach der Schwere der Anfälle und dem Auftreten von Nebenwirkungen angepasst.

Andere Behandlungen

Für Kinder mit fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung gibt es für die Zusatzbehandlung mehrere Alternativen, deren Einsatz von der individuellen Situation abhängt. Infrage kommen hierbei beispielsweise die Wirkstoffe Lamotrigin oder Topiramat.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2022 geprüft, ob Brivaracetam für 2- und 3-jährige Kinder mit fokalen epileptischen Krampfanfällen im Vergleich zu den individuell angepassten Therapien Vor- oder Nachteile hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangenen Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Brivaracetam (Briviact).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Brivaracetam (Epilepsie bei Kindern von ≥ 2 bis < 4 Jahren) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A22-32. 18.05.2022. (IQWiG-Berichte; Band 1363).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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Erstellt am 01. Juni 2022
Nächste geplante Aktualisierung: 2025

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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