Einleitung

Cabozantinib (Handelsname Cabometyx) ist seit November 2018 zur Therapie von Erwachsenen mit fortgeschrittenem Leberzellkrebs zugelassen, die zuvor mit dem Wirkstoff Sorafenib behandelt wurden.

Ein Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) entsteht durch bösartige Veränderungen von Leberzellen. Anfangs macht sich der Krebs meist nicht bemerkbar. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten häufig Beschwerden wie Übelkeit oder Appetitverlust auf. Große Tumore verursachen einen Druckschmerz im rechten Oberbauch. Außerdem kann der Bauch durch eine Flüssigkeitsansammlung anschwellen (Aszites). Folge des Tumors ist meist auch eine Leberzirrhose, bei der die Leber vernarbt und immer schlechter arbeitet. Ein Leberzellkrebs lässt sich nur schwer behandeln. Bei der Diagnose kann er bereits so stark gewachsen sein, dass eine Operation ihn nicht mehr heilen kann.

Cabozantinib blockiert verschiedene Proteine (Enzyme) und soll so das Tumorwachstum bremsen.

Anwendung

Cabozantinib ist in drei Dosierungen als Tablette verfügbar: 20, 40 und 60 mg. Die empfohlene Dosis beträgt einmal täglich 60 mg. Die Dosierung hängt von der Verträglichkeit und den Nebenwirkungen ab und kann von der Ärztin oder dem Arzt individuell angepasst werden. Die Therapie wird beendet, wenn der Krebs trotzdem fortschreitet oder zu starke Nebenwirkungen auftreten.

Andere Behandlungen

Für erwachsene Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkrebs kommt eine bestmögliche unterstützende Behandlung („Best Supportive Care“ oder BSC) infrage. Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2019 geprüft, ob Cabozantinib im Vergleich zu einer BSC Vor- oder Nachteile hat für Personen mit Leberzellkrebs, die bereits mit Sorafenib behandelt wurden.

Für diesen Vergleich legte der Hersteller eine Studie vor. In dieser wurden 512 Patientinnen und Patienten mit Cabozantinib behandelt, die andere Gruppe mit 261 Teilnehmenden erhielt ein Scheinmedikament (Placebo). Beide Gruppen bekamen zusätzlich eine BSC. Es wurden nur Personen einbezogen, bei denen auf Heilung abzielende Eingriffe wie eine Lebertransplantation oder eine Entfernung des Tumors nicht mehr infrage kamen und sich die Leberfunktion nur leicht verschlechtert hatte. Die Patientinnen und Patienten waren trotz der fortgeschrittenen Erkrankung in einem guten Allgemeinzustand. Für diese Personen zeigten sich in der Studie folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Cabozantinib?

Lebenserwartung: Hier gibt die Studie einen Hinweis auf einen Vorteil für Cabozantinib: In dieser Gruppe waren die Teilnehmenden im Mittel (Median) innerhalb von etwa 10 Monaten verstorben, mit einem Placebo war dies bereits innerhalb von 8 Monaten der Fall.

Welche Nachteile hat Cabozantinib?

  • Schwere Nebenwirkungen: Hier deutet die Studie auf einen Nachteil hin. Schwere Nebenwirkungen traten bei 84 von 100 Personen auf, die Cabozantinib nahmen, aber nur bei knapp 51 von 100 Personen, die ein Placebo erhielten.
  • Zu den schweren Nebenwirkungen gehörten unter anderem:
    • Erkrankungen des Nervensystems
    • Appetitminderung
    • Durchfall
    • Erschöpfung
    • Bluthochdruck
    • Hand-Fuß-Syndrom
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Die Studie weist auf einen Nachteil von Cabozantinib hin, denn 35 von 100 Teilnehmende dieser Gruppe brachen ihre Therapie hauptsächlich aufgrund schwerer Nebenwirkungen ab. In der Placebo-Gruppe waren es nur knapp 18 von 100 Personen.
  • Entzündung der Schleimhäute: Auch bei dieser Nebenwirkung deutet die Studie auf einen Nachteil von Cabozantinib hin.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Beim Gesundheitszustand zeigte sich kein Unterschied zwischen Cabozantinib und dem Placebo.

Welche Fragen sind noch offen?

Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Zur Frage der Lebensqualität legte der Hersteller keine Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Cabozantinib (Cabometyx).