Einleitung

Rilpivirin ist als Einzelwirkstoff (Handelsname Edurant) seit November 2011 für Erwachsene mit einer Infektion durch HIV Typ 1 zugelassen. Im November 2015 wurde die Zulassung auf Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren erweitert. Rilpivirin wird in Kombination mit anderen Wirkstoffen gegen HIV eingenommen, beispielsweise mit Emtricitabin und Tenofovir oder Zidovudin und Lamivudin. Es kommt für Patientinnen und Patienten infrage, die bisher keine anderen Medikamente gegen HIV angewendet haben.

Rilpivirin gibt es seit November 2011 auch als feste Kombination mit den beiden Wirkstoffen Emtricitabin und Tenofovir (Handelsname Eviplera). Die feste Rilpivirin-Kombination kommt für Erwachsene infrage:

  • die bisher keine anderen Medikamente gegen HIV angewendet haben.
  • die bereits Medikamente gegen HIV angewendet haben und bei denen das Virus keine Veränderungen aufweist, die es unempfindlich gegen die enthaltenen Wirkstoffe der Rilpivirin-Kombination macht.

HIV („Humanes Immunschwäche-Virus“) vermehrt sich in Zellen des Abwehrsystems und zerstört sie dabei. Ohne Behandlung wird bei den meisten Menschen mit einer HIV-Infektion mit der Zeit das Immunsystem so stark geschwächt, dass sie schwer erkranken. Dieses Stadium wird dann als „AIDS“ (deutsch: „Erworbenes Immunschwäche-Syndrom“) bezeichnet. Mit Medikamenten kann eine HIV-Infektion nicht geheilt werden. Die Behandlung kann jedoch Menschen mit einer HIV-Infektion offenbar jahrelang davor schützen, dass es zu einer Immunschwäche kommt. Allerdings können die Medikamente mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, dann beginnen sich die Viren wieder stärker zu vermehren.

Wie aktiv HIV ist, kann an der sogenannten Viruslast gemessen werden: Dazu wird die Zahl von Virenbestandteilen in einer Blutprobe bestimmt. Rilpivirin ist für Personen zugelassen, die zum ersten Mal eine gezielt gegen die Vermehrung der Viren gerichtete Therapie beginnen und bei denen sich maximal 100.000 Virenbestandteile pro Milliliter im Blut nachweisen lassen. Wenn Medikamente sinnvoll miteinander kombiniert werden, können sie die Vermehrung des Virus so stark hemmen, dass es nicht mehr nachweisbar ist.

Eine Reihe von Medikamenten nutzt aus, dass HIV zu seiner Vermehrung ein eigenes Enzym benötigt, die sogenannte Reverse Transkriptase. Verschiedene Wirkstoffe blockieren dieses Enzym, indem sie es an unterschiedlichen Stellen angreifen. Auch Rilpivirin hemmt die Reverse Transkriptase.

Anwendung

Rilpivirin (Edurant) wird einmal am Tag als Tablette zu einer Mahlzeit eingenommen. Eine Tablette enthält 25 Milligramm Rilpivirin.

Eine Tablette mit der Rilpivirin-Kombination (Eviplera) enthält 25 Milligramm Rilpivirin, 200 Milligramm Emtricitabin und 245 Milligramm Tenofovir.

Andere Behandlungen

Als Standardtherapie kommt für Erwachsene, die eine erste Therapie gegen HIV beginnen, Efavirenz in Kombination mit anderen Medikamenten wie Emtricitabin und Tenofovir infrage. Für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren kommt eine Kombination von Efavirenz, Abacavir und Lamivudin infrage.

Patientinnen und Patienten, die bereits Medikamente gegen HIV angewendet haben, erhalten in der Regel eine individuelle Therapie gegen HIV. Diese berücksichtigt, welche Behandlungen bereits versucht und warum diese abgesetzt wurden. Es ist beispielsweise möglich, dass die vorige Behandlung nicht wirkte oder Nebenwirkungen auslöste.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Rilpivirin in Kombination mit verschiedenen Wirkstoffen bei Personen mit einer Infektion durch HIV Typ 1 im Vergleich zu den bewährten Standardtherapien hat. Das Institut hat dabei Vor- und Nachteile für folgende Gruppen von Patientinnen und Patienten bewertet:

  • Erstbehandlung Erwachsener: Rilpivirin (Edurant) in Kombination mit verschiedenen anderen Wirkstoffen für Erwachsene, die noch nicht mit anderen Medikamenten behandelt sind: Für diese Patientengruppe liegen Daten zu den Vor- und Nachteilen von Rilpivirin vor.
  • Erstbehandlung Erwachsener: Rilpivirin (Eviplera) als feste Kombination mit Emtricitabin / Tenofovir ebenfalls für Erwachsene, die bisher keine anderen Medikamente gegen HIV eingesetzt haben. Auch für diese Personengruppe liegen Daten zu den Vor- und Nachteilen von Rilpivirin vor.
  • Erstbehandlung bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren: Rilpivirin (Edurant) in Kombination mit verschiedenen anderen Wirkstoffen für Kinder und Jugendliche, die noch nicht mit anderen Medikamenten behandelt sind: Für diese Patientengruppe legte der Hersteller dem IQWiG keine geeigneten Daten vor. Welche Vor- und Nachteile Rilpivirin für diese Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren hat, kann deshalb nicht beantwortet werden.
  • Folgebehandlung Erwachsener: Rilpivirin (Eviplera) als feste Kombination mit Emtricitabin / Tenofovir für Erwachsene, die vorher schon andere Medikamente gegen HIV eingesetzt haben und deren Virus keine Veränderungen aufweist, die mit einer Unempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe einhergehen: Für diese Patientengruppe legte der Hersteller dem IQWiG keine geeigneten Daten vor. Welche Vor- und Nachteile die feste Rilpivirin-Kombination für vorbehandelte Erwachsene hat, ist deshalb unklar.

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse mehrerer Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Rilpivirin (Edurant, Eviplera).