Cariprazin (Reagila) bei Schizophrenie

Einleitung

Cariprazin (Handelsname Reagila) ist seit Juli 2017 für Erwachsene mit Schizophrenie zugelassen.

Die Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, bei der sich das Denken und Fühlen verändert. Die Wahrnehmung und die Beurteilung der Realität sind gestört. Die Erkrankung beeinträchtigt das soziale Verhalten, den Antrieb und die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen. Fachleute unterscheiden Positivsymptome und Negativsymptome.

Als Positivsymptome werden übersteigerte Verhaltensweisen oder wahnhafte Wahrnehmung bezeichnet. Dazu gehören:

  • Wahnvorstellungen
  • Sinnestäuschungen (Halluzinationen)
  • Störungen des Denkens mit dem Gefühl, die Gedanken werden von außen beeinflusst
  • Störungen des Verhaltens (Unruhe, Erregung)

Als Negativsymptome werden zum Beispiel verminderte Verhaltensweisen bezeichnet, wie:

  • Verarmung der Sprache
  • Verarmung der Gefühle mit der Unfähigkeit, Freude zu empfinden
  • Antriebsminderung
  • Kontaktunfähigkeit mit Verlust von Beziehungen zu anderen Menschen
  • Störung der Aufmerksamkeit

Bei einem Teil der Betroffenen treten die Symptome nur ein oder wenige Male auf. Ein akuter Krankheitsschub kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Andere haben dauerhafte Beschwerden und benötigen viel Unterstützung.

Cariprazin beeinflusst die Wirkungen der Botenstoffe Dopamin und im Gehirn und soll dadurch die Beschwerden bessern.

Anwendung

Cariprazin gibt es als Kapsel in Dosierungen von 1,5 mg bis 6 mg. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 1,5 mg einmal täglich. Sie kann bei Bedarf langsam in 1,5-mg-Schritten gesteigert werden, sollte aber eine tägliche Dosis von 6 mg nicht überschreiten.

Andere Behandlungen

Für Menschen mit Schizophrenie kommt als Standardtherapie eine Behandlung mit antipsychotischen Wirkstoffen wie Amisulprid, Aripiprazol, Olanzapin, Paliperidon, Quetiapin, Risperidon oder Ziprasidon infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, ob Cariprazin Vor- oder Nachteile für Personen mit Schizophrenie im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Der Hersteller legte eine Studie vor, in der 461 Personen untersucht wurden. Die eine Hälfte bekam Cariprazin, während die andere Hälfte Risperidon erhielt. Es wurden nur Personen untersucht, bei denen die Medikamente als Langzeittherapie zur Vorbeugung eines Rückfalls eingesetzt wurden. Zudem hatten alle Patientinnen und Patienten in der Studie überwiegend Negativsymptome.

Es zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Cariprazin?

  • Psychosoziale Funktion: Die Patientinnen und Patienten wurden befragt, wie sie ihre psychosoziale Funktion einschätzten. Dazu gehören Aspekte wie soziale Aktivitäten, Arbeit, Studium oder auch störendes und aggressives Verhalten. Hier deutet die Studie auf einen Vorteil von Cariprazin im Vergleich zu Risperidon hin.

Welche Nachteile hat Cariprazin?

  • Es zeigten sich keine Nachteile von Cariprazin im Vergleich zu Risperidon.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Bei schweren Nebenwirkungen gab es keinen Unterschied. In beiden Gruppen traten bei etwa 3 bis 4 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf.
  • Symptome der Schizophrenie: Bei Symptomen wie Wahnvorstellungen, Antriebslosigkeit, Angst oder Denk- und Sprachstörungen zeigte sich insgesamt ebenfalls kein Unterschied zwischen den Therapien.
  • Auch bei den folgenden Aspekten zeigte sich kein Unterschied:
    • Depressive Symptome
    • Bewegungsunruhe
    • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen
    • Suizidgedanken oder suizidales Verhalten
    • Störungen des Bewegungsablaufs
    • Langsame Bewegungen oder Zittern (Tremor)

Welche Fragen sind noch offen?

Der Hersteller legte zu Rückfällen und gesundheitsbezogener Lebensqualität keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Cariprazin (Reagila).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Cariprazin (Schizophrenie) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Auftrag A18-25. 12.07.2018. (IQWiG-Berichte; Band 646).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Cariprazin (Schizophrenie) – Addendum zum Auftrag A18-25; Auftrag A18-50. 12.09.2018. (IQWiG-Berichte; Band 662).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Seite kommentieren

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt. Pflichtfelder sind mit einem Sternchen (*) markiert.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise auf Beratungsangebote finden Sie in unserem Text „Wie finde ich Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen?

Im IQWiG-Angebot „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

Aktualisiert am 04. Oktober 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

So halten wir Sie auf dem Laufenden

Folgen Sie uns auf Twitter oder abonnieren Sie unseren Newsletter oder Newsfeed. Auf YouTube finden Sie unsere wachsende Videosammlung.