Aromatasehemmer bei fortgeschrittenem Brustkrebs

Foto von zwei Frauen im Gespräch
PantherMedia / Tomas Anderson

Bei Brustkrebs bildet sich von der Brustdrüse ausgehend neues, bösartiges Gewebe. Zuerst entsteht in der Brust ein Tumor; später können sich die Krebszellen im Körpergewebe ausbreiten.

Bei fortgeschrittenem Brustkrebs kann der Krebs durch eine Operation nicht vollständig entfernt werden, beispielsweise weil er große Teile der Brust eingenommen hat oder in Lymphknoten der Brust eingedrungen ist. Auch wenn die Krebszellen in anderen Körperregionen gebildet haben, spricht man von fortgeschrittenem Brustkrebs. Bei haben sich die Krebszellen auf entfernte Körperregionen ausgebreitet: auf Knochen, Lunge oder Leber zum Beispiel. Ein Brustkrebs wird außerdem als fortgeschritten eingestuft, wenn er nach einer ersten Behandlung erneut auftritt.

Für Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs kommen je nach Art des Tumors, ihrer gesundheitlichen Situation und persönlichen Lebenslage verschiedene Behandlungen infrage. Die Standardtherapie besteht darin, den Tumor durch eine Operation möglichst vollständig zu entfernen. Eventuell verbleibende Tumorzellen können im Rahmen einer zusätzlichen (adjuvanten) durch eine Bestrahlung, eine oder eine Chemotherapie behandelt werden.

Etwa Zweidrittel der Frauen mit Brustkrebs haben einen hormonempfindlichen Tumor. Das bedeutet, dass wie beeinflussen, wie rasch das Tumorgewebe wächst. Wenn die Krebszellen tragen, an denen die andocken können, bezeichnet man den Tumor als hormonrezeptor-positiv. Bei hormonrezeptor-positiven Tumoren ist eine Antihormontherapie möglich. Sie soll das Wachstum des Tumorgewebes bremsen.

Eine Antihormontherapie ist zum Beispiel auf folgende Arten möglich:

  • Blockade der Hormon-Rezeptoren auf den Krebszellen: Der Wirkstoff Tamoxifen ähnelt dem . Wenn er eingenommen wird, blockiert er bestimmte Hormon-Rezeptoren, die sich auch auf den Krebszellen befinden, sodass das körpereigene dort nicht mehr wirken kann.
  • Hemmung der Östrogen-Herstellung: entsteht bei Frauen nach den Wechseljahren vor allem in der Nebenniere und im Muskel- und Fettgewebe. Dort ist zur Herstellung ein nötig, das Aromatase heißt. Wirkstoffe wie Anastrozol, Exemestan und Letrozol blockieren die Aromatase und verhindern so, dass im Körper entsteht. Sie werden deshalb Aromatasehemmer genannt. Bei Frauen vor den Wechseljahren werden Östrogene hingegen hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet. Dort wirken Aromatasehemmer nicht. Daher wird bei jüngeren Frauen zunächst auf den Wirkstoff Tamoxifen zurückgegriffen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, wie Aromatasehemmer im Vergleich zu keiner Behandlung, einer Scheinbehandlung oder anderen Antihormon-Behandlungen abschneiden, zum Beispiel im Vergleich zu Tamoxifen. Es hat außerdem untersucht, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Aromatasehemmern gibt.

Für die Erstlinientherapie mit Aromatasehemmern fand das Institut geeignete Daten. Eine Erstlinientherapie ist die erste Behandlung gegen fortgeschrittenen Brustkrebs.

In Deutschland sind die Aromatasehemmer Anastrozol und Letrozol für die Erstlinientherapie zugelassen. Für die Fragestellung, wie Anastrozol und Letrozol in der Erstlinientherapie im Vergleich zu Standardtherapien wie Tamoxifen abschneiden, identifizierte das Institut fünf Studien: Vier Studien mit insgesamt 1290 Frauen verglichen Anastrozol mit Tamoxifen. Eine weitere Studie mit insgesamt 939 Frauen verglich Letrozol mit Tamoxifen. Die Ergebnisse sind im Folgenden darstellt.

Welche Vor- oder Nachteile haben Aromatasehemmer?

Aus den Studien lassen sich insgesamt keine Vor- oder Nachteile der Aromatasehemmer im Vergleich zu Tamoxifen ableiten. Entweder zeigten die Studien keinen Unterschied zwischen Aromatasehemmern und Tamoxifen oder die Studiendaten reichten für eine Bewertung nicht aus.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Für einige Fragen zur Erstlinientherapie zeigten die Studien keinen Unterschied zwischen Aromatasehemmern und Tamoxifen: So brachen etwa gleich viele Frauen ihre aufgrund von Nebenwirkungen ab. Außerdem hatten etwa gleich viele Frauen eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung infolge ihrer Behandlung.

Welche Fragen sind noch offen?

Für andere Fragen zur Erstlinientherapie reichten die Daten nicht aus, um eine Antwort geben zu können. So ist beispielsweise unklar, wie sich Aromatasehemmer in der Erstlinientherapie auf die Lebenserwartung auswirken. Verschiedene Studien kamen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Studien enthielten außerdem keine geeigneten Daten zum Einfluss der Aromatasehemmer auf ein Leben ohne , auf die Beschwerden, die der Brustkrebs auslöst oder auf das Vorkommen verschiedener schwerer Nebenwirkungen der Behandlung. Zudem wurde nicht untersucht, wie Aromatasehemmer die Lebensqualität der Frauen beeinflussen.

Für folgende Therapien mit Aromatasehemmern liegen keine geeigneten Daten vor:

  • Zweitlinientherapie: Wenn die erste Behandlung gegen einen fortgeschrittenen Brustkrebs nicht erfolgreich war, kommt gewöhnlich eine weitere Behandlung infrage. Diese Anschlusstherapie nennt man Zweitlinientherapie. In der Zweitlinientherapie wird häufig ein anderer Wirkstoff oder eine andere Behandlungsmethode eingesetzt, zum Beispiel ein anderer Aromatasehemmer oder eine andere Antihormontherapie.
  • Drittlinientherapie: Eine Behandlung, die sich an eine Zweitlinientherapie anschließt, wenn auch diese nicht erfolgreich war, nennt man Drittlinientherapie. Ob Aromatasehemmer bei diesen beiden Therapieansätzen Vor- oder Nachteile haben, ist unklar.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aromatasehemmer beim Mammakarzinom der Frau: Abschlussbericht; Auftrag A10-03. 20.09.2016. (IQWiG-Berichte; Band 437).

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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Erstellt am 12. Juli 2017
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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