Einleitung

Nivolumab (Handelsname Opdivo) ist seit Juni 2017 für Erwachsene mit einem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich zugelassen. Der Wirkstoff kommt infrage, wenn eine platinbasierte Chemotherapie gegen den Krebs nicht ausreichend wirkt.

Zu den Kopf-Hals-Tumoren zählen Karzinome von:

  • Mundhöhle
  • Rachen
  • Kehlkopf
  • Nase
  • Hals
  • Schilddrüse
  • Ohr
  • Schädel

Meist entwickeln sie sich in der Haut oder Schleimhaut durch eine bösartige Veränderung der oberen Hautzellen (Plattenepithelkarzinom).

Die Beschwerden können je nach Lage des Karzinoms sehr unterschiedlich sein. Im Mund treten meist Schwellungen oder Geschwüre auf, während Rachentumore häufig Schluckbeschwerden verursachen. Ist der Kehlkopf betroffen, können zudem chronische Heiserkeit oder ein Fremdkörpergefühl im Hals auftreten. Ältere Menschen ab 60 Jahre erkranken häufiger.

Der neue Wirkstoff soll das Immunsystem aktivieren, den Krebs zu bekämpfen.

Anwendung

Nivolumab wird als Infusion verabreicht – das heißt, über einen Tropf in eine Vene gegeben. Die Infusion dauert ungefähr 60 Minuten und wird in Abständen von zwei Wochen wiederholt. Die Dosierung hängt vom Körpergewicht ab.

Die Behandlung wird beendet, wenn zu starke Nebenwirkungen auftreten oder die Erkrankung trotzdem weiter fortschreitet.

Andere Behandlungen

Für vorbehandelte Erwachsene mit Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich kommen unterschiedliche, an die individuelle Situation angepasste medikamentöse Behandlungen, eine Chemotherapie zum Beispiel mit Methotrexat oder eine Strahlentherapie infrage. Möglich ist auch eine Operation.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2017 geprüft, welche Vor- und Nachteile Nivolumab für Personen mit Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Für Personen, bei denen das Plattenepithelkarzinom erst spät nach einer platinbasierten Chemotherapie weiterwächst, legte der Hersteller keine Daten vor. Vor- und Nachteile von Nivolumab bleiben für diese Personengruppe deshalb unklar.

Für Patientinnen und Patienten, bei denen der Krebs sehr schnell weitergewachsen war (noch während der platinbasierten Chemotherapie oder innerhalb von 6 Monaten danach), legte der Hersteller eine Studie vor. Die im Folgenden beschriebenen Ergebnisse gelten für diese Gruppe, hier konnten die Daten von 171 Personen ausgewertet werden: 119 Personen wurde mit Nivolumab behandelt, 52 Patientinnen und Patienten erhielten Methotrexat.

Welche Vorteile hat Nivolumab?

  • Lebenserwartung: Die Studie weist darauf hin, dass Nivolumab im Vergleich zu Methotrexat das Leben verlängern kann: Von den Personen, die Methotrexat erhielten, war die Hälfte nach etwa 4 Monaten verstorben. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Nivolumab erhielten, war die Hälfte nach etwa 7 bis 8 Monaten verstorben.
  • Schwere Nebenwirkungen: Die Studie deutet darauf hin, dass bei der Therapie mit Nivolumab weniger schwere Nebenwirkungen auftreten als bei der Behandlung mit Methotrexat.
  • Auch bei Schleimhautentzündungen weist die Studie darauf hin, dass sie bei einer Behandlung mit Nivolumab seltener auftreten als bei Einnahme von Methotrexat.

Welche Nachteile hat Nivolumab?

  • Erkrankungen der Atemwege und des Brustraums: Die Studie deutet darauf hin, dass diese Nebenwirkungen infolge der Behandlung mit Nivolumab häufiger auftraten als bei der Behandlung mit Methotrexat.
  • Kopfschmerzen: Auch bei dieser Nebenwirkung weisen die Studienergebnisse auf einen Nachteil der Behandlung mit Nivolumab hin.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Es zeigte sich kein Unterschied zwischen den Behandlungen.
  • Erkrankungen der Haut und Unterhaut: Auch bei diesen Nebenwirkungen gab es keinen Unterschied zwischen den Therapien.

Welche Fragen sind noch offen?

Zu Krankheitsbeschwerden, Auswirkungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand und die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie weitere Nebenwirkungen wie beispielsweise Lungenentzündungen lagen keine auswertbaren Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Nivolumab (Opdivo).

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Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

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