Rezeptfreie Schmerzmittel sicher anwenden

Foto von Frau beim Lesen eines Beipackzettels
PantherMedia / Gabriele Willig

Viele Schmerzmittel sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Sie können Schmerzen wirksam lindern, aber auch zu Nebenwirkungen und Komplikationen führen. Für eine sichere Anwendung ist es wichtig, auf die Dosierung und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln zu achten.

Rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke, wie zum Beispiel oder Paracetamol, können akute Schmerzen lindern. Wie wirksam ein Mittel ist, hängt unter anderem von der Art und Stärke der Schmerzen ab und davon, wie das Medikament dosiert wird. Ohne Rezept erhältliche Schmerzmittel sind zur Behandlung von leichten bis mittelstarken Schmerzen zugelassen. Sie sollten nur wenige Tage hintereinander und nur bis zu einer festgelegten Tages-Höchstdosis eingenommen werden.

Schmerzmittel können Nebenwirkungen haben und – wenn auch selten – zu Komplikationen führen. Um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden, ist es wichtig, auf die richtige Anwendung zu achten. Dies gilt besonders für Menschen, die bestimmte Vorerkrankungen haben oder die häufiger zu Schmerzmitteln greifen. Ausführliche Informationen zum Anwendungsgebiet eines Medikaments, zur Dosierung und Einnahmedauer enthält der Beipackzettel. Bei Fragen zur richtigen Einnahme kann man sich in der Arztpraxis oder Apotheke beraten lassen.

Welche Schmerzmittel sind rezeptfrei erhältlich?

Die größte Gruppe rezeptfreier Schmerzmittel sind die nicht steroidalen Antirheumatika (). Sie werden so genannt, weil sie früher vor allem zur Behandlung von rheumatischen Schmerzen eingesetzt wurden und im Gegensatz zu anderen Rheumamitteln keine enthalten. Heute werden rezeptfreie bei ganz unterschiedlichen Schmerzen eingesetzt – ob bei Kopfweh, Regelbeschwerden oder Zahnschmerzen. haben außerdem eine entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung.

Es gibt mehr als zehn verschiedene , aber nicht alle Mittel sind rezeptfrei erhältlich. Manche sind nur in geringer Dosierung rezeptfrei – höhere Dosierungen müssen von einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben werden. Ohne ärztliches Rezept bekommt man in der Apotheke:

  • (, wie in „Aspirin“) (in einer Dosierung bis zu 500 mg pro Tablette)
  • Diclofenac (bis zu 25 mg pro Tablette)
  • (bis zu 400 mg pro Tablette)
  • Naproxen (bis zu 250 mg pro Tablette)

Diese Medikamente sind auch die am häufigsten eingesetzten .

Ein anderes rezeptfreies und sehr verbreitetes Schmerzmittel ist Paracetamol. Es wirkt ebenfalls schmerzlindernd und fiebersenkend, hat aber im Gegensatz zu keine entzündungshemmende Wirkung.

Manche Präparate enthalten eine Kombination aus einem und Paracetamol, zum Beispiel und Paracetamol. Manchmal wird auch hinzugefügt. Ob solche Kombinationen gegenüber einzelnen Wirkstoffen Vor- oder Nachteile haben, ist unklar. Es gibt bisher noch keine ausreichend aussagekräftigen Studien, in denen Kombinations- mit Einzelpräparaten verglichen wurden.

Wie wirken die Medikamente?

wirken, indem sie bestimmte Enzyme hemmen, die sogenannten Cyclooxygenasen oder COX-Enzyme. Sie werden daher auch als COX-Hemmer bezeichnet. Diese Enzyme spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung bestimmter Gewebshormone, zum Beispiel der Prostaglandine. Diese haben unterschiedliche Aufgaben, wie etwa Entzündungsreaktionen – Schmerzen, Schwellungen und Fieber – auszulösen und zu steuern. Aber auch andere Körperfunktionen, zum Beispiel die und die Bildung von Magensäure, werden von diesen Gewebshormonen beeinflusst. Es gibt zwei unterschiedliche COX-Enzyme:

  • COX-1 ist vor allem in Magen, Nieren und vorhanden und sorgt für ein natürliches Gleichgewicht der beeinflussten Abläufe.
  • COX-2 wird vor allem dort im Körper gebildet, wo es zu Entzündungen kommt. Es verstärkt Reaktionen wie Schmerzen, Schwellungen und Fieber.

Weil die rezeptfreien beide COX-Enzyme hemmen, können sie Schmerzen und Fieber lindern und Entzündungsreaktionen abschwächen. Allerdings werden auch andere Abläufe gebremst, die von COX-Enzymen gesteuert werden. Dadurch können sie zu Nebenwirkungen führen, vor allem zu Magenproblemen.

Die Nebenwirkungen sind aber nicht bei allen Schmerzmitteln gleich: () hemmt zum Beispiel das COX-1-Enzym etwas stärker, der Wirkstoff Diclofenac dagegen vor allem COX-2.

Bestimmte rezeptpflichtige hemmen ausschließlich (selektiv) das COX-2-Enzym und gelten deshalb als magenverträglicher. Sie können aber trotzdem Magenprobleme und andere Nebenwirkungen verursachen, etwa Herzprobleme.

Der Wirkungsmechanismus von Paracetamol ist bislang nicht geklärt. Es gibt verschiedene Theorien hierzu – etwa, dass es ebenfalls Gewebshormone beeinflusst.

Wie werden Schmerzmittel richtig dosiert?

Das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen lässt sich senken, indem Schmerzmittel so niedrig wie möglich dosiert werden. Grundsätzlich ist es wichtig, die Höchstdosis pro Einnahme und Tag nicht zu überschreiten.

Tabelle: Tägliche Höchstdosis rezeptfreier Schmerzmittel für gesunde Erwachsene (rezeptfrei)
Wirkstoff Höchstdosis pro Einnahme Tägliche Höchstdosis
1000 mg 3000 mg bis 65 Jahre, 2000 mg ab 65 Jahren
Diclofenac 25 mg 75 mg
400 mg 1200 mg
Naproxen 500 mg 750 mg
Paracetamol 1000 mg 4000 mg
Kombinationspräparat mit , Paracetamol und 500 mg / 400 mg Paracetamol / 100 mg 1500 mg / 1200 mg Paracetamol / 300 mg

Wer also beispielsweise in einer Dosierung von 400 mg pro Tablette anwendet, sollte über den Tag (24 Stunden) verteilt nicht mehr als drei Tabletten einnehmen.

Diese Angaben gelten, wenn man die Medikamente ohne Rezept anwendet. Werden die Schmerzmittel ärztlich verschrieben, können bei manchen Wirkstoffen auch höhere Dosierungen möglich sein.

Unterschiedliche sollten nicht kombiniert werden. Möglich ist aber die Kombination von mit Paracetamol, wenn ein Mittel die Schmerzen nicht ausreichend lindert.

Welche Nebenwirkungen und Komplikationen gibt es?

Die häufigste Nebenwirkung von sind Magenprobleme. Sie reichen von leichten Beschwerden wie Magenverstimmungen und Bauchschmerzen bis hin zu ernsthaften Komplikationen wie Schleimhautentzündungen, Geschwüren oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Das Risiko für Komplikationen lässt sich durch zusätzliche Medikamente, die den Magen schützen, deutlich senken. Hierzu werden in der Regel wie Omeprazol oder Pantoprazol eingesetzt. Eine kurzfristige Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel führt aber nur sehr selten zu ernsten Nebenwirkungen.

Mehrere Auswertungen von Studien aus den letzten Jahren haben zudem gezeigt, dass bestimmte wie etwa Diclofenac das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Dies gilt aber vor allem, wenn sie für längere Zeit und in hoher Dosierung eingenommen werden. Menschen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, oder die bereits erkrankt sind, wählen dennoch zum Beispiel besser niedrig dosiertes oder Naproxen als Diclofenac.

wie könnten Atemprobleme (Analgetika-Asthma) auslösen. Wer chronisches hat, sollte sich ärztlich beraten lassen, welche Schmerzmittel besser geeignet sind. Wie für Menschen mit Herzerkrankungen kann dann zum Beispiel Paracetamol eine Alternative zu sein.

Wer hat ein besonders hohes Risiko für Komplikationen?

Es gibt eine Reihe von persönlichen Faktoren, die Komplikationen durch begünstigen. Ein erhöhtes Risiko für Komplikationen im Bereich des Magen-Darm-Trakts haben Menschen, die

  • über 65 Jahre alt sind,
  • bereits ein Magengeschwür oder eine Magenschleimhautentzündung haben oder hatten,
  • eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung haben ( oder ),
  • mehrere gleichzeitig oder bereits niedrig dosiertes zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen nach einem oder nehmen,
  • zusätzlich gerinnungshemmende Medikamente, Medikamente mit oder aus der Gruppe der SSRI nehmen.

erhöhen auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall vor allem bei Menschen, die schon einmal einen hatten. Auch andere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck machen diese Komplikationen wahrscheinlicher. Bei Menschen mit einer Nierenschwäche kann die Einnahme von das Risiko für ein akutes Nierenversagen erhöhen. Für sie ist es besonders wichtig, die Medikamente nicht zu hoch zu dosieren.

Wann sollte man auf bestimmte Schmerzmittel verzichten?

Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung sind nicht geeignet. Dann kann Paracetamol eine Alternative sein. Auch Menschen mit einem Magengeschwür oder schwerer Herzschwäche sollten keine nehmen. In der Schwangerschaft dürfen, je nach Schwangerschaftswoche, nur bestimmte angewendet werden. Auch wer an erkrankt ist, kann durch mehr Nebenwirkungen bekommen. Es ist ratsam, sich in der Apotheke oder Arztpraxis beraten lassen.

Für Menschen mit Lebererkrankungen eignet sich Paracetamol nicht, da der Wirkstoff über die Leber abgebaut wird und sie schwer schädigen kann. Auch für alkoholkranke Menschen ist Paracetamol nicht geeignet. Bei einer fortgeschrittenen ist zwischen der Einnahme der Tabletten ein Abstand von acht Stunden nötig.

Für Kinder gelten – je nach Alter und Gewicht – andere, zum Teil deutlich niedrigere Dosierungen. Manche der genannten Medikamente sollte man seinen Kindern nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt geben.

Für Kinder unter zwölf Jahren mit fieberhaften Virusinfekten ist zum Beispiel nicht geeignet. kann bei ihnen eine seltene, aber lebensgefährliche Erkrankung () auslösen, die zu Leber- und Hirnschäden führt.

Welche Anzeichen deuten auf Komplikationen hin?

Nebenwirkungen wie leichte Magenverstimmungen sind noch kein Grund zur Sorge. Häufige oder starke Magenschmerzen sowie Anzeichen für eine leichte Magenblutung sollten aber ärztlich abgeklärt werden. Solche Anzeichen sind

  • schwarz gefärbter Stuhl und
  • Anzeichen einer wie Abgeschlagenheit, Luftnot bei körperlichen Anstrengungen oder Blässe.

Selten kann ein ein größeres Blutgefäß beschädigen, aus dem es dann in kurzer Zeit stark blutet. Ein Alarmzeichen ist das Erbrechen von Blut (rot oder schwarz gefärbtes Erbrochenes). Auch der Durchbruch der Magenwand (Magenperforation) mit plötzlich auftretenden starken Bauchschmerzen zählt zu den seltenen Komplikationen. Eine schwere Magenblutung und ein Magendurchbruch sind lebensbedrohlich. Bei Verdacht auf diese oder andere Komplikationen muss daher sofort der Notruf 112 gewählt werden.

Wie lassen sich Komplikationen möglichst vermeiden?

Das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen durch Schmerzmittel lässt sich verringern, wenn man den Beipackzettel beachtet und

  • Schmerzmittel immer nach der Faustregel „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ anwendet.
  • die Medikamente nicht länger als nötig einsetzt.
  • mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bedenkt.
  • prüft, ob bestehende Risiken oder Erkrankungen gegen die Einnahme bestimmter Wirkstoffe sprechen.

Was passiert bei Wechselwirkungen mit anderen Mitteln?

Schmerzmittel können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Von einer Wechselwirkung spricht man, wenn zwei Medikamente sich gegenseitig beeinflussen und zum Beispiel in ihrer Wirkung verstärken, sie abschwächen oder aufheben. Eine Wechselwirkung kann dazu führen, dass die Medikamente nicht mehr so gut helfen oder das Risiko für Komplikationen steigt.

haben Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten. Wenn sie zusammen mit bestimmten Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (Ciclosporin und Tacrolimus) eingenommen werden, steigt das Risiko für Nierenschäden. Das gilt auch für die gleichzeitige Einnahme von mit entwässernden Medikamenten () oder mit bestimmten Blutdrucksenkern ( und Sartane). Gerinnungshemmende Medikamente wie Clopidogrel und Marcumar können durch in ihrer Wirkung verstärkt werden und dann eher Blutungen auslösen.

Paracetamol kann in Kombination mit bestimmten Medikamenten das Risiko für Leberschäden erhöhen. Auch Alkohol kann dieses Risiko erhöhen, deshalb sollte während der Anwendung von Paracetamol auf Alkohol verzichtet werden.

Alkohol und einige Medikamente, aber auch Mangelernährung können den Abbau von Paracetamol beeinflussen, sodass es zu einer Überdosierung des Schmerzmittels kommen kann.

Mögliche Wechselwirkungen sind für jedes Medikament im Beipackzettel aufgeführt. Wer unsicher ist, lässt sich am besten in der Arztpraxis oder Apotheke beraten.

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Aktualisiert am 16. Juni 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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