Schmerzmittel: Wie häufig sind schwere Nebenwirkungen bei NSAR?

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Schmerzmittel aus der Gruppe der wie und Diclofenac können zu ernsthaften Nebenwirkungen wie Magengeschwüren und -blutungen führen. Dieses Risiko lässt sich durch Medikamente zum Magenschutz deutlich senken. Vor allem in sehr hohen Dosierungen und bei längerer Einnahme erhöhen bestimmte Schmerzmittel auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der gehören zu den am meisten eingesetzten Medikamenten. Die häufigsten Komplikationen dieser Schmerzmittel sind Schleimhautentzündungen, Geschwüre oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Anfang des Jahrhunderts mehrten sich zudem Hinweise darauf, dass bestimmte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Herzinfarkte erhöhen könnten. Das gilt nicht für . verringert sogar das Risiko, dass Blutplättchen verklumpen und Gefäße verstopfen. Aus diesem Grund wird in niedrigen Dosierungen auch zur Vorbeugung vor Herzinfarkten eingesetzt.

Das Risiko für Komplikationen durch hängt von verschiedenen Faktoren ab wie der Dosierung des Medikaments, der Dauer der Einnahme sowie von bereits vorhandenen Risiken und Erkrankungen. Um das Risiko für Komplikationen gering zu halten, ist es sinnvoll, Schmerzmittel möglichst niedrig zu dosieren und nur so lange zu nehmen wie nötig.

Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bei hoher Dosierung

Um das Risiko von Komplikationen für Herz und Kreislauf besser einschätzen zu können, wertete eine internationale Wissenschaftlergruppe mehrere hundert Behandlungsstudien zu häufig eingesetzten aus. Sie prüfte, wie oft die Mittel zu solchen Komplikationen führen.

Die meisten Menschen in diesen Studien hatten Arthrose oder Rheuma und waren um die 60 Jahre alt. Sie nahmen die Medikamente in sehr hohen Dosierungen ein:

  • Diclofenac: 150 mg pro Tag
  • : 2400 mg pro Tag
  • Naproxen: 1000 mg pro Tag

Die Wissenschaftlergruppe errechnete, wie oft tödliche und nicht-tödliche Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie andere Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle zu erwarten sind, wenn 1000 Menschen ein Jahr lang einnehmen. Die Auswertung zeigte, dass bei 2 bis 9 von 1000 Personen, die Diclofenac oder nehmen, solche Komplikationen auftraten.

Naproxen erhöhte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Studien hingegen nicht.

Bei niedriger Dosierung

Viele Menschen nehmen Schmerzmittel in niedrigeren Dosierungen ein. Erhöhen auch dann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Dieser Frage ist eine weitere Wissenschaftlergruppe nachgegangen, die dazu über 50 Studien ausgewertet hat.

Die Ergebnisse zeigen, dass bei Dosierungen bis zu 1200 mg pro Tag nicht mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Bei Diclofenac war das Risiko auch in Dosierungen unter 100 mg pro Tag noch erhöht, wenn auch in geringerem Umfang.

Dauer der Einnahme

Es ist nicht genau bekannt, ab welcher Einnahmedauer das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. An den meisten Studien in diesen Analysen nahmen Personen teil, die für einen Zeitraum von mindestens vier Wochen einnahmen. Es gibt Hinweise darauf, dass das Risiko zumindest bei Menschen mit Vorerkrankungen am Herzen auch schon bei einer kürzeren Einnahme von bis zu zwei Wochen steigen könnte.

Risiko für Komplikationen des Magen-Darm-Trakts

Die erste Wissenschaftlergruppe untersuchte auch, wie häufig zu seltenen, aber schweren Komplikationen des Magen-Darm-Trakts führen. Dazu gehören insbesondere Blutungen, aber auch Durchbrüche der Magen- oder Darmwand und Darmverschlüsse.

Alle können diese Komplikationen auslösen. Die Auswertung der Studien zur Häufigkeit von Komplikationen des Magen-Darm-Trakts zeigt, dass innerhalb eines Jahres

  • bei 2 bis 4 von 1000 Menschen durch die Einnahme von Diclofenac (150 mg pro Tag) eine solche Komplikation auftritt.
  • bei 6 bis 16 von 1000 Menschen durch die Einnahme von (2400 mg pro Tag) oder Naproxen (1000 mg pro Tag) eine solche Komplikation auftritt.

kann ebenfalls Magengeschwüre, Blutungen und andere Komplikationen auslösen. Allerdings ist bislang nicht gut untersucht, wie häufig diese Nebenwirkungen sind, wenn in hohen Dosierungen eingesetzt wird. In einer Studie bekamen innerhalb eines Jahres 8 von 1000 Teilnehmenden, die 1200 mg pro Tag nahmen, eine medikamentenbedingte Magenblutung.

Das Risiko für schmerzmittelbedingte Magengeschwüre lässt sich durch zusätzliche Medikamente, die den Magen schützen, deutlich senken. Hierzu werden in der Regel wie Omeprazol oder Pantoprazol eingesetzt. Medikamente zum Magenschutz werden Menschen empfohlen, die ein erhöhtes Risiko für Schleimhautentzündungen, Geschwüre oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt haben oder die längerfristig einnehmen (über mehrere Wochen oder dauerhaft). Die meisten Teilnehmer in den hier berichteten Studien nahmen keinen Magenschutz ein.

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Aktualisiert am 26. Juli 2017
Nächste geplante Aktualisierung: 2020

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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