Schwangerschaft

Auf einen Blick

  • In der Schwangerschaft stellt sich der gesamte Körper um – und sie bringt Anpassungen des Alltags mit sich.
  • Jede Schwangere hat Anspruch auf regelmäßige kostenlose Vorsorgeuntersuchungen.
  • Dabei wird geschaut, wie sich das Kind entwickelt und wie es der Schwangeren geht.
  • Die meisten Schwangerschaften verlaufen ohne Komplikationen.
  • Dennoch kann es schwierige Situationen und Entscheidungen geben – etwa bei einem auffälligen pränataldiagnostischen Befund.
  • Schwangerschaftsberatungsstellen können dann unterstützen.

Einleitung

Foto von schwangerer Mutter und Tochter

Ein Kind zu bekommen, ist oftmals eine sehr intensive Lebenserfahrung. Und neun Monate Schwangerschaft sind für viele Frauen und ihre Partner oder Partnerinnen eine aufregende Zeit, häufig schwankend zwischen Freude, Hoffen und Bangen: Wird alles gut verlaufen? Worauf sollte ich achten? Wie wird sich das Leben mit einem (weiteren) Kind gestalten?

Von der Empfängnis bis zur Geburt des Kindes verändert sich der Körper einer Frau auf erstaunliche Weise: Er stellt sich auf die Aufgabe ein, das neue Leben in sich wachsen zu lassen. Damit einhergehen können jedoch typische Beschwerden wie Übelkeit und Rückenschmerzen – und manchmal auch Erkrankungen wie Schwangerschaftsdiabetes. Um ernstere Probleme rechtzeitig zu erkennen, werden regelmäßige kostenlose Vorsorgeuntersuchungen angeboten. Die meisten Schwangerschaften verlaufen aber komplikationslos und das Kind kommt gesund zur Welt.

Anzeichen einer Schwangerschaft

Ist eine Frau schwanger, bleibt ihre Regelblutung aus. Zudem spüren viele Frauen schon kurz nach der Empfängnis, dass sich ihr Körper verändert. Folgende Anzeichen können auf eine Schwangerschaft hindeuten:

  • Spannungsgefühle in den Brüsten
  • Ziehen im Unterleib
  • morgendliche Übelkeit und Erbrechen
  • Heißhunger
  • vermehrter Harndrang
  • Blähungen und Verstopfung
  • Müdigkeit
  • Schwindel

Diese Veränderungen können auch andere Gründe haben, sie sind daher kein sicheres Anzeichen. Feststellen lässt sich eine Schwangerschaft recht sicher ab dem ersten Tag nach Ausbleiben der Regelblutung mit einem Urintest, den man zu Hause machen kann. Tests gibt es rezeptfrei in Apotheken und Drogeriemärkten. Man kann den Schwangerschaftstest auch bei einer Ärztin, einem Arzt oder einer Hebamme machen lassen. Auch dann bezahlt man ihn normalerweise selbst. Ab etwa der sechsten Schwangerschaftswoche ist der Embryo im Ultraschall erkennbar.

Verlauf

Eine Schwangerschaft dauert im Durchschnitt 40 Wochen, also etwas über neun Monate. Gezählt werden die Schwangerschaftswochen dabei ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung.

Zu Anfang der Schwangerschaft sind die körperlichen Veränderungen kaum sichtbar. Durch die stärkere Durchblutung kann die Haut rosiger wirken. Dass sich ihr Körper verändert, merken aber die meisten Schwangeren: Viele fühlen sich schneller müde, ihr Appetit verändert sich, die Brüste spannen, morgens ist ihnen oft übel.

Vor allem in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft beeinflusst die hormonelle Umstellung oft auch das Gefühlsleben. Frauen können dann zum Beispiel empfindlicher als sonst reagieren und die Stimmung kann häufiger umschlagen. Es ist nicht immer leicht, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen – vor allem, wenn die Schwangerschaft ungeplant war.

Das zweite Drittel ist für viele Frauen die angenehmste Zeit der Schwangerschaft: Ihr Körper hat sich vollständig umgestellt, der Bauchumfang und das Körpergewicht behindern den Alltag aber noch nicht allzu sehr. Seelisch fühlen sich die meisten Frauen wieder im Lot, manche verspüren in dieser Zeit eine besondere Energie und genießen ihren Körper. Die Bewegungen des Kindes sind nun meist deutlich zu spüren.

Im letzten Schwangerschaftsdrittel reift das Kind schnell heran, es wird größer und schwerer. Etwa vier Wochen vor der Geburt dreht es sich in der Regel mit dem Kopf nach unten in die Geburtsposition. Gegen Ende der Schwangerschaft haben die meisten Frauen Beschwerden, die der wachsende Bauchumfang mit sich bringt, und allmählich wird der Alltag mühsamer. Die letzten Wochen stehen bereits im Zeichen der Geburt – die Vorfreude wächst, aber auch der Respekt vor dem bevorstehenden Ereignis. Übungswehen deuten an, dass die Geburt näher rückt.

Ausführliche Informationen zum Schwangerschaftsverlauf sowie zur kindlichen Entwicklung bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Vorsorgeuntersuchungen

Schwangere können regelmäßig zu kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen bei der Frauenärztin, dem Frauenarzt oder der Hebamme gehen – anfangs monatlich, in den letzten zwei Monaten der Schwangerschaft 14-tägig. Dabei wird nachgeschaut, ob sich das Kind normal entwickelt und die werdende Mutter gesund bleibt. Zu den Standarduntersuchungen gehören unter anderem das Abtasten des Bauches und regelmäßige Blutabnahmen. Aus dem Blut lassen sich zum Beispiel Blutgruppe und bestimmen und erkennen, ob ein Schutz gegen Röteln besteht. Auch ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes ist möglich.

Um die 10., 20. und 30. Schwangerschaftswoche herum bieten Ärztinnen und Ärzte jeweils eine zur Kontrolle an. Dabei prüfen sie zum Beispiel, wie das ungeborene Kind wächst und wie sich seine Organe entwickeln. Das Ultraschallbild zeigt auch die Lage des Ungeborenen sowie der . Bei Auffälligkeiten sind weitere Ultraschalluntersuchungen möglich. Die Ergebnisse der Standarduntersuchungen werden im eingetragen.

Pränataldiagnostik

Pränataldiagnostische (vorgeburtliche) Untersuchungen dienen dazu, bestimmte Auffälligkeiten oder Fehlbildungen beim ungeborenen Kind zu finden. Zwar können auch normale Ultraschalluntersuchungen solche Hinweise geben, es wird bei ihnen aber nicht gezielt danach gesucht. Pränataldiagnostische Untersuchungen gehören nicht zu den regulären Vorsorgeuntersuchungen und werden nur in bestimmten Fällen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, über die Ziele, die Aussagekraft und die möglichen Folgen dieser Untersuchungen aufzuklären. Es ist wichtig zu bedenken: Vorgeburtliche Untersuchungen können weitreichende Folgen haben – sie können helfen, aber auch verunsichern.

In bestimmten Situationen können pränataldiagnostische Untersuchungen zur Abklärung eingesetzt werden, etwa wenn sich bei anderen Untersuchungen Auffälligkeiten ergeben haben. Einige werden dann von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen: Dazu gehören bestimmte nicht invasive Pränataltests (NIPT), weitere Ultraschalluntersuchungen, die Fruchtwasseruntersuchung und die Chorionzottenbiopsie. Andere Untersuchungen, wie das häufig angebotene Ersttrimester-Screening (ETS), bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen meist nicht.

Wichtig ist

Alle vorgeburtlichen Untersuchungen sind freiwillig – das heißt, eine Frau kann eine angebotene Untersuchung jederzeit ohne Begründung ablehnen.

Frauen und Paare können sich zu diesen Untersuchungen in einer Praxis oder einem Institut für Gynäkologie, Pränataldiagnostik oder Humangenetik aufklären und beraten lassen. Zudem kann eine psychosoziale Beratung in einer Schwangerschaftsberatungsstelle eine wichtige Hilfe sein.

Leben und Alltag

Im Laufe der Schwangerschaft verändert sich auch der Alltag: Die Vorbereitungen auf die Ankunft des Kindes brauchen Zeit. Nach und nach werden viele tägliche Aufgaben mühsamer, und gegen Ende der Schwangerschaft beginnt bei berufstätigen Frauen der Mutterschutz. Es ist sinnvoll, frühzeitig zu planen, wo das Kind zur Welt kommen und wer bei der Geburt dabei sein soll.

Viele Frauen beschäftigen sich in der Schwangerschaft mehr als vorher mit ihrer Gesundheit. Dazu gehören Fragen rund um Ernährung und Bewegung: Was soll ich essen, und brauche ich zusätzlich ? Wie viel Gewichtszunahme ist normal? Kann ich weiter Sport treiben, worauf muss ich dabei achten? In den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen lassen sich solche Themen besprechen – ebenso wie Fragen zur Vorbereitung auf das Stillen.

Da Alkohol und Nikotin dem Ungeborenen ernsthaft schaden können, verzichten die meisten Schwangeren darauf. Viele Raucherinnen nehmen schon eine geplante Schwangerschaft zum Anlass, das Rauchen aufzugeben. Rauchen in der Schwangerschaft erhöht unter anderem das Risiko für eine Fehl- oder Frühgeburt und ein zu geringes Geburtsgewicht. Mit dem Rauchen aufzuhören, fällt aber nicht allen Frauen leicht; viele brauchen Unterstützung.

Beschwerden

Manche Frauen fühlen sich während ihrer Schwangerschaft rundum wohl, einige sogar besser als je zuvor. Viele haben aber auch typische Beschwerden, die im Laufe der Monate wechseln: Zu Anfang ist Übelkeit ein häufiges Problem, später und mit zunehmendem Gewicht können es zum Beispiel Rückenschmerzen, Sodbrennen, Wassereinlagerungen, Krampfadern, Harndrang oder Schlafstörungen sein.

Da solche Beschwerden oft als Begleiterscheinungen eines positiven Zustands empfunden werden und von selbst wieder verschwinden, kommen die meisten Schwangeren gut mit ihnen zurecht. Häufig lassen sich Schwangerschaftsbeschwerden schon mit mehr Ruhepausen, Entlastung und Hausmitteln lindern. Die Hebamme, die Ärztin oder der Arzt können dazu beraten.

Krankheiten

Es gibt Erkrankungen, die nur während einer Schwangerschaft auftreten, zum Beispiel und Schwangerschaftsdiabetes. Zudem kann die Schwangerschaft bestimmte Krankheiten begünstigen, wie eine Blutarmut (Anämie) oder Blaseninfektionen.

Einige ansteckende Erkrankungen wie Röteln, Genitalherpes oder eine Streptokokken-Infektion sind zwar meist harmlos für die Schwangere, können aber das Kind gefährden.

Es ist wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, ob bestehende Erkrankungen während der Schwangerschaft anders behandelt werden müssen. Dies hängt von der Erkrankung ab. In der Regel können und sollten Medikamente, beispielsweise gegen Asthma, weiter eingenommen werden. Bestimmte Medikamente erhöhen jedoch das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen oder werden nicht gut vertragen. Dann lässt sich mit der Ärztin oder dem Arzt klären, ob es Alternativen gibt oder ob für die Zeit der Schwangerschaft auf die Behandlung verzichtet werden kann.

Ungeplante Schwangerschaft

Ist die Schwangerschaft nicht geplant, stellen sich Fragen wie: Ist (noch) ein Kinderwunsch da? Bieten Partnerschaft, Familie und Arbeitsplatz ein verlässliches Umfeld? Reichen die Kraft und das Geld für ein (weiteres) Kind?

Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, kann sich die Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch stellen. Manchen Frauen ist schnell klar, wie sie sich entscheiden. Andere geraten in einen schwierigen Konflikt. Eine Schwangerschaftskonfliktberatung kann helfen, eine tragfähige Entscheidung zu fällen. Sie ist kostenlos und findet auf Wunsch auch anonym statt. Ausführliche Informationen und Hinweise zu Beratungsangeboten bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Weitere Informationen

Umfangreiche Informationen rund um Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf www.familienplanung.de bereit. Unter der Rubrik „Schwangerschaft“ finden sich Antworten auf viele Fragen zum Schwangerschaftsverlauf und zur kindlichen Entwicklung, zu Vorsorgeuntersuchungen, Geburt und Wochenbett.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Familienplanung.de. 2022.

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Mutterschaftsrichtlinien (Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung). 2022.

Rath W, Gembruch U, Schmidt S. Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Stuttgart: Thieme; 2010.

Weyerstahl T, Stauber M. Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Stuttgart: Thieme; 2013.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Aktualisiert am 21. September 2022
Nächste geplante Aktualisierung: 2025

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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