Medikamente zum Einnehmen

Foto von Frau bei der Tabletteneinnahme
PantherMedia / Antje Bakker

Viele Medikamente werden über den Mund (oral) eingenommen. Sie können in fester Form als Tablette, Kapsel, Kau- oder Schmelztablette geschluckt oder gelutscht werden – oder in flüssiger Form als Tropfen, Saft oder Sirup.

Der Wirkstoff oral eingenommener Medikamente gelangt meist erst im Magen oder Darm in den Blutkreislauf. Manchmal wird die Arznei schon über die Mundschleimhaut aufgenommen, zum Beispiel bei Lutsch- oder Schmelztabletten. Einige Wirkstoffe – etwa bestimmte Abführ- oder Kontrastmittel – sollen dagegen gar nicht in größeren Mengen in den Blutkreislauf gelangen.

Tabletten

Tabletten gibt es in vielen verschiedenen Formen und Größen. Sie sind lange haltbar und einfach herzustellen: Ein oder mehrere Wirkstoffe werden mit Hilfsstoffen gemischt und dann zu Tabletten gepresst.

  • Tabletten ohne Überzug: Sie bestehen aus fest zusammengepresstem Pulver oder Granulat und haben meist eine matte Oberfläche. Wichtig ist, solche Tabletten immer mit Wasser einzunehmen, damit sie nicht in der Speiseröhre „hängenbleiben“. Im Magen muss sich außerdem genügend Flüssigkeit befinden, in der die Tablette zerfallen kann.
  • überzogene Tabletten (Dragees, Filmtabletten): Sie sind mit einer Schicht überzogen, die unter anderem vor Feuchtigkeit und Bakterien schützen soll. Überzogene Tabletten sind glatt und oft glänzend. Sie „rutschen“ beim Schlucken besser und schmecken neutral oder leicht süß. Je nach Dicke und Beschaffenheit der Beschichtung unterscheidet man Dragees und Filmtabletten: Dragees sind meist rund oder oval und mit einer zuckerhaltigen Schicht überzogen, Filmtabletten haben nur einen dünnen Überzug. Wenn Tabletten Wirkstoffe enthalten, die vor der Magensäure geschützt werden müssen, sind sie mit einer säurefesten Schutzschicht überzogen (magensaftresistent). Dadurch werden die Wirkstoffe erst im Dünndarm freigegeben. Überzogene Tabletten sollten nicht zerkleinert oder zerbissen werden, da der Schutz des Überzugs dann verloren geht.
  • Brausetabletten: Brausetabletten werden in einem Glas Wasser aufgelöst und dann getrunken. Sie sind für Menschen mit Schluckproblemen gut geeignet und können schneller wirken als Tabletten, da das Medikament schon in gelöster Form im Magen ankommt.
  • Kau- und Lutschtabletten (Pastillen): Sie enthalten Wirkstoffe, die direkt in Hals und Rachen wirken sollen (etwa bei Halsentzündungen), oder die über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können.
  • Schmelztabletten: Diese Medikamente lässt man in der Wangentasche oder unter der Zunge zergehen. Sie werden deshalb auch Buccal-Tabletten (von „bucca“ = lateinisch: Wange) oder Sublingual-Tabletten (lateinisch: unter der Zunge) genannt. Der Wirkstoff wird direkt über die Mundschleimhaut ins Blut aufgenommen und im Körper verteilt.

Kapseln und Kaukapseln

Kapseln haben eine Hülle, die meist aus Gelatine besteht. In ihr befindet sich das Arzneimittel als Pulver, Granulat oder Flüssigkeit. Die Hülle löst sich im Magen oder Darm auf und gibt dann den Wirkstoff frei. Kapseln sind haltbar und geschmacksneutral; auch empfindliche Wirkstoffe lassen sich auf diese Weise gut verpacken. Es gibt zudem Kaukapseln, die man zerbeißt, sodass deren Wirkstoff über die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann.

Tabletten und Kapseln mit Retard-Wirkung

Tabletten und Kapseln mit Retard-Wirkung sind so aufgebaut, dass sie ihre Wirkstoffe nur langsam abgeben. Eine Retard-Tablette kann zum Beispiel die Wirkstoffmenge für einen ganzen Tag enthalten und diese zum Beispiel über 12 oder 24 Stunden verteilt abgeben. Das hat den Vorteil, dass nur eine Tablette pro Tag nötig ist und nicht mehrere.

Pulver, Tropfen und Säfte

Pulver und Granulate

Einige Arzneimittel werden in Pulver- oder Granulatform angeboten. Dazu gehören manche Schmerzmittel und viele für kleine Kinder (Trockensaft). Zum Einnehmen löst man Pulver und Granulate meistens in Wasser auf.

Tropfen

Bei Tropfen ist entweder die Flüssigkeit selbst der Wirkstoff oder er ist in Flüssigkeit gelöst, meistens in Wasser oder Wasser-Alkohol-Mischungen. Um das Medikament zu dosieren, zählt man die Tropfen ab.

Saft und Sirup

Bei Saft sind ein oder mehrere Wirkstoffe in der Regel in Wasser gelöst, oder die Flüssigkeit selbst ist der Wirkstoff. Die Präparate werden meist mit einem mitgelieferten Messbecher dosiert. Menschen, die Probleme beim Schlucken von Tabletten haben, weichen oft auf Saft aus. Dickflüssige Zuckerlösungen, die Arzneimittel enthalten, werden Sirup genannt.

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Aktualisiert am 16. Juni 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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