Einleitung

Foto von Mann mit Vorhofflimmern (PantherMedia / Alice Day) Beim Vorhofflimmern sind die Signale, die dem Herzschlag den Takt vorgeben, gestört. Das Herz schlägt unregelmäßig und oft zu schnell. Es kann dann nicht mehr so viel Blut in den Körper pumpen. Dies kann zu spürbaren Beschwerden wie Herzklopfen oder Mattigkeit führen.

Vorhofflimmern ist meist die Folge einer anderen chronischen Erkrankung, wie zum Beispiel einer koronaren Herzkrankheit oder eines Bluthochdrucks. Manchmal bleibt die Ursache aber auch unklar.

Das Vorhofflimmern ist die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen. Es ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, erhöht aber das Risiko für Schlaganfälle und kann auf Dauer das Herz schwächen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern und das Risiko für Schlaganfälle zu senken. Die meisten Menschen können trotz Vorhofflimmern ein normales Leben führen.

Symptome

Das häufigste Symptom eines Vorhofflimmerns sind deutlich spürbare Herzschläge, Herzklopfen oder Palpitationen genannt. Denn der Puls schlägt meist schneller und unregelmäßiger als normal: Während ein gesunder Ruhepuls üblicherweise zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute liegt, kann er beim Vorhofflimmern deutlich höher sein.

Andere mögliche Symptome sind Schwächegefühl, Benommenheit und Schwindel. Manchmal ist das Vorhofflimmern aber auch gar nicht zu spüren: Bis zu 30 von 100 Menschen haben keine oder nur unspezifische Beschwerden, die nicht direkt auf Vorhofflimmern hindeuten.

Bei Menschen, die noch andere Herzerkrankungen haben, können weitere Beschwerden hinzukommen. Bei Herzschwäche kann ein Vorhofflimmern die Herzleistung zum Beispiel spürbar verringern und zu Beschwerden wie Kurzatmigkeit und Erschöpfung führen, vor allem bei körperlicher Belastung.

Ursachen

Das Herz ist ein Muskel, der sich rhythmisch zusammenzieht. Der Herzschlag wird über ein elektrisches Leitungssystem geregelt. Der Impuls für den Herzschlag entsteht im sogenannten Sinusknoten, einer Ansammlung spezieller Zellen in der Wand des rechten Vorhofs. Der Sinusknoten wird manchmal auch als „natürlicher Herzschrittmacher“ bezeichnet. Er sendet elektrische Signale aus, die über Reizleitungsbahnen zum sogenannten Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) weitergeleitet werden. Über den AV-Knoten werden die Signale aus dem Sinusknoten an die Herzkammern weitergeleitet. Den normalen Herzschlag nennt man auch Sinusrhythmus.

Grafik: normaler Herzrhythmus und Vorhofflimmern - wie im Text beschrieben

 

Bei Menschen mit einem Vorhofflimmern breiten sich unregelmäßige elektrische Impulse sehr schnell in den Vorhöfen des Herzens aus. Der Sinusknoten ist während des Flimmerns inaktiv. Dies führt dazu, dass die Vorhöfe sich nicht mehr in regelmäßigem Rhythmus zusammenziehen und wieder entspannen, sondern schnell und unkontrolliert zittern (flimmern).

Normalerweise helfen die Vorhöfe, die Herzkammern schnell mit Blut zu füllen. Sie tragen etwa 20 % zur Pumpleistung des Herzens bei. Beim Vorhofflimmern nimmt zwar die Leistung des Herzens ab – doch die Herzkammern pumpen weiter Blut in den Körper, wenn auch unregelmäßig.

Vorhofflimmern kann verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten Auslösern gehören:

Weitere mögliche Ursachen sind eine Überfunktion der Schilddrüse und bestimmte Medikamente. Bei ungefähr einem Drittel der Betroffenen bleibt der Auslöser unbekannt.

Risikofaktoren

Die Wahrscheinlichkeit, ein Vorhofflimmern zu entwickeln, steigt vor allem mit dem Alter an. Nach Schätzungen sind etwa 2 % der gesamten Bevölkerung und etwa 7 % der über 65-Jährigen betroffen.

Zu den Risikofaktoren, die sich teilweise beeinflussen lassen, gehören starker oder häufiger Alkoholkonsum, Rauchen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, deutliches Übergewicht und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe).

Verlauf

Vorhofflimmern beginnt typischerweise mit seltenen, kurzen Episoden und kann mit der Zeit zu längeren Episoden oder einem permanenten Vorhofflimmern fortschreiten. Je nach Dauer der Episode unterscheidet man vier verschiedene Typen:

  • Beim paroxysmalen („episodenhaften“) Vorhofflimmern normalisiert sich der Herzrhythmus meist innerhalb von etwa 48 Stunden ohne Behandlung von selbst. Es kann aber auch bis zu sieben Tagen anhalten. Paroxysmales Vorhofflimmern kann einmal auftreten, es kann aber auch in Episoden wiederkehren und dann länger andauern.
  • Persistierendes Vorhofflimmern dauert länger als sieben Tage an.
  • Lang anhaltendes persistierendes Vorhofflimmern besteht länger als ein Jahr.
  • Permanentes Vorhofflimmern besteht dauerhaft.

Die Aussagekraft dieser Einteilung ist allerdings eingeschränkt: Denn oft ist unklar, ob das Vorhofflimmern schon einmal aufgetreten ist oder wie lange es bereits besteht. Außerdem kann sich ein persistierendes Vorhofflimmern auch zurückbilden und dann wieder anfallsartig auftreten.

Wichtig ist: Alle Arten des Vorhofflimmerns erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall. Deshalb spielt die Einteilung bei der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

Folgen

Ein Vorhofflimmern kann sich zwar durch verschiedene Beschwerden bemerkbar machen, bedeutet aber in den allermeisten Fällen keine akute Lebensgefahr. Langfristig kann es jedoch zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen, insbesondere zu

  • Herzschwäche: Weil das Herz meist schneller schlägt und sich die Vorhöfe nicht mehr richtig zusammenziehen, muss der Rest des Herzens mehr leisten. Dies kann auf Dauer das Herz überfordern und schwächen. Eine bereits bestehende Herzschwäche kann sich verschlechtern.
  • Schlaganfall: Beim Vorhofflimmern entleeren sich die Vorhöfe des Herzens nicht mehr komplett. Dadurch kann sich das Blut in den Vorhöfen stauen und es bilden sich leichter Gerinnsel, besonders im linken Vorhof – genauer im Vorhofohr. Wenn das Blutgerinnsel über den Blutkreislauf zum Gehirn geschwemmt wird, kann es dort ein Gefäß verschließen und einen Schlaganfall auslösen.

Wie hoch das persönliche Risiko für einen Schlaganfall ist, hängt davon ab, ob neben dem Vorhofflimmern noch andere Risikofaktoren bestehen. Viele Menschen mit Vorhofflimmern haben noch andere Erkrankungen wie Bluthochdruck oder eine koronare Herzkrankheit.

Diagnose

Da Vorhofflimmern nicht immer Beschwerden verursacht, wird es manchmal zufällig festgestellt, zum Beispiel wenn aufgrund einer anderen Erkrankung die Herzströme untersucht werden. Um eine genaue Diagnose zu stellen, mögliche Ursachen zu finden und die Behandlung zu planen, kann eine Reihe von Untersuchungen helfen:

  • Erfassung der Krankheitsgeschichte (Anamnese): Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beschwerden, Vorerkrankungen, Alter und Familiengeschichte sowie Risikofaktoren für Herzkrankheiten.
  • körperliche Untersuchung: Hierzu gehört unter anderem die Messung von Puls und Blutdruck.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Ein EKG stellt die elektrischen Herzströme, die den Herzschlag regeln, als Kurve grafisch dar. Mittels EKG lässt sich ein Vorhofflimmern mit hoher Sicherheit feststellen. Um die Herzströme ableiten zu können, werden mehrere Elektroden am Körper aufgeklebt. Die Untersuchung selbst dauert normalerweise nicht länger als zehn Minuten. Wenn der Verdacht auf ein anfallsartiges Vorhofflimmern besteht und das EKG unauffällig ist, wird manchmal ein 24- oder 48-Stunden-EKG durchgeführt. Dazu hängt man sich ein kleines EKG-Gerät um, das die Herzströme über ein bis zwei Tage aufzeichnet. Wenn es nötig ist, die Herzströme über Monate aufzuzeichnen, kann auch ein implantierbarer EKG-Rekorder unter die Brusthaut gesetzt werden, der etwa die Größe eines USB-Sticks hat.
  • Bluttest: Mit einem Bluttest kann unter anderem die Schilddrüsenfunktion beurteilt werden. Eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine zu hohe Dosierung von Schilddrüsenmedikamenten kann Ursache eines Vorhofflimmerns sein. Auch die Elektrolyte werden bestimmt, da Vorhofflimmern manchmal mit Störungen im Elektrolythaushalt in Zusammenhang stehen kann.
  • Echokardiografie: Eine Echokardiografie ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Sie dient zum Beispiel dazu, seine Pumpleistung zu untersuchen und seltenere Ursachen eines Vorhofflimmerns zu finden, etwa bestimmte Herzklappenerkrankungen.

Bestimmte Tests helfen vor allem bei der Behandlungsplanung: So sind Nieren- und Leberfunktionswerte wichtig, weil bei einer Nieren- oder Leberschwäche nicht alle Medikamente infrage kommen.

Behandlung

Wer die Diagnose Vorhofflimmern bekommt, steht vor mehreren Behandlungsentscheidungen. Zum einen stellt sich die Frage, wie der gestörte Herzschlag behandelt werden soll. Das wichtigste Ziel dabei ist, den Puls (medizinisch: Herzfrequenz) unter Kontrolle zu halten, um die Beschwerden zu lindern und das Herz zu entlasten. Man kann auch versuchen, den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherzustellen. Demnach gibt es zwei Behandlungsstrategien:

  • Bei der Herzfrequenz kontrollierenden Behandlung wird der zu hohe Puls dauerhaft mit Medikamenten gesenkt, meist mit einem Mittel aus der Gruppe der Betablocker. Der Puls entspricht der Anzahl der Herzschläge pro Minute (Herzfrequenz) und wird in Ruhe gemessen. Bei der Herzfrequenz kontrollierenden Behandlung wird nicht versucht, das Vorhofflimmern zu beseitigen.
  • Bei der Herzrhythmus stabilisierenden Behandlung versucht man, den Sinusrhythmus wiederherzustellen und möglichst zu erhalten. Der Sinusrhythmus wird in der Regel durch dosierte Stromschläge wiederhergestellt. Üblicherweise schließt sich eine Behandlung mit Medikamenten an, um Rückfällen vorzubeugen. Auch wenn sich der Herzrhythmus durch die Behandlung normalisieren lässt, benötigen viele Menschen weiterhin einen niedrig dosierten Betablocker zur Senkung der Herzfrequenz.

Meist wird eine Herzfrequenz kontrollierende Behandlung bevorzugt, da sie unkomplizierter ist und ein geringeres Risiko für Nebenwirkungen hat. Die Herzrhythmus stabilisierende Behandlung ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine Herzfrequenz kontrollierende Behandlung die Symptome nicht ausreichend lindert.

Die andere Frage ist, ob man Medikamente zur Senkung des Schlaganfall-Risikos nehmen möchte – und wenn ja, welche. Sogenannte orale Antikoagulanzien hemmen die Blutgerinnung und können dieses Risiko sehr wirksam senken.

Die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung mit Antikoagulanzien trifft man am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt. Sinnvoll ist, die Vorteile (Vorbeugung von Schlaganfällen) und die Nachteile (Risiko für Blutungen) gegeneinander abzuwägen. Anhand der persönlichen Risikofaktoren lässt sich das persönliche Risiko für Schlaganfälle und Blutungen bestimmen. Dabei helfen spezielle Risikorechner.

Manchmal gibt es trotz eines hohen Schlaganfall-Risikos starke Gründe gegen eine Behandlung mit Antikoagulanzien, beispielsweise ein sehr hohes Blutungsrisiko. Dann kann man versuchen, mit einem Eingriff am Herzen das Schlaganfall-Risiko zu senken. Dabei wird ein sogenannter Vorhofohr-Verschluss in das linke Vorhofohr eingesetzt. Die dazu eingesetzten Behandlungsverfahren sind aber noch nicht ausreichend erprobt und können ernsthafte Komplikationen haben.

Selten kann Vorhofflimmern selbst bedrohlich werden und zum Beispiel den Blutdruck stark abfallen lassen. Dann wird der Herzrhythmus in der Regel schnell durch dosierte Elektroschocks wiederhergestellt.

Manchmal liegt einem Vorhofflimmern eine behandelbare Ursache zugrunde, wie zum Beispiel eine undichte Herzklappe oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Das Vorhofflimmern lässt sich dann unter Umständen durch eine Operation der Herzklappe oder die Behandlung der Schilddrüse stoppen.

Mehr Wissen

Leben und Alltag

Wenn das Herz normal schlägt, nimmt man es gar nicht wahr. Das kann sich bei Vorhofflimmern ändern: Es ist spürbar, dass das Herz nicht mehr so schlägt wie es soll. Das ist für viele Menschen so beunruhigend, dass sie zum Arzt gehen. Die Diagnose Vorhofflimmern ist dann zunächst ein Schock, allerdings lassen sich die Symptome durch verschiedene Behandlungen meistens gut in den Griff bekommen. Hilfestellung bieten auch Schulungen: Sie vermitteln, wie man im Alltag mit der Erkrankung umgehen und Medikamente erfolgreich selbst anpassen kann.

Trotzdem bleibt bei vielen Menschen eine Unsicherheit bestehen. Manche fragen sich, ob sie sich schonen müssen oder ob sie weiterhin gewohnten Aktivitäten nachgehen und Sport treiben können. Forschungsergebnisse geben aber keinen Anlass zur Sorge. Sie deuten darauf hin, dass moderate körperliche Aktivität bei Vorhofflimmern nicht schadet und die körperliche Fitness noch verbessern kann.

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