Einleitung

Frau beim Nordic Walking (PantherMedia / vladvitek) Wenn sich das Knie nach Ruhepausen zunächst steif anfühlt und beim Bewegen schmerzt, kann eine Arthrose dahinterstecken. Oft wird eine Kniearthrose (auch Kniegelenksarthrose oder Gonarthrose) als normaler, altersbedingter Verschleiß des Gelenks angesehen, der mit den Jahren immer weiter fortschreitet und hingenommen werden muss. Doch man kann selbst viel für seine Gelenke tun, insbesondere mit Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen.

Die verbreitete Vorstellung, die Kniegelenke müssten bei einer Arthrose geschont werden, trifft nicht zu – im Gegenteil: Gut ausgebildete Muskeln stabilisieren und schützen die Gelenke. Bewegung sorgt dafür, dass der Gelenkknorpel mit Nährstoffen versorgt wird.

Wenn eine Kniearthrose bereits fortgeschritten ist und den Alltag und die Lebensqualität stark beeinträchtigt, kann ein Gelenkersatz infrage kommen – vor allem, wenn es nicht gelingt, die Beschwerden durch Bewegung oder Schmerzmittel ausreichend zu lindern. Bei Übergewicht kann es helfen, abzunehmen.

Gegen Arthrose werden auch viele Mittel und Methoden angepriesen, deren Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist und die sogar schädlich sein können. Es lohnt sich deshalb, die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungen gut abzuwägen und Empfehlungen kritisch zu hinterfragen. Wer Behandlungsmöglichkeiten realistisch sieht, schützt sich vor Enttäuschungen und unnötigen Kosten.

Symptome

Kniearthrose beginnt typischerweise mit Knieschmerzen, die zunächst nur bei Belastung auftreten. Wenn sie mit der Zeit fortschreitet, werden die Schmerzen häufiger und stärker. Sie können dann auch in Ruhe oder nachts auftreten und den Schlaf stören. Außerdem können andere Beschwerden wie steife Gelenke hinzukommen. Manchen Menschen tun die Gelenke vor allem gegen Abend oder am Morgen weh.

Je nachdem, welcher Teil des Knies betroffen ist, kann eher die Innen- oder Außenseite des Knies schmerzen. Wenn der Bereich unter der Kniescheibe betroffen ist, können die Schmerzen vor allem beim Aufstehen und Treppensteigen auftreten.

Bei einer starken Arthrose treten die Schmerzen auch in Ruhe auf. Sie fühlen sich dann oft dumpfer an und können zeitweise sehr stark sein, zu Erschöpfung führen und den Alltag erheblich einschränken.

Das Kniegelenk kann auch druckempfindlich und steifer werden. Wird es weniger bewegt, schwächt das die Muskeln und Bänder. Dadurch kann sich das Knie instabil anfühlen.

Manchmal entzündet sich das Knie vorübergehend. Dann fühlt es sich meist warm an, schwillt an und die Schmerzen nehmen für einige Tage zu.

Manche Menschen haben nur auf der Innen- oder Außenseite des Kniegelenks Arthrose. Meist ist dann die Innenseite betroffen, was mit O-Beinen einhergehen kann (Varus-Stellung).

Ursachen

Das Kniegelenk verbindet die Ober- und Unterschenkelknochen sowie die Kniescheibe miteinander. Die Knochenenden und die Innenseite der Kniescheibe sind mit Knorpel überzogen. Ein gesunder Knorpel ist eine glatte Gleitfläche, die eine reibungsarme Bewegung im Gelenk ermöglicht. Arthrose entsteht, wenn der Knorpel aufweicht, rissig und dünner wird. Knorpel kann sich nicht so gut regenerieren wie andere Gewebe. Einmal entstandene größere Schäden bleiben deshalb bestehen.

Kniearthrose kann in drei Bereichen des Knies auftreten:

  • auf der Innenseite des Kniegelenks (medial)
  • auf der Außenseite des Kniegelenks (lateral)
  • unter der Kniescheibe (patellofemoral)

 

Grafik: Ansicht rechtes Knie von vorn; links mit einseitiger Arthrose (medial), rechts mit fortgeschrittener beidseitiger Arthrose (medial und lateral) - wie im Text beschriebenAnsicht rechtes Knie von vorn; links mit einseitiger Arthrose (medial), rechts mit fortgeschrittener beidseitiger Arthrose (medial und lateral)

Risikofaktoren

Bei allen Menschen nutzt sich der Gelenkknorpel im Laufe des Lebens etwas ab. Bestimmte Einflüsse können den Verschleiß jedoch beschleunigen und dadurch eine Kniearthrose begünstigen. Dazu gehören:

  • Verletzungen des Kniegelenks, zum Beispiel durch einen Meniskusschaden, einen Riss des vorderen Kreuzbands, ein Ausrenken der Kniescheibe oder einen kniegelenksnahen Knochenbruch.
  • Starkes Übergewicht: Als stark übergewichtig (adipös) gelten Menschen, die einen Body-Mass-Index (BMI) über 30 haben. Je höher der BMI, desto größer ist die Belastung für die Gelenke.
  • Häufige starke Belastungen des Knies: Wer zum Beispiel im Beruf oft knien oder hocken oder schwer heben muss, hat ein höheres Arthrose-Risiko.
  • Anatomie: beispielsweise unterschiedlich lange Beine oder Fehlstellungen des Knies (X- und O-Beine).

Manche Menschen glauben, dass Bewegung die Kniegelenke zusätzlich belastet und den Verschleiß dadurch begünstigt. Tatsächlich ist Bewegungsmangel für Gelenke aber schädlicher. Zum einen schwächt er die Muskulatur. Zum anderen ist der Gelenkknorpel auf Bewegung angewiesen: Der wechselnde Druck, der zum Beispiel beim Gehen auf den Knorpel wirkt, sorgt für den Austausch von Flüssigkeit und ernährt den Knorpel.

Häufigkeit

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen in Deutschland eine Kniearthrose haben. Nach Schätzungen aus anderen Ländern sind etwa 4 % aller Erwachsenen davon betroffen. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu: So haben ungefähr 10 bis 15% der Menschen über 60 mit Kniearthrose zu tun. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Verlauf

Eine Arthrose bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Knie irgendwann so stark geschädigt ist, dass man einen Gelenkersatz benötigt. Viele Menschen kommen trotz der Beschwerden gut im Alltag zurecht.

Wie eine Arthrose verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Manche Menschen haben viele Jahre nur wenig Beschwerden, bei anderen schreitet die Arthrose schneller voran. In einer großen niederländischen Studie, in der Menschen mit Kniearthrose über fünf Jahre immer wieder untersucht wurden, zeigte sich:

  • Etwa 60 % hatten mittelstarke Schmerzen, die nur leicht zunahmen oder sogar nachließen.
  • Etwa 25 % hatten leichte, relativ gleichbleibende Schmerzen.
  • Etwa 10 % hatten starke, relativ gleichbleibende Schmerzen.
  • Etwa 5 % hatten leichte Schmerzen, die über die Jahre deutlich zunahmen.

Die Schmerzen können auch in Schüben auftreten: Dann wechseln sich Phasen stärkerer Beschwerden mit beschwerdefreien oder beschwerdearmen Phasen ab. Ungünstige Bewegungen oder kleine Verletzungen können Arthroseschmerzen vorübergehend verstärken. Sie klingen dann aber oft von selbst wieder ab.

Folgen

Eine Kniearthrose kann auf Dauer verschiedene Veränderungen im Gelenk nach sich ziehen. So wird die Knochenoberfläche nach dem Knorpelverlust härter und es können sich Auswüchse an den Rändern der Knochen bilden, sogenannte Osteophyten. Sie können die Beweglichkeit des Gelenks einschränken, Sehnen und Bänder reizen und dadurch zu Schmerzen führen.

Bei sehr stark fortgeschrittener Arthrose kann der Knorpel stellenweise so abgenutzt sein, dass der Knochen freiliegt. Schäden am Meniskus, schwächere Muskeln und gelockerte Bänder sind weitere mögliche Folgen einer fortgeschrittenen Kniearthrose. Zudem kann sich mehr Gelenkflüssigkeit bilden, was ebenfalls schmerzhaft sein kann (Gelenkerguss).

Diagnose

Um eine Kniearthrose festzustellen, fragt die Ärztin oder der Arzt nach Symptomen wie wiederkehrenden oder andauernden Schmerzen und vorübergehender Steife im Knie. Sie oder er prüft den Bewegungsumfang des Kniegelenks, betrachtet die Beinstellung und prüft, ob es andere mögliche Ursachen für die Schmerzen gibt, wie Schäden am Meniskus oder den Bändern.

Normalerweise reicht ein Röntgenbild des Kniegelenks aus, um eine Arthrose festzustellen. Speziellere Untersuchungen, wie zum Beispiel ein Röntgen des ganzen Beins, eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) sind meist nicht nötig.

Wenn die Diagnose feststeht, sind keine regelmäßigen Röntgenkontrollen nötig. Die Behandlung richtet sich ohnehin nach den Beschwerden und nicht nach dem, was auf Röntgenbildern zu sehen ist. Weitere Untersuchungen sind nur sinnvoll, wenn die Arthrose unerwartet schnell fortschreitet oder Beschwerden hinzukommen, die auf eine andere Erkrankung hindeuten könnten.

Weitere Aufnahmen vom Kniegelenk werden auch dann gemacht, bevor ein künstliches Gelenk (Gelenkersatz) eingesetzt wird. Sie helfen dabei, die Operation zu planen.

Behandlung

Zur Behandlung von Kniearthrose gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche infrage kommen, hängt unter anderem davon ab, wie weit die Kniearthrose fortgeschritten ist, ob es Begleiterkrankungen gibt und was man von der Behandlung erwartet.

Trotz Arthrose möglichst aktiv zu bleiben, tut den Gelenken gut. Viele Studien zeigen, dass regelmäßige Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern können.

Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme die Gelenke entlasten. In Studien konnte eine Gewichtsreduktion von mehr als 5 % die Beweglichkeit verbessern und die Gelenkschmerzen etwas lindern.

Häufig wird empfohlen, auf gut sitzende Schuhe mit gut dämpfenden Sohlen zu achten. Sie sollten das Fußgewölbe stützen und ausreichend Platz für die Zehen bieten. Schuhe mit hohen Absätzen sind dagegen ungünstig.

Zudem gibt es zahlreiche Behandlungsansätze bei Kniearthrose:

  • Schuheinlagen, Orthesen und Entlastungsschuhe sind risikoarme Möglichkeiten, die man ausprobieren kann. Ihre Wirkung ist bislang aber nicht gut erforscht. In einer aussagekräftigen Studie linderte ein Entlastungsschuh Kniebeschwerden über mehrere Monate nicht besser als normale, gut sitzende und dämpfende Schuhe.
  • Entzündungshemmende Schmerzmittel zum Auftragen auf das betroffene Gelenk wie Gel mit Diclofenac können die Arthroseschmerzen bei manchen Menschen lindern und sind eine einfache und nebenwirkungsarme Behandlungsmöglichkeit.
  • Entzündungshemmende Schmerzmittel zum Einnehmen wie Diclofenac, Ibuprofen und Etoricoxib können Arthroseschmerzen ebenfalls nachweislich lindern. Paracetamol ist bei Kniearthrose nicht wirksam. Opioide helfen oft nicht besser als entzündungshemmende Schmerzmittel, haben aber mehr Nebenwirkungen und können abhängig machen.
  • Akupunktur: Studien deuten darauf hin, dass sie Kniearthrose lindern kann – allerdings nicht besser als eine sogenannte Scheinakupunktur, bei der die Nadeln nur oberflächlich oder an der „falschen“ Stelle gesetzt werden. Akupunktur wird bei Kniearthrose von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.
  • Spritzen in das Gelenk: Bei Kortisonspritzen ist unklar, ob sie besser helfen als Injektionen mit Kochsalz, zudem hat ihre Anwendung Risiken. Spritzen mit Hyaluronsäure sind umstritten. In den bislang aussagekräftigsten Studien wirkten sie kaum besser als Kochsalzlösungen. Sie müssen außerdem selbst bezahlt werden. Ein Nutzen sogenannter Eigenbluttherapien – Gelenkspritzen mit aufgearbeitetem, körpereigenem Blutplasma – ist nicht nachgewiesen.
  • Bei der sogenannten Röntgenreizbestrahlung (auch: Orthovolttherapie) wird das Gelenk über mehrere Wochen 6- bis 12-mal mit schwacher Röntgenstrahlung behandelt. Vergleichsstudien gibt es zu dieser Behandlung bislang nicht. Ob sie hilft, ist daher unklar.
  • Bei einer Radiosynoviorthese (RSO) wird eine schwach radioaktive Substanz in das Kniegelenk gespritzt. Ein Nutzen ist durch Studien nicht belegt, zudem gibt es Berichte über Komplikationen wie Knochen- und Gelenkentzündungen.
  • Von Eingriffen zur Behandlung des Knorpels raten Fachleute bei einer Kniearthrose ab – sie können die Beschwerden teilweise noch verstärken und haben keinen nachgewiesenen Nutzen. Hierzu gehören zum Beispiel die Pridie-Bohrung, Mikrofrakturierung und Knorpelzell- oder Knorpel-Knochen-Transplantationen.
  • Bei einer fortgeschrittenen Kniearthrose kann ein Gelenkersatz infrage kommen. Ein künstliches Kniegelenk kann die Beschwerden einer fortgeschrittenen Kniearthrose bei den meisten Menschen deutlich lindern. Nach der Operation ist eine aktive Rehabilitation sehr wichtig – und Geduld, bis man sich an das neue Knie gewöhnt hat.

Aus vielen Studien weiß man, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Chondroitin oder Glucosamin nicht helfen. Das gleiche gilt für die endoskopische Kniespülung und Knorpelglättung (Arthroskopie).

Zur Behandlung von Kniearthrose werden außerdem noch viele weitere Produkte und Therapien ohne nachgewiesenen Nutzen angeboten, unter anderem:

  • pflanzliche Präparate wie Teufelskralle
  • Lebensmittel oder Lebensmittelextrakte zum Beispiel auf Basis von Soja oder Avocado
  • Ultraschall-Therapien
  • transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Blutegel-Therapie
  • Hochton-Therapie
  • Magnetfeld-Therapie
  • Mikrowellen-Therapie

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Schlagwörter: Alter und Pflege, Gonarthrose, Kniearthrose, Muskeln, Knochen und Gelenke