Das erste künstliche Knie ist immer noch problemlos im Einsatz: Nach jetzt 17 Jahren!

Foto von Mann beim Nordic Walking
PantherMedia / Koldunov

Norbert, 59 Jahre

„Für mich war und ist es sehr wichtig, dass ich ein gutes Verhältnis zu meinem Arzt habe. Für den Arzt ist das Routine, aber für mich waren das sehr große Eingriffe.“

Um das Jahr 2000 herum fingen meine Knie an immer häufiger zu schmerzen. Ich wurde daraufhin untersucht und die Knie geröntgt: Es wurde Arthrose diagnostiziert.

Das linke Knie war etwas schlimmer dran als das rechte. Wir haben zuerst versucht, mit die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.

Trotzdem wurde es langsam schlechter. Ich war immer mehr im Gehen eingeschränkt. Treppen konnte ich nur unter Schmerzen gehen. Ich habe das linke Bein immer nachgesetzt, um es etwas zu schonen. Dadurch wurde wiederum das rechte Knie mehr belastet.

Es wurden immer wieder verschiedene Untersuchungen gemacht und Maßnahmen ergriffen, wie Spritzen ins Knie oder auch Kniespiegelungen. Die Wirkung war immer nur von kurzer Dauer.

Die erste Prothese wurde eingesetzt

Daraufhin haben mein Arzt und ich im Jahr 2004 entschieden, zunächst das linke, schlimmere Knie mit einem Gelenkersatz zu versehen. Mir wurde eine Vollprothese eingesetzt. Das hat hervorragend geklappt! Die Beweglichkeit des Knies wurde nach der Operation quasi von Stunde zu Stunde besser. Das war wunderbar!

Ich habe mich sehr gut bei dem behandelnden Arzt aufgehoben gefühlt und das ganze Team hat sich viel Mühe gegeben.

Im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt wurde in der Reha weiter an der Beweglichkeit des Knies gearbeitet. Das Knie hat sich sehr gut gemacht! Ich konnte wieder normal Treppen steigen. Dadurch wurde das rechte Knie entlastet und wir konnten mit der Operation am rechten Knie noch einige Jahre warten.

Ich wollte mit der Operation am anderen Knie auch so lange wie möglich warten, denn die Haltbarkeit einer Prothese ist begrenzt. Aber die medizinische Entwicklung geht weiter und je nach Situation kann man eine Prothese mehrfach austauschen.

Beim rechten Knie gab es Probleme

Nach etwa sieben Jahren musste dann doch das rechte Knie operiert und mit einem Gelenkersatz versehen werden. Nach dieser Operation hatte ich jedoch ein paar Probleme.

Einige Tage nach der Operation bin ich mit Gehhilfen schon eine etwas längere Strecke gelaufen. Am Abend wurde das Knie plötzlich dick. Ich dachte, ich habe es übertrieben. Das war aber nicht die Ursache. Das Knie wurde immer dicker und schmerzte immer mehr.

Nachoperationen und Antibiotika waren nötig

Die Ursache war: Es hatten sich im Knie eingenistet. Die Ärzte haben entschieden, dass nachoperiert werden muss. Danach sah es anfangs wieder gut aus. Aber über Nacht ist das Knie erneut dick geworden. Dann mussten sie es noch mal aufmachen, spülen und mit behandeln. Dann hat es zum Glück geklappt.

Warum sich das Knie infiziert hatte, konnte sich niemand wirklich erklären. Nach diesen Behandlungen hat es sich aber beruhigt und hat wunderbar funktioniert – bis heute.

Es war derselbe Operateur wie beim ersten Knie. Das Team im Krankenhaus hat sich wieder sehr viel Mühe gegeben. Da waren teilweise drei Ärzte am Bett und es wurde auch ein Mikrobiologe hinzugezogen, um die richtig auszuwählen. Ich habe mich sehr gut bei dem Arzt und in diesem Krankenhaus aufgehoben gefühlt.

Zuerst fühlte es sich immer etwas komisch an

Nach den Operationen fühlten sich die operierten Knie zuerst komisch an. Ich habe einen Unterschied im Knie gespürt, eine Art Fremdkörpergefühl. Das hielt so etwa zwei, drei Wochen an. Das ganze Knie ist durch die Operation ja auch in gewisser Weise durcheinander und aufgewühlt, wenn man das so sagen kann. Aber durch die Bewegung lief es sich wieder frei, und das Fremdkörpergefühl war verschwunden.

Nach den Operationen wurden die Knie jeweils erstmal mit Bewegungsschienen kontrolliert bewegt. Das bedeutet, dass in den Geräten ein Beugungsgrad eingestellt wird, bis wohin das Knie bewegt werden soll. Und dann geht das automatisch. Das fand ich gut, denn beim Selber bewegen hätte ich Sorge gehabt, es zu stark zu beugen.

Ich habe 15 Kilo abgespeckt

Ich bin seit mehr als 30 Jahren an rheumatoider Arthritis erkrankt und habe einen Diabetes entwickelt. Dazu kam die Arthrose in den Knien. Außerdem war ich übergewichtig. Irgendwann wurde mir klar: Ich muss abnehmen. Denn jedes Kilo zu viel wirkt sich ja auch auf die Knie aus.

Als dieser Beschluss gefasst war, habe ich meine Ernährung umgestellt. Ich habe bewusster gegessen, die Menge reduziert und auf Zwischenmahlzeiten verzichtet. Aber alles ohne mich zu kasteien. Wie sagt das Sprichwort: „Die Menge macht das Gift“. Dadurch habe ich innerhalb von 1,5 Jahren etwa 15 Kilo abgenommen und halte das erreichte Gewicht in etwa bis heute.

Beide Knie ermöglichen mir seit Jahren ein normales Leben

Das erste künstliche Knie ist immer noch problemlos im Einsatz: Nach jetzt 17 Jahren! Die rechte Prothese ist jetzt seit elf Jahren drin und macht leichte Probleme, vermutlich wegen der Schwierigkeiten nach dem Einsatz. Aber an sich funktioniert es noch sehr gut.

Nach den Operationen war es ein ganz anderes Leben für mich! Vorher rieb ja Knochen auf Knochen und der Schmerz war sehr heftig. Mit den künstlichen Knien war wieder ein normales Leben möglich. Der Schmerz war weg und das war eine riesige Entlastung! Ich konnte wieder Treppen gehen und Sport treiben. Klar, einige Sportarten sollte man nicht mehr machen. Ich bin nie Ski gefahren und das wäre vielleicht nicht so gut, jetzt noch damit anzufangen. Das stört mich nicht.

Bewegung und Sorge vor Stürzen

Ich halte meine Knie soweit wie möglich im Alltag in Bewegung und ich mache viel Nordic . Ich führe insgesamt ein ganz normales Leben und fühle mich nicht eingeschränkt. Ab und zu zwickt es mal, aber das finde ich nicht schlimm.

Im Hinterkopf habe ich aber schon immer Sorge, zu stürzen. Denn dann könnten die Gelenke beschädigt werden. Ich bin schon vorsichtiger als früher geworden. Zum Beispiel benutze ich beim Treppensteigen immer den Handlauf, um mich festzuhalten.

Ich war in die Entscheidungen eingebunden

In die Entscheidungen, die rund um die Behandlung der Knie getroffen wurden, war ich immer eingebunden. Das war mir von Anfang an wichtig. Es wurde mit mir besprochen, welche Möglichkeiten es gibt. So haben wir gemeinsam entschieden, was wir versuchen, um einen Gelenkersatz zu vermeiden. Und so war es auch später, als die Entscheidungen um die Prothesen anstanden. Mit meinem Orthopäden habe ich auch darüber gesprochen, welcher Arzt in welchem Krankenhaus passend für mich wäre.

Man sollte sich beim behandelnden Arzt und im Krankenhaus wohlfühlen

Ich finde, wenn man sich mit einem Arzt oder in einem Krankenhaus nicht wohlfühlt, sollte man so lange suchen, bis man ein gutes Gefühl hat. Es gibt sehr viele Ärzte und Krankenhäuser, die künstliche Kniegelenke einsetzen. Dafür sollte man sich die nötige Zeit nehmen.

Für mich war und ist es sehr wichtig, dass ich ein gutes Verhältnis zum behandelnden Arzt habe. Für den Arzt ist das Routine, aber für mich waren das sehr große Eingriffe. Meines Erachtens nach muss die Chemie zwischen Arzt und Patient stimmen. Für mich ist das eine Grundvoraussetzung für den Erfolg einer Behandlung. Auch dass man selbst hinter diesem Eingriff steht, finde ich ganz wichtig.

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

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Erstellt am 02. Juni 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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