Worin unterscheiden sich Knieprothesen?

Foto von Patient und Ärztin bei der Untersuchung
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Es gibt verschiedene Arten von Knieprothesen. Der wichtigste Unterschied besteht darin, ob die Prothese die gesamte Gelenkfläche oder nur einen Teil ersetzt. Beide Prothesentypen haben Vor- und Nachteile. Welches Modell infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Die Wahl einer geeigneten Knieprothese hängt vor allem vom Zustand der Bänder, Muskeln und Knochen ab. Daneben spielen das Alter und das Gewicht eine Rolle – und nicht zuletzt, wie körperlich aktiv man ist. Besteht eine gegen bestimmte Metalle, werden beschichtete Implantate verwendet. Gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt kann man die in der eigenen Situation möglichen Optionen besprechen. Bevor man sich entscheidet, besteht auch die Möglichkeit einer Zweitmeinung.

Künstliche Kniegelenke werden auch Knie-Endoprothesen genannt, da sie sich im Körper befinden (endo = griechisch für „innen“).

Wie ist ein künstliches Kniegelenk aufgebaut?

Ein künstliches Kniegelenk besteht aus mehreren Teilen:

  • einer Metallkappe, die ähnlich wie eine Zahnkrone am Ende des Oberschenkelknochens (Gelenkwalzen, -knorren oder Kondylen) aufgesetzt wird, nachdem die geschädigten Gelenkflächen entfernt wurden. Diese Kappe wird auch als Oberschenkel- oder Femurkomponente bezeichnet.
  • einer Scheibe, die die Gelenkfläche des Unterschenkels ersetzt. Sie besteht meist ebenfalls aus einer Metall-Legierung und wird auch als Schienbein-, Unterschenkel- oder Tibiakomponente bezeichnet. An ihrer Unterseite befindet sich ein kurzer Schaft, der im Unterschenkelknochen verankert wird.
  • einer Gleitfläche aus Polyethylen zwischen der Ober- und Unterschenkelkomponente. Sie ersetzt den Gelenkspalt und die Menisken und dient als Gleitfläche für das künstliche Kniegelenk. Manche Prothesen verwenden eine feste Auflage – andere eine bewegliche, die sich leicht um die eigene Achse drehen oder nach vorne und hinten gleiten kann.

Wenn die Rückseite der Kniescheibe stark von Arthrose geschädigt ist, kann auch sie durch eine Kunststoffscheibe ersetzt werden.

Wie unterscheiden sich Teil- und Total-Endoprothesen?

Je nachdem, ob ein oder mehrere Teile des Kniegelenks von Arthrose betroffen sind, kommt eine Teil- oder eine Total-Endoprothese (TEP) infrage:

  • Bei einer Teil-Endoprothese wird nur die betroffene Gelenkfläche des Oberschenkelknochens (eine Gelenkrolle) und die gegenüberliegende Gelenkfläche des Schienbeins ersetzt. Für eine Teilprothese müssen beide Kreuzbänder sowie das Innen- und Außenband noch intakt sein. Größere Fehlstellungen wie ausgeprägte X- oder O-Beine lassen sich mit diesen Prothesen nicht korrigieren. Andere Bezeichnungen für eine Teilprothese sind Hemischlitten, einseitiger Oberflächenersatz und unikondyläre Prothese.
  • Bei einer Total-Endoprothese (Knie-TEP), auch Vollprothese genannt, werden die gesamten Gelenkflächen des Oberschenkelknochens (beide Gelenkrollen) und des Schienbeinkopfs ersetzt.

Grafik: Ansicht: rechtes Knie von vorn; links: Teilprothese, rechts: Vollprothese (Knie-TEP) - wie im Text beschrieben

Ansicht: rechtes Knie von vorn; links: Teilprothese, rechts: Vollprothese (Knie-TEP)

Derzeit erhalten in Deutschland gut 85 % der Menschen, die sich für einen Gelenkersatz entscheiden, eine Vollprothese. Gut 10 % erhalten einen einseitigen Gelenkersatz. Fachleute gehen davon aus, dass eine Teilprothese für 25 bis 50 % aller Menschen mit Kniearthrose medizinisch infrage kommt.

Welche Arten von Total-Endoprothesen gibt es?

Bei den Vollprothesen unterscheidet man verschiedene Typen. Welche davon infrage kommt, hängt unter anderem von der Stabilität der Bänder, vom Zustand der Knochen und Muskeln sowie möglichen Fehlstellungen (X- oder O-Beine) ab:

  • Bei ungekoppelten Prothesen sind das obere und untere Prothesenteil nicht miteinander verbunden. Dies setzt voraus, dass das Innen- und Außenband des Knies sowie bei manchen Prothesen auch das hintere Kreuzband ausreichend stabil sind. Diese Bänder koordinieren bei einer ungekoppelten Prothese weiterhin die Bewegungen des Knies, beugen, strecken und drehen es. Das vordere Kreuzband wird bei den meisten Prothesentypen vor dem Einbau der Prothese entfernt. Andere Bezeichnungen für ungekoppelte Knie-TEPs sind bikondylärer Oberflächenersatz oder Doppelschlitten.
  • Teilgekoppelte Prothesen werden eingesetzt, wenn das hintere (posteriore) Kreuzband nicht ausreichend stabil ist und entfernt werden muss. Bei ihnen sind die beiden Prothesenteile durch eine Art Scharnier verbunden, das anstelle der Kreuzbänder für Stabilität sorgt. Das Scharnier gibt der Prothese vor, wie weit man das Knie beugen und strecken kann. Diese Prothesen werden auch als posterior stabilisierende Prothesen oder PS-Knie bezeichnet.
  • Bei gekoppelten Prothesen sind die beiden Prothesenteile für den Ober- und Unterschenkel mit einer Achse verbunden und auf jeder Seite durch einen langen Schaft im Knochen fixiert. Sie werden auch als achsgeführte Prothesen bezeichnet. Vollgekoppelte Prothesen werden eingesetzt, wenn das Innen- und Außenband nicht stabil genug sind. Weitere Gründe sind schlecht erhaltene Knochen und ausgeprägte Fehlstellungen (X- oder O-Beine).

Fast immer wird beim Einbau einer Vollprothese eine ungekoppelte oder teilgekoppelte Prothese eingesetzt. Gekoppelte Modelle sind oft erst nötig, wenn ein erstes künstliches Kniegelenk durch ein zweites ersetzt werden muss.

Wie wird die Prothese im Gelenk befestigt?

Knieprothesen unterschieden sich auch darin, wie die Prothesenteile befestigt werden:

  • Zementierte Knieprothesen werden mit einem speziellen Zwei-Komponenten-Kleber befestigt. Er wird auch als Knochenzement bezeichnet. Dies ist aber irreführend, da es sich ähnlich wie bei der Befestigung einer Zahnkrone um einen Kunststoff-Kleber und nicht um Zement handelt.
  • Zementfreie Prothesenteile werden auf den Knochen gepresst. Eine spezielle raue Oberfläche oder Beschichtung sorgt dafür, dass sie sich nach dem Einsetzen allmählich mit dem Knochen verbinden.

In Deutschland werden überwiegend zementierte Knieprothesen verwendet. Manchmal wird auch eine Komponente zementiert und die zweite zementfrei verankert.

Welche Vor- und Nachteile haben Teil- und Total-Endoprothesen im Vergleich?

Manche Menschen stehen vor der Entscheidung für einen einseitigen oder beidseitigen Gelenkersatz. Welcher sich für einen selbst am besten eignet, lässt sich gemeinsam mit dem Operateur besprechen. Außerdem kann es sinnvoll sein, sich eine Zweitmeinung einzuholen.

Beides hat unterschiedliche Vor- und Nachteile, die in der folgenden Tabelle zusammengefasst sind:

Tabelle: Vor- und Nachteile von Teil- und Total-Endoprothesen
  Einseitige Prothese (Teil-Endoprothese) Doppelseitige Prothese (Total-Endoprothese)
Wie lange hält die Prothese? Innerhalb von fünf Jahren müssen schätzungsweise 5 bis 10 % der Prothesen ausgetauscht werden. Der Vorteil: Oft ist es dann möglich, eine ungekoppelte oder teilgekoppelte Prothese einzusetzen.

Wenn die Operateurin oder der Operateur viel Erfahrung mit dem Einbau von Teilprothesen hat, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie ausgetauscht werden muss.
Innerhalb von fünf Jahren müssen etwa 3 bis 4 % der Prothesen ausgetauscht werden. Häufig ist dann eine teil- oder vollgekoppelte Prothese nötig.
Wie lange dauert es, bis man sich vom Eingriff erholt hat? Für die Rehabilitation reicht oft eine ambulante . In der Regel kann man nach etwa sechs Wochen wieder die meisten Tätigkeiten ausüben. An die Operation und den Krankenhausaufenthalt schließt sich eine dreiwöchige Rehabilitation an. In der Regel kann man nach etwa drei Monaten wieder die meisten Tätigkeiten ausüben. Bis sich Muskeln und Bänder vollständig erholt haben, kann es aber bis zu ein Jahr dauern.
Wie zufrieden sind Operierte ein Jahr nach dem Eingriff? Etwa 90 % der operierten Personen würden sich erneut für den Einsatz einer Teil-Endoprothese entscheiden. Etwa 80 % würden sich erneut für eine Total-Endoprothese entscheiden.
Wie häufig sind Komplikationen wie eine oder Lockerung der Prothese? Schätzungsweise 3 % haben im ersten Jahr nach dem Eingriff mit einer Komplikation zu tun. Schätzungsweise 5 % haben im ersten Jahr nach dem Eingriff mit einer Komplikation zu tun.
Wie zufrieden sind Operierte fünf Jahre nach dem Eingriff? Gut 90 % der operierten Personen würden sich erneut für den Einsatz einer Teil-Endoprothese entscheiden. Etwa 85 % würden sich erneut für eine Total-Endoprothese entscheiden.
Wie häufig sind Komplikationen während oder nach der Operation, wie zum Beispiel ein behandlungsbedürftiger Blutverlust? Schätzungsweise 5 % haben nach und während des Eingriffs mit einer Komplikation zu tun. Schätzungsweise 8 % haben nach und während des Eingriffs mit einer Komplikation zu tun.

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Aktualisiert am 02. Juni 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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