Es war wirklich schwer für mich anzunehmen, dass ich an Arthrose erkrankt bin

Foto von Frau bei der Wassergymnastik
PantherMedia / karelnoppe

Gabriela, 63 Jahre

„Mein Arzt hatte mir schon lange eine Operation angeboten, aber ich war noch nicht so weit. Irgendwann kam ich an einen Punkt, da ging nichts mehr.“

Die ersten Anzeichen einer Arthrose liegen bei mir schon länger zurück. Ich habe mit etwa Mitte 40 bemerkt, dass ich längere Strecken nicht mehr so gut gehen konnte. Da war kein Gelenk geschwollen oder so, aber ich hatte Schmerzen in den Knien und das Gefühl, dass der Körper steifer wird und meine Beweglichkeit nachließ. Bei Kälte wurden meine Finger und Handgelenke unglaublich steif und ich habe oft Stunden gebraucht, bis ich wieder etwas greifen konnte.

Ich bin damals auch sehr schnell ermüdet. Ich hatte so eine unheimliche Schwere im Körper. Jeder Schritt wurde beschwerlicher und ich habe mir gut überlegt, ob ich im Haus auf eine andere Etage gehe oder nicht.

Der ganze Körper war in Mitleidenschaft gezogen

Ich musste mich ständig hinlegen und ausruhen. Nachts bin ich oft wach geworden und musste das schmerzende Bein anders lagern. Oft habe ich mir Kissen daruntergelegt. Irgendwann wurde das Knie dick und ich bekam zudem Schmerzen in der Hüfte.

Ich hatte einen anderen Gang entwickelt, um das schmerzende Bein zu schonen. Dadurch veränderte sich der gesamte Körper, die Körperstatik sozusagen. Durch die Schonhaltung habe ich Rückenschmerzen bekommen. Die Probleme blieben am Ende also nicht nur auf das Knie beschränkt, sondern der ganze Körper war in Mitleidenschaft gezogen. Das drückte alles ziemlich auf meine Stimmung.

Das war ein jahrelanger Prozess, in dem es ganz langsam immer schlechter wurde. Irgendwann bin ich zum Arzt gegangen. Er hat dann Arthrose festgestellt.

Arthrose liegt wahrscheinlich auch in meiner Familie. Meine Mutter und meine Großmutter waren auch an Arthrose erkrankt. Meine Mutter hatte auch einen Gelenkersatz bekommen.

Ich habe mich mit der Diagnose schwergetan

Mit der Akzeptanz der habe ich mich sehr schwergetan. Ich bin ein Mensch, der schon immer viel Sport getrieben hat, gewandert und Rad gefahren ist. Ich bin nicht der Typ, der viel auf dem Sofa liegt. Es war wirklich schwer für mich anzunehmen, dass ich an Arthrose erkrankt bin.

Als ich es nach einer Zeit der Verarbeitung für mich doch annehmen konnte, ging es mir besser und es wurde leichter. Ich habe dann die Möglichkeiten genutzt, die ich mit der Erkrankung hatte. Ich bin viel Rad gefahren, weil ich längere Strecken nicht mehr laufen konnte. Das mache ich bis heute so: Ich erledige alles mit dem Rad. Auch im Urlaub mache ich viele Radtouren. Jetzt, mit zunehmendem Alter, habe ich mir ein Elektrorad angeschafft. Das klappt super! Das Rad ist das wichtigste Fortbewegungsmittel für mich geworden.

Bewegung im Wasser tat mir gut

Salben, Quark-Wickel oder auch Moorpackungen und andere Therapien dieser Art haben mir nie geholfen. Das Knie blieb dick. Was mir – zumindest anfangs – ganz gut geholfen hat, war , das mir mein Arzt ins rechte Knie gespritzt hat. Das half eine Zeit lang ganz gut. Aber dann wurden die Abstände zwischen den Spritzen immer kürzer, beziehungsweise sie wirkten immer kürzer und manchmal haben sie auch gar nicht mehr geholfen.

Was ich allerdings sehr gut fand, war Bewegung im Wasser. Wassergymnastik kann man gut allein machen oder auch in Gruppen. Zum Beispiel bieten manche Selbsthilfevereine solche Gruppenangebote an. Bei der Wassergymnastik trifft man meistens die gleichen Leute. Wir tauschen uns bei diesen Terminen oft aus und erzählen vorher und nachher noch, das ist immer schön!

Muskelaufbau ist wichtig

Krankengymnastik zum Muskelaufbau und für Beweglichkeit habe ich auch regelmäßig gemacht. Das Krafttraining war mir wichtig, weil ich wusste, irgendwann steht mir ein Gelenkersatz bevor. Ich bin davon ausgegangen, dass mir dann eine gute Muskulatur helfen würde. Ich bin mir sicher, dass mir dadurch die Zeit nach der Operation und auch die Rehabilitation leichter fielen.

Die Physiotherapeutin hat mir auch gezeigt, wie ich die Übungen daheim machen kann. Ich kann mich allerdings daheim nicht so disziplinieren, wenn ich allein üben soll. Eine Gruppe hilft mir da sehr oder in einer Praxis einen festen Termin zu haben! Wenn ich einen Termin habe, dann ist ein bisschen mehr Druck dahinter, diesen dann auch wahrzunehmen.

Keine größeren Familienfeiern mehr

Bei bestimmten Feiertagen oder wenn die Familie zusammenkam, da war mir im Vorfeld klar: Das wird anstrengend. Da habe ich schon vorher ab und zu Schmerztabletten genommen. Das mache ich heute eigentlich auch noch so.

Vor der Operation hatte ich regelecht Angst vor Feiern mit dem Bekanntenkreis. Das war wie ein Berg vor mir. Mich hat alles unendlich angestrengt und ich habe oft alles abgesagt oder gar nicht erst geplant. Ich wusste, dass schaffe ich nicht und ich würde Wochen brauchen, um mich wieder zu erholen.

Dann habe ich entschieden, dass ich so etwas nicht mehr mache und es gab keine großen Feierlichkeiten mehr. Das fiel mir am Anfang schwer. Aber ich habe begriffen, dass das nicht mehr ging. Ich musste in meinem Leben meine Kräfte einteilen. Ich hatte ja auch noch die Kinder und den Haushalt. Die meisten Freunde haben das gut verstanden und mich unterstützt.

Ich habe den Gelenkersatz so lange wie möglich rausgeschoben

Mir war auch klar, dass auf mich ein Gelenkersatz zukommen wird. Aber ich habe versucht, es so lange wie möglich hinauszuzögern. Meine Kinder waren ja noch daheim und ich habe versucht, möglichst alles im Alltag aufrecht zu erhalten. Ich konnte und wollte nicht wochenlang ausfallen, da mein Mann beruflich sehr eingespannt war.

Mein Arzt hatte mir auch schon lange eine Operation angeboten, aber ich war noch nicht soweit. Irgendwann kam ich an einen Punkt, da ging nichts mehr. Die Schmerzen wurden so stark, dass selbst die Schmerzmittel nicht mehr halfen. Zudem schlugen mir die Mittel auf den Magen. Für mich war die finale Entscheidung für einen Gelenkersatz eigentlich nur noch erleichternd. Zuerst habe ich dann das rechte Knie operieren lassen und ein Jahr später habe ich auch neue Hüftgelenke bekommen.

Es ist wie ein neues Leben

Und ich kann sagen: Es ist wie ein neues Leben! Ich kann nur jedem empfehlen, der in einer ähnlichen Situation steckt wie ich damals: nicht so lange zögern. Ich war so eingeschränkt, das war einfach kein Leben mehr!

Es liegt ja alles schon eine Weile zurück – 15 Jahre. Und ich bin sehr zufrieden! Ich habe keine Probleme und bis jetzt musste auch keines der künstlichen Gelenke ausgetauscht werden.

Beim Knie konnte ich mich schon acht Wochen nach der Operation im Alltag ganz normal ohne Gehstützen bewegen. Ich habe zwar noch Krankengymnastik bekommen, aber das ging schnell wieder sehr gut. Ich gehe davon aus, dass mein Muskeltraining vor der Operation dazu einiges beigetragen hat.

Bei der Hüfte hat es etwas länger gedauert, weil ich anfangs erst gar nicht und dann nur zum Teil belasten durfte. Erst zwei Monate nach der Operation konnte ich wieder voll belasten.

Zuerst hatte ich ein Fremdkörpergefühl und wenig Vertrauen ins neue Knie

Nach der Operation hatte ich ein etwas komisches Fremdkörpergefühl im Knie. Aber daran habe ich mich nach ein, zwei Wochen gewöhnt. Am Anfang hatte ich auch noch kein großes Vertrauen in das Knie, und noch ein paar Schmerzen von der Operation. Das alles hat sich schnell gelegt. Es wurde jeden Tag besser. Ich sollte ja sofort nach der Operation belasten.

Vor etwa zwei Jahren bin ich mit dem Fahrrad gestürzt, ziemlich übel sogar. Ich habe mir einen Trümmerbruch im Ellenbogen zugezogen. Ich bin auf die Seite gestürzt, auf der ich auch operiert wurde. Aber an der Prothese ist nichts kaputtgegangen – weder im Knie, noch in der Hüfte. Das wurde per Röntgenuntersuchung überprüft. Die Ärzte wollten sichergehen, dass alles noch sitzt.

Bei Schnee und Eis oder auch wenn viel Laub auf den Straßen und Wegen liegt, bin ich draußen aber sehr unsicher. Die Angst vor Stürzen ist schon enorm. Ich passe mehr auf als früher.

Meine Kinder haben mir sehr geholfen, meinem Mann fiel es schwer

Mein Mann kann mit Krankheiten nicht so sehr gut umgehen. Eigentlich wollte er mir nach der im Alltag helfen, aber das hat nicht so recht geklappt. Da sind schon Spannungen zwischen uns entstanden. Ich hatte mir etwas mehr Rücksichtnahme erwünscht. Aber er hat es auch nicht anders gelernt: Bei ihm zu Hause musste immer alles funktionieren. Krank zu sein, kam da nicht vor. Von daher kann ich seine Reaktion nachvollziehen.

Meine Kinder habe ich sehr früh einbezogen, da waren sie noch nicht in der Pubertät. Ich habe deutlich gesagt, was ich habe, was ich kann und was nicht. Sie haben das verstanden, angenommen und mir sehr viel geholfen!

Heute achte ich viel mehr auf mich und plane

Heute nehme ich mir bestimmte Dinge gezielt vor: Heute machst du dies für eine Stunde, morgen dann das. Ich ruhe mich zwischendurch immer aus und nehme mir Zeit für mich, lese unter anderem viel.

Normalerweise gehe ich so ein- bis zweimal in der Woche schwimmen, aber das geht ja aktuell nicht. Ab und zu gehe ich zur Krankengymnastik. Radfahren ist unheimlich wichtig für mich.

Oft lege ich mich nachmittags eine Stunde aufs Sofa und schlafe. Dann kommen die Kräfte zurück. Ich achte viel mehr auf meine Bedürfnisse als früher. Das tut meinem Körper und meinem Kopf sehr gut.

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

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Erstellt am 02. Juni 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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