Bis jetzt komme ich noch gut ohne Prothese klar

Foto von Mann und Hund beim Spaziergang
PantherMedia / Monkeybusiness Images

Dirk, 58 Jahre

„Als ich etwa Mitte 40 war, hat mir ein Oberarzt empfohlen, mal langfristig über ein künstliches Kniegelenk nachzudenken. Noch sollte ich aber möglichst warten.“

Die ersten Probleme mit meinem Knie hatte ich schon sehr früh in meinem Leben, so etwa im Alter von 20 Jahren. Ich habe damals intensiv Volleyball gespielt. Ich hatte keine großen Verletzungen oder Unfälle. Dennoch schmerzte, knirschte und schwoll das Knie immer wieder an, vermutlich durch die ständige starke Belastung. Das hat mich schon behindert, nicht nur beim Sport.

Bei mir wurden die Probleme mit den Knien wohl in die Wiege gelegt. Mein Vater hat mittlerweile zwei künstliche Kniegelenke. Meine Tante und mein Onkel haben auch Knieprobleme.

Viele Ärzte, viele Operationen und wenig Erfolg

Ich bin vom Sportverein zu verschiedenen Ärzten geschickt worden, um die Ursache für meine Kniebeschwerden zu finden. Ich habe Spritzen ins Knie und mehrere minimalinvasive Arthroskopien bekommen, der Knorpel wurde geglättet und mir wurde ein Schleimbeutel entfernt.

Nach den Operationen konnte ich zuerst wieder trainieren und Volleyball spielen. Aber lange ging das nicht gut. Das Knie ist immer wieder angeschwollen und hat geschmerzt. Ich vermute, dass diese Eingriffe vielleicht gar nicht so gut für das Knie waren. Gebracht haben sie mir jedenfalls nur eine kurzfristige Entlastung.

Als ich etwa Mitte 40 war, hat mir ein Oberarzt empfohlen, mal langfristig über ein künstliches Kniegelenk nachzudenken. Noch sollte ich aber möglichst warten. Wenn ich in so relativ jungem Lebensalter ein künstliches Gelenk bekommen hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, es im Alter noch mal austauschen zu müssen.

Anfangs viele Probleme nach Knorpeltransplantation

Für die Zwischenzeit hat er mir eine Knorpeltransplantation empfohlen. Ich war dafür offen. Es klang plausibel und ich wollte es probieren. Für die wurde mir Knorpel entnommen und im Labor vermehrt. Der wurde mir ein paar Wochen später dann wieder in das Knie eingesetzt. Ich hatte direkt nach dieser Operation extreme Schmerzen im Knie. An Belastungen war nicht zu denken. Nach der Rehabilitation, dem Muskelaufbau und stufenweiser Belastung wurde es aber langsam besser.

Das ist jetzt etwa zwölf Jahre her und mittlerweile komme ich gut klar. Ich kann auch wieder laufen und auch tanzen!

Wenn ich es übertreibe, dann wird das Knie dick. Aber wenn ich mich an meine Belastungsgrenzen halte, dann klappt das wunderbar.

Schmerzmittel nehme ich nur selten. Ich will die Schmerzen nicht ganz ausschalten, damit ich merke, wenn ich das Knie überlaste.

Muskelaufbau vor und nach der Operation war für mich wichtig

Kräftige Muskeln sollen helfen, schneller wieder auf die Beine zu kommen. Deshalb habe ich mit der Physiotherapeutin vor und direkt nach der Knorpeltransplantation das Knie belastet und unter anderem die Oberschenkel trainiert, um die Muskeln aufzubauen.

Dieses Anraten der Ärzte, immer wieder Sport zu machen, Muskeln aufzubauen und damit das Knie zu stabilisieren, ist oft schwierig umzusetzen. Man muss seine Belastungsgrenze finden. Denn eine Überlastung des Knies, die man vielleicht gar nicht wahrnimmt, führt oft zum Anschwellen des Knies. Und damit wieder zu einer Trainingspause.

Für mich war das allein sehr schwierig und hat mit der langsamen Belastung nicht so gut geklappt. Ich bin Sportler und habe mich oft überlastet. Ich brauchte Unterstützung der Physiotherapeutin.

Nach der Operation habe ich dann für etwa drei Monate eine ambulante Reha bekommen, in der ich gezielt und mit Unterstützung das Knie trainiert habe.

Der innere Schweinehund und die Übungen daheim

Am Anfang war ich sehr diszipliniert, aber aktuell mache ich keine gezielten Übungen mehr für das Knie. Der innere Schweinehund ist da oft stärker als ich. Die Disziplin oder Verpflichtung durch ein Gruppentraining fehlt etwas. Mit anderen zusammen fällt es mir oft leichter als allein daheim. Aber ich bewege mich viel im Alltag. Zum Beispiel gehe ich spazieren, mache Nordic oder fahre Rad, auch auf meinem Hometrainer.

Das Knie in Bewegung zu halten, ist sehr wichtig. Für mich klappt das am besten draußen, an frischer Luft und mit angepasster Belastung. Viel Bewegung ohne große Belastung. Ich finde auch regelmäßiges, kurzes Üben besser als einmal die Woche zwei Stunden. Jeden Tag zehn Minuten morgens und zehn Minuten abends. Das ist perfekt.

Wenn das Knie anschwillt, dann mach ich einfach weniger und lege das Bein hoch. Wenn ich schon vorher weiß, dass der Tag anstrengend wird, trage ich auch eine Bandage zur Entlastung des Knies.

Neues Kniegelenk ist eine Option für die Zukunft

Für mich kommt eine Prothese in Zukunft schon infrage: wenn es notwendig wird. Solange ich mit den relativ erträglichen Beschwerden umgehen kann, lasse ich es so, wie es ist.

Ich würde mir vor einem solchen Eingriff auf jeden Fall eine zweite Meinung einholen – von voneinander unabhängigen und auf Knie spezialisierten Ärzten. Das habe ich damals bei der Knorpeltransplantation auch gemacht. Es operieren ja viele Ärzte, aber es gibt Zentren und Kliniken, die sehr große Erfahrungen damit haben. Wichtig ist auch, den richtigen Zeitpunkt einer solchen Operation für sich zu finden. Und den richtigen Arzt: Eine vertrauensvolle Arzt-Patient-Beziehung ist für mich mittlerweile die Voraussetzung für eine solche Entscheidung.

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

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Erstellt am 02. Juni 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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