Welche Schmerzmittel können helfen?

Foto von Mann bei der Anwendung von Schmerzmitteln
PantherMedia / Monkeybusiness Images

Arthroseschmerzen lassen sich oft gut mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln behandeln. Allerdings sind häufig höhere Dosierungen nötig. Wegen ihrer möglichen Risiken wird empfohlen, Schmerzmittel nicht dauerhaft, sondern nur bei Bedarf einzunehmen.

Zur Behandlung von Arthrose werden meist Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika () eingesetzt. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Zu diesen Mitteln gehören unter anderem Diclofenac, und Naproxen. Zwei weitere entzündungshemmende Schmerzmittel mit ähnlicher Wirkung sind Celecoxib und Etoricoxib aus der Gruppe der . Sie werden auch Coxibe genannt. Die Medikamente werden eingenommen oder als Gel oder Creme auf das schmerzende Gelenk aufgetragen.

NSAR sind teilweise auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich – zum Beispiel zur Behandlung von Kopf- oder Regelschmerzen. Um bei Arthrose eine spürbare Linderung zu erreichen, sind aber oft höhere, verschreibungspflichtige Dosierungen nötig.

und Coxibe können Schmerzen wirksam lindern, aber auch Nebenwirkungen haben. Das Risiko für schwere Nebenwirkungen hängt vom Alter und den Begleiterkrankungen ab. Entzündungshemmende Schmerzmittel kommen aber nicht für alle Menschen infrage. Bestimmte Vorerkrankungen wie zum Beispiel eine oder Magengeschwüre können gegen die Einnahme sprechen oder regelmäßige Kontrollen erfordern. Manchmal reicht es auch, die Dosierung zu verringern. Wechselwirkungen mit bestimmten anderen Medikamenten wie () können ebenfalls ein Grund sein, auf oder Coxibe zu verzichten. Alternativ kann man eine Creme oder ein Gel mit einem Wirkstoff wie Diclofenac auf das Knie auftragen. Studien zeigen, dass dies die Schmerzen bei manchen Menschen mit Kniearthrose wirksam lindert. Auch der Wirkstoff Etofenamat steht als Creme oder Gel zur Verfügung. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht in aussagekräftigen Studien untersucht.

Manche Menschen machen sich zu viele Sorgen über mögliche Risiken von Schmerzmitteln. Einige befürchten zudem, davon abhängig zu werden. und Coxibe haben im Gegensatz zu opiathaltigen Schmerzmitteln (Opioiden) aber keine abhängig machende Wirkung. Andere Menschen sorgen sich, dass sie Warnsignale ihres Körpers nicht mehr spüren, wenn sie Schmerzmittel nehmen. Dies ist medizinisch jedoch unbegründet: Chronische Schmerzen sagen viel weniger über den Zustand der Gelenke aus, als man glaubt.

Am besten setzt man entzündungshemmende Schmerzmittel ergänzend zu anderen Behandlungen wie einer Bewegungstherapie ein. Ob man direkt vor dem Sport Schmerzmittel nehmen kann, bespricht man am besten mit seiner Ärztin oder seinem Arzt.

Wie werden NSAR und Coxibe angewendet?

Zur Gruppe der und Coxibe gehören verschiedene Wirkstoffe. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die bei Arthrose am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe und ihre Dosierungen:

Wirkstoff Übliche Dosis pro Einnahme Tägliche Höchstdosis
Celecoxib 100 bis 200 mg 400 mg
Diclofenac 50 bis 100 mg () 150 mg
Etoricoxib 30 bis 60 mg 60 mg
400 bis 800 mg 2400 mg
Naproxen 250 bis 500 mg 1000 mg

Fachleute empfehlen, diese Mittel nur bei Bedarf und nicht als Dauerbehandlung einzusetzen – also wenn die Schmerzen es erfordern. Dadurch lässt sich das Risiko für Nebenwirkungen senken.

Am besten fängt man mit einer möglichst niedrigen Dosis an und erhöht sie wenn nötig. Wichtig ist, die tägliche Höchstdosis eines Wirkstoffs nicht zu überschreiten.

Was kann ich von NSAR und Coxiben erwarten?

Entzündungshemmende Schmerzmittel können die Schmerzen zwar nicht unbedingt ganz beseitigen, aber meist lindern. Eine Wissenschaftlergruppe aus Bern hat die aussagekräftigsten Studien zur Wirkung von , Coxiben und Paracetamol bei Arthrose zusammenfassend ausgewertet – insgesamt über 70 Studien mit fast 60.000 Teilnehmenden. Als wirksamste Schmerzmittel haben sich Diclofenac 150 mg pro Tag und Etoricoxib 60 mg pro Tag erwiesen. Paracetamol hilft bei Arthrose nicht.

Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt aber auch von weiteren Erkrankungen ab und davon, welche Medikamente man noch nimmt. Daher ist es sinnvoll, sich vor einer Behandlung von einer Ärztin oder einem Arzt beraten zu lassen. Sie oder er kann dann unter anderem die Funktion der Nieren überprüfen, um sicherzustellen, dass nichts gegen die Einnahme spricht.

Wie häufig führen NSAR und Coxibe zu Nebenwirkungen?

Die häufigste Nebenwirkung von entzündungshemmenden Schmerzmitteln sind Magenprobleme. Sie reichen von leichten Beschwerden wie Magenverstimmungen und Bauchschmerzen bis hin zu ernsthaften Komplikationen wie Schleimhautentzündungen, Geschwüren oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Es kann hilfreich sein, die Mittel zusammen mit einer Mahlzeit einzunehmen.

Medikamente zum Magenschutz wie Omeprazol oder Pantoprazol können Magen-Darm-Komplikationen wirksam vorbeugen. Sie gehören zu den sogenannten Protonenpumpenhemmern () und verringern die Produktion von Magensäure. Nach Schätzungen aus Studien sind Magen-Darm-Komplikationen dann relativ selten:

  • Über eine Einnahmedauer von einem Jahr verursachen hochdosiertes Diclofenac oder Etoricoxib in Kombination mit einem bei 0,2 bis 0,4 % der Menschen eine Magen-Darm-Komplikation.
  • Bei hochdosiertem oder Naproxen ist dieses Risiko höher: Es liegt bei 0,6 bis 1,6 %.

können allerdings Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Zudem gibt es Hinweise, dass bei dauerhafter Anwendung das Risiko für Knochenbrüche erhöhen können.

Hochdosierte und Coxibe können auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen: Sie erhöhen das Risiko für solche Komplikationen pro Jahr um weniger als 1 %. Ausnahme ist Naproxen. Dieses Medikament zeigte in Studien kaum Einfluss auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Was kann gegen die Einnahme von NSAR und Coxiben sprechen?

Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko für Komplikationen des Magen-Darm-Trakts. Häufiger sind sie bei Menschen, die

  • über 65 Jahre alt sind,
  • schon einmal eine Gastritis, ein oder eine Magenblutung hatten,
  • eine mit Helicobacter-pylori-Bakterien haben,
  • viel Alkohol trinken,
  • gerinnungshemmende Herzmedikamente einnehmen, zum Beispiel wie „Marcumar“ oder ( wie in „Aspirin“),
  • Kortikosteroide („“) einnehmen,
  • ein Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) einnehmen,
  • mehrere entzündungshemmende Schmerzmittel gleichzeitig einnehmen oder
  • bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts haben wie oder .

Wenn das Risiko für Magenblutungen oder andere ernsthafte Komplikationen sehr hoch ist, kann es sinnvoll sein, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt andere Behandlungen in Betracht zu ziehen. Man sollte ärztlichen Rat einholen, wenn

  • die Magenschmerzen häufig auftreten oder stark sind,
  • der Stuhl schwarz eingefärbt ist,
  • Blut erbrochen wird (rot oder schwarz gefärbtes Erbrochenes) sowie
  • bei Anzeichen einer wie Abgeschlagenheit, Luftnot oder Blässe.

Sehr selten kann ein zu einem Durchbruch der Magenwand führen (Magenperforation). Diese Komplikation macht sich durch plötzlich auftretende, sehr starke Bauchschmerzen bemerkbar und ist lebensbedrohlich. Bei Verdacht auf einen Magendurchbruch ist es wichtig, sofort den Notruf 112 zu wählen.

Für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder mehreren Risikofaktoren dafür ist es ebenfalls sinnvoll, die Vor- und Nachteile einer Behandlung mit NSAR oder Coxiben gut abzuwägen. Für sie kann eine Schmerzbehandlung mit Naproxen sinnvoll sein, da dieses Schmerzmittel Herz und Kreislauf nicht beeinflusst.

Ist das Schmerzmittel Metamizol („Novalgin“) eine Alternative?

Metamizol ist ein fiebersenkendes und entzündungshemmendes Schmerzmittel, das den ähnelt. Es gibt jedoch keine Studien zu seiner Wirksamkeit bei Arthrose, auch nicht im Vergleich zu anderen Behandlungen. Das Mittel wird in Deutschland häufig eingesetzt, ist zur Behandlung von Arthrose aber nicht zugelassen und wird von medizinischen Fachgesellschaften auch nicht empfohlen.

Die Anwendung von Metamizol ist umstritten, da das Mittel zu einer zwar seltenen, aber sehr schweren Nebenwirkung führen kann, der sogenannten . Dabei nimmt die Zahl bestimmter weißer im Körper stark ab, was lebensbedrohlich werden kann. Mögliche Anzeichen für eine sind Fieber, Halsschmerzen und entzündete Schleimhäute. Das Risiko für diese Nebenwirkung wird auf deutlich weniger als 0,1 % geschätzt.

Sind Opioid-Schmerzmittel bei Arthrose sinnvoll?

sind verschreibungspflichtige Schmerzmittel, die zum Beispiel in der Notfall- und Intensivmedizin, zur Einleitung von Narkosen und zur Behandlung von krebsbedingten Schmerzen eingesetzt werden. Der bekannteste Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist das Morphin. Andere sind Buprenorphin, Codein, Hydromorphon, Oxycodon, Tapentadol, Tilidin und Tramadol.

können akute Schmerzen sehr wirksam lindern. Entgegen weit verbreiteter Annahmen gilt dies aber nicht für chronische Arthroseschmerzen: Aus Studien weiß man inzwischen, dass sie bei Arthrose oft nicht besser helfen als . Es gibt zudem Hinweise, dass ihre Wirkung bereits nach einigen Wochen nachlassen könnte.

können sinnvoll sein, wenn zur kurzfristigen Behandlung starker Schmerzen mehrere Medikamente benötigt werden oder um die Zeit bis zu einer Operation zu überbrücken. Sie kommen auch für Menschen infrage, die keine nehmen können.

sollten bei Arthroseschmerzen aber nicht routinemäßig und in der Regel nicht über längere Zeiträume eingesetzt werden. Sie können Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit, sexuelle Lustlosigkeit, Schwindel und Müdigkeit auslösen und die Fahrtüchtigkeit herabsetzen. Zudem besteht ein geringes Risiko für eine lebensbedrohliche Überdosierung. Es ist daher sehr wichtig, sich an die Anwendungshinweise der Ärztin oder des Arztes zu halten und die Dosierung nicht ohne Rücksprache zu erhöhen. Dies gilt auch für opioidhaltige Pflaster (Fentanylpflaster).

Fachleute raten, eine Behandlung mit Opioiden auf einen bis höchstens drei Monate zu beschränken, weil sie körperlich abhängig machen können. Nach Schätzungen aus Studien entwickeln etwa 6 % der Menschen bei längerer Anwendung eine Abhängigkeit.

Mögliche Gründe gegen eine Behandlung mit Opioiden sind unter anderem Kopfschmerzerkrankungen, Fibromyalgie, eine entzündete Bauchspeicheldrüse, entzündliche Darmerkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen.

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Erstellt am 17. Oktober 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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