Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)

Einleitung

Foto von Mann mit Tageszeitung
PantherMedia / Elizabeth Beeler-Atkinson

Bei einer akuten der (akute Pankreatitis) setzen ganz plötzlich sehr starke Bauchschmerzen ein. Die häufigsten Ursachen der Entzündung sind Gallensteine und ein zu starker Alkoholkonsum.

Meist ist die akute nach ein bis zwei Wochen überstanden. Sie kann aber auch zu Komplikationen und Folgeerkrankungen führen. Dann kann die Behandlung mehrere Monate dauern.

Eine Pankreatitis wird im Krankenhaus behandelt, weil sie bei einem schweren Verlauf auch lebensbedrohlich werden kann.

Symptome

Fast immer führt eine akute Pankreatitis zu heftigen Schmerzen im Oberbauch. Sie können auch in den Rücken ausstrahlen und werden meistens von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Oft kommt es auch zu Fieber, Kreislaufproblemen und einem aufgeblähten Bauch.

Die Schmerzen treten plötzlich auf und sind so stark, dass die meisten Betroffenen sofort zum Arzt gehen. In der Regel werden sie noch am gleichen Tag in ein Krankenhaus überwiesen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigste Ursache einer akuten Pankreatitis sind Gallensteine. Die Bauchspeicheldrüse produziert einen Verdauungssaft, der durch den Pankreasgang in den Zwölffingerdarm fließt. Dieser Gang vereinigt sich kurz vor dem Darm mit dem Gallengang. Wenn sich Gallensteine bilden und in den Gallengang wandern, können sie die gemeinsame Mündung verstopfen. Die Galle und der Pankreassaft werden dann gestaut. Man nimmt an, dass dieser Rückstau dazu führt, dass sich die entzündet.

Grafik: Gallensteine blockieren den Bauchspeichel- und Gallengang - wie im Text beschrieben

Gallensteine blockieren den Bauchspeichel- und Gallengang

Die zweithäufigste Ursache für eine Pankreatitis ist starker Alkoholkonsum. Wie Alkohol eine Pankreatitis auslöst, ist noch nicht genau geklärt – der Zusammenhang ist aber in vielen Studien beobachtet worden.

Andere Faktoren, die eine Pankreatitis begünstigen, sind Verengungen im Gallengang sowie erhöhte Werte bestimmter Fette (Triglyzeride) oder von im Blut. Manchmal wird eine akute Pankreatitis auch durch Arzneimittel oder eine Virusinfektion ausgelöst. Operationen der Gallenblase oder der Gallengänge können ebenfalls zu einer der führen – dies ist aber sehr selten.

Bei bis zu 10 von 100 Menschen mit Pankreatitis findet sich keine eindeutige Ursache.

Häufigkeit

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 56.000 Menschen wegen akuter Pankreatitis im Krankenhaus behandelt. Das entspricht ungefähr 70 von 100.000 Einwohnern. Die meisten Menschen erkranken nach dem 45. Lebensjahr. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Verlauf

Je nachdem, wie stark die ist und wie sehr sie das Drüsengewebe schädigt, kann die Erkrankung unterschiedlich verlaufen. Etwa 80 % der Menschen, die wegen akuter Pankreatitis behandelt werden, haben sie nach etwa ein bis zwei Wochen überstanden. Bei ungefähr 20 % treten ernsthafte Folgen auf. Wenn es dazu kommt, kann es Wochen oder Monate dauern, bis man wieder gesund ist.

Insgesamt sterben etwa 3 % der Menschen, die an akuter Pankreatitis erkranken, an Komplikationen.

Bei einer durch Gallensteine verursachten Pankreatitis kommt es oft zu einem . Zur Vorbeugung wird dann empfohlen, die Gallenblase zu entfernen.

Folgen

Eine häufige Folge einer akuten Pankreatitis sind sogenannte Pseudozysten. Das sind mit Verdauungssaft gefüllte Blasen, die sich einige Wochen nach der in der bilden können. Oft bleiben sie klein und unbemerkt, manchmal werden sie aber so groß, dass sie Beschwerden wie Magenverstimmung oder Völlegefühl verursachen. Bei größeren Pseudozysten besteht außerdem das Risiko, dass sie reißen und bluten oder eine auslösen.

Eine seltene, aber schwere Komplikation ist die sogenannte nekrotisierende infektiöse Pankreatitis. Davon spricht man, wenn ein Teil der abstirbt („nekrotisiert“) und sich das tote Gewebe mit infiziert. Diese Komplikation tritt meist in der zweiten oder dritten Woche nach Erkrankungsbeginn auf und ist sehr bedrohlich, weil sie zu einem sogenannten systemischen inflammatorischen Response-Syndrom (SIRS) führen kann. Hierbei breitet sich die von der auf den ganzen Körper aus. Erste Warnzeichen können hohes Fieber, aber auch eine zu niedrige Körpertemperatur, Blutdruckabfall sowie eine erhöhter Puls und schnelle Atmung sein. Das Syndrom kann dazu führen, dass eines oder mehrere Organe versagen.

Diagnose

Beim Verdacht auf eine Pankreatitis tastet die Ärztin oder der Arzt zunächst den Bauch ab. Sie oder er fragt zudem nach Risikofaktoren wie Alkoholkonsum, der Einnahme von Medikamenten und Hinweisen auf Gallensteine, wie krampfartige Oberbauchschmerzen (Koliken). In der Regel entnimmt die Ärztin oder der Arzt auch Blut und macht einen Ultraschall. Wenn sich der Verdacht auf eine akute Pankreatitis bestätigt, wird man ins Krankenhaus überwiesen. Eine entzündete Gallenblase, ein oder ein Magendurchbruch infolge eines Geschwürs können ähnliche Beschwerden verursachen wie eine Pankreatitis.

In der Blutprobe wird unter anderem der Gehalt von Lipase bestimmt. Dies ist ein , das in der gebildet wird und normalerweise in den Darm gelangt. Wenn sich deutlich mehr Lipase im Blut befindet als normal, deutet das auf eine Pankreatitis hin. Andere Blutwerte können auf einen Gallenstau hinweisen.

Meistens lässt sich bereits durch eine des Bauches erkennen, ob Gallensteine die Ursache sind. Auch wenn die durch die verändert ist, wird das oft schon im Ultraschall sichtbar.

Manchmal sind weitere Untersuchungen nötig. So können Gallengänge und Gallensteine auch mit einer () dargestellt werden. Oder es wird ein durch die Speiseröhre bis in den Zwölffingerdarm eingeführt (endoskopischer Ultraschall). Dies kann zum Beispiel helfen, Steine im Gallengang zu finden.

Eine wird gemacht, um Komplikationen wie das Absterben von Gewebe zu erkennen und den Verlauf zu beurteilen. Bei einer Pankreatitis, die durch Gallensteine ausgelöst wird oder mit einer des Gallengangs einhergeht, kann zur auch eine „endoskopisch-retrograde Cholangiografie“ (ERC) erforderlich sein. Dabei wird ebenfalls ein über die Speiseröhre bis zur Mündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm vorgeschoben. Dann wird ein Kontrastmittel in den Gang gespritzt, das vorhandene Steine auf dem Röntgenbild sichtbar macht. Im Rahmen der Untersuchung können die Steine mithilfe des Endoskops auch gleich entfernt werden. Die ERC geht aber mit einer Strahlenbelastung einher und kann zu verschiedenen Komplikationen führen.

Behandlung

Es gibt keine ursächliche Behandlung gegen Pankreatitis - aber verschiedene Möglichkeiten, die zu entlasten und die Beschwerden zu lindern. Da eine akute Pankreatitis zu einem Flüssigkeitsmangel führen kann, wird zunächst eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sichergestellt. Dazu kommt man an einen Tropf. Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen lassen sich durch Medikamente lindern. Oft sind starke Schmerzmittel () nötig, die schläfrig oder benommen machen können.

Damit sich die erholen kann, wird auf feste Nahrung verzichtet, bis es einem besser geht und man wieder Appetit hat. Bei einer leichten Pankreatitis ist es oft schon nach zwei Tagen wieder möglich, etwas zu essen. Bei länger andauernden Beschwerden kann eine künstliche Ernährung nötig werden, damit der Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird.

Wenn die Pankreatitis durch Gallensteine verursacht wird, kann es sein, dass die Steine schnell durch eine Cholangiografie entfernt werden müssen. Nach der Akutbehandlung wird die Gallenblase dann später durch eine Operation entfernt, um Rückfälle zu verhindern.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

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Statistisches Bundesamt (Destatis). Krankenhausstatistik - Diagnosedaten der Patienten und Patientinnen in Krankenhäusern. 11.12.2017.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Aktualisiert am 22. August 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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