Antibiotika richtig anwenden und Resistenzen vermeiden

Foto von Antibiotika (PantherMedia / ALESSIO FURLAN) Die Entdeckung von Antibiotika gehört zu den Sternstunden der Medizin: Sie können Infektionen heilen, die früher lebensbedrohlich waren – wie etwa bakterielle Lungenentzündungen. Durch unsachgemäßen Einsatz werden heute aber immer mehr Krankheitserreger unempfindlich gegen die Wirkstoffe. Die richtige Anwendung ist daher bei Antibiotika besonders wichtig.

Antibiotika sind sehr wirksam: Sie können Leben retten, aber auch die Beschwerden bakterieller Erkrankungen lindern und die Genesung beschleunigen. Sie werden jedoch viel zu häufig und oft fehlerhaft eingesetzt. Dadurch sind mittlerweile viele bakterielle Krankheitserreger unempfindlich gegen Antibiotika geworden. Durch die zunehmende Widerstandsfähigkeit (Resistenz) der Keime können viele Krankheiten nicht mehr so gut behandelt werden wie zuvor.

Um während einer Antibiotika-Therapie Resistenzen und auch Nebenwirkungen vorzubeugen, ist vor allem wichtig zu wissen:

  • Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Bei häufigen Infektionen, etwa Atemwegserkrankungen wie Husten, Schnupfen, Bronchitis oder Grippe, die meist durch Viren ausgelöst werden, helfen sie nicht.
  • Wenn man Antibiotika anwendet, ist es wichtig, sie über den gesamten verordneten Zeitraum zu nehmen und keinesfalls damit aufzuhören, sobald es einem besser geht.
  • Der übermäßige, unsachgemäße Gebrauch von Antibiotika führt zu unerwünschten Wirkungen und längerfristig zu abnehmender Wirksamkeit der Mittel.

Was genau ist eine Antibiotika-Resistenz?

Der lateinische Begriff „Resistenz“ bedeutet „Widerstand“. In der Medizin werden zum Beispiel Bakterien als „resistent“ bezeichnet, die gegenüber äußeren Einflüssen besonders widerstandsfähig sind.

Bakterielle Krankheitserreger können durch das körpereigene Immunsystem bekämpft werden, aber auch durch Medikamente. Bakterielle Infektionen können oft sehr wirksam mit Antibiotika behandelt werden. Es kann jedoch passieren, dass weder das körpereigene Immunsystem noch Antibiotika es schaffen, einen bakteriellen Krankheitserreger zu beseitigen – etwa weil er sich verändert hat. Das Bakterium ist gegenüber bestimmten Wirkstoffen resistent geworden und sichert sich so sein Überleben.

Wie entstehen Resistenzen?

Antibiotika-resistente Krankheitserreger entstehen durch natürliche Anpassungsmechanismen, spontane Erbgutveränderungen (Mutationen) oder durch den Austausch von Genen zwischen verschiedenen Bakterien. Gene sind die Träger der Erbinformationen einer Zelle. Ein resistenter Erreger hat genetische Informationen über resistenzfördernde Eigenschaften von anderen Bakterien erhalten und errichtet so selbst ein Schutzschild gegen die Medikamente.

Wenn Antibiotika nicht lange genug eingenommen werden, können zu viele der krank machenden Bakterien im Körper überleben. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Krankheit erneut auftritt. Außerdem können sich die restlichen Krankheitserreger anpassen und resistent werden. Beides hat zur Folge, dass noch mehr Antibiotika eingesetzt werden müssen, um die Keime zu beseitigen.

Zudem werden oft sogenannte Breitspektrum-Antibiotika eingesetzt. Sie wirken gegen viele verschiedene bakterielle Krankheitserreger. Ihre häufige Anwendung fördert aber die Resistenzbildung bei einer ganzen Palette von Erregern.

Resistente Erreger können nicht nur gegen ein Antibiotikum, sondern gleich gegen mehrere Antibiotika unempfindlich werden. Solche multi-resistenten Keime finden sich zum Beispiel in Krankenhäusern, da dort sehr viele verschiedene Krankheitserreger vorkommen und gleichzeitig sehr viele Antibiotika eingesetzt werden. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Hygienemaßnahmen in Kliniken auch zum Schutz vor Resistenzbildungen sorgfältig eingehalten werden.

Welche Bakterien sind resistent und warum sind diese gefährlich?

Häufige resistente Erreger gehören zu den Bakterien-Gattungen Streptokokken und Staphylokokken, darunter zum Beispiel der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Staphylokokken kommen auf Haut und Schleimhäuten vor und können bei übermäßiger Vermehrung zu Schädlingen werden.

Resistente Keime können mit vielen Antibiotika nicht mehr behandelt werden und sich unkontrolliert verbreiten. Infektionen mit solchen Erregern heilen daher nur langsam oder gar nicht mehr aus. Besonders für Kleinkinder und für Menschen mit schwachem Immunsystem – etwa ältere und chronisch kranke Menschen – kann dies ernste Folgen haben.

Was kann ich tun, um Antibiotika-Resistenzen vorzubeugen?

Wer Antibiotika mit Bedacht einnimmt, trägt dazu bei, Resistenzen zu vermeiden – und ist zugleich besser vor Nebenwirkungen geschützt. Dabei ist vor allem Folgendes wichtig:

  • Antibiotika über den gesamten Zeitraum einnehmen, für den sie verordnet wurden: Auch wenn die Beschwerden bereits abgeklungen sind, ist es wichtig, die Medikamente bis zum Ende einzunehmen und sie keinesfalls vorzeitig abzusetzen. Denn oft tritt eine Besserung schon ein, bevor alle Erreger abgetötet wurden. Antibiotika müssen je nach Erkrankung in der Regel über mehrere Tage bis Wochen eingenommen werden, um die Krankheitserreger beseitigen zu können.
  • Antibiotika nur dann einnehmen, wenn sie wirklich erforderlich sind: Es kommt immer wieder vor, dass Antibiotika bei Krankheiten verschrieben werden, bei denen ihr Einsatz keinen Vorteil bringt. Bei schweren bakteriellen Infektionen wie zum Beispiel Lungen- oder Gehirnhautentzündungen ist die Anwendung eines Antibiotikums notwendig. Anders ist es beispielsweise, wenn ansonsten gesunde Menschen Atemwegsinfektionen wie Erkältungen oder eine Virusgrippe bekommen. Bei normalem Krankheitsverlauf helfen Antibiotika nicht, da sie nur gegen Bakterien wirken. Außerdem können Antibiotika zu Nebenwirkungen wie allergischen Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit oder Pilzinfektionen führen. Es ist daher wichtig, die Vor- und Nachteile einer Einnahme sorgfältig abzuwägen.

Was ist bei der Anwendung von Antibiotika zu beachten?

Im Allgemeinen sollten nach einer Antibiotika-Behandlung keine Tabletten mehr in der Packung übrig sein. Der Inhalt einer Packung ist auf den Bedarf eines Behandlungszyklus abgestimmt. Falls doch einmal Tabletten übrig bleiben, sollten sie nicht für eine spätere Anwendung aufgehoben oder anderen Menschen gegeben werden. Medikamentenreste können in jeder Apotheke abgegeben werden. Eine Entsorgung über den Hausmüll oder über die Toilette belastet die Umwelt und trägt ebenfalls zur Resistenzbildung bei.

Medikamente können nur optimal wirken, wenn sie wie vorgesehen angewendet werden. Bei der Einnahme von Antibiotika ist wichtig zu wissen:

  • Darf eine Tablette zur leichteren Einnahme zerteilt werden? Bei manchen Medikamenten kann dies die Wirksamkeit beeinträchtigen.
  • Mit welchen Lebensmitteln dürfen sie eingenommen werden? Antibiotika werden in der Regel mit Wasser eingenommen, da die Einnahme mit Säften, Milchprodukten oder Alkohol die Aufnahme mancher Wirkstoffe in den Körper beeinflussen kann. Zu Milchprodukten gehören neben Milch auch Butter, Joghurt, Käse und Quark. Auch nach der Einnahme des Antibiotikums kann es erforderlich sein, bis zu drei Stunden mit dem Verzehr von Milchprodukten zu warten. Grapefruitsaft und Nahrungsergänzungsmittel mit Mineralstoffen wie Kalzium können die Wirkung von Antibiotika ebenfalls hemmen. 
  • Wann soll das Antibiotikum eingenommen werden? Manche Mittel sollten immer zur gleichen Tageszeit eingenommen werden – andere vor, während oder nach dem Essen. Wenn ein Medikament zum Beispiel dreimal am Tag eingenommen werden soll, müssen in der Regel feste Abstände eingehalten werden, damit es im Tagesverlauf möglichst gleichmäßig wirkt.
  • Werden gleichzeitig andere Medikamente eingenommen? Da Antibiotika Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben können, ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, wenn man noch andere Medikamente einnimmt. Wechselwirkungen sind etwa mit bestimmten Mitteln zur Blutverdünnung möglich und mit Mitteln, die die Magensäure binden (Antazida). Manche Antibiotika können die Wirkung der Antibabypille beeinträchtigen.

Ausführliche Informationen zur Anwendung eines Antibiotikums finden Sie im Beipackzettel. Wenn Sie unsicher sind, worauf Sie bei der Einnahme achten sollten, können Sie ärztlichen Rat einholen oder in einer Apotheke nachfragen.

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