Wie gefährlich ist Covid-19?

Foto von Mann mit Husten
Panthermedia / belchonock

Eine Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kann unterschiedliche Folgen haben. Die meisten Menschen erkranken nicht oder nur leicht, andere haben einen schweren Verlauf und sterben sogar daran.

Wie gefährlich eine mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 ist, hängt vor allem davon ab,

  • wie alt jemand ist,
  • ob Vorerkrankungen bestehen,
  • vom Impfstatus und
  • von der Virus-Variante.

Welche Folgen kann eine Ansteckung mit Corona haben?

Eine Ansteckung durch SARS-CoV-2 kann sehr unterschiedlich verlaufen. Es lassen sich vier Gruppen unterscheiden:

  • Personen, die nach einer Ansteckung keine Symptome zeigen und die gar nicht selbst bemerken.
  • Personen mit einem leichten oder mittelschweren Verlauf: Bei ihnen reichen die Covid-19-Beschwerden von Erkältungsanzeichen bis zu grippeähnlichen und belastenden Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und starker Müdigkeit. Die Erkrankung heilt aber nach wenigen Wochen folgenlos ab.
  • Personen mit einem schweren Verlauf: Dabei greift Covid-19 auf die Lunge oder andere Organe über und es ist meist eine Behandlung in einem Krankenhaus nötig. Manche Menschen müssen beatmet werden. Je nach Schwere der Komplikationen kann es lange dauern, bis man sich wieder erholt. Ein Teil der Betroffenen stirbt an der Erkrankung.
  • Manche Menschen berichten auch nach einem leichten oder mittelschweren Krankheitsverlauf davon, dass sie mehrere Wochen anhaltende Beschwerden haben wie Müdigkeit, eingeschränkte Belastbarkeit, , und Konzentrationsstörungen. Auch depressive Beschwerden und Ängstlichkeit treten auf. Wenn solche Symptome länger als vier Wochen nach einer bestätigten Corona-Infektion anhalten, werden sie als Long Covid bezeichnet. Dauern sie länger als zwölf Wochen an, nennt man dies Post-Covid-Syndrom. Wie viele Menschen davon betroffen sind, ist nicht genau bekannt.

Verschiedene Varianten des Corona-Virus (zum Beispiel: Alpha, Beta, Delta, Omikron) unterscheiden sich auch dadurch, wie häufig sie eher leichte oder eher schwere Verläufe auslösen.

Wie hoch ist das Risiko, an einer Coronainfektion zu sterben?

Das Risiko kann nur geschätzt werden. Dies liegt unter anderem daran, dass aufgrund der beschwerdelosen Verläufe nicht genau bekannt ist, wie viele Menschen sich tatsächlich infiziert haben. Nur ein Teil der Infektionen wird gemeldet. Bei Studien aus anderen Ländern kommt hinzu, dass sich der Gesundheitszustand der Bevölkerung unterscheiden kann. Dann lassen sich Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen. Verschiedene internationale Wissenschaftlergruppen kommen deshalb zu unterschiedlichen Sterblichkeitsrisiken für ungeimpfte Personen.

In Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 1 von 100 ungeimpfte Menschen an den Folgen ihrer Coronainfektion (mit der Alpha- und Delta-Variante) gestorben. Bei jungen Menschen ist das Risiko deutlich keiner, mit dem Alter nimmt es aber zu.

Mit der Ausbreitung der Omikron-Variante könnte sich das Sterberisiko verringern. Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass eine mit der Omikron-Variante etwa halb so oft schwer verläuft wie eine mit der Delta-Variante. Ein möglicher Grund: Das Omikron-Virus vermehrt sich stärker im Nasen-Rachen-Raum und befällt seltener die Lunge. Allerdings ist Omikron deutlich ansteckender.

Welche Rolle spielt das Alter?

Mit dem Alter steigt das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken und zu sterben. Ab einem Alter von 50 Jahren nimmt das Risiko stärker zu.

Die folgende Tabelle zeigt das ungefähre Risiko für nicht geimpfte und nicht genesene Menschen, an einer Corona-Infektion zu sterben. Hinweis: Diese Daten stammen gelten für die bis Ende 2021 verbreiteten Virus-Varianten Alpha bis Delta. Für das Omikron-Virus könnte das Risiko niedriger liegen.

Alter Wie viele nicht Geimpfte / nicht Genesene sterben in etwa an einer Corona-Infektion?
Angabe pro 100.000 Angabe in Prozent
0 bis 4 Jahre 1 bis 2
von 100.000
bis zu 0,002 %
5 bis 14 Jahre 1 bis 4
von 100.000
bis zu 0,004 %
15 bis 34 Jahre 10 bis 40
von 100.000
bis zu 0,04 %
35 bis 59 Jahre 120 bis 350
von 100.000
bis zu 0,35 %
60 bis 79 Jahre 1.000 bis 4.000
von 100.000
bis zu 4 %
über 80 Jahre 6.000 bis 16.000
von 100.000
bis zu 16 %

Welche Vorerkrankungen erhöhen das Risiko?

In jedem Alter hängt das Risiko für einen schweren Verlauf auch davon ab, ob man bestimmte Erkrankungen hat. Dazu gehören zum Beispiel:

Auch Menschen, die Medikamente einnehmen, die das schwächen, haben ein höheres Risiko. Zu den Medikamenten gehören oder Mittel gegen die Abstoßung nach einer Organtransplantation. Auch Raucherinnen und Raucher sind davon eher betroffen. Männer erkranken häufiger schwer als Frauen.

Menschen mit Down-Syndrom haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf.

Erhöhtes Risiko durch Vorerkrankungen: ein Beispiel

Das folgende Beispiel soll veranschaulichen, was „erhöhtes Risiko“ bedeuten kann.

  • Menschen mit einer COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) haben ein um 70 % erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Stellen wir uns zwei Gruppen mit 100.000 Menschen im Alter von 65 Jahren vor. Eine Gruppe hat , die andere nicht.

65-Jährige ohne 65-Jährige mit
Angenommen,
etwa 3.000 von 100.000 Menschen
haben einen schweren Verlauf.
Dann bedeutet ein um "70 % höheres Risiko":
Etwa 5.100 von 100.000 Menschen
haben einen schweren Verlauf.

Hinweis: Die Zahlen sind beispielhaft gewählt und keine präzisen Angaben für Menschen mit in Deutschland.

Was schützt vor einem schweren Verlauf?

Studien zeigen, dass die zugelassenen Impfstoffe sehr gut vor einer schweren Erkrankung schützen. So zeigte die Zulassungsstudie zum Impfstoff Comirnaty (Biontech/Pfizer) einen Schutz von 96 % vor schweren Erkrankungen.

Der Schutz vor einer schweren Erkrankung kann mit der Zeit jedoch nachlassen. Dies trifft vor allem Menschen über 60 Jahre und Vorerkrankte.

Es gibt auch Menschen, die trotz einer keinen ausreichenden Immunschutz entwickeln. Dazu gehören Menschen mit Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen und auch einige ältere Leute, vor allem Menschen über 80 Jahre.

Wie gefährlich sind Impfdurchbrüche?

Impfdurchbruch bedeutet: jemand erkrankt trotz einer an Covid-19.

Wichtig ist

Ein positiver PCR-Test allein ist kein Impfdurchbruch. Erst wenn Symptome auftreten, spricht man davon.

Für die meisten Menschen sind Impfdurchbrüche ungefährlich. Es können zwar stärkere Beschwerden auftreten, diese legen sich aber in der Regel innerhalb weniger Wochen wieder. Gefährlicher sind Impfdurchbrüche für Ältere oder vorerkrankte Menschen.

Erhöht eine Auffrischimpfung den Schutz?

Die meisten Menschen sind durch zwei Impfdosen mehrere Monate vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt. Eine dritte kann aber den Schutz vor einer schweren Erkrankung oder einer Übertragung des auffrischen.

Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Erwachsenen eine 3. ( oder "Booster-Impfung) 3 Monate nach der 2. .

Menschen ab 70 Jahren, Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen sowie Immungeschwächten wird zudem eine 4. empfohlen. Diese soll frühestens 3 Monate nach der 3. erfolgen.

Zur sind die mRNA-Impfstoffe Comirnaty (Biontech/Pfizer) und Spikevax (Moderna) zugelassen.

Durch die werden vermehrt gebildet und auch das längerfristige Immungedächtnis aktiviert. Studien zeigen, dass ältere und vorerkrankte Menschen dann seltener schwer erkranken.

Können Medikamente das Risiko für einen schweren Verlauf verringern?

Bislang gibt es nur wenige zugelassene Medikamente, mit denen Covid-19 gezielt behandelt werden kann. Diese können die Krankheit nicht verhindern, aber das Risiko für einen schweren Verlauf verringern. Der beste Schutz vor einem schweren Verlauf ist aber weiterhin die .

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Aktualisiert am 07. Februar 2022
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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