Was kann ich von einem Gelenkersatz erwarten?

Foto von Mann beim Gärtnern (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Wenn Bewegungstherapie und Schmerzmittel die Beschwerden bei einer Kniearthrose nicht ausreichend lindern, kommt ein Gelenkersatz infrage. Nach zehn Jahren sind noch über 90 % der Knieprothesen intakt.

Ein Gelenkersatz kann Arthrosebeschwerden bei den meisten Menschen sehr wirksam lindern. Es handelt sich aber um eine große Operation, die mit verschiedenen Risiken verbunden ist. Je jünger man bei der Operation ist, desto wahrscheinlicher ist es außerdem, dass die Prothese irgendwann ausgetauscht werden muss. Manche Fachleute kritisieren zudem, dass in Deutschland mehr Menschen am Knie operiert werden als nötig. Bevor man sich zu dem Eingriff entscheidet, lohnt es sich daher, sich gut zu informieren. Es kann auch sinnvoll sein, eine zweite Meinung bei einer anderen Ärztin oder einem anderen Arzt einzuholen. Durch verschiedene Behandlungen lässt sich eine Operation oft noch für längere Zeit hinausschieben. Auch nach dem Einbau eines künstlichen Kniegelenks benötigen manche Menschen weiterhin Schmerzmittel.

Wann kommt ein Gelenkersatz infrage?

Eine deutsche Forschungsgruppe aus Wissenschaft, Medizin und Physiotherapie hat zusammen mit Patientenvertretern Empfehlungen zum geeigneten Zeitpunkt für einen Gelenkersatz erarbeitet. Er kommt demnach infrage, wenn

  • seit mehreren Monaten starke Knieschmerzen bestehen, an mehreren Tagen in der Woche oder dauerhaft,
  • andere wirksame Behandlungen einschließlich Schmerzmittel und Bewegungstherapien über mehrere Monate keine ausreichende Linderung verschafft haben,
  • die Lebensqualität stark beeinträchtigt ist und
  • für Arthrose typische Veränderungen des Kniegelenks durch eine Röntgenuntersuchung im Stehen eindeutig nachgewiesen sind.

Zusätzlich zu diesen Hauptkriterien hat die Wissenschaftlergruppe Nebenkriterien festgelegt, die bei der Entscheidung für einen Gelenkersatz einbezogen werden können. Dies sind: Einschränkungen beim Gehen und Treppensteigen, eine Fehlstellung der Beine oder deren Zunahme, ein instabiles Kniegelenk, eine schwache Muskulatur, Probleme beim Knien oder Hinsetzen, Probleme im Haushalt oder bei der Nutzung von Verkehrsmitteln, Einschränkungen im Beruf und in der Freizeit sowie Abhängigkeit von der Unterstützung durch andere.

Manchmal können medizinische Gründe gegen einen Eingriff sprechen – wie zum Beispiel schwere Erkrankungen, die das Operationsrisiko erhöhen.

Wie gut hilft ein künstliches Kniegelenk?

Auch bei einer fortgeschrittenen Kniearthrose kann eine Behandlung ohne Operation (konservative Behandlung) Beschwerden wirksam lindern. Dänische Wissenschaftler haben untersucht, was Menschen mit einer fortgeschrittenen Kniearthrose von einem Gelenkersatz erwarten können. Dazu verglichen sie zwei Gruppen von Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern mit einem Durchschnittsalter von 66 bis 67: Eine Gruppe erhielt eine zwölfwöchige konservative Behandlung, die andere zusätzlich zur konservativen Behandlung auch einen Gelenkersatz.

Die konservative Behandlung bestand aus Bewegungstherapie, einer leichten Gewichtsabnahme von etwa 3 kg, Schmerzmitteln, Schuheinlagen und einer Schulung zum Umgang mit der Arthrose.

Die Studie zeigte nach einem Jahr:

  • Bei 67 % der Personen, die nur eine konservative Behandlung erhielten, besserten sich die Beschwerden spürbar. Sie sind in den zwei folgenden Jahren ohne Operation ausgekommen.
  • Bei 85 % der Personen, die zusätzlich einen Gelenkersatz erhielten, besserten sich die Beschwerden spürbar.

Die Studie zeigt außerdem, dass ein Gelenkersatz die Beschwerden stärker lindert als eine rein konservative Behandlung.

Die folgende Grafik stellt die Stärke der Beschwerden vor und nach der Behandlung dar, wobei ein Wert von 100 für maximale Beschwerden und ein Wert von 0 für völlige Beschwerdefreiheit steht. 

Grafik: Wie gut lindert ein Gelenkersatz die Beschwerden im Vergleich zu einer konservativen Behandlung?

Die Ergebnisse aus dieser Studie sind Durchschnittswerte – das heißt, ein Gelenkersatz lindert die Beschwerden bei manchen Menschen deutlicher, bei anderen weniger gut. Dies hängt unter anderem davon ab, wie stark die Arthrose vor dem Eingriff war.

Zusammenfassend kann man also sagen:

  • Eine konservative Behandlung ist auch bei den meisten Menschen mit einer fortgeschrittenen Arthrose noch wirksam. Sie kann helfen, Knieoperationen um einige Jahre hinauszuzögern oder vielleicht sogar zu vermeiden.
  • Wenn dann ein Gelenk ersetzt wird, kann die Operation die Beschwerden in der Regel deutlich lindern.

Welche Risiken hat die Operation?

Bei schätzungsweise 5 % der Gelenkersatz-Operationen kommt es zu einer Komplikation.

Nach der Operation kann es zu einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie kommen. Um dem vorzubeugen, erhält man in der Regel für mindestens zwei Wochen gerinnungshemmende Medikamente (Tabletten oder Heparin-Spritzen).

Im ersten Jahr nach dem Eingriff kommt es bei etwa 1 % der Operierten zu einer Entzündung im Bereich des neuen Kniegelenks. Wenn es nicht gelingt, die Infektion in den Griff zu bekommen oder sie zu spät bemerkt wird, kann es notwendig werden, die Prothese auszutauschen.

Andere seltene Komplikationen sind starker Blutverlust während des Eingriffs, der eine Bluttransfusion notwendig macht, und Wundheilungsstörungen nach der Operation. Sie können den Krankenhausaufenthalt verlängern und weitere Behandlungen erfordern. Dass während der Operation Nerven, Sehnen oder Bänder verletzt werden, kommt sehr selten vor.

Daneben bestehen allgemeine Operations- und Narkoserisiken.

Was kann ich langfristig von einem künstlichen Kniegelenk erwarten?

Studien zeigen, dass etwa 80 % der Menschen auch längerfristig mit ihrem künstlichen Kniegelenk zufrieden sind. Nach der Operation dauert es in der Regel einige Monate, bis man sich – unterstützt durch eine Nachbehandlung – an das neue Knie gewöhnt hat. Die Schmerzen gehen in der Regel deutlich zurück. Viele Menschen können nach der Operation wieder Tätigkeiten ausüben, die ihnen vorher nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich waren. Auch Fehlstellungen des Kniegelenks lassen sich durch einen Eingriff oft korrigieren.

Etwa 20 % der Operierten haben weiterhin mit starken Schmerzen oder anderen Problemen zu tun, weil sie zum Beispiel das Knie nicht gut beugen können. Auch das Knien ist oft schwierig und kann schmerzhaft sein. Zudem reicht die Beweglichkeit nach der Operation nicht immer aus, um sich ganz hinzuknien und dabei das Gesäß auf den Füßen abzusetzen.

Wovon hängt die Haltbarkeit eines künstlichen Kniegelenks ab?

Die Haltbarkeit einer Knieprothese hängt von vielen Faktoren ab – ein Beispiel ist die Belastung, der sie ausgesetzt wird. Ein Austausch der Prothese kann nötig werden, wenn sich Teile lockern oder abnutzen, es zu einer Infektion kommt, die Bänder instabil werden oder manchmal, weil die Prothese schlecht sitzt.

Auch die Art der Prothese spielt eine Rolle: So wird bei einer sogenannten Teilprothese nur eine Seite des Kniegelenks ersetzt. Diese Prothese kommt infrage, wenn die Arthrose zum Beispiel nur die Innenseite des Knies geschädigt hat und noch alle Bänder intakt und stabil sind. Dagegen wird bei einer Vollprothese sowohl die Innen- als auch die Außenseite des Kniegelenks ersetzt (siehe Abbildung).

 

Grafik: Ansicht: rechtes Knie von vorn; links: Teilprothese, rechts: Vollprothese - wie im Text beschriebenAnsicht: rechtes Knie von vorn; links: Teilprothese, rechts: Vollprothese

Teilprothesen müssen etwas häufiger ausgetauscht werden als Vollprothesen. Dies kann zum Beispiel nötig sein, wenn auch in anderen Teilen des betroffenen Knies Arthrose entsteht.

Bislang gibt es aus Deutschland keine Zahlen über die Haltbarkeit von Teil- und Vollprothesen, da es hier erst seit wenigen Jahren ein Prothesenregister gibt. Daten aus anderen Ländern liefern jedoch Hinweise. Wie häufig ein Gelenkersatz innerhalb von zehn Jahren ausgetauscht werden muss, zeigt die folgende Grafik für Teil- und Vollprothesen im Vergleich:

Grafik: Wie oft muss ein künstliches Kniegelenk nach 10 Jahren ausgetauscht werden?

Zu bedenken ist: Teilprothesen müssen etwas häufiger ausgetauscht werden. Dafür ist die Operation aber kleiner und die Rehabilitation nach dem Eingriff kürzer. Außerdem geht beim Wechsel von Teilprothesen weniger Knochen verloren und er ist technisch oft einfacher als der Wechsel einer Vollprothese. Für welche Prothese man sich entscheidet, hängt letztlich aber auch vom Grund für den Prothesenwechsel und der individuellen Situation ab.

Muss meine Prothese irgendwann ausgetauscht werden?

Langfristig kann es erforderlich sein, eine Prothese auszutauschen, weil sie sich abnutzt. Wie stark eine Prothese verschleißt, ist sehr unterschiedlich. Ob sie im Laufe des Lebens ausgetauscht werden muss, hängt außerdem stark vom Alter eines Menschen ab: Je jünger man zum Zeitpunkt der Operation ist, desto eher muss eine Prothese irgendwann ausgetauscht werden.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick.

Tabelle: Wahrscheinlichkeit, dass ein künstliches Kniegelenk irgendwann ausgetauscht werden muss
Alter bei Einbau Wahrscheinlichkeit bei Männern Wahrscheinlichkeit bei Frauen
50 Jahre 35 % 20 %
60 Jahre 18 % 16 %
70 Jahre 6 % 5 %
80 Jahre 2 % 2 %

Wer bereits in jüngeren Jahren Arthrose hat und es schafft, den Einbau eines künstlichen Kniegelenks durch andere wirksame Behandlungen hinauszuzögern, kann eine zweite Operation möglicherweise abwenden.

Schlagwörter: Alter und Pflege, Gelenkersatz, Gonarthrose, Kniearthrose, Muskeln, Knochen und Gelenke