Schmerzmittel bei rheumatoider Arthritis

Foto von Mann bei der Medikamenteneinnahme
PantherMedia / nyul

Entzündungshemmende Schmerzmittel und können Rheumabeschwerden lindern. Sie schützen aber nicht vor Gelenkschäden. Sie eignen sich, um akute Schmerzen zu lindern und die Zeit zu überbrücken, bis die Wirkung krankheitsmodifizierender Mittel einsetzt.

Krankheitsmodifizierende Medikamente können Entzündungsreaktionen im Körper hemmen und dadurch Gelenkschäden vorbeugen und Beschwerden lindern. Bis ihre Wirkung einsetzt, kann es allerdings mehrere Wochen dauern. In der Zwischenzeit können Rheumabeschwerden durch Schmerzmittel und Kortisonpräparate gelindert werden.

Welche Vor- und Nachteile haben nicht steroidale Antirheumatika (NSAR)?

Entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der können gegen Gelenkschmerzen helfen. Zu diesen Mitteln gehören:

  • Celecoxib
  • Diclofenac
  • Etoricoxib
  • Naproxen

In Studien linderten diese Mittel die Beschwerden bei etwa 15 von 100 Personen.

Mögliche Nebenwirkungen entzündungshemmender Schmerzmitteln sind:

  • Magenverstimmungen: bei etwa 3 von 100 Personen.
  • Magengeschwüre und Magenblutungen: bei bis zu 2 von 100 Personen, die über ein Jahr nehmen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: bei bis zu einer von 100 Personen, die über ein Jahr nehmen.

Wie hoch das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der eingesetzten Dosis und dem Wirkstoff. Celexocib und Etoricoxib führen seltener zu Magenbeschwerden als andere .

Mit Ausnahme von können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte etwas erhöhen. Bei Naproxen ist dieses Risiko am geringsten. Daher ist es für Menschen mit Rheuma und einer Herz-Kreislauf-Erkrankung am besten geeignet.

Bei langfristiger Einnahme können Magengeschwüre verursachen. Dies macht sich in der Regel durch drückende Schmerzen im Oberbauch bemerkbar, die vor allem nach dem Essen auftreten, wenn der Magen mehr Säure produziert. Manchmal bleibt ein aber auch unbemerkt und wird erst festgestellt, wenn es zu ernsthaften Komplikationen wie einer Magenblutung kommt.

Wann ist das Risiko für Nebenwirkungen erhöht?

Magengeschwüre oder Blutungen treten eher bei Menschen auf, die

  • über 65 Jahre alt sind,
  • andere ernsthafte Erkrankungen haben, insbesondere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie oder ,
  • bereits eine Gastritis, ein Magengeschwür oder eine Magenblutung hatten,
  • eine mit Helicobacter-pylori-Bakterien haben,
  • viel Alkohol trinken,
  • gerinnungshemmende Herzmedikamente einnehmen, zum Beispiel wie „Marcumar“ oder ( wie in „Aspirin“),
  • ein Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI),
  • Kortikosteroide () oder
  • mehrere entzündungshemmende Schmerzmittel gleichzeitig einnehmen.

Für Menschen mit Nierenerkrankungen können unter Umständen ebenfalls problematisch sein.

Wie kann man Nebenwirkungen vermeiden?

sollten nur bei Bedarf und nicht über längere Zeit eingenommen werden – also nur, wenn es bei akuten Schmerzen nötig ist. Wichtig ist, sie möglichst niedrig zu dosieren und die tägliche Höchstdosis nicht zu überschreiten. Wer in Erwägung zieht, bespricht am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt, welches Mittel und welche Dosierung geeignet ist.

Das Risiko für Komplikationen des Magen-Darm-Trakts lässt sich deutlich senken, wenn zusammen mit Mitteln zum Schutz der Magenschleimhaut eingenommen werden. Dazu gehören insbesondere sogenannte Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol und Pantoprazol.

Eine Alternative ist, Diclofenac oder als Salbe oder Gel auf die schmerzenden Gelenke aufzutragen. Das Risiko für Nebenwirkungen ist dann deutlich geringer als bei der Tabletten-Einnahme.

Hilft Paracetamol bei Rheuma?

Das Schmerzmittel Paracetamol hat nur eine schwache entzündungshemmende Wirkung. Studien zeigen, dass es bei Rheuma kaum hilft und Schmerzen deutlich weniger gut lindert als .

Wenn man dennoch Paracetamol nimmt, ist es wichtig, auf die richtige Anwendung zu achten. In höherer Dosierung kann es Leber und Nieren schädigen. Daher sollen Erwachsene laut Beipackzettel nicht mehr als höchstens 4 Gramm (4000 mg) pro Tag einnehmen. Dies entspricht zum Beispiel 8 Tabletten mit je 500 mg Paracetamol. Zudem wird empfohlen, zwischen der Einnahme der Tabletten einen Abstand von mindestens sechs Stunden einzuhalten. Die maximale Tagesdosis wäre also erreicht, wenn jemand über einen Tag verteilt im Abstand von sechs Stunden jeweils zwei Tabletten mit je 500 mg Paracetamol einnimmt.

Wann ist eine Behandlung mit Kortison sinnvoll?

Kortisonpräparate (auch: Glukokortikoide) wie zum Beispiel Prednisolon helfen gegen Schmerzen und Gelenkschwellungen. Ihre Wirkung setzt schnell ein und ist stärker als die von . Sie können helfen, die Zeit zu überbrücken, bis die Basistherapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten wirkt. Sie können auch zur vorübergehenden Behandlung von Rheumaschüben eingesetzt werden. Es wird aber empfohlen, die Behandlung auf 3 bis 6 Monate zu begrenzen – auch weil die Wirksamkeit der Mittel mit der Zeit nachlassen kann.

Kortisonpräparate können eine Reihe von ernsthaften Nebenwirkungen haben, wenn sie längerfristig eingenommen werden. Unter anderem können sie dann das Risiko für Knochenbrüche erhöhen und Infektionen auslösen. Für Menschen mit kann es sinnvoll sein, sie mit anderen Mitteln zu kombinieren, wie Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten. Wenn die Behandlung mit zu schnell beendet wird, können sich die Beschwerden zudem verstärken. Deshalb ist es wichtig, die Dosis langsam zu verringern.

Kortisonpräparate können auch als örtliche Behandlung in einzelne Gelenke gespritzt werden, um stärker entzündete Gelenke gezielt zu behandeln. Das Risiko von Nebenwirkungen, die den gesamten Körper betreffen, ist bei dieser Anwendung geringer. Trotzdem können örtliche Nebenwirkungen auftreten, wie eine im betroffenen Gelenk. Allerdings gibt es bislang nur wenige aussagekräftige Studien, in denen die Vor- und Nachteile solcher Spritzen untersucht wurden.

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Aktualisiert am 06. Mai 2020
Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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