Einleitung

Foto von Mann am Schreibtisch mit Kreuzschmerzen (Jacob Wackerhausen / iStock / Thinkstock) Die meisten Menschen haben im Laufe ihres Lebens irgendwann mit Kreuzschmerzen zu tun. Meist sind sie harmlos, treten plötzlich auf und verschwinden innerhalb einiger Tage oder Wochen wieder. Bei einigen Betroffenen halten die Schmerzen jedoch länger an oder kehren nach kurzen beschwerdefreien Phasen zurück.

Über lange Zeit anhaltende Beschwerden werden als „chronisch“ bezeichnet. Chronische Kreuzschmerzen zu bewältigen, kann im Beruf und Alltag zu einer Herausforderung werden. Ihre Ursache bleibt oft unklar und es ist schwierig, eine geeignete Behandlung zu finden.

Symptome

Als Kreuz- oder Rückenschmerzen werden Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule bezeichnet – also im unteren Bereich des Rückens zwischen Hüfte und Rippenansatz. Die Schmerzen sind meist mit Muskelverspannungen, oft auch mit Bewegungseinschränkungen verbunden.

Heftige Schmerzen, die aus heiterem Himmel plötzlich ins Kreuz fahren, werden auch Hexenschuss genannt. Wenn sie in das Gesäß oder ein Bein ausstrahlen, spricht man von Ischialgie oder Ischias.

Ursachen

Bei den meisten Personen mit Kreuzschmerzen lassen sich keine eindeutigen Ursachen für die Beschwerden finden. Oft tragen mehrere Faktoren zu ihrer Entstehung bei. Andere beeinflussen, wie sie sich entwickeln. Als mögliche Auslöser „unspezifischer“ Kreuzschmerzen gelten einerseits körperliche Faktoren wie eine schwache Rumpfmuskulatur, Fehlbelastungen durch langes unbewegliches Sitzen oder einseitige körperliche Arbeit, Muskelverspannungen oder Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule. Vor allem bei chronischen Beschwerden können aber auch psychische Belastungen wie Stress am Arbeitsplatz und ausgeprägte Ängstlichkeit oder Erkrankungen wie Depressionen mit Kreuzschmerzen verbunden sein.

Spezifische Ursachen für Kreuzschmerzen können ein akuter Bandscheibenvorfall, ein Knochenbruch oder Erkrankungen wie Osteoporose oder die Bechterew-Krankheit sein. Dann kommen manchmal andere Behandlungen infrage als bei unspezifischen Beschwerden. Kreuzschmerzen sind aber nur selten Anzeichen für ernsthafte Schäden oder Erkrankungen.

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Verlauf

Kreuzschmerzen werden nach ihrer Dauer in drei Formen unterteilt:

  • akute Kreuzschmerzen mit einer Dauer von weniger als sechs Wochen
  • subakute Kreuzschmerzen mit einer Dauer von sechs bis zwölf Wochen
  • chronische Kreuzschmerzen mit einer Dauer von mehr als zwölf Wochen

Akute Kreuzschmerzen ohne spezifische Ursache klingen meist auch ohne Behandlung innerhalb kurzer Zeit von selbst wieder ab.

Halten Kreuzschmerzen länger an, kann die Stärke der Beschwerden im Laufe der Zeit schwanken. Chronische Kreuzschmerzen können mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt und von schmerzfreien Phasen unterbrochen sein. Wenn solche beschwerdefreien Phasen länger als sechs Monate andauern, spricht man von wiederkehrenden (rezidivierenden) chronischen Kreuzschmerzen. Bei rund der Hälfte aller Betroffenen treten die Kreuzschmerzen innerhalb eines Jahres erneut auf.

Diagnose

Beim ersten Besuch in der Hausarzt- oder Orthopädiepraxis wird die Ärztin oder der Arzt zunächst einige Fragen stellen: Ob die Kreuzschmerzen zum ersten Mal auftreten, an welcher Stelle genau und ob der Rücken nur bei Bewegung oder auch in Ruhe schmerzt. Wichtig ist auch, ob man kürzlich einen Unfall hatte und ob noch andere Beschwerden hinzukommen wie Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen. Vermutlich fragt die Ärztin oder der Arzt zudem nach bestimmten körperlichen und psychischen Belastungen, die ebenfalls eine Rolle spielen können.

Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung werden dann zum Beispiel die Muskelkraft und Beweglichkeit geprüft und untersucht, ob sich bestimmte Bereiche taub anfühlen oder kribbeln. Durch die Befragung (Anamnese) und anschließende körperliche Untersuchung lässt sich ein ernsthaftes gesundheitliches Problem meistens bereits ausschließen. In diesem Fall sind zunächst keine weiteren Untersuchungen wie Röntgen, Computer- oder Kernspintomografie (CT) nötig. Röntgenaufnahmen sind bei unspezifischen Kreuzschmerzen zudem wenig aussagekräftig, denn Auffälligkeiten an Knochen oder Bandscheiben zeigen sich auch bei vielen Menschen, die keine Rückenbeschwerden haben. Dabei handelt es sich in der Regel um ganz normale und meist harmlose Verschleißerscheinungen. Eine Studie, in der Erwachsene ohne Beschwerden mittels Kernspintomografie untersucht wurden, hat zum Beispiel gezeigt, dass ungefähr die Hälfte der Untersuchten eine vorgewölbte Bandscheibe hatte.

Zu viel Diagnostik kann sogar schaden: wenn bildgebende Untersuchungen einen vermeintlichen Grund für die Kreuzschmerzen zeigen, der tatsächlich gar nichts mit den Beschwerden zu tun hat. Eine solche Fehldiagnose kann zu unnötigen Behandlungen führen.

Besteht ein konkreter Verdacht auf eine bestimmte Ursache oder Erkrankung, oder kommt es trotz Behandlung nicht innerhalb von zwölf Wochen zu einer spürbaren Besserung, können Untersuchungen wie Röntgen, Kernspin- oder Computertomografie (CT) jedoch sinnvoll sein.

Vorbeugung

Regelmäßiges Bewegungstraining gilt als wirksame Möglichkeit, wiederkehrenden Kreuzschmerzen vorzubeugen. Zu einem Bewegungstraining gegen Kreuzschmerzen gehören zum Beispiel Kräftigungsübungen, Gymnastik und Ausdauertraining.

Behandlung

Gegen Kreuzschmerzen werden viele verschiedene Behandlungsmethoden eingesetzt. Viele sind aber nicht sehr wirksam, helfen nur kurzfristig oder sind bislang nicht ausreichend untersucht. Die Behandlungsmöglichkeiten bei unspezifischen akuten und chronischen Kreuzschmerzen reichen von Lockerungs- und Entspannungsübungen, Wärmepackungen, Schmerzmitteln, speziellem Bewegungstraining, Massagen, physiotherapeutischen und manuellen Therapien bis zu Akupunktur oder Osteopathie. Auch psychologische Therapien kommen infrage.

Für einige Verfahren ist nachgewiesen, dass sie bei Kreuzschmerzen auch längerfristig helfen können. Da Kreuzschmerzen aber viele Ursachen haben können und meistens auch ohne Behandlung nach einiger Zeit wieder verschwinden, ist die Wirkung einer bestimmten Behandlungsmethode schwer zu beurteilen.

Viele Menschen probieren aus, was ihnen während der Zeit mit akuten Beschwerden Erleichterung verschafft. Häufig sind das Lockerungsübungen, Wärmeanwendungen und Schmerzmittel. Bei akuten Schmerzen kann auch die sogenannte Stufenlagerung wohltuend sein: Dabei werden die Unterschenkel auf eine Ablage gelegt, die etwa so hoch ist, dass Unter- und Oberschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden. Wichtig ist aber, längeres Liegen zu vermeiden und im Alltag so gut es geht aktiv zu bleiben.

Grafik: Stufenlagerung - wie im Text beschriebenStufenlagerung

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Rehabilitation

Häufig wiederkehrende oder chronische Kreuzschmerzen können zu längeren Fehlzeiten im Beruf führen. Ist dies der Fall, besteht unter Umständen die Möglichkeit, eine ambulante oder stationäre Rehabilitation zu machen. Ziel ist, die Beschwerden soweit in den Griff zu bekommen, dass ein normaler Alltag wieder möglich ist. Eine Rehabilitation kommt also nicht nur bei einer drohenden Berufsunfähigkeit infrage.

Oft besteht eine Rehabilitation aus einem sogenannten multidisziplinären Behandlungsprogramm, bei dem verschiedene Berufsgruppen wie Ärzte, Physiotherapeuten und Psychologen zusammenarbeiten. Die Elemente des Programms – beispielsweise Medikamente, Physio-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie – sollten möglichst genau auf die Patientin oder den Patienten abgestimmt sein. Eine Rehabilitation dauert in der Regel drei Wochen.

Leben und Alltag

Chronische Kreuzschmerzen können körperlich und psychisch sehr belastend sein. Vielen Betroffenen hilft es, mit der Zeit Strategien zu entwickeln, um besser mit den Schmerzen umgehen und die Beschwerden bewältigen zu können. Psychologische Behandlungen wie eine kognitive Verhaltenstherapie können dabei unterstützen.

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Weitere Informationen

Für Menschen mit chronischen Rückenschmerzen gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

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