Endometriose

Auf einen Blick

  • Bei einer Endometriose findet sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter.
  • Dies verursacht Schmerzen im Unterleib, vor allem während der Regelblutung.
  • Gegen die Beschwerden helfen Schmerzmittel, Hormone oder eine Operation.
  • Eine schwere Endometriose kann stark belasten und die Fruchtbarkeit vermindern.
  • Nach den Wechseljahren verschwinden die Beschwerden normalerweise.

Einleitung

Foto eines jungen Paares
PantherMedia / Kati Neudert

Endometriose ist eine der häufigsten Unterleibs-Erkrankungen bei Frauen. Die Ursache sind Ansiedlungen von Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Fachleute bezeichnen solche Gewebsinseln auch als „Endometriose-Herde“. Sie können vorkommen, ohne dass eine Frau davon etwas spürt. Bei anderen ist Endometriose aber eine chronische Erkrankung, die starke Schmerzen verursacht und die Fruchtbarkeit mindert. Bis eine Endometriose als Ursache der Beschwerden festgestellt wird, dauert es oft Jahre. Bis dahin versuchen viele Frauen, irgendwie mit ihren Schmerzen zurechtzukommen. Sie glauben, selbst stärkste Schmerzen seien normal und gehörten zur Regelblutung dazu.

Bislang lässt sich Endometriose nicht vollständig heilen – aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu behandeln. Wenn die auf die persönlichen Lebensumstände und die Ausprägung der Erkrankung abgestimmt ist, können viele Frauen recht gut mit Endometriose leben.

Um Wege zu finden, mit den Beschwerden umzugehen, ist es wichtig, den eigenen Körper und seine Reaktionen kennenzulernen. Gute Informationen und die Zusammenarbeit mit erfahrenen, unterstützenden Ärztinnen und Ärzten können dabei helfen.

Symptome

Das Hauptsymptom einer Endometriose sind Unterleibsschmerzen. Sie treten oft zusammen mit der Regelblutung, aber auch während oder nach dem Geschlechtsverkehr auf. Die Schmerzen können mal stärker, mal schwächer sein und in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen. Sie werden oft als krampfartig erlebt und können von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein.

Wie sich die Schmerzen äußern, hängt auch davon ab, wo sich Endometriose-Herde in der Bauchhöhle festgesetzt haben. Sie können zum Beispiel außen auf der Gebärmutter oder in der Wand eines Eileiters wachsen. Häufig sind zudem die Eierstöcke, der Bereich zwischen Gebärmutter und Enddarm (Douglas-Raum) sowie das zugehörige Bindegewebe betroffen. Wenn die Eierstöcke oder Eileiter befallen sind, ist oft die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.

Manchmal bilden sich Endometriose-Herde auch in Organen wie der Blase oder dem Darm, was zu Problemen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang führen kann.

Eine schwere Endometriose kann die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark einschränken.

Grafik: Unterleib mit Endometriose-Herden, wie im Text beschrieben

Endometriose-Herde (Unterleib in Seitansicht)

Ursachen

In jedem Menstruationszyklus baut sich die Schleimhaut in der Gebärmutter neu auf. Wenn es zu keiner Befruchtung kommt, löst sich die Schleimhaut ab und die Regelblutung setzt ein.

Endometriose-Herde verhalten sich so wie die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium): In der ersten Hälfte des Monatszyklus wachsen sie heran und werden am Ende wieder abgestoßen.

Das abgelöste Gewebe der Endometriose-Herde kann aber aus dem Bauchraum nicht abfließen wie eine Regelblutung über die Scheide. Bei vielen Frauen entfernt der Körper Gewebe und Blut unbemerkt und folgenlos. Bei anderen führen die Gewebereste zu Verklebungen, Entzündungen und Zysten. Je nachdem, wo sie sich bilden, können sie unterschiedlich starke Schmerzen auslösen. Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Blasen im Gewebe.

Warum eine Endometriose genau entsteht, ist noch nicht geklärt. Man vermutet, dass Hormone, das Immunsystem und eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielen. Normalerweise sorgt die körpereigene Abwehr dafür, dass sich Gewebe aus einem Organ nicht in anderen Bereichen des Körpers festsetzt. Bei der Endometriose ist dieser Schutzmechanismus gestört.

Häufigkeit

Endometriose ist weit verbreitet; genaue Zahlen gibt es aber nicht. Viele Frauen haben „stille“ Endometriose-Herde, die sie nicht spüren. Bei Frauen mit stark schmerzhaften Regelblutungen geht man davon aus, dass bis zu 50 % von ihnen eine Endometriose haben.

Verlauf

Eine Endometriose tritt normalerweise nur in den fruchtbaren Jahren einer Frau auf, also zwischen ihrer ersten und letzten Regelblutung. Nur sehr selten macht sie sich schon vor der ersten Regelblutung oder nach den Wechseljahren bemerkbar.

Wie sich eine Endometriose entwickelt, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Manchmal bilden sich Endometriose-Herde ohne Behandlung spontan zurück. Es kann bei leichten Beschwerden bleiben, sie können mit der Zeit aber auch stärker werden. Bei den meisten Frauen klingen die Beschwerden nach der letzten Regelblutung (Menopause) ab.

Im Verlauf der Erkrankung können sich Endometriose-Herde vergrößern, oder es bilden sich Zysten. Endometriose-Zysten an den Eierstöcken werden als „Endometriome“ bezeichnet. Sie enthalten oft verdicktes dunkles Blut, weshalb sie auch „Schokoladenzysten“ heißen. Wenn Zysten und die Funktion der Eierstöcke und Eileiter beeinträchtigen, ist häufig auch die Fruchtbarkeit vermindert. Eine stark ausgeprägte Endometriose kann also ein Grund sein, wenn eine Frau nicht schwanger wird. Es ist jedoch unklar, ob dies auch für eine milde Endometriose gilt.

Endometriose-Herde sind gutartig. Auch wenn sie wachsen und manchmal andere Organe beeinträchtigen können, ist es extrem selten, dass sich Krebs aus ihnen entwickelt.

Folgen

Eine Endometriose mit starken Beschwerden kann fast alle Lebensbereiche einer Frau betreffen. Viele Frauen fühlen sich durch ihre immer wiederkehrenden Unterleibsschmerzen sehr stark belastet. Vor allem jungen Frauen mit starken Beschwerden kann es schwerfallen, ein positives Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln.

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr erschweren eine lustvolle Sexualität. Chronische Schmerzen können zu Müdigkeit, Reizbarkeit oder zu depressiven Verstimmungen führen. Zudem kann eine ausgeprägte Endometriose den Wunsch nach eigenen Kindern unerfüllt lassen. All dies kann auch eine Partnerschaft erheblich belasten. Wiederkehrende Schmerzen können daran hindern, alltägliche Aufgaben zu erledigen, den Beruf auszuüben oder Freizeitaktivitäten nachzugehen.

Diagnose

Da es für starke Unterleibsbeschwerden viele Ursachen geben kann, wird eine Endometriose oft erst nach längerer Zeit erkannt. Bei Frauen ohne Beschwerden ist die einer Endometriose oft ein Zufallsbefund. Das Ausbleiben einer Schwangerschaft ist häufig der Grund, ärztliche Hilfe zu suchen.

Es gibt verschiedene Untersuchungsmethoden, mit denen Ärztinnen und Ärzte versuchen, Endometriose-Herde, Narben und zu erkennen und andere Ursachen für Beschwerden auszuschließen. Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch über die Art der Beschwerden () und eine allgemeine körperliche sowie gynäkologische Untersuchung. Je nach Beschwerden können weitere Untersuchungen bis hin zu einer Spiegelung der Bauchhöhle () hinzukommen.

Wenn die gestellt ist, ist oft eine Behandlung möglich, die die Schmerzen lindert oder ganz verschwinden lässt. Dies und das Wissen, dass es sich um eine gutartige Erkrankung handelt, bedeutet für die meisten Frauen eine große Entlastung.

Behandlung

Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten können helfen, die Symptome vorübergehend oder dauerhaft zu lindern. Eine medikamentöse Behandlung ist mit Schmerzmitteln, hormonellen Verhütungsmitteln oder anderen Hormonpräparaten möglich. Während Schmerzmittel allein die Beschwerden lindern, bremsen hormonelle Mittel das Wachstum der Endometriose-Herde.

Eine Alternative ist eine Operation, bei der möglichst alle Endometriose-Herde beseitigt werden. Wenn sie zum Beispiel den Darm oder die Blase beeinträchtigen, kann eine Operation sogar unvermeidlich sein. Es kann jedoch sein, dass nach einer Operation erneut Endometriose-Herde auftreten. Wenn auch das Entfernen der Endometriose-Herde nicht hilft und kein Kinderwunsch besteht, kann sich bei sehr ausgeprägten Beschwerden die Frage nach einer Entfernung der Gebärmutter inklusive Eileiter und Eierstöcken stellen.

Rehabilitation

Nach einer Operation oder wenn die Beschwerden trotz umfangreicher anhalten, besteht die Möglichkeit, eine Rehabilitation oder „Anschlussheilbehandlung“ in Anspruch zu nehmen. Manche Kliniken bieten speziell auf Endometriose ausgerichtete Therapieprogramme an.

Außerdem gibt es „Endometriose-Zentren“. In diesen nach bestimmten Kriterien geprüften (zertifizierten) Einrichtungen arbeiten speziell ausgebildete Fachkräfte aus verschiedenen Gesundheitsberufen zusammen. Ziel ist, jeder Frau ein auf ihre Beschwerden und ihre Lebenssituation persönlich abgestimmtes Therapie-Paket anzubieten.

Leben und Alltag

Endometriose ist eine Erkrankung, die viele wichtige Lebensbereiche betreffen kann – vom Selbstgefühl als Frau bis hin zu Partnerschaft, Familien- und Lebensplanung. Um einen Weg zu finden, trotz der Beschwerden eine möglichst gute Lebensqualität zu erhalten, müssen einige Entscheidungen getroffen werden. Dabei helfen gute Informationen – über die Art der wie über Möglichkeiten, das eigene Leben so zu organisieren, dass die Beschwerden den Alltag möglichst wenig belasten.

Wichtig ist eine gute Betreuung und Begleitung durch eine Ärztin oder einen Arzt mit umfassenden Erfahrungen in der und Behandlung von Endometriose. Ärztliche Begleiter sollten sich auch mit den körperlichen wie psychischen Belastungen und sozialen Auswirkungen der Erkrankung auskennen. Es kann hilfreich sein, eine zweite Meinung heranzuziehen, wenn schwierige Entscheidungen anstehen, wie zum Beispiel für oder gegen eine Operation.

Um mit Endometriose und ihren möglichen Folgen umgehen zu können, ist eine gute Unterstützung durch Familie, Partner oder Freunde wertvoll. Dies setzt voraus, dass auch Angehörige über die Erkrankung informiert sind und Verständnis für die Belastungen aufbringen, die sie mit sich bringt. Für manche Frauen bedeutet auch der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe eine wichtige Unterstützung. Entscheidend ist, dass jede Frau ihren eigenen Weg findet, mit der chronischen Erkrankung umzugehen.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

In Deutschland gibt es ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen.

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Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Diagnostik und Therapie der Endometriose (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 015-045. 2020.

Fernandez I, Reid C, Dziurawiec S. Living with endometriosis: the perspective of male partners. J Psychosom Res 2006; 61(4): 433-438.

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Hickey M, Ballard K, Farquhar C. Endometriosis. BMJ 2014; 348: g1752.

Jones G, Jenkinson C, Kennedy S. The impact of endometriosis upon quality of life: a qualitative analysis. J Psychosom Obstet Gynaecol 2004; 25(2): 123-133.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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Aktualisiert am 24. Februar 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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