Behandlung von Metastasen im ganzen Körper

Foto von Großmutter mit Enkelkindern im Garten (PantherMedia / Wolfgang Flöting) Bei einem Brustkrebs mit Metastasen in anderen Körperregionen wird in der Regel der ganze Körper medikamentös behandelt, um das Tumorwachstum einzudämmen. Eine Behandlung zum Beispiel mit Hormonen, einer Chemotherapie oder Antikörpern wird systemische Therapie genannt. Eine Operation oder Bestrahlung kommt eher bei einzelnen Metastasen infrage.

Meist werden verschiedene systemische Behandlungen nacheinander eingesetzt oder auch kombiniert. Wenn Tumorzellen nach einer Weile gegen einen bestimmten Wirkstoff unempfindlich werden, kann ein anderes Medikament oder Therapieverfahren angewandt werden. Dieses schrittweise Vorgehen wird als Stufentherapie bezeichnet. Bestimmte Metastasen können auch bestrahlt, einzelne Absiedlungen vielleicht operiert werden.

Alle systemischen Therapien haben starke Nebenwirkungen, die sehr belastend sein können. Die Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Art der Therapie, lassen sich jedoch in der Regel gut behandeln. Die Behandlung der Nebenwirkungen gehört zur unterstützenden Therapie (Supportivtherapie).

Hormontherapie / Antihormontherapie

Bei Frauen mit einem „positiven Hormonrezeptor-Status“ wird das Tumorwachstum in der Regel durch die Hormone Östrogen und Gestagen angeregt. Um das Wachstum der sogenannten hormonempfindlichen Tumore zu bremsen, kann die körpereigene Hormonproduktion in den Eierstöcken eingedämmt oder die Wirkung der Hormone gestört werden (Antihormontherapie). Dazu nehmen Frauen sogenannte Antiöstrogene wie Tamoxifen oder Fulvestrant, oder nach den Wechseljahren sogenannte Aromatasehemmer. Vor allem jüngere Frauen erhalten manchmal zusätzlich sogenannte GnRH-Analoga. Diese Medikamente verhindern bei regelmäßiger Einnahme, dass die Eierstöcke Geschlechtshormone bilden und dadurch das Tumorwachstum anregen.

Bei hormonempfindlichen Tumoren wird statt einer Chemotherapie meist zuerst eine Hormontherapie empfohlen.

Nebenwirkungen und Folgen

Antiöstrogene können unter anderem das Thromboserisiko erhöhen und Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut bewirken, die zu Blutungen führen können. Sie können auch das Herz beeinträchtigen. Aromatasehemmer können unter anderem Muskel- und Gelenkbeschwerden verursachen sowie die Knochendichte verringern und somit das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.

Eine antihormonelle Behandlung führt bei jüngeren Frauen zum Ausbleiben der Regelblutung. Während der Therapie ist keine Schwangerschaft möglich. Eine häufige Folge der Behandlung sind Beschwerden, wie sie auch in den Wechseljahren auftreten können: Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Haut und Schleimhäute.

Chemotherapie

Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung mit Wirkstoffen, die die Zellteilung hemmen. Diese sogenannten Zytostatika gibt es in der Regel als Infusion, manchmal aber auch als Tabletten. Es stehen viele verschiedene Zytostatika zur Verfügung, die kombiniert oder als Einzelwirkstoff (Monotherapie) eingesetzt werden können. Dadurch, dass sie über den Blutkreislauf transportiert werden, wirken Zytostatika im gesamten Körper und können auch Metastasen erreichen, die vielleicht noch nicht entdeckt wurden.

Diese Behandlung soll das Tumorwachstum verlangsamen, stoppen oder dazu führen, dass sich Tumore soweit wie möglich zurückbilden. Bei metastasiertem Brustkrebs werden in der Regel verschiedene Chemotherapien nacheinander eingesetzt. Die Auswahl der Medikamente richtet sich auch danach, welche ihrer Nebenwirkungen als besonders belastend empfunden werden. Andere Erkrankungen können bei der Wahl der Behandlung ebenfalls eine Rolle spielen.

Eine Chemotherapie besteht meist aus sogenannten Zyklen oder Kursen. Dies bedeutet, man nimmt die Medikamente über einige Tage und pausiert vor der nächsten Anwendung, damit sich der Körper erholen kann. Heute finden die meisten Chemotherapien ambulant statt. Ein Krankenhausaufenthalt kann nötig sein, wenn zum Beispiel bestimmte Körperfunktionen während der intensiven Therapie besonders überwacht werden müssen.

Nebenwirkungen und Folgen

Chemotherapien schädigen auch gesunde Körperzellen – vor allem Zellen, die sich häufig teilen. Dies sind zum Beispiel Haar- und Schleimhautzellen, aber auch Blutzellen. Dadurch kann es zu Haarausfall, Entzündungen der Mundschleimhaut, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden kommen. Die Schädigung der Blutzellen kann sich durch Blässe, Infektionsanfälligkeit, Kurzatmigkeit und Erschöpfung (Fatigue) sowie erhöhte Blutungsneigung bemerkbar machen.

Das Ausmaß der Nebenwirkungen ist von Frau zu Frau unterschiedlich und hängt auch vom Wirkstoff, von der Dosis und der Art der Anwendung sowie von der Anzahl der Behandlungszyklen ab.

Einige dieser Begleiterscheinungen lassen sich gut behandeln: So können vorbeugend (prophylaktisch) vor und während der Chemotherapie Medikamente gegen Übelkeit genommen werden. Kommt es während einer Chemotherapie zu einer Infektion, kann diese mit Antibiotika behandelt werden.

Auch eine Chemotherapie kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Sie kann dazu führen, dass die Regelblutung ausbleibt oder die Wechseljahre vorzeitig einsetzen. Ob sich der Monatszyklus nach einer abgeschlossenen Chemotherapie wieder normalisiert, hängt unter anderem vom Alter ab.

Sogenannte zielgerichtete Therapien

Es gibt einige Wirkstoffe, die gezielt gegen Krebszellen mit bestimmten Eigenschaften gerichtet sind. Wenn sich auf Krebszellen der Wachstumsrezeptor HER2 findet, können Medikamente wachstumsfördernde Signale blockieren, das Wachstum der Krebszellen hemmen und die Metastasen verkleinern. Dazu können Antikörper wie Pertuzumab und Trastuzumab eingesetzt werden. Außerdem kommt der Wirkstoff Lapatinib infrage.

Diese Mittel werden in der Regel mit einer Chemotherapie kombiniert. Trastuzumab kann auch in Verbindung mit dem Wirkstoff Emtansin verabreicht werden. Emtansin soll Krebszellen gezielt abtöten.

Ein weiterer Antikörper ist Bevacizumab. Er wird bei HER2-negativen Tumoren eingesetzt, bei denen die wachstumsfördernden Signale der Zellen nicht blockiert werden können. Das Medikament soll die Versorgung der Krebszellen behindern.

Nebenwirkungen und Folgen

Bei einer Behandlung mit dem Antikörper Trastuzumab kann unter anderem das Herz geschädigt werden. In Kombination mit Emtansin kann es unter anderem zu Störungen der Blutgerinnung, Erschöpfung (Fatigue) und Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen. Zu den Nebenwirkungen von Pertuzumab gehören Blutarmut, eine Verminderung der weißen Blutkörperchen, Erschöpfung und Durchfall. Bevacizumab kann Bluthochdruck, Fatigue und Blutungen im Magen-Darm-Trakt verursachen und dazu führen, dass über den Urin vermehrt Eiweiß ausgeschieden wird.

Bei der Therapie mit Lapatinib können Durchfall, Hautausschlag und Leberschäden auftreten.

Operative Behandlung und Strahlentherapie

Bei einem metastasierten Brustkrebs hat der Tumor bereits Absiedlungen in anderen Bereichen des Körpers gebildet. Um das Tumorwachstum im Körper zu kontrollieren, kommen vor allem nicht operative Therapien infrage. Tumore in der Brust werden möglichst operativ entfernt.

Bei einer Strahlentherapie – auch Bestrahlung oder Radiotherapie genannt – werden energiereiche Strahlen auf das Tumorgewebe gerichtet. Ziel ist, die Krebszellen so zu schädigen, dass sie absterben. Bei einer externen Strahlentherapie wird das Gewebe von außen durch die Haut (perkutan) bestrahlt. Bei der internen Strahlentherapie werden radioaktive Strahler direkt in den Tumor oder seine unmittelbare Umgebung eingebracht.

Als Erstbehandlung wird eine Strahlentherapie in der Regel empfohlen, wenn der Tumor nicht mehr operativ entfernt oder verkleinert werden kann. Eine Strahlentherapie kann auch eingesetzt werden, um Metastasen zu behandeln.

Nebenwirkungen und Folgen

Nach einer Operation kann es zu Schmerzen kommen. Meist bleibt eine sichtbare Operationsnarbe zurück. Die begleitende Therapie kann die Wundheilung verzögern. Wundheilungsstörungen sind allerdings selten.

Eine der häufigsten Nebenwirkungen einer Strahlentherapie ist Müdigkeit. Die Bestrahlung kann auch gesundes Gewebe schädigen, vor allem die Haut im bestrahlten Bereich. Sie kann zum Beispiel empfindlich und gerötet sein. Im Gegensatz zu Tumorzellen können sich gesunde Zellen jedoch besser erholen, deshalb treten die Schäden in der Regel nur während und einige Zeit nach der Therapie auf. Werden Lymphknoten bestrahlt, erhöht sich das Risiko für ein Lymphödem.

„Komplementäre“ Therapien

Viele Menschen sehen ergänzende (komplementäre) oder „alternative“ Verfahren wie pflanzliche Mittel, Homöopathie oder Akupunktur als Möglichkeit, ihre Selbstheilungskräfte zu stärken und ihr Wohlbefinden zu verbessern.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die meisten komplementären Verfahren nicht, da ihr Nutzen nicht wissenschaftlich belegt ist. Wer eine komplementäre Behandlung in Erwägung zieht, erkundigt sich vorher am besten bei der Krankenkasse, ob sie die Kosten übernimmt.

Auch einige komplementäre Therapien können unerwünschte Wirkungen haben. Wichtig ist für jede Behandlung, dass ein Nutzen nachgewiesen ist. Wer sich auf eine Behandlung ohne Nutzen verlässt, investiert leicht viel Zeit und Geld, ohne einen Vorteil zu haben.

Zudem ist die Annahme „pflanzlich gleich unschädlich“ falsch. Zum Beispiel ist die bei Krebserkrankungen manchmal eingesetzte Misteltherapie nicht frei von Nebenwirkungen.

Einige komplementäre Mittel können die Wirksamkeit anderer Medikamente – zum Beispiel von Betäubungs- oder Schmerzmitteln – beeinflussen oder das Risiko von Blutungen erhöhen. Auch die Wirkung der Brustkrebstherapie kann durch komplementäre Mittel verändert werden: Sie können ihre Wirksamkeit verringern oder ihre Nebenwirkungen verstärken. Deshalb ist es wichtig, den Ärztinnen und Ärzten mitzuteilen, wenn solche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden.