Metastasierter Brustkrebs

Auf einen Blick

  • Bei metastasiertem Brustkrebs entwickelt sich auch in anderen Organen Krebs.
  • Dies kann sich zum Beispiel durch Schmerzen in den Knochen oder im Unterleib, durch dauernde Erschöpfung oder Übelkeit bemerkbar machen.
  • Die Behandlung soll das Fortschreiten der Erkrankung möglichst lange aufhalten und die Beschwerden lindern.
  • Begleitende Therapien, seelische Unterstützung und praktische Hilfe im Alltag können helfen, eine gute Lebensqualität zu erhalten.

Einleitung

Foto von nachdenklicher Frau
Jupiterimages / Pixland / Thinkstock

Die „metastasierter Brustkrebs“ ist für die meisten Frauen ein Schock und beängstigender, als wenn Brustkrebs in einem früheren Stadium festgestellt wird. Doch auch wenn sich (Absiedlungen) gebildet haben, kann Brustkrebs behandelt werden. Mit einer sorgfältig geplanten und gut angepassten ist es oft möglich, über Jahre mit der Erkrankung zu leben und eine gute Lebensqualität zu erreichen.

Bei Brustkrebs bildet sich von der Brustdrüse ausgehend neues, unkontrolliert wachsendes Gewebe. Zuerst entsteht in der Brust ein Tumor; später können sich die Krebszellen in das angrenzende Körpergewebe ausbreiten und in anderen Körperregionen Absiedlungen bilden. Sie werden „“ genannt. Oft wird auch davon gesprochen, dass der Tumor „gestreut“ hat.

Es gibt verschiedene Arten von : lokale, regionäre und . Lokale befinden sich in unmittelbarer Nähe des Tumors, regionäre in den Lymphknoten nahe dem Tumor. Von spricht man, wenn sich zum Beispiel in anderen Organen Absiedlungen gebildet haben. Bei Brustkrebs entstehen am häufigsten in den Lymphknoten, den Knochen, in der Lunge, der Haut, der Leber und im Gehirn.

Symptome

Anzeichen für metastasierten Brustkrebs können zum Beispiel ein neuer Knoten in der Brust, Schmerzen in den Knochen oder im Unterleib und eher unspezifische Beschwerden wie Atemnot, anhaltendes Unwohlsein, Übelkeit und Erschöpfung sein. Viele Frauen bemerken solche Veränderungen selbst, bei anderen werden sie bei einer ärztlichen Untersuchung festgestellt.

Ursachen und Risikofaktoren

Brustkrebs entsteht, wenn sich das Erbgut von Zellen so verändert, dass sie sich unkontrolliert zu teilen beginnen. Mit der Zeit bilden sich dann Knoten oder Wucherungen im Brustgewebe.

Krebszellen können sich aus dem Ursprungstumor lösen und über das Blut oder das Lymphsystem in andere Bereiche des Körpers gelangen. Meistens werden sie dann vom entdeckt und vernichtet. Wenn sie es aber schaffen, sich in anderen Organen oder Geweben festzusetzen und sich dort zu vermehren, können sie zu heranwachsen.

Warum manche Krebszellen ihren Ursprungstumor verlassen, ist nicht genau bekannt. Unklar ist bisher auch, warum einige dieser „gestreuten“ Zellen weiter wuchern und andere nicht. Eine weitere offene Frage ist, weshalb sich manche schon früh, andere erst nach vielen Jahren bemerkbar machen.

Bei Brustkrebs kommt es am häufigsten zu Absiedlungen in den Knochen, in der Leber und in der Lunge. Seltener bilden sich im Gehirn oder in der Haut.

Dass ein Brustkrebs entsteht, ist bei den meisten Frauen Zufall; es gibt keinen besonderen Grund. Zu den Risikofaktoren gehören vor allem das Alter einer Frau, das familiäre Risiko und hormonelle Einflüsse. Das Risiko, dass sich bereits gebildet haben, hängt von verschiedenen Eigenschaften des Tumors ab und ist auch erhöht, wenn der Ursprungstumor erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird.

Manche Frauen sorgen sich, dass sie mit ihrer Lebensweise dazu beigetragen haben könnten, dass ihr Krebs gestreut hat. Insgesamt spielt der Lebensstil aber sowohl bei der Entstehung von Krebs als auch bei der Bildung von nur eine geringe Rolle.

Häufigkeit

Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa 13 von 100 Frauen erkranken im Laufe des Lebens daran. Brustkrebs wird meist in einem höheren Alter entdeckt: Mehr als die Hälfte der Frauen mit Brustkrebs sind älter als 60 Jahre, wenn die Erkrankung festgestellt wird. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, was allerdings nur selten vorkommt: 0,5 bis 1 Prozent aller Brustkrebserkrankungen betrifft Männer.

treten oft in den ersten Jahren nach Erkrankungsbeginn auf, können sich aber auch erst viele Jahre danach bilden.

Manchmal wird ein Brustkrebs erst erkannt, wenn er schon Absiedlungen gebildet hat: Bei etwa 3 von 100 Frauen mit Brustkrebs werden bei der Erstdiagnose festgestellt.

Verlauf

Wenn festgestellt werden, ist eine vollständige Heilung nur sehr selten zu erwarten. Eine Behandlung ist dennoch möglich – sie kann das Tumorwachstum begrenzen, das weitere Fortschreiten der Erkrankung mitunter für viele Jahre hinauszögern und Beschwerden lindern. Die Behandlungsmöglichkeiten und der wahrscheinliche Verlauf hängen unter anderem davon ab, in welcher Körperregion auftreten und wie viele es sind. Welche infrage kommt und wie sie anschlägt, wird auch von den biologischen Merkmalen des Tumors beeinflusst, zum Beispiel davon, ob das Wachstum des Tumors durch beeinflusst wird. Weitere Faktoren sind das Alter und die allgemeine körperliche Verfassung.

Wie die Krankheit verlaufen wird, lässt sich nicht genau vorhersagen. Prognosen über Heilungschancen, die Dauer stabiler Krankheitsphasen oder über die verbleibende Lebenszeit sind immer unsicher. Trotz der belastenden bleibt eine berechtigte Hoffnung auf eine möglichst lange Zeit mit guter Lebensqualität. Laut dem Münchener leben beispielsweise nach fünf Jahren noch etwa 26 von 100 und nach zehn Jahren noch etwa 13 von 100 Frauen, nachdem Brustkrebs mit festgestellt wurde.

Diagnose

Die Ärztin oder der Arzt ist der erste Ansprechpartner beim Verdacht auf ein Fortschreiten oder eine Rückkehr () der Brustkrebs-Erkrankung. Für weitergehende Untersuchungen kann eine Überweisung zum Beispiel an ein Krankenhaus oder zertifiziertes nötig sein.

In der Arztpraxis schließt sich nach einem ausführlichen Gespräch über die Krankengeschichte eine körperliche Untersuchung an. Dazu können beispielsweise eine Tastuntersuchung der Brust oder der Operationsnarbe, eine der Brust und die Entnahme einer Gewebeprobe gehören.

Wenn allgemeine Beschwerden auftreten oder (erneut) Brustkrebs festgestellt wurde, prüft die Ärztin oder der Arzt, ob sich der Tumor auch anderswo im Körper ausgebreitet hat. Dazu können folgende bildgebende Untersuchungsverfahren eingesetzt werden:

  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax)
  • Knochenszintigrafie
  • ()
  • Ultraschall der Leber
  • (, )
  • () , auch kombiniert mit

Welche dieser Untersuchungen sinnvoll und am besten geeignet sind, lässt sich im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt klären. Dabei besteht immer das Recht, eine Untersuchung abzulehnen.

Behandlung

Fortgeschrittene Tumoren, die auf die Brust oder angrenzendes Gewebe begrenzt sind, lassen sich in der Regel durch eine Operation entfernen. Wenn sich an anderen Stellen des Körpers gebildet haben, ist eine vollständige Entfernung des Krebsgewebes meist nicht mehr möglich. Ziel der ist es dann, das Leben zu verlängern, aber auch den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten. Dazu gehört, das Tumorwachstum möglichst zum Stillstand zu bringen oder zu verlangsamen.

Bei einem Brustkrebs mit wird normalerweise der ganze Körper medikamentös behandelt (systemische ) – zum Beispiel mit Hormonen oder einer Chemotherapie –, um das Tumorwachstum einzudämmen. Bestimmte Brustkrebsarten lassen sich auch mit sogenannten zielgerichteten Therapien behandeln. Dabei werden Wirkstoffe eingesetzt, die gezielt gegen Krebszellen mit bestimmten Eigenschaften gerichtet sind.

Wie einzelne behandelt werden, hängt davon ab, wo sie auftreten. Knochenmetastasen können bestrahlt werden, um Schmerzen zu lindern und Brüchen vorzubeugen. in inneren Organen und der Haut lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen operativ entfernen. Manche können bestrahlt oder operiert werden. Meist kommt auch eine medikamentöse Behandlung infrage.

Die Behandlung soll das Krebswachstum bremsen und Beschwerden verringern. Auch mögliche Nebenwirkungen der Krebstherapie wie Übelkeit, Durchfall oder Hautveränderungen können wirksam behandelt werden. Eine andere häufige Nebenwirkung ist die sogenannte (französisch für „Müdigkeit“), eine lähmende körperliche und geistige Erschöpfung. Schmerzen lassen sich durch eine gut abgestimmte Schmerztherapie lindern.

Für die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs kommen beispielsweise zertifizierte Brustzentren (Brustkrebszentren), Tumorzentren und onkologische Schwerpunktpraxen infrage. Hier arbeiten spezialisierte Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen. Metastasierter Brustkrebs kann aber auch in Krankenhäusern oder Praxen ohne spezielle Zertifizierung behandelt werden.

Eine rein lindernde und unterstützende Behandlung wird auch „Palliativtherapie“ genannt. Eine palliative Behandlung, Betreuung und Begleitung ist zu Hause oder stationär in einer Einrichtung möglich.

Rehabilitation

Eine Anschlussheilbehandlung (AHB) oder Anschlussrehabilitation (ARH) kann direkt oder bis 14 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in Anspruch genommen werden. Wenn nach Entlassung aus der stationären Behandlung noch eine ambulante oder Bestrahlung abgeschlossen werden muss, beginnt die Frist erst dann. Eine onkologische Rehabilitation oder Kur ist auch noch zu einem späteren Zeitpunkt möglich.

Rehabilitationsmaßnahmen werden sowohl als auch (teil-)stationär angeboten. Ambulant heißt: Man wohnt zu Hause und geht nur für die Rehabilitation in eine Praxis oder Klinik. Ziel der Rehabilitation ist, den Behandlungserfolg zu sichern, körperliche und seelische Beschwerden zu verringern und den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern. Meist beinhaltet eine Rehabilitation Sport- und sowie psychosoziale Unterstützungsangebote. Oft werden auch Informationsveranstaltungen, Gruppendiskussionen, Sexualberatung, sozialrechtliche Beratungen, Hilfe bei der Versorgung nach der Rehabilitation und Unterstützung bei einer Rückkehr in das Berufsleben angeboten.

Spezielle berufliche Rehabilitationsmaßnahmen können zudem Fortbildungsmaßnahmen und Vorbereitungen für einen Berufswechsel beinhalten.

Meist dauert eine Reha drei Wochen. Sie muss ärztlich verschrieben und vom Kostenträger genehmigt werden. Der Kliniksozialdienst kann beim Antrag auf eine Anschlussrehabilitation unterstützen.

Reha-Servicestellen bieten Beratung zu den Angeboten verschiedener Träger an. Die Adressen und Kontaktdaten gibt es bei der Krankenkasse oder Rentenversicherung.

Leben und Alltag

Die „metastasierter Brustkrebs“ zu verarbeiten, sich mit Zukunftsängsten und existenziellen Fragen des Lebens und Sterbens auseinanderzusetzen und mit Angehörigen darüber zu sprechen, ist alles andere als einfach. Auch die Krebsbehandlung selbst kann körperlich und emotional sehr belastend sein. Deshalb ist es besonders wichtig, auf das eigene Wohlbefinden zu achten.

Viele Frauen berichten, dass ihnen die aktive Auseinandersetzung mit der Erkrankung sehr geholfen und sie persönlich verändert hat. Nach einer anfänglichen Zeit der Niedergeschlagenheit orientieren sie sich allmählich neu, bewerten vieles anders und erleben sich selbst oft reifer und bewusster als zuvor. Sie versuchen, möglichst in der Gegenwart zu leben, jeden Tag zu nutzen und zu genießen. Manche Frauen verändern ihren Alltag und verfolgen neue Interessen. Andere finden Halt, indem sie so normal wie möglich weiterleben und versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen.

So wie die Erkrankung und ihre Behandlung immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringen, wird sich auch der Umgang mit der immer wieder verändern. Es gibt kein Patentrezept, wie dies gelingen kann: Jeder betroffene Mensch geht anders mit einer solchen Erkrankung um und muss seinen ganz persönlichen Weg finden.

Weitere Informationen

Viele Krankenhäuser und Beratungsstellen bieten Möglichkeiten der psychosozialen und psychoonkologischen Unterstützung. Im Krankenhaus übernehmen vor allem Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte die psychoonkologische Begleitung. Dies kann in Zusammenarbeit mit psychoonkologischen Diensten geschehen. Wer (wieder) zu Hause ist, kann ambulante psychoonkologische Angebote in Anspruch nehmen, etwa von onkologischen Schwerpunktpraxen oder psychosozialen Krebsberatungsstellen.

Entspannungskurse und Schmerzbewältigungs-Therapien sowie Kraft- und Ausdauertraining werden häufig in Rehakliniken, aber auch in ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxen angeboten. Wenn sie ärztlich verschrieben werden, übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

In Selbsthilfegruppen können Kontakte zu anderen Frauen geknüpft werden, die die mit der Erkrankung verbundenen Gefühle und praktischen Probleme aus eigener Erfahrung kennen. In manchen Gruppen treffen sich nur Frauen mit metastasiertem Brustkrebs. Dort ist es möglich, Themen anzusprechen, die mit nicht krebskranken Menschen oder Frauen mit Brustkrebs ohne oft schwierig zu erörtern sind. Das kann eine große Entlastung sein: Viele Frauen berichten, dass ihnen die Solidarität und Hilfsbereitschaft in einer Gruppe Kraft gibt. Selbsthilfeorganisationen bieten oft auch weitere Angebote, etwa Sportgruppen oder Hilfe in sozialrechtlichen Fragen.

Auch im Alltag besteht der Anspruch auf vielfältige Hilfen und finanzielle Leistungen – dazu gehören zum Beispiel das Krankengeld sowie Hilfen bei der Pflege, aber auch im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die dazu beraten und bei einer Antragstellung helfen können.

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Aktualisiert am 12. Februar 2020
Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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