Einleitung

Foto von Frau (PantherMedia / racorn) Es gibt eine Vielzahl von rheumatischen Erkrankungen. Doch wenn von „Rheuma“ gesprochen wird, ist meist die rheumatoide Arthritis gemeint. Sie wird auch als chronische Polyarthritis bezeichnet und ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. Bei einer rheumatoiden Arthritis sind in der Regel mehrere Gelenke dauerhaft entzündet. Dadurch können sie sich allmählich verformen und versteifen. Mit der Zeit nimmt auch die Muskelkraft ab. Bei fortgeschrittenem Rheuma können einfache Tätigkeiten wie die Körperpflege, das Essen mit Messer und Gabel oder das Schließen von Knöpfen schwer fallen. Neben den Einschränkungen der Beweglichkeit können Schmerzen und Abgeschlagenheit sehr belastend werden. Die Erkrankung kann auch andere Bereiche des Körpers beeinträchtigen, etwa die Blutgefäße oder bestimmte Organe.

Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran. Verschiedene Behandlungen können die Schmerzen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Um Gelenkschäden vorzubeugen, versucht man, die Erkrankung früh zu erkennen und zu behandeln.

Symptome

Typische erste Anzeichen für Rheuma sind Schwellungen an einzelnen Gelenken, die zu Gelenkschmerzen und -steife führen, vor allem an den Fingermittel- und Fingergrundgelenken. Mit der Zeit können weitere rheumatypische Beschwerden wie Kraftlosigkeit hinzukommen. Allerdings äußert sich die Erkrankung nicht immer so: Bei manchen Menschen macht sie sich zunächst durch allgemeine Beschwerden bemerkbar, zum Beispiel durch Müdigkeit oder Appetitlosigkeit, manchmal auch leichtes Fieber.

Zu den rheumatypischen Symptomen gehören:

  • Warme, geschwollene Gelenke: In der Regel schwellen auf beiden Seiten des Körpers die gleichen Gelenke an, zum Beispiel die Fingergelenke der rechten und der linken Hand. 
  • Schmerzende Gelenke
  • Steife Gelenke: Nach längeren Ruhepausen, besonders morgens nach dem Aufstehen, sind die Gelenke steif. In der Regel werden sie erst nach über einer Stunde oder nach längerer Bewegung wieder beweglich.
  • Kraftlosigkeit: Schmerzende, steife Gelenke werden häufig nicht mehr so viel bewegt. Dadurch kann mit der Zeit auch die Muskulatur schwächer werden.
  • Erschöpfung: Rheuma ist eine entzündliche Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft. Daher führt sie häufig zu Müdigkeit, allgemeinem Schwächegefühl und manchmal zu tiefgehender Erschöpfung („Fatigue“).
  • Rheumaknoten: Wenn die Erkrankung fortschreitet, bilden sich manchmal kleine harte Knötchen unter der Haut. Diese Rheumaknoten sind meist unempfindlich gegenüber Druck oder Berührungen.

Die rheumatypischen Symptome unterscheiden sich von Mensch zu Mensch: So können verschiedene Gelenke betroffen sein, oder es sind jeweils andere Beschwerden, die am meisten Probleme verursachen.

Verdickte oder steife Fingerendgelenke sind sehr häufig. Sie haben aber in der Regel nichts mit einer rheumatoiden Arthritis zu tun, sondern deuten eher auf eine bestimmte Form von Arthrose hin. Rheumatoide Arthritis und Arthrose werden häufig miteinander verwechselt. Doch die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung, während Arthrose durch Verschleiß bedingt ist. Auch die Behandlung und der Verlauf dieser beiden Erkrankungen unterscheiden sich deutlich voneinander.

 

Grafik: häufig von Rheuma betroffene GelenkeRheuma: häufig betroffene Gelenke

Ursachen

Die rheumatoide Arthritis gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Von einer solchen Erkrankung spricht man, wenn das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Das Abwehrsystem unterscheidet normalerweise zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen, Organismen und Stoffen. Dadurch schützt es den Körper vor Krankheitserregern und anderen schädlichen Substanzen. Bei Menschen mit einer Autoimmunerkrankung funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr richtig: Das Abwehrsystem bewertet bestimmte körpereigene Zellen irrtümlich als Fremdstoffe und greift sie an. Entzündungsreaktionen sind die Folge. Bei Menschen mit rheumatoider Arthritis sind insbesondere die Gelenke von einer Autoimmunreaktion betroffen.

Ob jemand eine rheumatoide Arthritis bekommt oder nicht, scheint unter anderem mit der genetischen Veranlagung zu tun zu haben. Es gibt auch Theorien, nach denen Autoimmunreaktionen durch eine Infektion mit bestimmten Viren oder Bakterien ausgelöst werden können. Die Krankheitsprozesse bei Rheuma sind jedoch sehr kompliziert und man versteht sie bislang nicht vollständig.

Rauchen trägt zur Entstehung einer rheumatoiden Arthritis bei und kann auch den Verlauf der Erkrankung ungünstig beeinflussen. Andere Risikofaktoren, die sich durch das eigene Verhalten beeinflussen lassen, sind nicht bekannt.

Häufigkeit

In Deutschland hat ungefähr einer von 100 Menschen eine rheumatoide Arthritis. Frauen erkranken doppelt so häufig daran wie Männer. Meist tritt die Krankheit nach dem 50. Lebensjahr auf. Es gibt aber auch relativ viele Menschen, die bereits früher an rheumatoider Arthritis erkranken. Gerade Frauen bekommen öfter schon in jüngeren Jahren Rheuma. Manchmal tritt die Erkrankung bereits im Jugendalter auf.

Verlauf

In der Regel tritt Rheuma zunächst an den Finger-, Hand- oder Zehengelenken auf, manchmal auch an den Ellbogen, Knöcheln oder Knien. Meistens sind dabei beide Seiten des Körpers betroffen. Auch rumpfnahe Gelenke können sich entzünden, zum Beispiel die Schultern oder das Schlüsselbein.

Eine rheumatoide Arthritis kann unterschiedlich verlaufen. Eine Studie, an der Menschen mit rheumatoider Arthritis teilnahmen, zeigte beispielsweise Folgendes: Zehn Jahre nach Beginn der Erkrankung berichteten

  • knapp 50 % der Teilnehmenden von leichten Einschränkungen durch die rheumatoide Arthritis,
  • gut 40 % von mittelschweren Einschränkungen und
  • etwa 10 % von erheblichen Einschränkungen im Alltag.

Dies können zum Beispiel Schwierigkeiten beim Aufstehen, Anziehen oder bei der Zubereitung von Essen sein, etwa beim Öffnen von Verpackungen, Flaschen oder Gläsern.

Die Beschwerden können mit der Zeit langsam zunehmen oder sich lange Zeit nicht verändern. Sie können aber auch in Schüben auftreten. Das heißt, dass Entzündung und Schmerzen plötzlich stärker werden, aber nach einer Zeit auch wieder nachlassen.

 

Folgen

Im Spätstadium der Erkrankung können bei einigen Menschen neben den Gelenken andere Bereiche des Körpers betroffen sein. Die Entzündungsprozesse können auch die Blutgefäße beeinträchtigen und dadurch Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Dies ist allerdings relativ selten und hängt auch davon ab, ob jemand aus anderen Gründen bereits ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat – etwa aufgrund von Übergewicht oder Bluthochdruck.

Auch die Tränen- oder Speicheldrüsen können betroffen sein. Das führt zu einer verminderten Tränen- oder Speichelbildung. In sehr seltenen Fällen können auch Organe wie die Lunge, Leber oder Nieren beeinträchtigt werden.

Diagnose

Nach einem ausführlichen Diagnosegespräch wird die Ärztin oder der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung vornehmen. Dabei achtet sie oder er vor allem darauf, welche Gelenke geschwollen sind. Typisch für eine rheumatoide Arthritis ist die Entzündung bestimmter Gelenke an den Fingern und Zehen. Aber auch wenn große Gelenke wie die Schultern oder Knie schmerzhaft und geschwollen sind, kann dies auf Rheuma hinweisen. Wichtig ist auch, wie viele Gelenke entzündet sind und seit wann.

Durch die Untersuchung einer Blutprobe lassen sich bestimmte Antikörper feststellen und Entzündungsreaktionen nachweisen. Zur frühen Diagnose von Rheuma haben sie jedoch nur eine begrenzte Aussagekraft, weil Blutwerte auch aus anderen Gründen verändert sein können.

Eine rheumatoide Arthritis frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein, weil die Beschwerden in den ersten Wochen bis Monaten oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch sind. Fachärztinnen und Fachärzte für Rheumatologie sind auf Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis spezialisiert und bei einem Verdacht auf eine solche Erkrankung gute Ansprechpartner. Eine schon länger bestehende rheumatoide Arthritis ist leichter zu diagnostizieren, weil neben typischen körperlichen Symptomen oft bereits Veränderungen an den Gelenken erkennbar sind oder durch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall sichtbar gemacht werden können. In den ersten Wochen oder Monaten sind solche Veränderungen nicht immer zu sehen.

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Behandlung

Eine rheumatoide Arthritis wird mit Medikamenten und nicht-medikamentösen Verfahren wie Physiotherapie (Krankengymnastik) behandelt. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel, die Alltagstätigkeiten erleichtern sollen. Welche Behandlungen infrage kommen, hängt zum Beispiel davon ab, wie stark die Entzündung und die Beschwerden sind, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, wie ihr Verlauf eingeschätzt wird – und wie gut bisherige Behandlungen geholfen haben.

Verschiedene Medikamente können

  • die Entzündung hemmen und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern,
  • Symptome wie Schmerzen und Schwellungen lindern sowie
  • die Gelenkfunktion verbessern oder zumindest möglichst lange erhalten.

Heilen lässt sich die Erkrankung bislang nicht.

Physiotherapie und Sport sollen helfen, die Beweglichkeit, Kraft und Gelenkfunktion zu verbessern oder zu erhalten. In einer Ergotherapie geht es vor allem darum, die Beweglichkeit und Muskelkraft der Hände zu erhalten und zu lernen, wie man im Alltag mit der Erkrankung zurechtkommen kann. Daneben eignen sich für Menschen mit Rheuma viele Sportarten wie etwa Radfahren, Walking, Tanzen, Gymnastik, Kräftigungsübungen, Schwimmen und Wassergymnastik.

Psychologische Verfahren werden eingesetzt, um Schmerzen und Einschränkungen im alltäglichen Leben besser bewältigen zu können. Außerdem sollen sie helfen, krankheitsbedingte Ängste und Depressionen zu lindern.

Wenn die Erkrankung mit körperlichen Einschränkungen einhergeht, gibt es Hilfsmittel, die diese ausgleichen und bei alltäglichen Tätigkeiten helfen sollen. Dazu gehören zum Beispiel orthopädische Einlagen, Greifhilfen und speziell geformtes Besteck.

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Rehabilitation

Wenn eine rheumatoide Arthritis über längere Zeit nicht in den Griff zu bekommen war und jemand zum Beispiel aufgrund der Erkrankung längere Zeit nicht arbeiten konnte, ist eine Rehabilitation eine Möglichkeit. Sie soll dabei helfen, mit der Krankheit im Alltag besser zurechtzukommen, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Eine Reha kommt aber auch für Rentnerinnen und Rentner infrage. Ziel ist dann, ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen und Pflegebedürftigkeit vorzubeugen.

Bei einer Rehabilitation arbeiten verschiedene Fachkräfte zusammen, zum Beispiel aus Medizin (Rheumatologie), Physio- und Ergotherapie, Sozialarbeit und Psychologie. Eine stationäre Reha dauert in der Regel drei Wochen. Dabei wohnt man während der Rehabilitation in der Klinik. Wer ganztags eine ambulante Reha macht, wohnt zu Hause und kommt tagsüber in die Klinik.

Je nachdem, welches Ziel eine Rehabilitation hat und wie man versichert ist, werden die Kosten von der gesetzlichen Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung getragen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass eine Ärztin oder ein Arzt feststellt, dass eine Rehabilitation erforderlich ist und der Reha-Antrag durch den Kostenträger genehmigt wird.

Leben und Alltag

Rheuma und damit verbundene Probleme wie Schmerzen, Erschöpfung, Nebenwirkungen von Medikamenten und körperliche Einschränkungen können das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Viele Menschen mit Rheuma benötigen für Alltagstätigkeiten mehr Zeit und müssen sich häufiger und länger ausruhen als andere. Häufige Arztbesuche, die korrekte Einnahme von Medikamenten, das Besorgen von Hilfsmitteln – all das braucht viel Zeit. Die Erschöpfung kann zudem dazu führen, dass Betroffene ein größeres Schlafbedürfnis haben, sich nicht so gut konzentrieren können und es ihnen schwer fällt, aktiv zu werden. Die Erkrankung kann mit Gefühlen wie Angst vor der Zukunft, Trauer, aber auch Wut über die Erkrankung verbunden sein. All das ist für andere manchmal schwer nachvollziehbar.

Viele Menschen lernen aber, so mit der Erkrankung umzugehen, dass ihre Beschwerden in den Hintergrund rücken und trotz aller Einschränkungen ein erfülltes Leben möglich ist.

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Weitere Informationen

Für Menschen mit rheumatoider Arthritis gibt es in Deutschland ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Dazu gehören zum Beispiel Selbsthilfegruppen und die Unabhängige Patientenberatung (UPD). Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden.

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