Was hilft bei Psoriasis Arthritis?

Foto von Patientin und Physiotherapeut bei der Behandlung
PantherMedia / photographee.eu

Psoriasis Arthritis kann unter anderem mit Bewegung und Medikamenten behandelt werden. Medikamente spielen eine wichtige Rolle, weil sie nicht nur Beschwerden lindern, sondern auch das Risiko für Gelenkschäden senken können.

Bei Psoriasis Arthritis entzünden sich verschiedene Gelenke – meist bei Menschen, die bereits seit vielen Jahren eine Schuppenflechte haben. Welche Behandlungen infrage kommen, hängt unter anderem von der Stärke der Beschwerden, dem Stadium der Erkrankung und dem wahrscheinlichen Verlauf ab.

Wer eine Psoriasis Arthritis hat, kann selbst verschiedenes tun, um die Entzündungen zu lindern, die Gelenke zu stärken und Erschöpfung () zu mildern, vor allem:

  • sich ausreichend bewegen,
  • nicht (mehr) rauchen,
  • wenig Alkohol trinken und
  • bei starkem Übergewicht abnehmen.

Medikamente spielen bei der Behandlung eine wichtige Rolle: Sie lindern die Beschwerden und können auch das Fortschreiten der Erkrankung verzögern oder aufhalten. Dadurch beugen sie auch Gelenkschäden vor. Außerdem können eine Physiotherapie, Ergotherapie und Hilfsmittel sinnvoll sein.

Was kann ich von einer Bewegungstherapie erwarten?

Es gibt nur wenige Studien zu Bewegungstherapien speziell bei Menschen mit Psoriasis Arthritis. Aus Studien zu anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Rheuma ist jedoch bekannt, dass körperliche Aktivität verschiedene günstige Wirkungen hat.

Bewegung hält die Gelenke beweglich und stärkt die Muskeln und Knochen. Das hilft im Alltag – zum Beispiel beim Treppensteigen – und verbessert die allgemeine Fitness. Bewegung kann auch eine mildern. Zudem stärkt sie das Herz-Kreislauf-System. Dies ist bei einer Psoriasis Arthritis besonders wichtig, da die Erkrankung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Empfohlen werden zum Beispiel:

  • Kräftigungsübungen
  • Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren, und Tanzen
  • Tai-Chi
  • Yoga

Schmerzen und Erschöpfung können ein Training vor allem anfangs erschweren, wenn der Körper noch nicht daran gewöhnt ist. Wichtig ist deshalb, sich nicht zu überfordern und die Belastung an die Beschwerden und das Erkrankungsstadium anzupassen. Bei einem akuten Krankheitsschub oder starken Schmerzen ist es besser, eine Pause zu machen und sich ärztlich beraten zu lassen.

Welche Sportart sich eignet, hängt von der Ausprägung der Erkrankung und den eigenen Vorlieben ab. Dabei spielt auch eine Rolle, ob Sehnen oder Sehnenscheiden entzündet sind. Von Sportarten wie Joggen oder Tennis, bei denen die Gelenke viele Stöße abfangen müssen, raten manche Fachleute eher ab. Wer unsicher ist, welche Sportart infrage kommt, kann sich in einer ärztlichen oder physiotherapeutischen Praxis beraten lassen.

Trainingsangebote bei entzündlichen Gelenkerkrankungen

Neben selbstständigem Training und einer individuellen haben Menschen mit entzündlichen Gelenkerkrankungen die Möglichkeit, für bis zu 24 Monate ein sogenanntes Funktionstraining in der Gruppe in Anspruch zu nehmen. Dabei handelt es sich um Gymnastik oder Wassergymnastik, die meist von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten angeleitet wird. Diese Kurse sind speziell auf die Erfordernisse von Menschen mit Arthritis zugeschnitten. Zudem fällt vielen Menschen Sport in einer Gruppe leichter.

Damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss der Veranstalter von der Kasse anerkannt sein. Außerdem braucht man ein ärztliches Rezept. Die Ärztin oder der Arzt kann das Funktionstraining auf einem speziellen Formular verordnen, ohne sein Budget zu belasten.

Auch der sogenannte Rehasport zur Verbesserung von Ausdauer, Kraft, Koordination und Beweglichkeit kann ärztlich verordnet und von der Kasse übernommen werden. Rehasport wird ebenfalls in der Gruppe angeboten, in der Regel an 50 Terminen über 18 Monate.

Weitere Informationen zu Trainingsmöglichkeiten bieten zum Beispiel Selbsthilfegruppen für Menschen mit entzündlichen Gelenkerkrankungen.

Warum ist ein Rauchstopp bei Psoriasis Arthritis hilfreich?

Wer es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, tut seiner Gesundheit viel Gutes. Rauchen senkt nicht nur die Lebenserwartung und verursacht viele Lungen- und Krebserkrankungen. Es macht auch anfälliger für Infektionen und begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieses Risiko ist für Menschen mit Psoriasis Arthritis ohnehin erhöht. Einige der Psoriasis-Medikamente erhöhen außerdem das Risiko für Infektionen.

Ein Rauchstopp ist nicht einfach und gelingt oft nicht beim ersten Mal. Viele Menschen schaffen es aber nach einigen Anläufen, vom Tabak wegzukommen. Zudem gibt es viele Möglichkeiten, sich unterstützen zu lassen – etwa Telefonberatungen und Entwöhnungskurse.

Welchen Einfluss haben Körpergewicht, Ernährung und Alkohol?

Bei starkem Übergewicht wird empfohlen, abzunehmen. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum einen soll eine Gewichtsabnahme die Gelenke entlasten. Zum anderen kann starkes Übergewicht die Entzündungsreaktionen im Körper verstärken und die Wirkung der Psoriasis-Medikamente abschwächen. Studien weisen darauf hin, dass Medikamente nach einer Gewichtsabnahme besser wirken. Bereits 5 % weniger Körpergewicht kann die Gelenke entlasten.

Meist lässt sich eine Gewichtsabnahme über eine Ernährungsumstellung erreichen. Auch sie kann schwerfallen – und erfordert, Gewohnheiten zu verändern. Es gibt aber verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten.

Zu viel Alkohol steht ebenfalls im Verdacht, die Gelenkentzündung zu verstärken. Der Grund: Viel Alkohol kann dazu führen, das im Körper mehr Enzyme ausgeschüttet werden, die bestimmte Entzündungsproteine aktivieren. Es gibt bislang zwar keine aussagekräftigen Studien, die die Auswirkungen einer Alkoholreduktion bei Menschen mit Psoriasis Arthritis untersucht haben. Davon unabhängig gibt es aber viele gute Gründe für einen moderaten Alkoholkonsum – und für Menschen, die weniger trinken möchten, auch viele Tipps, wie das gelingen kann.

Spezielle Diäten oder Ernährungsformen werden für Menschen mit Psoriasis Arthritis nicht empfohlen. Nicht belegt ist, dass Menschen mit Psoriasis Arthritis von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren, wie zum Beispiel Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren.

Wann können Physiotherapie, Ergotherapie und Hilfsmittel sinnvoll sein?

Physiotherapeutische Praxen bieten neben Bewegungstherapien auch verschiedene passive Behandlungen an – zum Beispiel Wärme- und Kälteanwendungen und andere physikalische Therapien. Solche Behandlungen kommen aber nur ergänzend infrage, um akute Beschwerden zu lindern. Sie sind keine Alternative zu aktiven Behandlungen wie einer Bewegungstherapie.

Bei einer fortgeschrittenen Arthritis und Gelenkschäden können verschiedene Hilfsmittel den Alltag erleichtern – zum Beispiel Anziehhilfen und spezielles Besteck. In einer Ergotherapie wird geübt, im Alltag besser mit den Einschränkungen der Erkrankung umzugehen und bestimmte Hilfsmittel anzuwenden, um möglichst lange ein selbstständiges Leben führen zu können.

Welche Medikamente kommen infrage?

Die Behandlung mit Medikamenten spielt bei Psoriasis Arthritis eine wichtige Rolle. Dabei werden zwei Gruppen von Medikamenten angewendet:

  • Mittel, die Beschwerden wie Schmerzen lindern (symptomatische Medikamente)
  • Mittel, die ursächlich wirken und die Entzündungsprozesse in den Gelenken hemmen (krankheitsmodifizierende Medikamente). Diese Medikamente lindern nicht nur die Beschwerden, sondern beugen auch Gelenkschäden vor.

Welche Medikamente infrage kommen, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Gelenkentzündungen sind, ob und wie stark die Haut betroffen ist und wie der weitere Verlauf abgeschätzt wird.

Medikamente zur Behandlung von Beschwerden

Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac, und Naproxen können Schmerzen lindern, schützen aber nicht vor möglichen Gelenkschäden. Medikamente aus dieser Wirkstoffgruppe werden auch nicht steroidale Antirheumatika () genannt.

führen manchmal zu Magen-Darm-Beschwerden. Bei längerer Einnahme können sie auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Um Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden, ist es wichtig, auf die richtige Anwendung zu achten und die Mittel nur bei Bedarf einzunehmen.

Eine nebenwirkungsarme Alternative zu Schmerztabletten sind Gels oder Cremes mit Diclofenac oder . Paracetamol hilft bei Arthritis kaum.

Zur Linderung akuter Schmerzen kann auch in einzelne Gelenke gespritzt werden. Dies kommt bei hartnäckigen Gelenkentzündungen infrage oder um die Zeit zu überbrücken, bis andere Behandlungen wirken.

Von Kortisontabletten wird in der Regel abgeraten. Sie sollten – wenn überhaupt – nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Das bedeutet, in niedriger Dosierung und nicht über einen längeren Zeitraum, da sie sonst schwere Nebenwirkungen haben können. Außerdem kann es zu einem Psoriasis-Schub kommen, wenn die Behandlung mit Kortisontabletten beendet wird.

Medikamente zur Vorbeugung von Gelenkschäden

Krankheitsmodifizierende Medikamente, die die Entzündungsprozesse in den Gelenken hemmen, werden unabhängig von akuten Beschwerden dauerhaft eingesetzt. Nach der englischen Bezeichnung „Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs“ werden sie manchmal auch kurz „DMARDs“ genannt. Diese Medikamente werden in zwei Gruppen eingeteilt:

  • klassische krankheitsmodifizierende Medikamente (zum Beispiel Methotrexat (MTX) und Leflunomid)
  • Biologika (biotechnologisch hergestellte Medikamente)

Zu den gehören die Wirkstoffe Abatacept, Adalimumab, Certolizumab pegol, Etanercept, Infliximab, Ixekizumab, Golimumab, Secukinumab und Ustekinumab. Sie kommen infrage, wenn eine Behandlung mit klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamenten nicht ausreicht.

Zwei weitere krankheitsmodifizierende Mittel sind Apremilast und Tofacitinib. Sie können ebenfalls eingesetzt werden, wenn eine Behandlung mit klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamenten nicht ausreicht.

Wann werden welche Medikamente eingesetzt?

Bei einer nur leicht ausgeprägten Psoriasis Arthritis der Knie, Ellbogen oder Handgelenke genügt manchmal eine Behandlung mit Schmerzmitteln aus der Gruppe der . Reicht dies nicht aus oder spricht einiges für einen ungünstigen Verlauf, wird eine Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten empfohlen.

Ein ungünstiger Verlauf ist wahrscheinlicher, wenn

  • fünf oder mehr Gelenke betroffen sind,
  • die betroffenen Gelenke im Röntgenbild bereits sichtbar geschädigt sind,
  • die ausgeprägt ist (dies wird mit sogenannten Entzündungsmarkern untersucht) oder
  • die neben den Gelenken auch Sehnen und Bindegewebe betrifft (zum Beispiel, wenn ein ganzer Finger oder die Achillessehne entzündet ist).

Manche Medikamente helfen gleichzeitig gegen die Hauterscheinungen und gegen die Gelenkentzündungen. Dies gilt zum Beispiel für Apremilast, Methotrexat und die meisten . Sie werden daher bevorzugt zur Behandlung von Psoriasis Arthritis eingesetzt.

Wie eine Psoriasis Arthritis behandelt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • der Stärke der Gelenkentzündung und der Art der Beschwerden
  • ob die Gelenkentzündung allein oder zusammen mit einer Schuppenflechte der Haut auftritt
  • welche Gelenke betroffen sind
  • wie die Vor- und Nachteile der Behandlungen abgewogen werden

Bei der Entscheidung für eine Behandlungsstrategie kann es hilfreich sein, sowohl hautärztlichen als auch rheumatologischen Rat einzuholen.

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Aktualisiert am 10. März 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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