Lungenentzündung: Was ist bei Kindern zu beachten?

Foto von Kind beim Händewaschen
PantherMedia / Peter Müller

Bei Kindern ist eine Lungenentzündung () manchmal schwer zu erkennen, weil sie dabei nicht immer Husten, Fieber oder Atemnot haben. Außerdem können andere Krankheitserreger eine Rolle spielen als bei Erwachsenen. Deshalb werden für Kinder zwei Impfungen empfohlen: gegen Haemophilus-Bakterien und gegen .

Kinder bekommen häufiger eine Lungenentzündung als Erwachsene. Zum einen ist ihr noch nicht ganz ausgereift, zum anderen werden Krankheitserreger wie oder Viren schnell von Kind zu Kind übertragen, vor allem im Alter zwischen 3 und 6 Jahren. Deshalb sind Infekte bei Kindern allgemein sehr häufig.

Bei Babys unter einem Jahr und bei Kleinkindern sind Lungenentzündungen häufiger als bei Schulkindern und Jugendlichen. Pro Jahr erkranken 35 von 10.000 Kindern unter sechs Jahren an einer Lungenentzündung, aber nur noch 15 von 10.000 älteren Kindern.

In der Regel verläuft die bei Kindern komplikationslos. Erkrankt ein Säugling direkt nach der Geburt oder ist ein Kind zum Beispiel durch eine andere Erkrankung oder Mangelernährung geschwächt, kann eine Lungenentzündung aber auch lebensbedrohlich sein. Weltweit zählt die Lungenentzündung zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern, vor allem in ärmeren Regionen der Erde.

Woran erkennt man eine Lungenentzündung bei Kindern?

Wenn Kinder eine Lungenentzündung bekommen, können sie Fieber, Schüttelfrost, Husten und Auswurf haben. Diese typischen Beschwerden können aber auch fehlen. Viele Kinder mit einer Lungenentzündung haben vor allem Bauchschmerzen. Bei Säuglingen macht sich die Erkrankung zu Beginn oft nur dadurch bemerkbar, dass sie nicht trinken wollen, apathisch wirken oder erbrechen. Manchmal haben sie auch nur hohes Fieber und einen sehr schnellen Herzschlag.

Erkrankte Kinder atmen oft schneller als normal. Kommt es im Verlauf der zu Atemnot, kann sich die erschwerte Atmung wie Stöhnen anhören. Beim Atmen zieht sich die Haut zwischen den Rippen erkennbar nach innen und / oder die Nasenflügel bewegen sich deutlich („Nasenflügeln“). Bei diesen Anzeichen sollte das Kind rasch ärztlich untersucht werden.

Welche Ursachen sind bei Kindern typisch?

Lungenentzündungen werden bei Kindern vor allem durch Bakterien und Viren verursacht. Sind Viren im Spiel, handelt es sich meist um Erkältungsviren oder um die klassischen Grippeviren. Bakterielle Lungenentzündungen gehen bei Kindern wie bei Erwachsenen häufig auf zurück. Daneben sind bei Kindern Infektionen mit dem Bakterium Haemophilus influenzae typisch. Bei Säuglingen kommen zudem bestimmte Streptokokken oder Darmbakterien infrage.

Wann spricht man von einer schweren Lungenentzündung?

Lungenentzündungen werden bei Kindern in „schwer“ und „nicht schwer“ eingeteilt. In beiden Fällen atmen die Kinder rasch – Säuglinge mehr als 50 Mal pro Minute, Kleinkinder mehr als 40 Mal pro Minute und ältere Kinder mehr als 20 Mal pro Minute. Auf eine schwere Lungenentzündung weisen weitere Warnsymptome hin: Die Kinder sind dann zum Beispiel schläfrig, essen und trinken nicht oder bekommen Krampfanfälle. In der Regel wird eine schwere Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt. Auch Atemnot, Bewusstlosigkeit oder ein Alter unter sechs Monaten sind Gründe für eine Krankenhausbehandlung.

Was ist bei einer Antibiotika-Behandlung zu beachten?

Bei einer bakteriellen Lungenentzündung bekommen auch Kinder häufig ein Antibiotikum. Wichtig ist, dass der Wirkstoff gegen die bei Kindern besonders häufigen Erreger wirkt. können als Saft oder Tablette gegeben werden. Vor allem bei einer schweren sind auch Infusionen sinnvoll, oder die Kombination zweier verschiedener . Oft wird zusätzlich Flüssigkeit per gegeben, weil erkrankte Kinder häufig zu wenig trinken und dann austrocknen können. Bei leichteren Beschwerden kann auf verzichtet werden – ebenso, wenn die Lungenentzündung durch ein bedingt ist.

Welche Impfungen sind für Kinder sinnvoll?

Zwei Impfungen sollen Kinder davor schützen, an einer Lungenentzündung durch den jeweiligen Erreger zu erkranken:

  • Die Pneumokokken-Schutzimpfung und
  • die gegen Haemophilus influenzae.

Kinder erhalten sie in drei Teilimpfungen als Spritze im Alter von 2, 4 und etwa 12 Monaten. Für Frühgeborene wird eine zusätzliche Pneumokokken-Teilimpfung im Alter von drei Monaten empfohlen. Bei der Haemophilus-Impfung kann je nach Impfstoff auch eine vierte Spritze im Alter von drei Monaten gegeben werden. Die Impftermine lassen sich gut mit den Früherkennungsuntersuchungen für Kinder verbinden – den sogenannten .

Hat man versäumt, sein Kind impfen zu lassen, sollten die Impfungen nachgeholt werden. Nachholimpfungen gegen Haemophilus können bis zum fünften Geburtstag, gegen bis zum zweiten Geburtstag gegeben werden.

Impfungen gegen die Kinderkrankheiten Masern, Keuchhusten und Windpocken sind ebenfalls sinnvoll. Lungenentzündungen können als Komplikation dieser Infektionen auftreten. Eine Übersicht über alle empfohlenen Impfungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bietet die Website www.impfen-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP). S2k-Leitlinie „Management der ambulant erworbenen Pneumonie bei Kindern und Jugendlichen (pädiatrische ambulant erworbene Pneumonie, pCAP)“. AWMF-Registernr.: 048-013. 03.2017.

Eppinger M, Müller M. Pädiatrie für Studium und Praxis. Breisach: Medizinische Verlags- und Informationsdienste; 2016.

Prina E, Ranzani OT, Torres A. Community-acquired pneumonia. Lancet 2015; 386(9998): 1097-1108.

Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut – 2017/2018. 14.08.2017. (Epidemiologisches Bulletin; Band 34).

Weltgesundheitsorganisation (WHO). Pneumonia. 09.2016.

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Aktualisiert am 24. März 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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