Wie wird eine virale Lungenentzündung behandelt?

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Meist sind die Ursache einer Lungenentzündung. Sind aber doch Viren die Auslöser, werden je nach Erreger und Schwere der sogenannte Virostatika gegeben. sind aber trotzdem sinnvoll.

Virostatika werden Medikamente genannt, die speziell gegen Viren wirken. Die verschiedenen Mittel greifen dabei an unterschiedlichen Stellen an: Manche blockieren zum Beispiel Enzyme, die das benötigt, um menschliche Zellen zu befallen. Andere hemmen die Vermehrung des .

Bei viralen Lungenentzündungen ist der Einsatz von Virostatika allerdings kaum erforscht. Deshalb ist noch unklar, ob und wenn ja, welche Mittel verhindern, dass sich aus einer Virusinfektion eine Lungenentzündung entwickelt, oder eine virale Lungenentzündung milder und kürzer verläuft.

Welche Wirkstoffe kommen infrage – und für wen?

Gegen Grippeviren werden vor allem sogenannte Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir oder Zanamivir eingesetzt. Sie werden aber nur Personen empfohlen, die wegen starker Beschwerden im Krankenhaus behandelt werden oder die ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben, etwa wegen einer Vorerkrankung oder ihres hohen Alters.

Bei Lungenentzündungen im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung ist derzeit nur das Virostatikum Remdesivir mit Vorbehalt zur Behandlung zugelassen. Es wird eingesetzt, wenn eine erkrankte Person so starke Atemnot hat, dass sie zusätzlich Sauerstoff benötigt.

Warum werden trotzdem Antibiotika gegeben?

Bei einer von Viren verursachten Lungenentzündung besteht das Risiko, dass zusätzlich auch das entzündete Lungengewebe befallen. Das kann die Erkrankung verschlimmern. Deshalb bekommen Menschen mit einer viralen Lungenentzündung in der Regel auch . Diese Medikamente helfen zwar nicht gegen die Viren, können aber vor einem zusätzlichen Bakterienbefall schützen.

Was wird zusätzlich gemacht?

Bei einem schweren Verlauf mit Atemnot kann zusätzlich Sauerstoff gegeben werden. Bei stark eingeschränkter Lungenfunktion kann auch eine Beatmung nötig sein. Kortison kommt ebenfalls infrage. Bei Menschen, deren Lunge im Rahmen einer Coronavirus-Infektion entzündet ist und die beatmet werden müssen, wird zum Beispiel der kortisonähnliche Wirkstoff Dexamethason gegeben.

Schwer kranke Personen bekommen außerdem meist blutverdünnende Mittel, um Thrombosen (Blutgerinnsel) zu verhindern. Sie werden auf der Intensivstation überwacht.

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Aktualisiert am 29. Oktober 2020
Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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