In der Arztpraxis

Foto von jungem Mann beim Arzt (PantherMedia / Chad Zuber) Wer ärztlichen Rat sucht oder eine medizinische Behandlung braucht, geht in Deutschland meist erst einmal in eine „Hausarztpraxis“. Grundsätzlich besteht freie Arztwahl – das heißt, man kann die Ärztin oder den Arzt selbst auswählen. Wir informieren, worauf es dabei ankommt, wie Sie sich am besten auf einen Arztbesuch vorbereiten und welche medizinischen Leistungen es gibt.

Praxen für Allgemeinmedizin, Innere Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin werden auch „Hausarztpraxen“ genannt. Wenn nötig, überweist eine Hausärztin oder ein Hausarzt weiter an eine Facharztpraxis. Diese sind auf bestimmte medizinische Fachgebiete spezialisiert, wie zum Beispiel Frauenheilkunde (Gynäkologie), Krankheiten im Bereich Hals-Nasen-Ohren (HNO) oder psychische Erkrankungen. Es ist aber möglich, direkt zu einer Fachärztin oder einem Facharzt zu gehen. Das gilt auch für den Besuch beim Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten.

In manchen Situationen kann es zudem sinnvoll sein, sich eine „Zweitmeinung“ einzuholen, das heißt einen zweiten Arzt zu Rate zu ziehen – zum Beispiel bei einer unklaren Diagnose oder vor einer schwierigen Behandlungsentscheidung. Der Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung ist gesetzlich festgeschrieben.

Für Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie für Praxisangestellte gilt die „Schweigepflicht“. Das bedeutet, sie dürfen ohne Ihr Einverständnis niemandem Auskunft über Sie geben – auch nicht Ihren Angehörigen.

Wie finde ich die richtige Arztpraxis?

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn Sie oder Ihre Angehörigen krank sind oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat brauchen. Deshalb ist es wichtig, die Hausärztin oder den Hausarzt in Ruhe auszuwählen. Je nach persönlicher Situation und eigenen Vorlieben spielen bei der Arztwahl verschiedene Kriterien eine Rolle: Für Familien oder ältere Menschen zum Beispiel, dass die Hausarztpraxis möglichst nahe der eigenen Wohnung liegt, weil die Ärztin oder der Arzt dann schnell zu erreichen ist und auch eher mal einen Hausbesuch macht. Berufstätige finden es vielleicht günstiger, wenn die Praxis auf dem Weg zur Arbeit liegt. Mancher geht lieber zu einem Arzt, ein anderer lieber zu einer Ärztin oder bevorzugt eine jüngere oder ältere Person. Neben der ärztlichen Kompetenz sind Vertrauen und gegenseitige Sympathie wichtig. Sie können sogar den Erfolg einer Behandlung beeinflussen.

Vor allem beim ersten Besuch in der Praxis ist ein ausführliches Gespräch wichtig, um sich kennenzulernen. Ein guter Arzt wird sich ausreichend Zeit nehmen und aufmerksam zuhören. Außerdem sollte sie oder er in der Lage sein, verständlich zu erklären, welche Untersuchungen nötig sind und welche Behandlungen infrage kommen.

Falls Sie nicht so gut Deutsch sprechen, können Fremdsprachenkenntnisse und vielleicht der kulturelle Hintergrund der Ärztin oder des Arztes ein wichtiges Auswahlkriterium sein. Vor allem in größeren Städten gibt es mittlerweile viele Ärztinnen und Ärzte, die mehrere Sprachen sprechen und / oder die selbst oder deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind.

Wenn Sie auf die Gebärdensprache angewiesen sind, können Sie sich bei den Selbsthilfeorganisationen hörbehinderter und gehörloser Menschen informieren, welche Ärztinnen und Ärzte in der Lage sind, sich mit Ihnen zu verständigen.

Auch in der Praxis selbst sollten Sie sich gut aufgehoben fühlen. Neben der Ausstattung und möglichst barrierefreien Zugänglichkeit der Praxisräume ist es besonders wichtig, ob die Angestellten freundlich und hilfsbereit sind. Für viele Menschen ist es zudem wichtig, welche Sprechzeiten angeboten werden und wie gut die Praxis organisiert ist: Bekommt man bei Bedarf zügig einen Termin? Sind die Wartezeiten überschaubar oder kommt es öfter vor, dass man trotz Terminvereinbarung lange im Wartezimmer sitzen muss?

Wenn Sie nicht zufrieden sind, können Sie die Arztpraxis wechseln. Allerdings entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis manchmal erst nach einer gewissen Zeit. Häufige Arztwechsel können zudem Nachteile haben – zum Beispiel, dass Untersuchungen wiederholt werden und Sie Ihre Krankengeschichte jedes Mal aufs Neue erklären müssen. Nicht zuletzt kann eine Ärztin oder ein Arzt, der Sie und Ihre Familie gut kennt, Ihre Gesundheit wahrscheinlich am besten beurteilen.

Wie bereite ich mich vor?

Solange es sich nicht um einen Notfall handelt, ist es immer besser, vor dem Arztbesuch einen Termin zu vereinbaren. Das hilft, unnötiges Warten zu vermeiden – und der Praxis, die Termine für alle Besucher reibungslos zu organisieren. Die meisten Praxen haben eine tägliche Notfallsprechstunde für akut Erkrankte. In dieser Zeit kann man meist ohne Termin vorbeikommen. Dennoch ist ein kurzer Anruf vorher sinnvoll, um einen Besuch anzukündigen.

Wenn Sie, Ihr Kind oder ein anderes Familienmitglied zu krank ist, um in die Praxis zu gehen, können Sie um einen Hausbesuch bitten. Dies ist aber nicht immer sofort möglich.

Es ist sinnvoll, sich vor einem Arzttermin etwas vorzubereiten, denn: Je genauer Sie Ihre Beschwerden beschreiben können, desto leichter kann die Ärztin oder der Arzt feststellen, was Ihnen fehlt. Dazu ist es nötig, über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand, frühere Erkrankungen und Behandlungen zu berichten (Ihre „Krankheitsgeschichte“). Vielleicht hilft es Ihnen, sich dazu ein paar Stichworte zu notieren. Ihre Fragen an die Ärztin oder den Arzt können Sie vorher aufschreiben, um nichts Wichtiges zu vergessen.

Die Ärztin oder der Arzt wird Sie zudem fragen, ob Sie Medikamente nehmen. Genau aufzuschreiben, welche Mittel Sie einnehmen – auch die rezeptfrei erhältlichen– gehört zu den wichtigsten Vorbereitungen auf einen Arztbesuch: Es hilft, Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln zu vermeiden.

Für die Behandlung in einer Arztpraxis benötigen Sie Ihre Krankenversicherungskarte (gültige E-Card). Falls Sie sie einmal vergessen haben, müssen Sie sie innerhalb von zehn Tagen nachreichen. Wenn Sie in eine Facharztpraxis überwiesen wurden, wird dort nach dem Überweisungsschein gefragt. Beim ersten Besuch in einer Praxis sollten Sie außerdem – soweit vorhanden – Ihren Impfpass und frühere Untersuchungsergebnisse wie zum Beispiel Röntgenbilder oder Arztbriefe mitbringen.

Wenn Sie privat versichert sind: Bringen Sie ebenfalls Ihre Krankenversicherungskarte oder eine Kostenübernahmeerklärung Ihrer Krankenversicherung mit.

Wenn Sie keine guten Deutschkenntnisse haben, lassen Sie sich zum Arzttermin am besten von einer Person Ihres Vertrauens begleiten, die bei Verständigungsproblemen helfen kann. Falls Sie einen Dolmetscher benötigen, müssen Sie die Kosten selbst tragen.

Was ist beim Arztbesuch wichtig?

Vor allem im ersten Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt wird es außer um Ihre Gesundheitsprobleme auch um Ihre Lebensumstände und Lebensweise gehen. Es ist wichtig, dass Sie Fragen zum Beispiel danach, wie Sie schlafen, sich ernähren, ob Sie Sport treiben, rauchen oder wie viel Alkohol Sie trinken, offen und ehrlich beantworten. Vielleicht werden Sie auch nach anderen persönlichen Dingen und möglichen psychischen Belastungen gefragt, etwa nach Problemen in Partnerschaft und Familie oder am Arbeitsplatz. Ihre Antworten können helfen, die Ursache von Erkrankungen festzustellen – aber auch, sie erfolgreich zu behandeln.

Wenn der Arzt eine Untersuchung vorschlägt, sollte sie oder er Ihnen den Grund erklären. Wird eine bestimmte Krankheit vermutet oder festgestellt, ist es wichtig, dass Sie genau verstehen, was Sie womöglich haben. Dies gilt auch für einen Behandlungsvorschlag: Sie müssen wissen, was die Behandlung bewirken soll, wie sie angewendet wird und was dabei zu beachten ist, wie lange sie dauert und ob sie Nebenwirkungen oder andere Risiken hat. Die Ärztin oder der Arzt sollte Sie über mögliche Behandlungsalternativen informieren – und darüber, was passieren könnte, wenn Sie sich gegen eine Behandlung entscheiden.

Scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, wenn Ihnen etwas unklar geblieben ist oder wenn Sie mehr Informationen brauchen.

Falls Sie später während der Behandlung merken, dass es Ihnen schwerfällt, zum Beispiel Ihre Medikamente so einzunehmen wie mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen, wenden Sie sich am besten sofort wieder an die Praxis. Medikamente sollten Sie weder eigenständig absetzen noch ihre Dosierung verändern.

Früherkennung, Vorsorge und Impfungen

Viele Menschen gehen nicht nur wegen akuter oder chronischer Erkrankungen zum Arzt, sondern auch, um Vorsorge- oder Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen. Viele dieser Untersuchungen werden von den Krankenkassen übernommen, für andere muss man selbst zahlen. Einige gelten als sinnvoll, bei manchen – vor allem den selbst zu zahlenden – ist der Nutzen umstritten.

Früherkennungsuntersuchungen haben das Ziel, Krankheiten schon in einem Stadium zu entdecken, in dem sie noch keine Beschwerden verursachen. Dies kann den Vorteil haben, dass man sie viel früher behandeln kann. Das ist aber nur dann von Nutzen, wenn eine frühe Behandlung mehr Erfolg verspricht als eine später einsetzende Behandlung.

Vorsorgeuntersuchungen werden dagegen gemacht, um Risikofaktoren für Krankheiten zu entdecken, etwa einen zu hohen Blutdruck oder eine Krebsvorstufe. Sie können sinnvoll sein, wenn es Möglichkeiten gibt, diese Risikofaktoren durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten oder durch eine Behandlung in den Griff zu bekommen. Dann lässt sich eine Erkrankung vielleicht vermeiden.

Eine andere Möglichkeit der Vorsorge ist, sich und seine Kinder impfen zu lassen. Die meisten Impfungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Manche Impfungen wie die vor Kinderlähmung (Polioimpfung) schützen ein Leben lang, manche nur für einen begrenzten Zeitraum, wie die Grippeimpfung. Viele Impfungen können vor lebensbedrohlichen Krankheiten oder solchen mit vielleicht gefährlichen Folgen schützen – aber nicht alle sind für jeden Menschen nötig.

Ärztinnen und Ärzte beraten zu allen Fragen der Vorsorge und Früherkennung. Manche Untersuchungen werden von Hausarztpraxen angeboten, andere von Facharztpraxen und einige von speziellen Einrichtungen.

Was sind IGeL?

Viele Praxen bieten sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) an. Dies sind zum einen Angebote wie Reiseimpfungen oder Untersuchungen der Sporttauglichkeit, die grundsätzlich selbst gezahlt werden müssen.

Zum anderen sind es Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, weil zum Beispiel nicht belegt ist, dass sie mehr Nutzen als Schaden haben. Medizinisch sind viele dieser Maßnahmen umstritten. Zum Beispiel sind die Ergebnisse mancher Untersuchungen nicht besonders aussagekräftig, und mitunter können sie auch schaden. Mögliche Hinweise auf eine Erkrankung früh zu entdecken, bedeutet zudem nicht immer, dass sie dann erfolgreicher behandelt werden kann.

Da IGeL für Arztpraxen zusätzliche Einnahmequellen sind, werden sie in manchen Praxen stark empfohlen und beworben. Patientinnen und Patienten sind aber nicht verpflichtet, eine angebotene IGe-Leistung in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie für sich keinen Nutzen darin sehen, lehnen Sie das Angebot ab.

Wenn Sie mehr erfahren wollen: Die Bundesärztekammer bietet einen allgemeinen Ratgeber zu den individuellen Gesundheitsleistungen an. Weitere ausführliche Informationen zu IGeL und zusätzlich die Bewertungen einzelner Angebote finden Sie auf der Website IGeL-Monitor.de – Herausgeber ist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS). Beide Informationen gibt es allerdings bisher nur in deutscher Sprache.

Wo bekomme ich Medikamente?

Medikamente sind in Deutschland nur in Apotheken erhältlich. Wenn Ihnen Ihr Arzt ein Medikament verschrieben hat, legen Sie das Rezept in der Apotheke vor und erhalten das Mittel gegen eine begrenzte Zuzahlung. In der Apotheke können Sie aber auch frei verkäufliche Mittel kaufen, wie zum Beispiel manche Schmerzmittel oder Nasensprays.

Es kann vorkommen, dass die Apotheke ein Medikament erst bestellen muss. Normalerweise muss man aber nicht länger als einen Tag auf ein Mittel warten.

Wenn Sie außerhalb der normalen Öffnungszeiten dringend ein Medikament benötigen, können Sie sich an eine Apotheke wenden, die Notdienst hat. Sie verlangt dann eine zusätzliche Notfallgebühr. Welche Apotheke in der Nähe gerade Nacht- oder Wochenenddienst hat, darüber geben zum Beispiel Aushänge an den Türen der Apotheken in Ihrem Wohnviertel Auskunft. Außerdem können Sie sich telefonisch oder im Internet informieren, zum Beispiel bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

Behandlung und Vorsorge in der Zahnarztpraxis

Die Tipps und Informationen, die Sie weiter oben zur Wahl einer Arztpraxis und zur Vorbereitung auf einen Behandlungstermin finden, gelten auch für Zahnarztpraxen. Allerdings gibt es für zahnärztliche Behandlungen zum Teil besondere Regelungen. So zahlen die gesetzlichen Krankenkassen feste Zuschüsse für Leistungen wie Zahnersatz, die aber nur die medizinisch notwendige Regelversorgung abdecken. Leistungen, die darüber hinausgehen, müssen selbst bezahlt werden. Dies gilt zum Beispiel, wenn Sie Zahnfüllungen oder Zahnersatz aus anderen Materialien wünschen.

Die Vorsorge spielt beim Zahnarzt eine besondere Rolle und wird von den Kassen belohnt: Gesetzlich Versicherte erhalten ein „Bonusheft“, in das alle wahrgenommenen Vorsorgetermine eingetragen werden. Wenn Sie mindestens einmal pro Jahr Ihre Zähne untersuchen lassen und das im Bonusheft dokumentiert ist, zahlt Ihnen die Krankenkasse einen höheren Zuschuss, wenn Sie Zahnersatz brauchen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren müssen nachweisen, dass sie einmal pro Halbjahr beim Zahnarzt waren.

Wenn eine Zahnspangenbehandlung oder Zahnersatz wie eine Krone, Brücke oder ein Implantat nötig wird, kann das trotz der Kassen-Zuschüsse teuer werden. Die Höhe des Eigenanteils bei Zahnersatz hängt unter anderem davon ab, welche Art des Ersatzes man wählt. Vor Behandlungsbeginn erstellt die Zahnärztin oder der Zahnarzt eine Art Kostenvoranschlag: den Heil- und Kostenplan. Er wird zusammen mit dem Bonusheft bei der Krankenkasse eingereicht und normalerweise bewilligt. Aus dem Bewilligungsschreiben geht hervor, welchen Anteil der Behandlungskosten die Kasse zahlt. Bei Fragen zu verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, vor allem wenn die Kosten hoch sind, kann es sinnvoll sein, sich in einer anderen Zahnarztpraxis eine zweite Meinung einzuholen. Auch die gesetzlichen Krankenkassen, die Unabhängige Patientenberatung sowie die Patientenberatungsstellen der Zahnärzteschaft beraten zu Fragen zum Zahnersatz. Letztere bieten gesetzlich Versicherten zudem ein Beratungsangebot für eine zweite Meinung an.

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