Einleitung

Foto von Untersuchung eines Patienten mit Herzschwäche (PantherMedia / Alexander Raths) Von einer Herzschwäche spricht man, wenn das Herz zu schwach ist, um ausreichend Blut in den Körper zu pumpen. Das kann dazu führen, dass Organe, Muskeln und andere Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Andere gängige Bezeichnungen für Herzschwäche sind Herzinsuffizienz, Herzmuskelschwäche oder Herzversagen.

Eine Herzschwäche kann akut auftreten, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, oder sich über lange Zeit entwickeln – etwa durch einen dauerhaft erhöhten Blutdruck.

Je nachdem wie stark eine Herzschwäche ausgeprägt ist, kann sie unbemerkt bleiben oder die körperliche Leistungsfähigkeit erheblich beinträchtigen. Dann können Beschwerden wie Erschöpfung, Luftnot, Brustschmerzen oder Herzklopfen auftreten. Bei einer fortgeschrittenen Herzschwäche fallen schon normale Alltagsaktivitäten schwer. Die meisten Menschen haben aber eine leichtere Form von Herzschwäche, mit der sie durch geeignete Behandlungen weitgehend normal leben können.

Symptome

Welche Symptome auftreten, hängt unter anderem von der Art der Herzschwäche ab. Man unterscheidet danach, ob die linke oder rechte Herzhälfte betroffen ist:

  • Linksherz-Insuffizienz: Dies ist die häufigste Form der Herzschwäche. Dabei staut sich Blut in den Lungenvenen – den Gefäßen, die das Blut aus der Lunge abtransportieren. Dies äußert sich durch Kurzatmigkeit, Luftnot oder Husten, vor allem bei körperlicher Betätigung.
  • Rechtsherz-Insuffizienz: Bei einer Rechtsherz-Schwäche staut sich das Blut in den Venen – also den Gefäßen, die das Blut aus den Organen und dem Gewebe zurück zum Herzen transportieren. Durch den erhöhten Druck kann Wasser aus den Venen ins umliegende Gewebe gepresst werden. Dies führt zu Wassereinlagerungen in den Beinen, seltener auch im Genitalbereich oder im Bauch.
  • Globale Herzinsuffizienz: Von einer globalen Herzschwäche spricht man, wenn beide Herzhälften betroffen sind. Dann können sowohl Beschwerden wie Kurzatmigkeit als auch Wassereinlagerungen auftreten.

Weitere Symptome einer Herzschwäche sind:

  • Erschöpfung und Abgeschlagenheit
  • schneller oder unregelmäßiger Herzschlag
  • plötzliche Gewichtszunahme infolge von Wassereinlagerungen
  • häufiges nächtliches Wasserlassen
  • Konzentrationsprobleme
  • Blässe, kalte Hände und Füße
  • Brustschmerzen oder Enge- / Beklemmungsgefühl in der Brust

Ursachen

Eine Herzschwäche ist meistens die Folge einer anderen Erkrankung, die den Herzmuskel oder die Blutgefäße schädigt. Die Herzmuskeln sind der „Motor“ des Herzens: Durch ihr rhythmisches Zusammenziehen wird sauerstoffreiches Blut in die Herzkammern und von dort in den Kreislauf gepumpt. Bei einer Herzschwäche gelingt dies nicht mehr richtig, und der Körper kann nicht ausreichend mit frischem Blut versorgt werden.

In den meisten Fällen wird eine Herzschwäche durch eine koronare Herzkrankheit oder einen Herzinfarkt verursacht.

Bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die Adern verengt, die das Herz mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Wenn das Herz infolgedessen nicht ausreichend durchblutet wird, kann eine Herzschwäche entstehen. Bei einem Herzinfarkt verstopft eine dieser Adern so plötzlich, dass Teile des Herzmuskels gar nicht mehr durchblutet werden und Muskelgewebe abstirbt.

Ein dauerhafter Bluthochdruck kann dazu führen, dass die Gefäße ihre Elastizität verlieren. Das Herz muss dann dauerhaft gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten. Damit die Blutversorgung weiterhin sichergestellt ist, finden im Körper verschiedene Anpassungsvorgänge statt. Unter anderem wird der Herzmuskel größer und dicker, was zunächst die Pumpleistung erhöht. Mit der Zeit kommt es jedoch zur Versteifung des Muskels oder zu einer Erweiterung der Herzkammern, was die Pumpleistung langfristig verschlechtert und in einer Herzschwäche mündet.

Eine Herzschwäche kann auch durch bestimmte Erkrankungen des Herzmuskels, der Herzklappen oder des Herzbeutels ausgelöst werden. Dazu gehören Entzündungen, angeborene Veränderungen der Herzmuskulatur, Herzklappenfehler und Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern. Auch Alkoholmissbrauch kann den Herzmuskel schädigen.

Risikofaktoren

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine Herzschwäche gehören:

  • Diabetes mellitus Typ 2
  • starkes Übergewicht (Adipositas)
  • Rauchen
  • Bluthochdruck

Eine familiäre Veranlagung für seltenere Herzerkrankungen, etwa für bestimmte Herzmuskelerkrankungen, gilt ebenfalls als Risikofaktor für eine Herzschwäche.

Häufigkeit

Im Durchschnitt entwickeln geschätzt 4 von 100 Menschen im Laufe des Lebens eine Herzschwäche. Die meisten erkranken nach dem 65. Lebensjahr. Besonders häufig betroffen sind Menschen über 85 Jahre. Im höheren Lebensalter haben wesentlich mehr Frauen als Männer mit Herzschwäche zu tun.

Verlauf

Je nachdem wie stark die Herzschwäche ausgeprägt ist, unterscheidet man vier Stadien:

  1. Asymptomatische Herzschwäche: Sie verursacht noch keine Symptome wie Erschöpfung oder Luftnot. Durch diagnostische Tests kann aber eine verringerte Herzleistung festgestellt werden.
  2. Leichte Herzschwäche: Bei stärkerer körperlicher Anstrengung wie Treppensteigen oder Bergaufgehen treten Symptome wie Erschöpfung oder Luftnot auf. Geringe körperliche Belastungen lösen aber keine Beschwerden aus.
  3. Mittelschwere Herzschwäche: Bereits gewöhnliche Tätigkeiten und leichte körperliche Anstrengung wie Gehen auf gerader Strecke führen zu Beschwerden.
  4. Schwere Herzschwäche: Beschwerden treten in Ruhe oder schon bei geringsten körperlichen Aktivitäten auf. Flaches Liegen ist nicht mehr möglich. Manche Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz sind bettlägerig.

Folgen

Eine fortgeschrittene Herzschwäche kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen, weil dann oft bereits normale Aktivitäten erschwert oder gar nicht mehr möglich sind.

Infolge einer Herzschwäche können Herzrhythmusstörungen auftreten. Durch den erhöhten Druck auf die Blutgefäße und Wassereinlagerungen im umliegenden Gewebe kann es zu Lungenentzündungen und schlecht heilenden Geschwüren an den Unterschenkeln („offene Beine“) kommen.

Plötzliche Wassereinlagerungen in der Lunge (Lungenödem) können zu Erstickungsanfällen mit Husten und schaumigem Auswurf führen. Größere Wasseransammlungen zwischen Lungen- und Rippenfell können die Atmung stark behindern. Wasser kann sich auch im Bauchraum oder in der Leber stauen. Der Leib ist dann aufgebläht, es kommt zu Appetitlosigkeit, Übelkeit und Verdauungsproblemen.

Wenn sich eine Herzschwäche akut verschlechtert, kann sie lebensbedrohlich sein und eine Krankenhausbehandlung nötig werden. Eine akute Verschlechterung äußert sich zum Beispiel durch Atemnot, die bereits bei geringer Belastung oder in Ruhe, vor allem im Liegen, auftritt.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Herzschwäche fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und nach der Krankengeschichte. Eine körperliche Untersuchung und verschiedene Messungen schließen sich an:

  • Abtasten von Fußknöchel und Unterschenkel sowie Abklopfen von Oberkörper und Bauchraum, um mögliche Wassereinlagerungen festzustellen.
  • Abhören von Herz und Lunge: Herztöne, Herzschlag sowie Herzgeräusche oder ein Rasseln beim Atmen können Hinweise auf bestimmte Herzerkrankungen geben.
  • Blutdruckmessung.
  • Untersuchung der Herzströme mittels EKG (Elektrokardiogramm).
  • Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie), um die Pumpleistung des Herzens zu bestimmen und die Funktion der Herzklappen zu prüfen.

Meist wird außerdem eine Blutprobe entnommen und im Labor auf unterschiedliche Werte untersucht. Auch diese Ergebnisse können helfen, mögliche Ursachen für eine Herzschwäche festzustellen und andere Erkrankungen auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung einer Herzinsuffizienz stützt sich auf mehrere Säulen:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Da einer Herzschwäche meist eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung zugrunde liegt, besteht ein Teil der Behandlung aus der Therapie der Grunderkrankung – also zum Beispiel einer KHK, einer Herzrhythmusstörung oder eines Bluthochdrucks.
  • Allgemeine Maßnahmen: Allgemeine Maßnahmen im Alltag sollen das Herz-Kreislauf-System entlasten. Dazu gehört: nicht zu rauchen, Alkohol nur in Maßen zu trinken, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und bei deutlichem Übergewicht möglichst abzunehmen. Ist die Krankheit fortgeschritten, muss häufig die allgemeine Trinkmenge reduziert und das Körpergewicht kontrolliert werden.
  • Medikamente: Das Herz entlasten können Medikamente, die den Herzschlag kontrollieren, den Blutdruck senken, die Gefäße weiten und entwässernd wirken.
  • Körperliches Training: Für Menschen mit Herzschwäche gibt es spezielle Herzsport-Programme, die ein angepasstes Ausdauer- und Muskeltraining beinhalten. Solche Programme können die körperliche Belastbarkeit erhöhen und die Lebensqualität verbessern.

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