Divertikelkrankheit und Divertikulitis

Auf einen Blick

  • Divertikel sind kleine Ausstülpungen der Darmwand, in denen sich Stuhl ablagern kann.
  • Bei einer Divertikelkrankheit kommt es zu Beschwerden wie Schmerzen im Unterbauch und Verdauungsproblemen.
  • Bei einer Divertikulitis entzünden sich die Divertikel.
  • Die Beschwerden lassen sich meist gut behandeln.
  • Falls sich eine Entzündung ausbreitet, kann es zu Komplikationen kommen.

Einleitung

Foto von liegendem Mann auf Sofa mit Schmerzen im Unterbauch

Schmerzen im Unterbrauch, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall – manchmal stecken sogenannte Divertikel dahinter. Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut: An den betroffenen Stellen wölbt sich die Darminnenwand durch Schwachstellen in der Darmmuskulatur nach außen. Dadurch kommt es zu meist kleinen ballonförmigen Ausstülpungen am Darm, in denen sich Stuhl ablagern kann. Divertikel sind oft harmlos, können aber zu Darmbeschwerden und Schmerzen führen oder sich entzünden.

Etwas vereinfacht werden drei Formen unterschieden:

  • Divertikulose: Man hat Divertikel, aber keine Beschwerden.
  • Divertikelkrankheit: Dieser Oberbegriff wird verwendet, wenn die Divertikel zu Beschwerden oder Komplikationen führen. Bei dauerhaften oder wiederkehrenden Beschwerden spricht man von einer chronischen Divertikelkrankheit.
  • Divertikulitis: Die Divertikel sind entzündet. Dies kann zu akuten Beschwerden oder einer chronischen Divertikelkrankheit führen. Man unterscheidet die unkomplizierte Divertikulitis (ohne Eiteransammlungen) und die komplizierte Divertikulitis (mit Eiteransammlungen).

Eine Divertikulitis ist meist gut behandelbar, kann aber ernste Folgen haben, wenn sich die Entzündung ausbreitet.

Symptome

Die meisten Divertikel machen keine Beschwerden. Die Divertikelkrankheit äußert sich meist durch Schmerzen im linken Unterbauch, seltener im rechten. Außerdem kann es zu Blähungen, Verstopfung oder Durchfall kommen. Oft kommen und gehen die Beschwerden, sie können aber auch von Dauer sein. Häufig sind sie nach dem Essen stärker, nach dem Stuhlgang dagegen schwächer. Manchmal bluten Divertikel auch.

Wenn sich Divertikel entzünden (Divertikulitis), treten plötzlich dumpfe Schmerzen im Unterbauch auf, begleitet von leichtem Fieber. Weitere Anzeichen sind Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit, manchmal auch Krämpfe. Erbrechen ist eher selten. Wenn die Ärztin oder der Arzt auf den Bauch drückt, spannt sich die Bauchmuskulatur reflexartig an (Abwehrspannung). Beim plötzlichen Loslassen wird der Schmerz stärker.

Ursachen und Risikofaktoren

Divertikel entstehen an Stellen, wo die Darmmuskulatur schwächer ist. Meist bilden sie sich im Sigma, einem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen Abschnitt des Dickdarms. In diesem S-förmigen Bereich vor dem ist der Druck des Stuhls auf die Darmwand am höchsten.

Die vereinfachte anatomische Grafik zeigt die Lage des Dickdarms im Körper (links) und das Sigma mit Divertikeln und Divertikulitis.

Manche Menschen sind erblich bedingt anfälliger für Divertikel. Ein schwaches Bindegewebe und gestörte Darmbewegungen sind weitere Risikofaktoren. Auch ältere sowie stark übergewichtige Menschen haben häufiger eine Divertikulose.

Welche Rolle der Lebensstil spielt, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine ballaststoffarme Ernährung kann zu Verstopfung und hartem Stuhlgang führen – das spricht dafür, dass sie das Risiko für eine Divertikelkrankheit erhöht. Als weitere Risikofaktoren für die Divertikelkrankheit werden eine Ernährung mit viel rotem Fleisch, Rauchen und wenig körperliche Bewegung vermutet.

Warum sich Divertikel entzünden und was das Risiko dafür erhöht, ist noch unklar. Es wird davon ausgegangen, dass eine schlechtere Durchblutung und die Bildung von Kotsteinen in den Divertikeln Entzündungen wahrscheinlicher machen.

Bei Menschen mit einem geschwächten (zum Beispiel nach einer Organtransplantation) oder mit einer schweren Nierenerkrankung kommt es häufiger zu Komplikationen. Vermutlich erhöht auch die längerfristige Einnahme bestimmter Medikamente das Risiko für einen schweren Verlauf. Dazu zählen nicht steroidale Antirheumatika (), Kortikoide und .

Häufigkeit

Viele Menschen haben eine Divertikulose, ohne davon zu wissen. Mit dem Alter werden Divertikel häufiger: Etwa 13 % der Menschen unter 50 haben Divertikel, bei über 70-Jährigen sind es etwa 50 %. Bei Frauen und Männern kommen sie ähnlich häufig vor.

Etwa 1 % aller Menschen mit Divertikeln entwickelt innerhalb von 10 Jahren eine Divertikulitis. Die kann in jedem Alter auftreten.

Folgen

Divertikel bleiben häufig unbemerkt, solange sie nicht zu Beschwerden führen. Sie können aber chronische Verdauungsbeschwerden und Schmerzen verursachen oder sich entzünden.

Eine Divertikulitis lässt sich meist gut behandeln und heilt dann innerhalb weniger Wochen ab. Etwa 20 % der Betroffenen bekommen in den Jahren danach jedoch mindestens einmal erneut eine Divertikulitis.

Greift die der Divertikel auf die Darmwand, die Umgebung oder benachbarte Organe über, kann es zu Komplikationen kommen: Es können sich Eiteransammlungen (Abszesse) und Fisteln bilden. Eine Fistel ist eine röhrenartige Verbindung zwischen zwei Organen, zum Beispiel zwischen Darm und Harnblase. Solche Komplikationen müssen rasch behandelt werden, häufig mit einer Operation.

Eine seltene, aber schwere Komplikation ist es, wenn ein Loch in der Darmwand entsteht (Darmdurchbruch oder Darmperforation). Wenn Stuhl in den Bauchraum austritt, kann es zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Sie äußert sich meist durch starke Bauchschmerzen, eine harte Bauchdecke, Fieber, Übelkeit, Herzrasen und allgemeine Schwäche. Bei solchen Anzeichen ist es wichtig, rasch ärztliche Hilfe zu suchen.

Bei manchen Menschen entzünden sich Divertikel auch nach einer erfolgreichen Behandlung immer wieder – dann spricht man von einer chronisch-rezidivierenden Divertikulitis. Dadurch können sich vernarbte Verengungen (Stenosen) im Darm bilden, die das Weiterleiten des Stuhls erschweren. Schlimmstenfalls kann ein Darmverschluss (Ileus) die Folge sein.

Das Risiko für Komplikationen ist bei der ersten Divertikulitis am höchsten. Bei wiederkehrenden Entzündungen sinkt das Risiko deutlich. Ihre Folgen sind vor allem chronische Beschwerden wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen und Bauchschmerzen.

Manche Menschen mit Divertikeln haben auch dauerhafte Beschwerden, ohne dass der Darm entzündet ist.

Gut zu wissen:

Aus Divertikeln entwickelt sich kein Darmkrebs. Dieser entsteht aus .

Diagnose

Divertikel, die keine Beschwerden verursachen, werden oft nur zufällig gefunden, zum Beispiel bei einer Darmspiegelung. Geht man aufgrund von Beschwerden zur Ärztin oder zum Arzt, fragt sie oder er zunächst unter anderem nach Vorerkrankungen und der Einnahme von Medikamenten. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Bauch abgehört und abgetastet und der ausgetastet. Je nach Art der Beschwerden können Blut- und Urinuntersuchungen sowie eine Messung der Körpertemperatur folgen. In der Regel schließt sich eine an. Steht die dann noch nicht fest, können eine und unter Umständen eine Darmspiegelung notwendig sein.

Durch die Untersuchung sollen auch andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, denn die Beschwerden bei einer Divertikelkrankheit ähneln zum Beispiel einer Blinddarmentzündung oder einem Reizdarmsyndrom.

Bei einer akuten Divertikulitis wäre eine Darmspiegelung (Koloskopie) zu risikoreich, da sich die ausbreiten kann, falls der Darm dabei verletzt wird. Häufig wird aber empfohlen, die Untersuchung etwa 4 bis 6 Wochen nach dem Abheilen der machen zu lassen. Sie soll prüfen, ob die Beschwerden nicht doch durch , Darmkrebs oder andere Erkrankungen bedingt waren.

Vorbeugung

Eine ballaststoffreiche Ernährung sorgt dafür, dass der Stuhl nicht zu hart wird. Menschen mit Divertikeln könnte das vor Beschwerden oder Entzündungen schützen. Viele Ballaststoffe finden sich in Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst. Auch körperliche Bewegung regt die Verdauung an; ob sie Beschwerden vorbeugen kann, ist aber bislang unklar.

In manchen Ernährungsempfehlungen für Menschen mit Divertikeln wird von bestimmten Nahrungsmitteln abgeraten, besonders von Nüssen, Körnern, Mais und Popcorn. Man vermutete lange, dass kleine Rückstände dieser Nahrungsmittel in den Divertikeln stecken bleiben und Entzündungen wahrscheinlicher machen. Das konnten Untersuchungen jedoch widerlegen. Man braucht also zum Beispiel nicht auf Nüsse zu verzichten.

Behandlung

Divertikel, die keine Beschwerden verursachen, müssen nicht behandelt werden. Die Behandlung einer akuten Divertikulitis hängt vom Schweregrad ab. Ihre Ziele sind:

  • Komplikationen durch die vermeiden
  • akute Beschwerden lindern
  • Rückfällen vorbeugen
  • chronische Beschwerden vermeiden

Da die bei einer Divertikulitis durch ausgelöst wird, kann sie mit Antibiotika behandelt werden. Bei einer unkomplizierten Divertikulitis sind meist unnötig. Sie sind jedoch notwendig, wenn Komplikationen auftreten oder das Risiko dafür erhöht ist. Bei Komplikationen kann auch eine Einweisung ins Krankenhaus erforderlich sein.

Wenn sich eine akute Divertikulitis nicht bessert oder dauerhafte Beschwerden bestehen, kann der betroffene Teil des Dickdarms durch eine Operation entfernt werden. Wegen der Risiken sollte ein Eingriff allerdings sorgsam abgewogen werden. Bei schweren Komplikationen wie einer Bauchfellentzündung muss dagegen rasch operiert werden.

Bei einer chronischen Divertikelkrankheit kann es einen Versuch wert sein, sich ballaststoffreicher zu ernähren. Ob probiotische Nahrungsmittel helfen können, ist noch nicht ausreichend geklärt. Auch das Medikament Mesalazin oder eine Operation können infrage kommen.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.

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Aktualisiert am 07. Januar 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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