Was bringen Ernährung und Sport?

Foto von zwei Frauen beim Walking
PantherMedia / pershing

Je nach Stadium einer chronischen Nierenerkrankung gelten verschiedene Ernährungsregeln. Wer entsprechend isst und trinkt und sich ausreichend bewegt, kann den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen und sein Wohlbefinden verbessern.

Viele Stoffwechselvorgänge hängen auch von der Leistungsfähigkeit der Nieren ab: Werden die Nieren schwächer, geraten zum Beispiel der Energie- und Eiweißstoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Auch der Salz- und Wasserhaushalt des Körpers werden gestört. Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung kommt es dadurch zu ernsten Folgeerscheinungen wie Gewichtsverlust, Übersäuerung und Wasseransammlungen in den Organen und im Gewebe.

Für Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung gelten deshalb eine Reihe von Ernährungsregeln. Sich an diese „Nierendiät“ zu halten, fällt oft schwer. Ärztinnen und Ärzte, Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater können aber dabei helfen, die Vorgaben besser zu verstehen und im Alltag umzusetzen. Viele Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung gewöhnen sich mit der Zeit an die Empfehlungen und nutzen sie als Möglichkeit, selbst etwas für ihr Wohlbefinden zu tun. Eine angepasste Ernährung und Sport wirken sich auch günstig auf weitere Erkrankungen und Risikofaktoren aus, wie etwa einen erhöhten Blutdruck.

Wie viel darf man trinken?

Die meisten Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung können zunächst so viel trinken wie sie möchten. Wenn die Nierenfunktion zunehmend nachlässt, scheiden viele betroffene Menschen jedoch weniger Wasser aus. Wenn man dann zu viel trinkt, kommt es zu einer Überwässerung mit der Folge, dass sich Ödeme bilden und der Blutdruck ansteigt. Eine Dialysebehandlung kann dies nicht komplett ausgleichen, denn sie kann dem Körper nur begrenzt Wasser entziehen.

Je nach Dialyseform und je nachdem, ob und wie viel Urin die Nieren noch ausscheiden, gelten folgende Empfehlungen: Idealerweise sollte man nur noch so wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, wie die Nieren als Urin ausscheiden – plus 0,5 Liter am Tag bei einer Hämodialyse oder 0,8 Liter am Tag bei einer Peritonealdialyse. Dabei müssen nicht nur Getränke, sondern auch flüssige Speisen wie zum Beispiel Suppen, Joghurt oder Kompott mit eingerechnet werden.

Um nicht zu viel zu trinken, kann es helfen, kleinere Gläser und Tassen zu verwenden und wenn möglich Medikamente mit einer Mahlzeit anstatt mit einem extra Glas Wasser einzunehmen. Wer Durst spürt, kann das zum Beispiel mit einem sauren Bonbon, Zitronenstückchen oder zuckerfreiem Kaugummi lindern. Außerdem ist es hilfreich, langsam zu trinken und trockene Raumluft zu vermeiden.

Auf ein normales Gewicht achten

Wer chronisch nierenkrank und gleichzeitig übergewichtig ist, kann mit einer Gewichtsabnahme sein Risiko für Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall senken.

Bei einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung ist Übergewicht aber eher selten – dann besteht eher die Gefahr, zu stark abzunehmen. Um Untergewicht zu vermeiden, ist es wichtig, genügend und vor allem richtig zu essen. Dialysepatientinnen und Dialysepatienten werden täglich zwischen 30 und 40 Kilokalorien pro Kilogramm Normalgewicht empfohlen. Mit Normalgewicht ist nicht das aktuelle Körpergewicht der Person gemeint, sondern das Gewicht, das laut () gemäß ihrer Körpergröße als normal gilt. Für einen 180 cm großen Mann liegt es zum Beispiel um 70 Kilogramm. Daraus ergibt sich ein Kalorienbedarf zwischen 2100 bis 2800 Kilokalorien pro Tag.

Wie viel Eiweiß ist sinnvoll?

Menschen, die noch keine benötigen, sollten nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Eiweiß zu sich nehmen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine Diät mit wenig Eiweiß bei manchen Menschen das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verzögern und vor Komplikationen schützen kann. Ob auch andere Diäten schützen können, ist noch nicht ausreichend durch Studien belegt. Aber zu wenig Eiweiß ist ungünstig, denn der Körper würde bei einem Eiweißmangel Muskeleiweiß abbauen.

Laut gängigen Empfehlungen sollte die tägliche Nahrung etwa 0,8 bis 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Normalgewicht enthalten. Wer also um die 70 Kilogramm wiegt, nimmt demnach pro Tag am besten um die 60 Gramm Eiweiß zu sich. Ein Rindersteak (140 Gramm) enthält zum Beispiel ungefähr 45 Gramm Eiweiß, ein Frühstücksei rund 13 Gramm und ein Apfel weniger als 0,5 Gramm.

Wer wegen Nierenversagens zur muss, hat dagegen einen erhöhten Eiweißbedarf. Pro Kilogramm Körpergewicht werden dann täglich mindestens 1,1 Gramm Eiweiß empfohlen, bei einer Peritonealdialyse bis 1,5 Gramm. Hierbei geht viel Eiweiß über das in die Dialyseflüssigkeit verloren.

Wie viel Kochsalz ist erlaubt?

Erhöhter Blutdruck und zu viel Eiweiß im Urin können eine chronische Nierenerkrankung beschleunigen. Studien haben gezeigt, dass eine kochsalzarme Kost den Blutdruck und die Eiweißausscheidung senken kann. Fachleute gehen aufgrund erster Studienergebnisse davon aus, dass es dadurch auch seltener oder erst später zu Komplikationen wie Nierenversagen oder kommt. Allerdings muss das noch durch Langzeitstudien bestätigt werden.

Salz bindet zudem Wasser im Körper und steigert den Durst. Bei Menschen, die eine erhalten und nicht viel trinken dürfen, ist es deshalb besonders wichtig, mit Salz sehr sparsam zu sein.

Empfohlen werden etwa 5 bis 6 Gramm Kochsalz pro Tag. Zur Einordnung: Eine Scheibe Brot enthält etwa 0,5 Gramm, ein Wiener Würstchen knapp 2 Gramm, und ein Stück Pizza über 4 Gramm Kochsalz. Der Verzicht auf salzige Nahrungsmittel fällt vor allem anfangs oft schwer. Nach zwei bis drei Wochen gewöhnt sich der Geschmackssinn aber an weniger Salz. Zudem lassen sich Speisen auch mit Kräutern, Zwiebeln, Zitrone, Essig oder anderen Gewürzen schmackhaft zubereiten.

Bei fortgeschrittener Nierenerkrankung ist nicht nur Kochsalz (Natriumchlorid) ein Problem, die Nieren können auch die Menge an und vor allem an Phosphat schlechter regulieren. Deshalb sollten Dialysepatienten möglichst ganz auf Lebensmittel verzichten, die viele dieser Mineralien enthalten. Dazu gehören unter anderem Kartoffeln, Bananen, Trockenobst, Chips, Pommes frites, Schmelzkäse, Milch oder Nüsse. Vorsicht ist bei sogenanntem Diätsalz geboten: Es enthält zwar wenig Natrium, aber erhebliche Mengen .

Wie viel Sport ist gut?

Möglichst in Bewegung zu bleiben, tut auch bei chronischer Nierenerkrankung gut: Regelmäßiger Sport kann zum Beispiel helfen, den Blutdruck zu senken, die Muskulatur zu erhalten und sich allgemein besser zu fühlen.

Fachleute empfehlen fünfmal in der Woche dreißig Minuten leichten Sport. Aber auch wenn man das nicht schafft, ist es gut, sich so viel wie möglich zu bewegen. Es hilft, wenn Familie und Freunde beim Sportprogramm unterstützen und man körperliche Aktivitäten fest in den Alltag einplant. Sogar während einer Dialyse-Sitzung kann man sich sportlich betätigen und zum Beispiel in die Pedale eines sogenannten Bettfahrrads treten.

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Erstellt am 21. März 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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