Einleitung

Foto von Mädchen mit Neurodermitis (PantherMedia / Dayna More) Hautausschläge und starkes Jucken sind die typischen Anzeichen einer Neurodermitis. Die entzündliche Hauterkrankung tritt häufig bei Kindern auf. Oft bessert sie sich mit den Jahren und verschwindet zeitweise oder sogar ganz. Akute Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Vor allem der Juckreiz kann belastend sein, den Schlaf und die Konzentrationsfähigkeit stören. Manche Betroffene fühlen sich „unwohl in ihrer Haut“ und schämen sich, wenn sie sichtbare Ausschläge haben. Regelmäßige Hautpflege, Medikamente und andere Maßnahmen können die Beschwerden aber lindern und ein weitgehend normales Leben ermöglichen.

Symptome

Neurodermitis kann sich durch akute und chronische Beschwerden äußern: Bei akuten Beschwerden ist die Haut gerötet, juckt und bildet manchmal nässende Bläschen. Längerfristig kann sie trocken und rissig werden und sich verdicken. Zudem kann sich die Struktur der Haut verändern und gröber werden. Das Hauptsymptom ist der oft quälende Juckreiz.

Die Erkrankung verläuft in Schüben. Das bedeutet, dass die Beschwerden mal stärker, mal weniger stark sind. Zeitweise können sie auch völlig verschwinden.

Welche Hautpartien typischerweise betroffen und wie ausgeprägt die Beschwerden sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bei Säuglingen tritt Neurodermitis vor allem auf den Wangen sowie den Außenseiten der Arme und Beine auf – seltener auch auf Rücken, Bauch und Brust. Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigen sich meist in den Kniekehlen, den Ellenbeugen und am Nacken Hautausschläge. Auch an den Handinnenflächen und Fußsohlen kann Neurodermitis auftreten.

Ursachen

Die Haut ist aus drei Schichten aufgebaut: Der Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subkutis). Die Oberhaut besteht aus der Basalschicht, der Stachelzellschicht und der Hornschicht (in der Grafik vergrößert dargestellt). Die Hornschicht – der sichtbare Teil der Haut – schützt den Körper vor Krankheitserregern. Sie erneuert sich ständig, indem aus der Basalschicht neue Zellen nachwachsen.

 

Gesunde Haut und Haut mit Neurodermitis

 

Bei Menschen mit Neurodermitis erfüllt die Hornschicht ihre Schutzfunktion nicht richtig. Eine der Ursachen hierfür ist ein verändertes Gen, das die Produktion von Filaggrin hemmt. Filaggrin ist ein Eiweiß, das bei der Bildung der Oberhaut eine wichtige Rolle spielt. Wegen des Filaggrin-Mangels ist die Zusammensetzung der Hautfette verändert und die Haut verliert viel Feuchtigkeit. Zudem bietet die geschädigte Haut Schlupflöcher für Reizstoffe und Keime, die zu Entzündungen führen können.

Manche Menschen haben eine allergische Form von Neurodermitis. Bei ihnen reagiert das Immunsystem auf bestimmte Reizstoffe (Allergene), indem es Antikörper ausschüttet, die Entzündungen auslösen. Diese Antikörper lassen sich im Blut nachweisen. Man spricht dann auch von einer atopischen (allergiebedingten) Form von Neurodermitis oder „atopischer Dermatitis“. Sie führt häufig zu stärker ausgeprägten Beschwerden.

Risikofaktoren

Das Risiko für Neurodermitis kann durch eine familiäre Veranlagung deutlich erhöht sein. Es gibt aber noch andere Faktoren, die zur Entstehung einer Neurodermitis beitragen. Die Erkrankung ist in den letzten Jahren häufiger geworden, was sich allein durch genetische Faktoren nur schwer erklären lässt. Daher wird vermutet, dass auch Umweltverschmutzung oder übertriebene Hygiene eine Rolle spielen. Diese Annahme beruht auf der Beobachtung, dass Neurodermitis seltener bei Kindern auftritt, die viele Geschwister haben, bereits im Säuglingsalter in einer Kindertagesstätte betreut wurden oder mit einem Hund in einem Haushalt leben. Man geht davon aus, dass diese Kinder bereits früh Keimen ausgesetzt waren und daher ein besser trainiertes Immunsystem haben. Die genauen Zusammenhänge müssen jedoch noch besser erforscht werden.

Manchmal werden Impfungen mit der Entwicklung von Neurodermitis bei Kindern in Verbindung gebracht. Mehrere Auswertungen von Studien zu dieser Frage ergaben jedoch keinen solchen Zusammenhang: Demnach lösen Impfungen keine Neurodermitis aus, noch schützen sie davor.

Häufigkeit und Verlauf

Etwa 20 von 100 Kindern haben mit Neurodermitis zu tun, aber nur 2 bis 4 von 100 Erwachsenen. Meist beginnt die Erkrankung in den ersten sechs Lebensmonaten. Bei 50 bis 70 von 100 betroffenen Kindern und Jugendlichen bessert sich die Erkrankung bis zum 15. Lebensjahr von selbst, oft verschwindet sie sogar vollständig. Bei manchen tritt die Neurodermitis im Erwachsenenalter erneut auf, vor allem an den Händen. Erwachsene mit Neurodermitis haben oft eine schwerere Form der Erkrankung.

Folgen

Manchmal führt eine bestimmte Bakterienart namens Staphylococcus aureus an den betroffenen Hautstellen zu einer Infektion. Diese Bakterien kommen auf der Haut von allen Menschen vor und sind normalerweise ungefährlich. Wenn sie eine Infektion auslösen, können sie die Neurodermitis jedoch verstärken. Eine bakterielle Infektion äußert sich darin, dass die Haut stark gerötet ist, nässt und / oder gelbliche Krusten bildet. Wenn sich die Infektion ausbreitet, ist in der Regel eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich.

Auch die Entzündung mit Herpes-Viren tritt bei Betroffenen häufiger auf. Eine Herpes-Infektion tritt in der Regel im Gesicht auf. Es bilden sich kleine Bläschen, die mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt sind und nach kurzer Zeit aufgehen. Dadurch können kleine punktförmige Krusten entstehen. Die Haut kann sehr wund sein und es kann zu Symptomen wie Fieber und Abgeschlagenheit kommen. Da sich eine Herpes-Infektion sehr schnell ausbreiten kann, ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig.

Kratzen ist eine natürliche Reaktion auf Juckreiz, kann aber Komplikationen begünstigen und den Juckreiz verstärken. Die meisten Menschen mit Neurodermitis wissen, dass sie sich besser zurückhalten sollten, da sich oberflächliche Kratzwunden entzünden können. Dies ist aber leichter gesagt als getan. Man braucht also nicht jedes Mal ein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich doch einmal kratzt.

Eine allergisch bedingte Neurodermitis kann mit Heuschnupfen und Asthma verbunden sein. Etwa ein Drittel der Kinder mit Neurodermitis entwickelt bis zum sechsten Lebensjahr Asthma oder Heuschnupfen. Allerdings sind die genauen Zusammenhänge noch nicht geklärt.

Diagnose

Neurodermitis wird durch eine körperliche Untersuchung festgestellt. Spezielle Tests sind dazu nicht erforderlich.

Wenn der Verdacht besteht, dass es sich um eine allergische Form von Neurodermitis handelt, wird unter Umständen ein Allergietest gemacht – üblicherweise ein sogenannter Prick-Test. Dabei wird eine geringe Menge eines möglicherweise Allergie auslösenden Stoffes auf die Haut aufgetragen und mit einer winzigen Nadel einen Millimeter in die Haut eingestochen, in der Regel nur soweit, dass die Stelle nicht blutet. Wenn die Haut an dieser Stelle anschwillt und sich rötet, weist dies auf eine Allergie hin. Manchmal wird auch eine Blutprobe entnommen und untersucht. Dabei wird geprüft, ob sich bestimmte Antikörper im Blut befinden.

Vorbeugung

Viele Eltern fragen sich, ob sie etwas tun können, um das Risiko, dass ihr Kind eine Neurodermitis entwickelt, zu senken. Bislang gibt es jedoch nur wenige Maßnahmen, für die nachgewiesen ist, dass sie Neurodermitis vorbeugen können. Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung gibt es bislang vor allem für Nahrungszusätze mit probiotischen Bakterien.

Möglicherweise ist das Risiko für Neurodermitis etwas geringer, wenn Säuglinge gestillt werden. Die Forschungsergebnisse zu dieser Frage sind aber nicht eindeutig. Im Einzelfall kann man zudem nie sagen, warum ein Kind Neurodermitis bekommt, weil dabei viele verschiedene Faktoren zusammenspielen. Zudem sind die Ursachen der Erkrankung bislang nicht abschließend geklärt.

Was Studien sagen

Behandlung

Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung. Eine Behandlung kann sie zwar nicht heilen, eine regelmäßige Hautpflege und Medikamente können aber helfen, das Jucken und den Hautausschlag in den Griff zu bekommen. Zu den wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten gehören:  

  • Feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte: Feuchtigkeitsspendende Cremes und Salben (Emollentien) werden mindestens zweimal am Tag großzügig aufgetragen, um die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren. Dadurch sollen Symptome wie Jucken gelindert und die Haut vor Keimen und Reizstoffen geschützt werden. Feuchtigkeitsspendende Pflege wird als Dauerbehandlung eingesetzt.  
  • Spezielle Seifen, Waschlotionen und Shampoos: Normale Seife und Produkte wie Shampoo oder Duschgel enthalten Tenside und andere Stoffe, die die Haut austrocknen können. Um dies zu vermeiden, gibt es spezielle Reinigungsprodukte ohne diese Inhaltsstoffe.  
  • Kortisonsalben: Neurodermitis-Schübe werden meist mit Kortisonsalben (Kortikosteroiden) behandelt, da sie das Jucken und die Entzündung lindern können. Normalerweise kommen sie nur bei akuten Beschwerden zum Einsatz. Um Schüben vorzubeugen, werden sie manchmal in größeren Abständen zusätzlich zu feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten eingesetzt – etwa in Form einer „Wochenendbehandlung“, bei der an ein oder zwei Tagen eine schwache Kortisonsalbe aufgetragen wird.  
  • Pimecrolimus und Tacrolimus: Pimecrolimus und Tacrolimus sind zwei weitere Medikamente, die seit einigen Jahren für die Behandlung von Neurodermitis zugelassen sind. Sie werden ebenfalls als Salben auf die Haut aufgetragen und können eingesetzt werden, wenn Kortisonpräparate nicht infrage kommen. Etwa wenn jemand Kortison nicht verträgt, wenn eine Kortisonbehandlung zu keiner Besserung führt oder zur längerfristigen Behandlung der empfindlichen Haut im Gesichts- und Halsbereich. Diese Mittel sind nicht für Kinder unter zwei Jahren zugelassen.

Weitere mögliche Behandlungen bei Neurodermitis sind feuchte Umschläge, das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel, Bestrahlungen mit UV-Licht und Medikamente mit Wirkstoffen, die Reaktionen des Immunsystems unterdrücken. Tabletten mit solchen Wirkstoffen werden aber nur eingesetzt, wenn andere Maßnahmen nicht helfen, da sie im ganzen Körper wirken und viele Nebenwirkungen haben können.

Was Studien sagen

Leben und Alltag

Oft wird unterschätzt, wie sehr eine ausgeprägte Neurodermitis das Leben erschweren kann – auch von Ärztinnen und Ärzten. Mit den Herausforderungen im Alltag umzugehen und die richtige Behandlung für sich selbst zu finden, erfordert Geduld. Dennoch gelingt es vielen Menschen, die Neurodermitis gut in den Griff zu bekommen.

Auch für ein Kind kann Neurodermitis eine große Belastung, und an manchen Tagen für Kind und Eltern nur schwer zu meistern sein. Doch auf Phasen mit starken Beschwerden folgen meist auch wieder leichtere. Und die Chancen stehen gut, dass die Neurodermitis im Laufe des Heranwachsens ganz von selbst besser wird oder sogar völlig verschwindet.

Eltern eines Kindes mit Neurodermitis können sich von Zeit zu Zeit überfordert und ratlos fühlen. Die Sorgen um das Kind, die Hautpflege, die vielen Arztbesuche und schlaflosen Nächte können eine große Belastung sein. In Schulungen und Selbsthilfegruppen kann man Erfahrungen mit anderen Eltern austauschen, denen es ähnlich geht.

Für viele Kinder und Eltern ist es auch bedrückend, wie andere Menschen auf die Krankheit reagieren. Manche sind mit dem Krankheitsbild nicht vertraut, sodass schnell Missverständnisse entstehen können: zum Beispiel, dass es sich um eine ansteckende Krankheit handelt oder dass sich die Eltern nicht richtig um ihr Kind kümmern. Einige Eltern meiden solche Situationen, indem sie zum Beispiel nicht mehr so viel mit dem Kind unternehmen. Manche empfinden es als hilfreicher, mögliche Missverständnisse und Vorurteile anzusprechen und anderen die Erkrankung und ihre Folgen zu erklären.

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt. Pflichtfelder sind mit einem Sternchen (*) markiert.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise auf Beratungsangebote finden Sie in unserem Text "Wie finde ich Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen?"

Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

Empfehlen Sie diesen Artikel

Hier können Sie einen Button dauerhaft aktivieren. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.