Lichttherapie, Tabletten und Spritzen

Foto von Mann mit Neurodermitis
PantherMedia / nebari

Meist lässt sich durch eine gute Hautpflege, entzündungshemmende Salben oder Cremes und das Vermeiden von Reizfaktoren gut in den Griff bekommen. Wenn dies nicht ausreicht, kommt eine Lichttherapie mit UV-Strahlen oder die Behandlung mit Medikamenten zum Einnehmen oder Spritzen infrage.

Manche Menschen haben so starke Neurodermitis-Schübe, dass eine Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln zum Auftragen nicht genügt, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. In solchen akuten Phasen kommt zusätzlich eine Behandlung mit UV-Licht infrage. Verschafft auch dies keine ausreichende Linderung, ist eine systemische Behandlung mit Medikamenten möglich, die das Immunsystem hemmen. Systemisch bedeutet, dass die Behandlung im ganzen Körper wirkt. Dazu wird das Medikament eingenommen oder gespritzt.

Wie läuft eine Lichttherapie ab?

Bei einer Lichttherapie werden die betroffenen Hautstellen mit ultraviolettem Licht (UV-Licht) bestrahlt. Das UV-Licht hemmt die Entzündungsreaktionen in der Haut und beeinflusst auch die Zellteilung. Zur Behandlung werden spezielle Kabinen mit Leuchtstoffröhren verwendet, die Licht mit einer bestimmten Wellenlänge aussenden. Außerdem gibt es sogenannte Teilbestrahlungsgeräte zur Behandlung einzelner Körperteile wie dem Kopf, den Händen oder Füßen. Sonnenbänke zur Bräunung sind dazu nicht geeignet.

Üblicherweise wird die Haut 2- bis 6-mal pro Woche in einer spezialisierten hautärztlichen Praxis oder im Krankenhaus bestrahlt. Die Behandlung dauert vier Wochen bis drei Monate. Damit sich die Haut allmählich an die Strahlung gewöhnen kann, wird die Strahlendosis dem individuellen Hauttyp angepasst und nach und nach erhöht. Die Sitzungen dauern anfangs in der Regel weniger als eine Minute, zum Ende der Behandlung bis hin zu mehreren Minuten.

Eine mit UV-Licht ist relativ aufwendig, da mehrere Arztbesuche pro Woche nötig sind. Durch Anfahrt, Wartezeit und die im Anschluss erforderliche Hautpflege nehmen die Behandlungen viel Zeit in Anspruch. Daher ist es für viele Menschen schwer, sie mit Beruf und Familie zu vereinbaren.

Welche Varianten der Lichttherapie gibt es?

Man unterscheidet Licht nach seiner Wellenlänge in UVA- und UVB-Strahlung. Zur Behandlung von setzt man heute meist eine sogenannte Schmalband-UVB-Phototherapie ein. Dabei wird die Haut nur mit UVB-Licht mit einer Wellenlänge von 311 bis 313 Nanometer bestrahlt. Die Begrenzung des Lichtspektrums verringert das Risiko für Nebenwirkungen.

Eine andere Möglichkeit ist die „Psoralen UVA-Therapie“ (PUVA). Dabei nimmt man zuerst das Medikament Psoralen ein, das die Haut lichtempfindlicher macht. Etwa zwei Stunden danach wird die Haut mit UVA-Strahlung behandelt. Psoralen kann alternativ auch als Creme oder Gel auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden.

Bei einer Lichttherapie muss neben der Auswahl der Wellenlänge auch die Dosierung und Dauer der Anwendung bestimmt werden. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: der Hauttyp, die Art und Anzahl der Vorbehandlungen, Vorerkrankungen wie zum Beispiel Hautkrebs und die Einnahme von Medikamenten wie etwa manche oder , die die Haut lichtempfindlicher machen. Deshalb ist es wichtig, sich von einer Ärztin oder einem Arzt behandeln zu lassen, die oder der sich gut mit der Lichttherapie auskennt.

Die Lichttherapie kann auch mit einem Bad kombiniert werden. Dann spricht man von einer Licht-Bade-Therapie (Balneophototherapie). Bestrahlt wird während des Bades (synchrone Licht-Bade-Therapie) oder im Anschluss daran (asynchrone Licht-Bade-Therapie).

Eine weitere Variante der Lichttherapie ist die selektive UVA1-Therapie. Im Rahmen ambulanter Behandlungen wird sie bei in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Kann eine Lichttherapie helfen?

Studien zeigen, dass eine Lichttherapie die Entzündung wirksam lindern kann und gegen Beschwerden wie Juckreiz hilft. Die Haut kann durch eine Lichttherapie für eine Weile abheilen. Eine dauerhafte Heilung der ist dadurch allerdings nicht möglich. Nach aktuellen Forschungsergebnissen ist die synchrone Licht-Bade-Therapie etwas wirksamer als eine alleinige Lichttherapie.

Welche Nebenwirkungen hat eine Lichttherapie?

Lichttherapien können verschiedene Nebenwirkungen haben. Die UV-Strahlen können die Haut austrocknen. Deshalb ist es wichtig, sie im Anschluss an die Behandlung gut einzucremen. Außerdem kann es zu sonnenbrandartigen Hautreizungen kommen. Vor allem bei Menschen, die zu Lippenherpes neigen, kann die Lichttherapie das Auftreten begünstigen. Um dem vorzubeugen, kann man die Lippen vor der Behandlung mit Sonnencreme schützen.

Andere, seltenere Nebenwirkungen sind zum Beispiel Haarwurzelentzündungen und erhabene rote Hautflecken, die aber wieder verschwinden. Häufige UV-Bestrahlungen können zudem zu vorzeitiger Hautalterung führen. Die Einnahme von Psoralen im Rahmen einer PUVA kann Übelkeit und Erbrechen auslösen.

Wie kann man Nebenwirkungen vorbeugen?

Um Nebenwirkungen vorzubeugen, ist es wichtig, am Tag der Behandlung Sonnenlicht zu meiden oder sich durch entsprechende Kleidung, eine Sonnenbrille und Sonnenschutzmittel vor natürlicher zu schützen. Für Menschen, die Psoralen eingenommen haben, ist es besonders wichtig, sich für den Rest des Tages keiner weiteren Sonnenstrahlung auszusetzen.

Wenn die Haut häufig mit UV-Licht bestrahlt wird, steigt das Risiko für Hautkrebs. Daher ist ein UV-Pass sinnvoll. Er hilft, die Zahl der erhaltenen UV-Behandlungen im Blick zu behalten. In diesen Pass werden Informationen über die Anzahl und Dosis der Behandlungen eingetragen.

Wann wird eine systemische Behandlung empfohlen?

Medizinische Fachgesellschaften haben Empfehlungen entwickelt, wann eine Behandlung mit systemischen Medikamenten als Tabletten oder Spritzen infrage kommt. Demnach sollte sie erst erwogen werden, wenn

  • örtliche Behandlungen und Lichttherapie zu keiner ausreichenden Besserung geführt haben,
  • die besonders ausgeprägt ist, also zum Beispiel bei starken Beschwerden, großflächiger oder sehr häufigen Schüben, und
  • sie die Lebensqualität erheblich einschränkt (zum Beispiel wegen Schlafstörungen, starkem Juckreiz oder großen Einschränkungen in Alltag, Beruf oder Freizeit).

Neben diesen Faktoren spielt bei der Entscheidung auch das Alter eine Rolle: So ist beispielsweise nicht jedes Medikament für Kinder zugelassen.

Welche Wirkstoffe kommen dafür infrage?

Bei systemischen Behandlungen werden in der Regel Ciclosporin oder Dupilumab eingesetzt. Weil diese Medikamente eingenommen oder gespritzt werden, können sie mehr Nebenwirkungen haben als Salben oder Cremes – vor allem, wenn sie über längere Zeit angewendet werden. Ernsthafte Nebenwirkungen sind allerdings selten.

Ciclosporin

Ciclosporin dämpft das und ist schon lange zur Behandlung von zugelassen. Mehrere Studien zeigen, dass es Hautausschläge und Juckreiz wirksam lindern kann.

Ciclosporin wird morgens und / oder abends vor den Mahlzeiten und möglichst immer zur gleichen Tageszeit eingenommen. Wichtig ist: Es verträgt sich nicht mit Grapefruit oder Grapefruitsaft. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht und wird verringert, sobald sich eine Besserung zeigt. Die Behandlungsdauer hängt davon ab, wie gut das Medikament wirkt. Meist ist eine Behandlung zwischen 2 und 6 Monaten nötig.

Zu den möglichen Nebenwirkungen von Ciclosporin gehören Schwellungen des Zahnfleischs, Magen-Darm-Beschwerden und Kribbeln oder Ameisenlaufen vor allem an Händen und Füßen. Da das Medikament das hemmt, kann es auch Infektionen begünstigen, wie zum Beispiel eine akute Bronchitis.

Während der Behandlung mit Ciclosporin ist es wichtig, regelmäßig die Nieren- und Blutdruckwerte zu kontrollieren, da das Medikament die Nieren belasten und den Blutdruck erhöhen kann. Sind die Werte auffällig, kann die Dosis verringert oder das Medikament abgesetzt werden. Die Nieren- und Blutdruckwerte normalisieren sich dann in der Regel wieder. Bei einer Behandlungsdauer von mehr als sechs Monaten steigt allerdings das Risiko für eine dauerhafte Schädigung der Nieren.

Ciclosporin sollte nicht mit einer Lichttherapie kombiniert werden, da es dann das Risiko für weißen Hautkrebs erhöht. Das Gleiche gilt für Menschen, die bereits viele Jahre mit Lichttherapien behandelt wurden.

Da Ciclosporin Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben kann, ist es wichtig, die Ärztin oder den Arzt vor einer Behandlung über die Einnahme anderer Medikamente zu informieren. Dies gilt auch für pflanzliche Mittel: So kann Johanniskraut die Wirkung von Ciclosporin schwächen.

Dupilumab

Dupilumab wird im Abstand von zwei Wochen gespritzt. Das Medikament blockiert bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) und kann Neurodermitis-Beschwerden wie Juckreiz und Hautausschläge nachweislich lindern. Es ist zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren zugelassen.

Mögliche Nebenwirkungen von Dupilumab sind Hautreizungen an der Einstichstelle, Bindehaut- und Lidrandentzündungen. Letztere können durch Augentropfen behandelt werden.

Weitere Medikamente

Wenn eine Behandlung mit Ciclosporin oder Dupilumab nicht infrage kommt oder nicht wirkt, können die Medikamente Azathioprin, Mycophenolat und Methotrexat eine Alternative sein. Diese Wirkstoffe sind bislang aber nicht zur Behandlung von zugelassen und können deshalb nur in begründeten Fällen verschrieben werden (Off-Label-Use).

Warum werden Kortisontabletten nur noch selten empfohlen?

Manche Hautärztinnen und -ärzte verschreiben vor allem Erwachsenen mit schwerer oft noch Kortisontabletten. Sie werden bei aber kaum noch empfohlen und sollten aus verschiedenen Gründen nur kurzfristig in Ausnahmefällen bei schweren Schüben eingesetzt werden.

Der zurückhaltende Einsatz von Kortisontabletten hat mehrere Gründe: Zum einen können sie bei längerer Einnahme schwere Nebenwirkungen haben. Zum anderen kehrt die häufig wieder zurück, wenn die Tabletten abgesetzt werden – und ist dann oft sogar noch ausgeprägter (Rebound-Effekt). Um dies möglichst zu vermeiden, wird nach dem Absetzen der Kortisontabletten eine Anschlusstherapie mit einem anderen Medikament empfohlen.

Können Allergiemedikamente (Antihistaminika) bei Neurodermitis helfen?

Manchmal wird mit Allergiemedikamenten behandelt, sogenannten . Diese Medikamente hemmen die Wirkung des Gewebehormons . wird vom Immunsystem als Reaktion auf Fremdstoffe hergestellt, die in den Körper eindringen. Es sorgt dafür, dass sich die Gefäße weiten und mehr Blut in das Gewebe fließt. Außerdem löst durch Reizung der Nerven Juckreiz aus.

sollen den Juckreiz bei lindern. In Studien haben diese Mittel bei jedoch keine überzeugende Wirkung gezeigt. Manche machen müde und können daher gegen Schlaflosigkeit infolge von Juckreiz helfen. Da sie Neurodermitis-Beschwerden nicht lindern, werden sie aber normalerweise nicht zur Behandlung empfohlen. Bei Menschen, die gleichzeitig mit allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen zu tun haben, können jedoch sinnvoll sein.

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IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Aktualisiert am 20. Januar 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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