Können Spritzen ins Knie helfen?

Foto von Handwerkerin (PantherMedia / Arne Trautmann) Zur Behandlung einer Kniearthrose wird manchmal Kortison oder Hyaluronsäure in das Kniegelenk gespritzt. Solche Spritzen können die Beschwerden lindern – allerdings nur vorübergehend und kaum besser als eine Spritze mit Kochsalzlösung. Behandlungen mit Eigenblut und Stammzellen sind nicht ausreichend untersucht.

Spritzen in den Gelenkspalt des Knies sind verbreitet. In der Regel enthalten sie ein Medikament aus der Gruppe der Glukokortikoide („Kortison“) oder Hyaluronsäure. Manche Praxen und Kliniken bieten auch Spritzen mit aufgearbeitetem Blutplasma an (Eigenbluttherapie). Dazu wird Blut entnommen und mit einer Zentrifuge in verschiedene Bestandteile getrennt. Aus bestimmten körpereigenen Wachstumsfaktoren und Botenstoffen wird dann ein Konzentrat hergestellt.

Grundsätzlich besteht bei allen Spritzen das Risiko einer Gelenkinfektion. Dazu kann es kommen, wenn mit der Nadel Keime ins Gelenk gelangen. Gelenkinfektionen sind sehr selten, können aber zu schweren Komplikationen führen. Wegen des möglichen Infektionsrisikos raten medizinische Fachgesellschaften dazu, sich nur von erfahrenen Ärztinnen und Ärzten eine Spritze geben zu lassen, die auf Hygienestandards achten und zum Beispiel die Haut vor der Injektion richtig desinfizieren.

Nicht nur wegen möglicher Nebenwirkungen lohnt es sich, die Vor- und Nachteile von Gelenkspritzen abzuwägen. Kortisonspritzen werden von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Behandlungen mit Hyaluronsäure und anderen Wirkstoffen müssen aber als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) aus eigener Tasche bezahlt werden.

Was zeigen Studien zu Kortisonspritzen?

Eine unabhängige Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration hat 27 Studien zu Kortisonspritzen bei Kniearthrose ausgewertet. Das Ergebnis: Möglicherweise können sie die Arthrosebeschwerden bei gut 10 von 100 Personen für einige Wochen lindern.

Eine abschließende Aussage zur Wirksamkeit von Kortison konnte die Wissenschaftlergruppe jedoch nicht treffen, da nur eine der Studien eine ausreichend hohe Qualität hatte.

Bei allen Spritzen ins Knie besteht ein Infektionsrisiko. Bei Kortisonspritzen ist es etwas höher als bei anderen Wirkstoffen, da Kortison die Immunabwehr im Gelenk schwächt. Wiederholte Kortisonspritzen über einen längeren Zeitraum könnten zudem den Gelenkknorpel schwächen. Ob dies wirklich eine gesundheitliche Bedeutung hat, ist allerdings unklar.

Andere mögliche Nebenwirkungen sind Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle. Bei mehrfacher Anwendung kann die Haut an der Einstichstelle auch dauerhaft heller werden. In den Tagen nach der Behandlung können die Muskeln und Bänder etwas geschwächt sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie empfiehlt sie zur kurzzeitigen Behandlung von starken Knieschmerzen, wenn andere wirksame Behandlungen nicht ausreichen. Auch dann ist eine möglichst niedrige Dosierung wichtig. Der empfohlene Abstand zwischen einzelnen Kortisonspritzen beträgt zwölf Wochen.

Was zeigen Studien zu Hyaluronsäure?

Hyaluronsäure ist eine körpereigene Substanz, die in den Gelenken als „Schmiermittel“ wirkt. Da sich die im Gelenk natürlich vorkommende Hyaluronsäure bei Arthrose schneller abbaut als in einem gesunden Gelenk, hat man Hyaluronsäure-Präparate entwickelt, die den Abbau ausgleichen sollen. Manchmal werden sie als „Knorpelaufbau-Spritzen“ bezeichnet. Dies ist aber irreführend: Wissenschaftliche Belege, dass Hyaluronsäure-Präparate den Knorpel wiederaufbauen könnten, gibt es nicht.

Die Wirksamkeit von Hyaluronsäure-Spritzen wurde in vielen Studien untersucht. In den bislang aussagekräftigsten Studien wirkten sie kaum besser als Kochsalzspritzen. Allerdings gibt es viele unterschiedliche Hyaluronsäure-Präparate, die sich unter anderem in der chemischen Zusammensetzung unterscheiden. Möglicherweise wirken nur bestimmte Präparate.

Fachleute geben unterschiedliche Empfehlungen zu Hyaluronsäure: Einige raten davon ab, andere sehen darin eine Alternative vor allem für Menschen, die keine Schmerzmittel nehmen können oder bei denen eine Behandlung mit Schmerzmitteln nicht ausreicht.

Hyaluronsäure-Spritzen können vorübergehend zu Schmerzen, Rötungen und Schwellungen im Gelenk führen. Komplikationen wie Gelenkinfektionen sind wie bei allen Kniespritzen ebenfalls möglich, aber sehr selten. Weitere Informationen finden sich auf der Website www.IGeL-Monitor.de, herausgegeben vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS).

Kann eine „Eigenblutbehandlung“ helfen?

Bislang ist nicht nachgewiesen, dass eine Eigenbluttherapie Beschwerden einer Kniearthrose lindern kann. Aussagekräftige Studien stehen noch aus.

Bei Spritzen mit „Eigenblut“ werden einige Milliliter körpereigenes Blut aus einer Vene entnommen. Das Blutplasma und die Blutplättchen werden in der Arztpraxis mit einer Zentrifuge voneinander getrennt. Dieses „plättchenreiche Blutplasma“, auch ACP oder PRP abgekürzt, wird dann in das Kniegelenk gespritzt. Sogenannte Wachstumsfaktoren, die von den Blutplättchen freigesetzt werden, sollen eine Erholung des Gelenkknorpels anregen. Allerdings enthält plättchenreiches Plasma auch Substanzen, die zum Beispiel zu Entzündungen beitragen können.

Was weiß man über Spritzen mit körpereigenen Stammzellen?

Zur Behandlung mit körpereigenen Stammzellen gibt es erste Versuche. Stammzellen können sich – je nach Herkunft – zu verschiedenen Arten von Körperzellen ausbilden. So können zum Beispiel Stammzellen aus dem Fettgewebe gewonnen und im Labor vermehrt werden.

Man hofft, dass solche Zellen im Knie entzündungslindernd wirken und zu einer Neubildung von Knorpel beitragen. Aus Laborversuchen weiß man jedoch, dass nach dem Spritzen nur wenige Stammzellen überleben oder im Gelenk verbleiben.

Aussagekräftige Studien zur Wirkung einer Stammzellbehandlung zur Behandlung von Kniearthrose gibt es bislang nicht. Daher ist unklar, ob Menschen mit Kniearthrose davon profitieren können.

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