Einleitung

Foto von Paar (PantherMedia / RumisPhoto) Genitalherpes gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Dabei führt eine Infektion mit Herpes-Viren meist gar nicht zu einer Erkrankung: Bis zu 90 von 100 Menschen, die sich angesteckt haben, bekommen keine oder nur sehr unauffällige Symptome. Wer sich einmal mit Herpes-Viren angesteckt hat, trägt sie lebenslang im Körper.

Wenn es zu Beschwerden kommt, können sie schmerzhaft und auch psychisch belastend sein. Es gibt jedoch Behandlungen, die die Beschwerden lindern und einen Ausbruch verkürzen können. Wer einmal Genitalherpes hatte, hat in der Regel immer wieder damit zu tun. Die gute Nachricht ist, dass die Ausbrüche mit der Zeit schwächer und seltener werden.

Dennoch ist die Diagnose Genitalherpes für viele Menschen sehr unangenehm und wirft viele Fragen auf: Wo habe ich mich angesteckt? Wie sage ich es meinem Partner oder meiner Partnerin – und wem sollte ich überhaupt davon erzählen? Kann ich die Infektion auf mein Kind übertragen, wenn ich schwanger bin? Das sind einige der Fragen, die sich nach der Diagnose Genitalherpes stellen können.

Symptome

Bei Genitalherpes (auch: Herpes genitalis) kann sich die Haut schmerzhaft entzünden und kleine Bläschen bilden. Sie treten in Grüppchen auf, können einreißen und nässen. Beim Abheilen bilden sich oft Krusten. Die Haut kann auch jucken und brennen, Frauen haben zudem häufig Schmerzen beim Wasserlassen.

Bei Männern sind typischerweise Penis, Vorhaut und Hodensack betroffen, bei Frauen Schamlippen, Scheide und Gebärmutterhals. Die Bläschen können aber auch im Analbereich, am Po oder an der Innenseite der Oberschenkel auftreten. Bei manchen Menschen kündigt sich ein Ausbruch durch Kribbeln an den Geschlechtsteilen oder Schmerzen im Po, in den Hüften oder Beinen an.

Wenn Genitalherpes zum ersten Mal auftritt, sind die Beschwerden oft besonders stark. Zu den typischen Hauterscheinungen können dann Fieber, Kopfschmerzen, allgemeine Erschöpfung und Muskelschmerzen hinzukommen, oft auch geschwollene Lymphknoten in der Leiste. Weitere Ausbrüche verlaufen meist milder.

Wer bereits einen anderen Herpes-Erreger im Körper trägt, hat vielleicht schon eine gewisse Abwehr gegen Herpes-Viren aufgebaut. Dann sind die Symptome beim ersten Ausbruch oft schwächer als bei Menschen, die noch gar keinen Kontakt zu Herpes-Viren hatten. Dagegen können die Beschwerden heftiger sein und länger andauern, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Ursachen

Genitalherpes wird durch Herpes-simplex-Viren verursacht. Es gibt zwei verschiedene Arten:

  • Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1)
  • Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2)

Für Genitalherpes ist vor allem das Typ-2-Virus verantwortlich, während das Typ-1-Virus typischerweise Lippenherpes verursacht. Grundsätzlich können jedoch beide Virustypen sowohl zu Lippen-, als auch Genitalherpes führen. Ob man an Genital- oder Lippenherpes erkrankt, hängt also nicht nur vom Virustyp ab, sondern auch davon, wo im Körper sich die Viren befinden.

Herpes-Viren, die sich in den Nervenknoten (Ganglien) am unteren Ende der Wirbelsäule eingenistet haben, können Genitalherpes verursachen. Wenn sie sich in den Nervenknoten vermehren und entlang der Nervenstränge in die äußeren Hautschichten wandern, können sie Genitalherpes auslösen.

Herpes-Viren werden durch Hautkontakt übertragen, vor allem beim Geschlechtsverkehr, Oral- oder Analsex. Es kann auch über gemeinsam genutzte Sexspielzeuge übertragen werden. Ohne Hautkontakt überleben Herpes-Viren nicht lange. Deshalb ist es sehr unwahrscheinlich, sich zum Beispiel durch Handtücher, Bettwäsche oder Toilettendeckel anzustecken.

Risikofaktoren

Für Frauen ist das Risiko, sich bei einem männlichen Sexualpartner anzustecken, deutlich höher als für Männer, sich bei einer weiblichen Sexualpartnerin anzustecken. Fachleute gehen davon aus, dass das Virus meist durch Menschen weitergegeben wird, die gar nicht wissen, dass sie es im Körper tragen.

Wer viele wechselnde Sexualpartner oder bereits eine sexuell übertragbare Krankheit wie zum Beispiel eine HIV-Infektion hat, steckt sich leichter mit Genitalherpes an. Nicht zuletzt steigt das Risiko, wenn man sich nicht durch Kondome schützt.

Nicht bei allen Menschen, die sich mit Herpes-Viren anstecken, bricht die Erkrankung auch aus. Warum manche an Genitalherpes erkranken und andere nicht, ist nicht genau bekannt.

Mögliche Auslöser für wiederkehrende Genitalherpes-Ausbrüche sind bislang kaum erforscht. Es gibt Hinweise darauf, dass dauerhafte psychische Belastungen Ausbrüche begünstigen könnten. Als mögliche Auslöser gelten auch Sonnenlicht, Erkältungen, körperliche Anstrengung, raue oder enge Kleidung, Hautverletzungen und bei Frauen die Regelblutung.

Häufigkeit

Genitalherpes gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. In Deutschland tragen schätzungsweise 10 bis 15 von 100 Menschen HSV-2 im Körper. Ungefähr 10 bis 30 % von ihnen erkranken an Genitalherpes.

Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer: Sie stecken sich leichter an, weil ihre Schleimhäute empfindlicher sind.

Verlauf

Kommt es zu einem Genitalherpes-Ausbruch, kann die Ansteckung bereits Monate oder Jahre zurückliegen. Wenn Genitalherpes das erste Mal ausbricht, dauert es ohne Behandlung im Durchschnitt 20 Tage, bis die Entzündung abgeheilt ist. Folgeausbrüche verlaufen aber milder und heilen im Schnitt innerhalb von zehn Tagen aus. Wer einmal erkrankt ist, hat in der Regel immer wieder mit Genitalherpes zu tun.

Wie häufig ein Genitalherpes ausbricht, hängt vom Virus-Typ ab:

  • HSV-1 führt bei etwa 20 bis 50 % der Betroffenen innerhalb eines Jahres zu durchschnittlich einem weiteren Ausbruch.
  • HSV-2 führt bei 70 bis 90 % der Betroffenen innerhalb eines Jahres zu mindestens einem, im Durchschnitt aber vier weiteren Ausbrüchen.

Die Häufigkeit und Schwere der Ausbrüche nimmt mit der Zeit oft ab.

Folgen

Vor allem wenn Genitalherpes zum ersten Mal ausbricht, kann es zu Komplikationen kommen. Mögliche Folgen sind eine Infektion der Scheide mit Hefepilzen, eine Blasenstörung mit Problemen beim Wasserlassen oder selten eine Entzündung der Hirnhaut. Bei weiteren Ausbrüchen sind Komplikationen sehr selten.

Menschen mit Genitalherpes haben ein höheres Risiko, sich mit anderen Erregern von Geschlechtskrankheiten wie HIV anzustecken.

Schwangere können Herpes-Viren während der Geburt auf das Kind übertragen. Dies passiert aber selten. Wenn es kurz vor der Geburt zu einem Genitalherpes-Ausbruch kommt, wird oft ein Kaiserschnitt empfohlen, um das Ansteckungsrisiko für das Kind zu minimieren.

Sehr selten kann eine Herpes-Infektion zu größeren Hautausschlägen am Körper führen oder die Augen betreffen.

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Diagnose

Um Genitalherpes festzustellen, nimmt die Ärztin oder der Arzt einen Abstrich von einem der betroffenen Hautbereiche. Diese Probe wird dann im Labor auf Herpes-Viren untersucht. Je nach Situation kann dabei auch der Virustyp bestimmt werden.

Allein anhand von Hauterscheinungen und Beschwerden lässt sich Genitalherpes oft nicht sicher feststellen. Zum einen zeigen sich nicht immer die typischen Symptome. Zum anderen kann Genitalherpes auch zusammen mit anderen Haut- und Geschlechtskrankheiten auftreten. So können eine Infektion mit Pilzen oder Chlamydien und andere Hauterkrankungen wie Schuppenflechte zu ähnlichen Symptomen führen.

Bei Menschen ohne Symptome ist es schwieriger, eine Infektion mit Herpes-Viren festzustellen. Dann kann mit einem Test auf Herpes-Antikörper geprüft werden, ob Antikörper im Blut sind. Finden sich dort HSV-2 Antikörper, könnte es zu Genitalherpes kommen. Bei HSV-1 Antikörpern lässt sich nur schwer vorhersagen, welche Körperstelle betroffen sein wird, falls es zu Beschwerden kommt.

Die Tests können meist auch keine Auskunft darüber geben, seit wann eine Infektion besteht. Wenn man jedoch zum ersten Mal Genitalherpes hat, aber noch keine Antikörper festzustellen sind, liegt die Ansteckung sehr wahrscheinlich noch nicht lange zurück.

Vorbeugung

Da viele Menschen Herpes-Viren im Körper tragen, kann sich jeder, der sexuell aktiv ist, mit diesen Viren anstecken. Das Risiko für eine Ansteckung lässt sich jedoch deutlich verringern.

Menschen mit Genitalherpes wird empfohlen, auf Sex zu verzichten, sobald sich ein Ausbruch andeutet. Denn das Risiko, jemanden anzustecken, ist während eines Ausbruchs am größten.

Doch auch wer keine Symptome hat, kann das Virus weitergeben. In der symptomfreien Zeit können Kondome das Ansteckungsrisiko deutlich senken. Sie schützen außerdem auch vor anderen Geschlechtskrankheiten.

Wenn man Genitalherpes hat, ist es sinnvoll, mit der Partnerin oder dem Partner darüber zu reden. Wenn beide Partner einen Bluttest auf Antikörper machen, lässt sich einschätzen, wer welche Virustypen im Körper trägt – und ob ein Ansteckungsrisiko besteht. Eine Partnerin oder ein Partner mit HSV-1 kann sich zum Beispiel immer noch mit HSV-2 anstecken.

Wer Genitalherpes hat und virushemmende (antivirale) Medikamente nimmt, ist etwas weniger ansteckend. Dafür kommen Medikamente mit den Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir infrage. Dazu müssen die Mittel jedoch täglich und längerfristig eingenommen werden. Ob die Medikamente das Ansteckungsrisiko zusätzlich senken, wenn man ohnehin mit Kondomen verhütet, ist unklar.

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Behandlung

Ein erster Ausbruch von Genitalherpes kann zu starken Beschwerden und manchmal auch zu Komplikationen führen. Daher ist es bei einem Erstausbruch üblich, virushemmende Medikamente mit den Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir einzunehmen. Die Tabletten können die Beschwerden eindämmen und die Erkrankungsdauer um einige Tage verkürzen. Cremes oder Salben mit virushemmenden Wirkstoffen helfen bei Genitalherpes nicht.

Bei weiteren Ausbrüchen sind die Beschwerden in der Regel weniger stark ausgeprägt. Eine Behandlung ist dann nicht unbedingt nötig. Wenn man einen Folgeausbruch behandelt, reicht es, die Mittel kürzer einzunehmen. Wichtig ist, die Behandlung in den ersten 24 Stunden zu beginnen – am besten, sobald sich die ersten Symptome andeuten. Das ist einfacher, wenn man immer Tabletten zu Hause oder auf Reisen dabei hat.

Bei starken oder sehr häufigen Ausbrüchen kommt auch eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten infrage. Die Mittel werden dann längerfristig eingenommen – also auch in beschwerdefreien Phasen. Dies kann das Risiko für Ausbrüche deutlich senken.

Wenn Genitalherpes zu stärkeren Schmerzen führt, können Schmerzmittel helfen. Viele Frauen, die Schmerzen beim Wasserlassen haben, empfinden auch Sitzbäder als angenehm.

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Leben und Alltag

Zu wissen, dass man Genitalherpes hat, kann psychisch sehr belasten. Vielen Menschen fällt es schwer, mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner über die Erkrankung zu sprechen. Manche haben Angst, als untreu angesehen oder zurückgewiesen zu werden. Andere fragen sich, ob ihre Partnerin oder ihr Partner sie vielleicht angesteckt hat.

Es kann helfen, offen miteinander über die Krankheit zu sprechen – denn oft lässt sich gar nicht sicher sagen, wann und bei wem sich jemand angesteckt hat. Schließlich tragen sehr viele Menschen Herpes-Viren im Körper und jeder, der sexuell aktiv ist, kann sich anstecken. Das Virus kann zudem bereits Monate oder Jahre im Körper gewesen sein, wenn es zu Genitalherpes kommt.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

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