Beschwerden nach einer Thrombose (Postthrombotisches Syndrom)

Auf einen Blick

  • Nach einer tiefen Venenthrombose kann sich ein postthrombotisches Syndrom entwickeln.
  • Dazu kommt es, wenn die Thrombose eine Vene geschädigt hat und das Blut nicht mehr richtig abfließen kann. Meist ist eine Vene in den Beinen betroffen.
  • Das Bein ist geschwollen und schmerzt. Mit der Zeit kann sich die Haut am Unterschenkel verfärben und jucken.
  • Bewegung, Wadenmuskel-Training, Beine hochlegen, Hautpflege und Kompressionstherapie können die Beschwerden lindern.

Einleitung

Foto von Frau auf Parkbank, die sich den Unterschenkel hält

Bei einer tiefen Venenthrombose hat ein Blutgerinnsel eine Vene verstopft, sodass sich das Blut im betroffenen Bein oder Arm staut. Das kann zu Schmerzen und Schwellungen führen. Bei manchen Menschen bleiben die Beschwerden trotz Behandlung bestehen – oder sie kommen nach einigen Wochen oder Monaten wieder. Dann hat sich ein sogenanntes postthrombotisches Syndrom (PTS) entwickelt.

Ein PTS entsteht meist am Bein, weil Thrombosen dort deutlich häufiger sind als am Arm. Bei einem PTS kann das betroffene Bein anschwellen und schmerzen. Schreitet das postthrombotische Syndrom fort, sind juckende Hautausschläge möglich, manchmal auch Geschwüre. Die Beschwerden können den Alltag einschränken und sehr belastend sein. Wenn zum Beispiel Hautjucken den Schlaf stört, ist man tagsüber müde und abgeschlagen. Manchen Menschen sind die sichtbaren Hautveränderungen auch sehr unangenehm.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die Beschwerden zu lindern. Dazu gehören mehr Bewegung und eine gute Hautpflege, aber auch Kompressionsstrümpfe und bei starken Beschwerden ein operativer Eingriff.

Symptome

Ein postthrombotisches Syndrom kann zu einzelnen, eher leichten Beschwerden führen, aber auch zu vielen oder ausgeprägten Symptomen. Sie betreffen meist nur ein Bein. Die Beschwerden ähneln oft denen einer Thrombose.

Typische Anzeichen eines PTS sind:

  • Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme), die zu Schwellungen an Knöchel oder Unterschenkel führen
  • Schweregefühl und Schmerzen im Bein, vor allem im Unterschenkel
  • Hautausschläge und -verfärbungen

Schmerzen und Schwellungen nehmen durch langes Stehen oder Sitzen oft zu. Durch die Schwellungen kann die Haut am Unterschenkel spannen. Andere mögliche Beschwerden sind Kribbeln, Juckreiz, Taubheitsgefühle, Muskelkrämpfe und Krampfadern.

Mit der Zeit kann es zu Hautausschlägen und -verfärbungen kommen: Entzündungen und Rötungen sind möglich. Bei manchen Menschen trocknet die Haut aus und schuppt, bei anderen nässt sie und bildet Schorf. Später entstehen manchmal schmerzempfindliche, braun-rötliche Verhärtungen. Die Haut kann auch vernarben und dann heller werden. Auf dunkler Haut sieht man Verfärbungen manchmal nicht so deutlich. Verletzungen heilen nicht mehr so gut. Manchmal bildet sich daraus ein oder eine chronische Wunde.

Ursachen

Zum postthrombotischen kommt es, wenn eine tiefe Venenthrombose die Venen beschädigt hat.

Im Inneren der Venen befinden sich sogenannte Venenklappen. Sie sorgen dafür, dass das Blut nur in Richtung des Herzens fließt und nicht nach unten in die Beine zurückläuft. Eine tiefe Venenthrombose kann diese Klappen und die Gefäßwände jedoch beschädigen. Dadurch staut sich das Blut im Bein und der Druck in den Venen erhöht sich. Sie weiten sich und die Venenklappen können nicht mehr richtig schließen. Zudem setzt der Körper Abwehrzellen und Stoffe frei, die die Venenwände und -klappen angreifen und zu einem postthrombotischen Syndrom beitragen können.

Da alle Venen miteinander verbunden sind, geraten auch die umliegenden Gefäße unter Druck. Dadurch kann mit der Zeit Flüssigkeit aus den kleinsten Gefäßen (Kapillaren) ins Gewebe gepresst werden, wo sie sich ansammelt. Das Gewebe wird dann nicht mehr so gut mit sauerstoffreichem Blut versorgt. In der Folge heilen Verletzungen schlechter und es können sich offene Stellen oder Geschwüre bilden. Außerdem kommt es zu Entzündungen, die die Venen weiter schädigen und das umliegende Gewebe verändern. So entstehen die typischen Hauterscheinungen.

Die vereinfachte anatomische Grafik zeigt, wie der Blutrückfluss bei einer gesunden (links) und einer geschwächten Vene funktioniert.

Risikofaktoren

Das Risiko für ein postthrombotisches Syndrom ist in den folgenden Situationen erhöht:

  • nach einer Thrombose im Bereich der Kniekehlen, des Oberschenkels oder besonders des Beckens
  • bei wiederkehrenden Thrombosen
  • wenn eine Thrombose nicht ausreichend mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt wurde

Zusätzliche Risikofaktoren sind zum Beispiel:

Häufigkeit und Verlauf

Nach etwa 3 bis 6 Monaten ist eine tiefe Venenthrombose normalerweise überstanden. Sind dann immer noch Symptome vorhanden, stammen sie wahrscheinlich von einem postthrombotischen Syndrom.

Wie viele Menschen nach einer tiefen Venenthrombose ein postthrombotisches Syndrom entwickeln, ist nicht genau bekannt. In Studien waren etwa 20 bis 50 von 100 Menschen betroffen.

Ob sich ein PTS entwickelt und wie es verläuft, lässt sich nicht genau vorhersagen. Schwere Verläufe mit einer offenen Wunde sind eher selten: Bei etwa 5 von 100 Personen mit PTS bildet sich eine offene Wunde am Unterschenkel.

Folgen

Eine mögliche Folge des hohen Venendrucks sind Geschwüre. Sie können infolge kleiner Verletzungen entstehen, etwa durch einen Stoß an der Bettkante oder einen Schnitt bei der Gartenarbeit. Geschwüre treten meist an den Innenseiten des Knöchels oder am Schienbein auf und nässen häufig. Fachleute bezeichnen sie als „ venosum“. Die Schäden reichen dann bis in tiefe Schichten der Haut.

Das kann zu einer offenen Wunde führen oder chronisch werden. Gelangen Bakterien in eine offene Wunde, kann sie sich entzünden.

Diagnose

Anfangs lassen sich die Symptome einer Thrombose und eines postthrombotischen Syndroms nicht sicher unterscheiden. Wenn 3 bis 6 Monate nach einer tiefen Venenthrombose typische PTS-Symptome auftreten, ist diese aber sehr wahrscheinlich. Ärztinnen und Ärzte erkennen es dann meist an den typischen Beschwerden. Aufwendige Untersuchungen sind zur normalerweise nicht nötig.

Spezielle Ultraschalluntersuchungen können die Gefäße und den Blutfluss in den Gefäßen sichtbar machen („Doppler-“ oder „Duplex-Ultraschall“). Dies hilft, zu erkennen, ob die Venenklappen beschädigt wurden oder ob sich die Thrombose aufgelöst hat.

Ultraschalluntersuchungen der Gefäße machen vor allem spezialisierte Fachärztinnen und -ärzte für innere Medizin, und Chirurgie. Sie verfügen über eine Zusatzausbildung in den Bereichen Gefäßheilkunde (Angiologie), Venenerkrankungen (Phlebologie) oder Gefäßchirurgie.

In besonderen Situationen können auch weitere bildgebende Untersuchungen wie eine sinnvoll sein – zum Beispiel bei Verdacht auf eine Thrombose der Beckenvenen.

Vorbeugung

Um einem postthrombotischen Syndrom vorzubeugen, ist bei einer tiefen Venenthrombose die richtige Behandlung wichtig. Dazu gehört in der Regel, für 3 bis 6 Monate gerinnungshemmende Medikamente („Blutverdünner“) zu nehmen. Bei bestimmten Risikofaktoren wie einer Krebserkrankung empfehlen Ärztinnen und Ärzte auch eine längere Einnahme.

Die Gerinnungshemmer helfen nicht nur, die akute Thrombose zu behandeln. Sie senken auch das Risiko für eine erneute Thrombose. Dieses Risiko ist vor allem in den ersten Monaten nach einer Thrombose erhöht.

Meist werden Medikamente aus der Gruppe der eingesetzt. Das sind Gerinnungshemmer, die in Tablettenform eingenommen werden. Als Nebenwirkung können sie jedoch Blutungen auslösen, zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt. Bei einigen dieser Medikamente ist es nötig, regelmäßig die Gerinnungswerte zu kontrollieren und gut einzustellen. Dies gilt für sogenannte Vitamin-K-Antagonisten wie „Marcumar“ oder „Falithrom“.

Manchmal empfehlen Ärztinnen und Ärzte, nach einer tiefen Venenthrombose für bis zu zwei Jahre medizinische Kompressionsstrümpfe zu tragen, um einem PTS vorzubeugen. Ob dies hilft, ist umstritten: Bisherige Studien zeigen keine klaren Ergebnisse.

Behandlung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden eines PTS zu lindern:

  • Bewegung: In Bewegung übt die Wadenmuskulatur Druck und Zug auf die Venen aus. Das hilft dabei, das Blut aus den Beinen zu transportieren. Geeignet sind zum Beispiel , Wandern, Fahrradfahren und spezielle Kräftigungsübungen für die Wadenmuskulatur.
  • Langes Stehen und Sitzen möglichst vermeiden: Dabei staut sich das Blut in den Beinen, was die Beschwerden verstärken kann – beim Sitzen besonders dann, wenn man die Beine überkreuzt. Wenn man länger steht, bietet es sich an, etwas umherzulaufen oder zwischendurch auf den Fußballen auf und ab zu wippen. Im Sitzen zwischendurch die Füße zu bewegen und zum Beispiel kreisen zu lassen, unterstützt den Blutfluss. Wenn möglich, kann man zwischendurch die Beine hochlegen, um den Blutabfluss aus den Venen zu unterstützen.
  • Hautpflege: Eine gute Hautpflege mit rückfettenden und feuchtigkeitsbindenden Produkten kann Juckreiz und Spannungsgefühl lindern. Außerdem lässt sich damit die Haut vor dem Austrocknen bewahren. Bei der Auswahl des Präparates kann man sich in der Apotheke oder Arztpraxis beraten lassen.
  • Risikofaktoren verringern: zum Beispiel bei starkem Übergewicht etwas abnehmen oder mit dem Rauchen aufhören.
  • Kompressionstherapie: Bei der Kompressionstherapie wird durch Druck auf die Beinvenen der Blutfluss verbessert. Dies wird beispielsweise erreicht, indem man die Beine mit Kompressionsbinden umwickelt oder medizinische Kompressionsstrümpfe trägt. Seltener werden Kompressionsapparate eingesetzt, die durch das wechselnde Aufblasen von Luftkissen Druck auf das Bein erzeugen.

Die Wirksamkeit dieser Behandlungen ist nicht gut erforscht. Es lässt sich noch nicht sagen, ob, wann und wie gut sie bei einem postthrombotischen Syndrom helfen.

Zur Behandlung werden auch verschiedene pflanzliche Arzneimittel angeboten. Fachleute empfehlen sie jedoch nicht zur Behandlung eines postthrombotischen Syndroms. Denn die Wirkung dieser Mittel ist nicht belegt und Nebenwirkungen sind schlecht erforscht.

Gefäßeingriffe

Bei starken Beschwerden oder bestimmten Begleiterkrankungen können Eingriffe infrage kommen:

  • Manchmal ist eine Vene im Beckenbereich stark verengt oder verschlossen (May-Thurner-Syndrom). Dann kann über einen eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt werden, um den Blutfluss zu verbessern.
  • Verstärken Krampfadern die Beschwerden eines postthrombotischen Syndroms, können sie entfernt oder verödet werden.

Auch undichte Venenklappen lassen sich operieren. Insgesamt ist bei einem postthrombotischen Syndrom aber nur selten eine Operation notwendig. Zudem sind die Vor- und Nachteile verschiedener Operationstechniken noch nicht gut untersucht.

Ein ausgeprägtes postthrombotisches Syndrom mit Geschwüren kann schwer zu behandeln sein. Dann ist es sinnvoll, Fachleute aus innerer Medizin, , Gefäßmedizin und Wundversorgung einzubinden. Eine solche umfassende Versorgung bieten in Deutschland zum Beispiel spezielle Gefäßzentren an.

Weitere Informationen

Die hausärztliche Praxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Praxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorbereiten.

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Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Aktualisiert am 27. Mai 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

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