Wirkung und Handhabung von medizinischen Kompressionsstrümpfen

Foto von Frau mit Kompressionsstrümpfen
PantherMedia / GBALLGIGGSPHOTO

Bei der Behandlung eines postthrombotischen Syndroms gelten medizinische Kompressionsstrümpfe als wichtiger Teil. Sie sind meist gut verträglich. Allerdings kann das Anlegen und Tragen anfangs ungewohnt sein. In der Regel reicht es, Kompressionsstrümpfe am betroffenen Bein zu tragen.

Damit sich das Blut nicht in den Beinvenen staut, ist es sinnvoll, sich regelmäßig zu bewegen und die Wadenmuskulatur zu trainieren. Die Beine immer wieder mal hochzulegen, entlastet die Venen und mildert die Beschwerden eines postthrombotischen Syndroms (PTS).

Ein wichtiger Teil der medizinischen Behandlung eines PTS ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Die richtige Anwendung und Pflege ist wichtig, um Scheuerstellen an der Haut und ein Einreißen der Strümpfe zu vermeiden.

Wichtig ist: Frei verkäufliche Kompressionsstrümpfe und -socken, wie sie zum Beispiel als Sportartikel verkauft werden, erfüllen nicht die Anforderungen an medizinische Kompressionsstrümpfe. Sie eignen sich daher nicht zur medizinischen Behandlung von Venenerkrankungen wie dem postthrombotischen Syndrom.

Können Kompressionsstrümpfe helfen?

Kompressionsstrümpfe üben Druck auf die Venen aus und unterstützen dadurch den Bluttransport aus den Beinen zurück zum Herzen. Dies soll Beschwerden lindern und vor Komplikationen wie chronischen Wunden schützen.

Es gibt bislang kaum Studien zur Wirksamkeit von Kompressionsstrümpfen bei einem postthrombotischen Syndrom. Aus anderen Studien weiß man jedoch, dass sie bei einer chronischen helfen können und die Heilung von Geschwüren aufgrund von unterstützen. Deshalb gehen Fachleute davon aus, dass sie auch PTS-Beschwerden lindern können.

Haben Kompressionsstrümpfe Nebenwirkungen?

Kompressionsstrümpfe können unangenehm zu tragen sein und die Haut austrocknen. Bei wärmeren Temperaturen schwitzt man schnell darunter, und manchmal lösen sie Juckreiz aus. Juckreiz ist oft eine Folge trockener Haut und kann mit rückfettenden Pflegemitteln gelindert werden. Gelegentlich kommt es zu Scheuerstellen, dann können sich Blasen, Ausschläge oder andere Hautverletzungen entwickeln. Ernsthafte Nebenwirkungen sind aber sehr selten.

Nicht jeder kommt gut mit den Strümpfen zurecht. Sie anzuziehen, erfordert etwas Übung. Sie sollen eng sitzen. Rutschen sie immer wieder nach unten, sind sie dagegen zu weit und wirken nicht.

Wann sind Kompressionsstrümpfe ungeeignet?

Bei bestimmten Begleiterkrankungen können Kompressionsstrümpfe die Beschwerden verstärken und manchmal sogar zu ernsthaften Komplikationen führen wie bleibenden Hautschäden.

Wer andere Erkrankungen hat, sollte Kompressionsstrümpfe nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt tragen. Kompressionsstrümpfe können zum Beispiel ungeeignet sein bei:

  • Durchblutungsstörungen der Beine (, kurz )
  • Erkrankungen, die zu Nervenschäden oder Taubheitsgefühlen in den Beinen führen, wie zum Beispiel ein fortgeschrittener Diabetes oder ein diabetisches Fußsyndrom
  • akuten bakteriellen Infektionen der tiefen Hautschichten wie Wundrose
  • ausgeprägter Herzschwäche

Auch nässende Hautentzündungen oder -ausschläge, Empfindungsstörungen oder eine Arthritis können gegen den Einsatz von Kompressionsstrümpfen sprechen.

Welche Arten von Kompressionsstrümpfen gibt es?

Bei Kompressionsstrümpfen kommt es auf die richtige Größe, Stärke und Art an. Die Strümpfe müssen eng und passgenau sitzen. Wenn sie zu weit sind, üben sie nicht genug Druck auf das Bein aus. Sind sie zu eng, können sie einschnüren.

Es gibt zudem verschiedene Kompressionsklassen, Längen und Befestigungsmöglichkeiten. Bei manchen Strümpfen sind die Fußteile offen, bei anderen geschlossen. Einige haben Nähte, andere sind nahtlos.

Die richtige Größe der Kompressionsstrümpfe wird im Sanitätshaus bestimmt – in der Regel morgens, wenn das Bein noch nicht angeschwollen ist.

Die Druckstärke von Kompressionsstrümpfen wird in der Einheit „Millimeter Quecksilbersäule“ (mmHg) gemessen. Je höher der Wert beziehungsweise die Kompressionsklasse, desto stärker der Druck. Es werden 4 Kompressionsklassen (KKL) unterschieden.

  • KKL 1: 18 bis 21 mmHg
  • KKL 2: 23 bis 32 mmHg
  • KKL 3: 34 bis 46 mmHg
  • KKL 4: über 49 mmHg

Ein wird in der Regel mit Strümpfen aus der Kompressionsklasse 2 behandelt, bei Bedarf auch der Klasse 3. Kniehohe Strümpfe reichen normalerweise aus.

Wenn eine Ärztin oder ein Arzt die Strümpfe verordnet, übernehmen die Krankenkassen die Kosten – in der Regel für 2 bis 4 Paar pro Jahr.

Wie zieht man die Strümpfe richtig an?

Normalerweise reicht es, den Kompressionsstrumpf am betroffenen Bein zu tragen. Er wird morgens angezogen, wenn das Bein am wenigsten geschwollen ist. Es erfordert etwas Übung, den Strumpf richtig anzulegen. Am besten geht man so vor:

  • Auf einen Stuhl mit einer stabilen Lehne setzen, der guten Halt gibt.
  • Den oberen Teil des Strumpfs, der später den Unterschenkel bedeckt, auf links drehen.
  • Beide Hände in das Fußteil stecken und den Strumpf auseinanderziehen.
  • Mit den Zehen in das Fußteil schlüpfen und den Strumpf zunächst über den Fuß ziehen, dann über die Ferse und schließlich über den Knöchel. Prüfen, ob der Strumpf bis hierhin richtig sitzt, gut anliegt und keine Falten bildet.
  • Nun den Rest des Strumpfes nach und nach über den Unterschenkel streifen, indem man ihn wieder auf rechts wendet und sich langsam hocharbeitet.

Der Strumpf sollte am Ende faltenfrei anliegen. Nähte sollten gerade am Bein hochlaufen.

Folgende Tipps können das Anziehen erleichtern und helfen, die Strümpfe dabei nicht zu beschädigen:

  • Darauf achten, dass die Haut trocken ist: Strumpf nicht direkt nach dem Duschen anziehen. Nach dem Auftragen von Pflegeprodukten warten, bis sie eingezogen sind.
  • Vor dem Anziehen Ringe oder Armbänder ablegen.
  • Gummihandschuhe anziehen: Damit lässt sich der Strumpfstoff leichter greifen, außerdem beugen sie Rissen vor. Sie können zum Beispiel entstehen, wenn man mit einem Fingernagel an einer Masche hängen bleibt.

Bei Fragen zum richtigen Umgang mit Kompressionsstrümpfen kann man sich zum Beispiel im Sanitätshaus beraten lassen. Für Menschen, die sich nicht so gut nach vorn lehnen können oder nicht ausreichend Kraft in den Fingern haben, gibt es zudem An- und Ausziehhilfen. Solche Hilfsmittel kann die Ärztin oder der Arzt verordnen, wenn sie aus medizinischen Gründen nötig sind. Auch Pflegedienste können mit dem An- und Ausziehen der Kompressionsstrümpfe beauftragt werden.

Wie pflegt und wäscht man die Strümpfe?

Eine gute Pflege der Kompressionsstrümpfe sorgt außer für Hygiene auch für eine längere Haltbarkeit. Es wird empfohlen, die Strümpfe möglichst nach jeder Verwendung zu waschen.

Man kann die Strümpfe abends per Hand mit etwas Waschmittel oder Haarshampoo waschen und über Nacht zum Trocknen aufhängen. Viele Kompressionsstrümpfe können auch in der Waschmaschine gewaschen werden. In den Trockner dürfen sie aber nicht, weil die heiße Luft die elastischen Fasern zerstört. Schädlich wäre auch die Verwendung von Weichspülern, optischen Aufhellmitteln oder Fleckenmitteln.

Manche Materialien sollten nicht direkt mit Hautpflegeprodukten in Kontakt kommen. Denn diese können das Strumpfgewebe angreifen und die Haltbarkeit verringern. Details findet man in der Pflegeanleitung.

Bei guter Pflege halten Kompressionsstrümpfe etwa sechs Monate. Danach sollten sie ersetzt werden, weil der Stoff mit der Zeit nachgibt und die Kompressionswirkung schwächer wird.

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Erstellt am 07. April 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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