Was kann ich selbst tun, um Beschwerden zu lindern?

Foto von Paar beim Radfahren
PantherMedia / Andriy Popov

Bewegung und Übungen für die Wadenmuskulatur unterstützen den Abfluss des gestauten Blutes aus den Beinvenen. Auch regelmäßige Entlastung durch Hochlegen der Beine ist sinnvoll. Eine gute Hautpflege kann Juckreiz lindern und schützt die Haut.

Bei etwa 20 bis 50 % aller Menschen entwickelt sich nach einer tiefen Venenthrombose ein (PTS). Die Beschwerden lassen sich anfangs nicht immer von den akuten Beschwerden einer Thrombose unterscheiden. Daher lässt sich erst nach einigen Monaten sicher feststellen, ob es sich um ein handelt.

PTS-Beschwerden können relativ gleich bleiben, aber auch mal stärker, mal schwächer ausgeprägt sein. Ärztlicher Rat ist wichtig, wenn starke Beschwerden auftreten oder neue Symptome hinzukommen, die nicht nach etwa einem Tag wieder nachlassen.

Verschiedene Behandlungen können die Beschwerden lindern – und man kann auch selbst viel tun. Sinnvoll ist eine gute Mischung aus Bewegung, Kräftigung und Entlastung des betroffenen Beins. Eine gute Hautpflege hilft gegen Juckreiz und schützt vor Hautrissen.

Wie kann man die Wadenmuskulatur trainieren?

Bei jeder Bewegung der Beine übt die Wadenmuskulatur abwechselnd Druck und Zug auf die Venen aus. Das unterstützt den Rückfluss des Blutes aus dem Bein zurück zum Herzen. Sich regelmäßig zu bewegen und die Wadenmuskeln gezielt zu trainieren, kann diese natürliche „Muskelpumpe“ unterstützen.

In einer Studie wurde untersucht, ob Menschen mit PTS ihre Beschwerden durch regelmäßige Bewegung lindern können. Es zeigten sich Hinweise, dass ein gezieltes Trainingsprogramm die Beschwerden lindern und die Muskulatur kräftigen kann. Das Training umfasste:

  • 60 bis 120 Minuten moderaten Ausdauersport pro Woche
  • alle zwei Tage Kräftigungsübungen für die Unter- und Oberschenkelmuskulatur
  • tägliche Dehnübungen

Der Ausdauersport wurde frei gewählt – zum Beispiel an drei Tagen in der Woche 30 Minuten walken oder joggen.

Wer mit einem Ausdauersport beginnt und nicht gleich 30 Minuten schafft, kann mit 15 Minuten anfangen und sich langsam steigern, oder zunächst abwechselnd gehen und laufen. Auch Radfahren oder zum Beispiel Steppaerobic sind geeignet.

Ärztinnen und Ärzte können zur Behandlung von PTS-Beschwerden auch eine mit Übungen verordnen. Dabei ist das Ziel, ein eigenes Übungsprogramm zu erlernen.

Kräftigungsübung für die Wadenmuskulatur: Wadenheben

Beim Wadenheben stellt man sich gerade hin, die Füße hüftbreit auseinander. Die Zehenspitzen zeigen nach vorne oder leicht nach außen.

  • Fersen beider Beine vom Boden abheben und das Körpergewicht auf die Fußballen verlagern.
  • Anschließend die Fersen langsam wieder absenken.
  • 3 Sätze mit je 10 Wiederholungen, nach jedem Satz eine Minute Pause.

Es ist sinnvoll, sich bei dieser Übung an einem stabilen Stuhl, Tisch oder Geländer festzuhalten, falls man das Gleichgewicht verliert. Die Kraft beim Hochdrücken sollte aber immer aus den Waden kommen.

Um die Übung etwas anspruchsvoller zu machen, kann man jeweils einen Fuß vom Boden nehmen und das Körpergewicht mit nur einem Bein nach oben drücken. Auch die Zahl der Wiederholungen pro Satz kann erhöht werden. Die Übung darf sich anstrengend anfühlen, aber nicht schmerzen.

Grafik: Wadenheben zur Stärkung der Wadenmuskulatur

Wadenheben zur Stärkung der Wadenmuskulatur

Kräftigungsübung für die Oberschenkelmuskulatur: Kniebeugen an der Wand

Zu dieser Übung lehnt man sich mit dem Rücken flach und gerade an eine glatte Wand oder Tür. Dabei stehen die hüftweit auseinander gehaltenen Füße etwa einen halben Meter vor der Wand auf dem Boden. Die Kniescheiben und Füße sollten parallel und nach vorne gerichtet sein.

  • Arme verschränken und mit dem Oberkörper langsam an der Wand auf und ab gleiten.
  • Das Ziel ist, den Oberkörper soweit abzusenken, bis Ober- und Unterschenkel einen rechten Winkel bilden. Wenn das noch nicht gelingt, den Oberkörper so weit absenken, wie es kontrolliert und sicher möglich ist.
  • 3 Sätze mit je 10 Wiederholungen, nach jedem Satz eine Minute Pause.

Wer zu Anfang nicht so viele Sätze oder Wiederholungen schafft, macht weniger Wiederholungen oder senkt sich bei den Kniebeugen nicht so tief ab. Fortgeschrittene können die Zahl der Wiederholungen pro Satz erhöhen.

Bei der Übung ist es wichtig, dass die Füße guten Halt haben.

Grafik: Kniebeugen an der Wand zur Stärkung der Oberschenkelmuskulatur

Kniebeugen an der Wand zur Stärkung der Oberschenkelmuskulatur

Wie kann man die Venen entlasten?

Langes Stehen vermeidet man am besten soweit wie möglich, weil sich das Blut dabei in den Beinen stauen kann. Beim Sitzen kann man die Beinvenen entlasten, wenn man die Beine hochlegt. Ungünstig ist es dagegen, die Beine im Sitzen zu überkreuzen.

Bei starken Beschwerden oder nach langem Stehen kann es auch angenehm sein, sich mit dem Rücken flach auf den Boden zu legen und die gestreckten Beine an einer Wand hochzulegen. Dazu lehnt man die Füße so an die Wand, dass der Winkel zwischen Beinen und Boden etwa 45 bis 60 Grad beträgt.

Warum ist eine gute Hautpflege wichtig?

Trockene Haut reißt leicht ein und kann jucken. Wenn man sich dann kratzt, kann das zu kleinen Verletzungen führen. Risse und Verletzungen bieten Keimen eine Eintrittspforte. Daher ist es sinnvoll, die Haut gut zu pflegen und bei Bedarf einzucremen.

Zur Pflege trockener Haut eignen sich rückfettende oder feuchtigkeitsbindende Cremes, Gele, Lotionen oder Salben. Spezielle (und oft teure) Produkte sind normalerweise nicht nötig. Wer auf bestimmte Stoffe allergisch reagiert, schaut am besten in die Liste der Inhaltsstoffe. Mögliche Kontaktallergene können zum Beispiel Duftstoffe, Tenside (Natriumlaurylsulfat) oder antibakterielle Inhaltsstoffe sein.

Um Hautverletzungen vorzubeugen, sollte man möglichst vermeiden, sich zu kratzen. Zudem kann es sinnvoll sein, sich die Fingernägel kurz zu schneiden. Wenn man sich dann doch versehentlich kratzt, ist das Verletzungsrisiko geringer.

Kahn SR, Shrier I, Shapiro S et al. Six-month exercise training program to treat post-thrombotic syndrome: a randomized controlled two-centre trial. CMAJ 2011; 183(1): 37-44.

Makedonov I, Kahn SR, Galanaud JP. Prevention and Management of the Post-Thrombotic Syndrome. J Clin Med 2020; 9(4): 923.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Seite kommentieren

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise zu Beratungsangeboten finden Sie hier.

Erstellt am 07. April 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

So halten wir Sie auf dem Laufenden

Folgen Sie uns auf Twitter oder abonnieren Sie unseren Newsletter oder Newsfeed. Auf YouTube finden Sie unsere wachsende Videosammlung.