Einleitung

Foto von junger Patientin und Hautärztin bei der Untersuchung (PantherMedia / imagepointfr) Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung. Sie macht sich vor allem durch rötliche, schuppende Hautveränderungen bemerkbar, die jucken können.

Die chronische Erkrankung verläuft typischerweise in Schüben mit mal stärkeren, mal nur leichten oder gar keinen Hautproblemen. Es gibt verschiedene Behandlungen, die die Beschwerden lindern können. Heilbar ist eine Schuppenflechte bislang aber nicht.

Eine Psoriasis kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Für manche Menschen ist die Erkrankung in erster Linie lästig, sie kommen aber ganz gut damit zurecht. Andere fühlen sich in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt. Denn die Behandlung und Hautpflege können viel Zeit erfordern. Außerdem ist für viele Menschen die auffällige, gerötete und schuppige Haut auch psychisch sehr belastend – vor allem wenn die Veränderungen an sichtbaren Körperstellen auftreten.

Manchmal betrifft die Entzündung, die der Psoriasis zugrunde liegt, neben der Haut auch andere Teile des Körpers, wie zum Beispiel die Gelenke oder die Nägel.

Symptome

Psoriasis vulgaris

Es gibt verschiedene Arten von Psoriasis. Die häufigste ist die Psoriasis vulgaris. Dabei rötet sich die Haut und bildet silbrig glänzende, leicht erhabene Veränderungen, die klar begrenzt sind und stark schuppen. Diese Hauterhebungen werden medizinisch Plaque genannt. Man spricht daher von einer Plaque-Psoriasis. Oft treten die Plaques auf beiden Seiten des Körpers symmetrisch auf, wie zum Beispiel am linken und am rechten Knie. Häufig juckt die erkrankte Haut auch. Durch das Kratzen ist die Haut oft gereizt und es kann zu Verletzungen kommen.

Die Größe der Plaques ist sehr unterschiedlich: Sie können zwischen einem und über zehn Zentimetern Durchmesser haben. Bei manchen Menschen bilden sich nur wenige Plaques an einzelnen Körperstellen, zum Beispiel nur an der Kopfhaut. Bei anderen Menschen treten sie vermehrt an einem oder an verschiedenen Körperbereichen auf.

An den Händen und Füßen kann die Haut auch sehr trocken werden und einreißen. Dies kann sehr schmerzhaft sein –  vor allem wenn sich die rissige Haut bei Bewegungen dehnt, mit hautreizenden Stoffen wie Fruchtsäure in Kontakt kommt oder wenn man sich stößt.

Eine Psoriasis vulgaris kann grundsätzlich an allen Körperstellen auftreten. Oft sind Kopf, Ellbogen, Knie und Rücken betroffen. Auch hinter den Ohren, an Händen, Füßen oder am Bauchnabel bilden sich häufig Plaques.

Eher selten tritt Psoriasis in Hautfalten auf, zum Beispiel in der Leisten- oder Gesäßfalte, unter den Achseln, in der Genitalregion oder bei Frauen unter und zwischen den Brüsten. Man spricht dann von Psoriasis intertriginosa oder Psoriasis inversa. Bei dieser Form von Psoriasis zeigen sich häufig keine Schuppen, da die Haut an diesen Stellen eher feucht ist und wegen der ständigen Reibung kaum Plaques entstehen.

 

Grafik: Typische von Psoriasis vulgaris (rot) oder intertriginosa (rosa) betroffene Hautstellen - wie im Text beschriebenTypische von Psoriasis vulgaris (rot) oder intertriginosa (rosa) betroffene Hautstellen

 

Weitere Psoriasis-Formen

Bei manchen Menschen mit Psoriasis vulgaris verändern sich auch die Nägel. Eine Nagelpsoriasis äußert sich durch kleine Dellen im Nagel (Tüpfelnagel), eine Verdickung des Nagels oder gelblich-braune Verfärbungen (Ölnagel). Außerdem kann sich der Nagel ablösen.

Eine weitere Form ist die sogenannte Psoriasis pustulosa. Dabei bildet die Haut zusätzlich Bläschen (Pusteln), die mit Eiter gefüllt sind. Diese Pusteln sind aber nicht ansteckend. Eine Psoriasis pustulosa kann zusammen mit einer Psoriasis vulgaris oder allein auftreten.

Eine eher seltene Form der Schuppenflechte ist die Psoriasis guttata. Sie äußert sich wie ein akuter, großflächiger Hautausschlag mit punktförmigen Papeln und kommt vor allem bei Kindern und Jugendlichen vor. Meist tritt sie ein bis zwei Wochen nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien auf (Streptokokken). Eine Psoriasis guttata kann nach einigen Wochen oder Monaten vollständig ausheilen, aber auch wiederkehren oder in eine Psoriasis vulgaris übergehen.

Ursachen

Bei einer Psoriasis vulgaris schuppt sich die Haut, weil die hornbildenden Hautzellen (Keratinozyten) sich übermäßig vermehren. Keratinozyten kommen in der obersten Hautschicht vor und bilden die schützende Oberhaut. Sie teilen sich und werden über verschiedene Entwicklungsstufen normalerweise innerhalb von vier Wochen als tote Hautzellen abgestoßen. Bei Menschen mit Psoriasis durchlaufen die Keratinozyten diese Entwicklung deutlich schneller, teilweise sogar in nur vier Tagen. Dies führt dazu, dass die toten Hautzellen nicht so schnell abgestoßen werden können, wie sie gebildet werden. Dadurch wird die Haut an den betroffenen Stellen dicker und schuppt viel stärker als normal.

 

Grafik: Vermehrung und Abstoßung der Keratinozyten bei Psoriasis - wie im Text beschriebenVermehrung und Abstoßung der Keratinozyten bei Psoriasis

 

Dass sich die Hautzellen bei Menschen mit Psoriasis so schnell vermehren, hängt mit einer Autoimmunreaktion zusammen. Dabei spielen verschiedene Entzündungsprozesse eine entscheidende Rolle. Wegen der Entzündung und stärkeren Durchblutung ist die Haut oft gerötet.

Inzwischen hat man eine ganze Reihe von Genen entdeckt, die mit Psoriasis im Zusammenhang stehen. Die Ursachen der Erkrankung sind aber noch nicht abschließend geklärt.

Risikofaktoren

Psoriasis ist vor allem genetisch bedingt. Der größte Risikofaktor ist daher eine familiäre Veranlagung. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind an Psoriasis erkrankt, liegt bei etwa 15 %, wenn ein Elternteil betroffen ist und bei etwa 40 %, wenn beide Elternteile betroffen sind. Einen zuverlässigen Test, der vorhersagen kann, ob jemand Psoriasis entwickelt, gibt es aber nicht. Vorbeugen lässt sich der Erkrankung nach aktuellem Wissen nicht.

Häufigkeit

Psoriasis ist eine relativ häufige Erkrankung: Schätzungsweise 2 % der Bevölkerung sind davon betroffen – bezogen auf Deutschland also über 1,5 Millionen Menschen. Etwa 80 % haben eine Psoriasis vulgaris. Männer und Frauen erkranken ähnlich häufig.

Oft tritt Psoriasis vor dem 40. Geburtstag auf, und dann häufig im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Sie kann aber auch schon bei jüngeren Kindern beginnen. Entwickelt sie sich später, dann meist erst zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr.

Manchmal wird Psoriasis nach dem Alter des ersten Auftretens unterteilt: Psoriasis Typ 1 beginnt vor dem 40. Lebensjahr, Typ 2 erst später zwischen 50 und 70 Jahren.

Verlauf

Wie eine Psoriasis verläuft, lässt sich nicht vorhersagen. Die Erkrankung tritt häufig in Schüben auf: Phasen ausgeprägter Symptome wechseln sich mit Phasen ab, in denen die Erkrankung kaum Probleme macht. Die meisten Menschen mit Psoriasis erleben irgendwann eine Zeit, in der die Beschwerden besonders stark und belastend sind. Genauso gibt es aber auch Zeiten ohne oder mit nur leichten Hautproblemen. Manche Menschen haben allerdings eine dauerhaft stark ausgeprägte Psoriasis.

Psoriasis-Schübe können durch bestimmte Reize ausgelöst werden, etwa durch Sonnenbrand, zu heißes Duschen, bestimmte Chemikalien oder kleine Hautverletzungen, durch Kratzen, Tätowierungen oder Piercings.

Auch psychischer Stress, Infektionen sowie Nikotin oder zu viel Alkohol können einen Psoriasis-Schub anstoßen. Für manche Medikamente wie zum Beispiel bestimmte Malaria-Mittel wird dies ebenfalls vermutet.

Folgen

Psoriasis ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung, die außer der Haut auch andere Bereiche des Körpers betreffen kann. Es wird geschätzt, dass bei ungefähr 20 % aller Menschen mit Psoriasis auch die Gelenke entzündet sind. Man spricht dann von einer Psoriasis Arthritis. Bei Verdacht auf eine Psoriasis Arthritis ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen. Je früher eine Gelenkentzündung erkannt wird, desto besser ist sie behandelbar und umso eher lassen sich Gelenkschäden vermeiden.

Seltener führt eine Psoriasis auch zu einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung.

Viele Menschen mit Psoriasis haben zudem mit Depressionen zu tun. Denn die Erkrankung kann psychisch sehr belastend sein und einsam machen.

Aus Studien weiß man außerdem, dass Menschen mit Psoriasis häufiger mit Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun haben. Hierfür werden verschiedene Gründe vermutet. Beispielsweise sind Menschen mit Psoriasis häufiger übergewichtig und haben einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30. Aber auch die Entzündungsprozesse im Körper selbst können möglicherweise Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen begünstigen.

Normalerweise ist eine Schuppenflechte ungefährlich. Sehr selten verursacht sie aber lebensbedrohliche Komplikationen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. So kann sich die Psoriasis auf den gesamten Körper ausweiten und dann zu einer Blutvergiftung und Herzproblemen führen. Man spricht dann von einer erythrodermen Psoriasis (erythroderm, griech. = rote Haut). Anzeichen hierfür sind Fieber, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost und angeschwollene Lymphknoten.

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Diagnose

Hautärztinnen und Hautärzte erkennen eine Schuppenflechte in der Regel an den typischen Hautveränderungen. Bei unklarem Befund entnehmen und untersuchen sie manchmal eine kleine Hautprobe. Dies kann zum Beispiel bei Psoriasis intertriginosa sinnvoll sein: Sie tritt nur in den Hautfalten auf, bildet meist keine Schuppen und wird daher manchmal mit einer Pilzinfektion verwechselt. Durch eine Hautprobe lässt sich dies ausschließen.

Nagelpsoriasis wird manchmal mit einer Pilzinfektion der Nägel verwechselt. Die beiden Erkrankungen können aber auch zusammen auftreten. Ob ein Nagel mit Pilzen befallen ist, kann durch die Untersuchung einer Nagelprobe festgestellt werden.

Bei der Untersuchung wird auch der Schweregrad der Psoriasis eingeschätzt. Von einer schweren Psoriasis spricht man häufig, wenn

  • mehr als 10 % der Körperoberfläche betroffen ist oder
  • der Kopf, die Hände, die Füße oder empfindliche Körperstellen wie die Geschlechtsteile betroffen sind oder
  • die Lebensqualität eines Menschen stark beeinträchtigt ist.

Zur Beurteilung des Schweregrads gibt es bisher keine einheitliche Definition. Gebräuchlich ist der sogenannte PASI (Abkürzung für „Psoriasis Area and Severity Index“), der vier Faktoren betrachtet:

  • das Ausmaß der Rötung
  • die Stärke der Schuppung
  • die Dicke der Plaques
  • die Größe der betroffenen Hautfläche

Daraus wird nach einer bestimmten Formel eine Zahl berechnet, die als Maß für die Schwere der Psoriasis dient. Bei einem PASI von 0 liegt keine Psoriasis vor, ab einem PASI von 10 spricht man von mittelschwerer bis schwerer Psoriasis. Der PASI wird vor allem in wissenschaftlichen Studien ermittelt, um zu beurteilen, ob eine Behandlung wirksam ist.

Behandlung

Zur Behandlung einer Schuppenflechte gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Basistherapie (Hautpflege): die Pflege der veränderten Hautstellen mit rückfettenden Salben, Cremes oder Lotionen. Sie sollen die Haut geschmeidig halten, sie vor Verletzungen schützen und Juckreiz lindern. Manche Produkte enthalten auch Wirkstoffe, die gegen die Hautschuppung helfen sollen, wie Harnstoff (Urea) oder Salicylsäure.
  • äußerliche Behandlung (topische Therapie): Üblicherweise werden zur äußerlichen Behandlung Produkte mit Kortison oder sogenannten Vitamin-D3-Analoga angewendet. Es gibt sie unter anderem als Cremes, Salben, Lotionen oder Schaum.
  • Lichttherapie: Dabei werden die Plaques mit ultraviolettem Licht (UV-Licht) bestrahlt. Das UV-Licht hemmt die Entzündung in der Haut und verlangsamt die Zellteilung. Manchmal werden dabei Medikamente eingesetzt, die die Haut lichtempfindlicher machen (Psoralene). Eine Lichttherapie eignet sich vor allem für Menschen, die eine mittelschwere oder schwere Psoriasis haben und bei denen eine äußerliche Behandlung allein nicht ausreicht.
  • Medikamente zum Einnehmen oder Spritzen: Sie kommen bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis infrage. Die Medikamente hemmen die Abwehrreaktionen des Immunsystems. Häufig eingesetzte Mittel sind Methotrexat (MTX), Fumarsäureester, Apremilast und sogenannte Biologika.

Die Basistherapie zur Pflege der Haut wird bei Psoriasis immer empfohlen – auch in Phasen ohne Hautprobleme.

Zur Behandlung von Psoriasis werden zudem viele pflanzliche Arzneimittel angeboten, wie zum Beispiel Extrakte aus der gewöhnlichen Mahonie (Mahonia aquifolium), Birkenrinde oder Aloe vera. Die Wirksamkeit von pflanzlichen Mitteln ist aber nicht gut in Studien untersucht. Man weiß daher nicht, ob sie helfen können.

Einzelne Studien weisen darauf hin, dass Menschen mit Psoriasis und starkem Übergewicht ihre Haut verbessern können, wenn sie ein paar Kilo abnehmen.

Manchmal wird behauptet, dass sich Psoriasis-Beschwerden durch eine Mandelentfernung lindern lassen. Dies ist aber nicht gut untersucht. Da eine Mandelentfernung Komplikationen haben kann wie zum Beispiel Infektionen, Blutungen und Stimmveränderungen, wird diese Behandlung normalerweise nicht empfohlen. Es gibt auch keine Studien, die zeigen, dass sich Psoriasis durch eine Mandelentfernung heilen oder vorbeugen lässt.

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Leben und Alltag

Psoriasis ist eine sehr belastende Erkrankung. Es kann eine große Herausforderung sein, die aufwendige Hautpflege und die vielen Behandlungen mit den Alltagsverpflichtungen, dem Beruf, der Familie und Freizeit zu vereinbaren. Oft ist der Juckreiz auch nachts so stark, dass es zu Schlafproblemen kommt und man tagsüber häufig müde und erschöpft ist.

Obwohl die Erkrankung weit verbreitet ist, erleben Menschen mit Schuppenflechte zudem immer wieder, dass sie gemieden werden – zum Beispiel, weil andere die Hautkrankheit irrtümlich für ansteckend halten. Alltägliche Dinge wie der Besuch beim Friseur können sehr belastend sein.

Ängste vor den Reaktionen anderer beeinträchtigen die Lebensqualität und führen bei manchen dazu, sich zurückzuziehen. Viele Menschen mit Psoriasis empfinden den Austausch mit anderen Betroffenen als hilfreich. In Selbsthilfegruppen zum Beispiel ist es möglich, sich über Gefühle, Erfahrungen und praktische Probleme auszutauschen, die Menschen ohne Psoriasis oft nur schwer nachvollziehen können.

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Weitere Informationen

Für Menschen mit Psoriasis gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

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